In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird nicht nur der Dominikanergelehrte und mystisch-philosophische Autor mittelhochdeutscher und mittellateinischer Literatur, nämlich Meister Eckhart und sein Werk beleuchtet, sondern auch die abendländische Tradition näher betrachtet. Gott ist für Meister Eckhart das Sein. Wie diese Hinwendung zur passiven Erfahrung und diese antiintellektuelle Richtung Eckharts Denken bestimmt und was in seinem Johanneskommentar steht, sind Aspekte die hier zur Sprache kommen. Die wesentliche Frage in diesem Kapitel zu Beginn wird lauten: Was ist Mystik. Welche Typen von Mystik gibt es. Meister Eckhart wird zum gnostischen Typ der Mystik gerechnet. Ein Hinausgehen über den abendländischen Kontext wird allerdings auch gewagt, so wird Meister Eckhart gleich zu Beginn mit Averroes verglichen, weil hier die Ähnlichkeiten überwiegend sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Eckhart und Averroes
Eckhart und Avicenna
Abendländische Tradition der Mystikforschung
Grundlegendes: Definitionen der Mystik– Typen
Einbettung in die aktuelle Mystologie
Resümee:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk des Dominikanergelehrten Meister Eckhart im Kontext der abendländischen Mystiktradition und setzt sich kritisch mit dessen philosophischen Einflüssen durch arabische Denker wie Averroes und Avicenna auseinander, um Eckharts Position innerhalb der Mystologie neu zu bewerten.
- Vergleich von Meister Eckharts Metaphysik mit den Lehren von Averroes und Avicenna
- Analyse der Begriffe Erkenntnis-Mystik und Empfindungsmystik
- Diskussion über die Einordnung von Meister Eckhart als Philosoph gegenüber der rein mystischen Deutung
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Intellekt, Sein und Offenbarungswahrheit
- Kritische Reflexion der "Frauenmystik" als wissenschaftliche Kategorie
Auszug aus dem Buch
Eckhart und Averroes
Eckhart (um 1260- 1328) habe Ähnlichkeiten mit den arabischsprachigen Traktaten des Averroes (1126-1198), Gott, Geist sowie Offenbarungswahrheit verstand der spätere Dominikanergelehrte anders als der frühere Gelehrte.
Eckharts Werk liegt „auf der Linie von Alberts Gottessohnschaft des Intellekts nach Homer, Hermes und Averroes, die Dietrich [von Freiberg] im Anschluß an Averroes und an die Theorie des menschlichen Geistes in Augustins De Trinitate formal ausgearbeitet hatte.“ (zit. n. Flasch, K.: Meister Eckhart. Die Geburt der „Deutschen Mystik“ aus dem Geist der arabischen Philosophie. München 2006. S. 112-138. Hier: S. 112).
Was den Intellekt betrifft, so gehe dieser aus seinem ihm immanenten Grund hervor.
Bei Dietrich von Freiberg finden sich genau dieselben Lehren:
- Geistiges Erkennen vor dem Sein
- Seinslosigkeit des Akzidens
- Beschränkung der Effizienz- und Finalkausalität auf die Physik und ihr Ausschluss aus der Metaphysik
- eine merkwürdige Theorie der Zeit und der Relation, die Grabmann als deren Subjektivierung missverstanden habe
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik um Meister Eckhart, sein Verständnis von Gott als Sein und die Zielsetzung der Arbeit, Mystik sowie deren Typen zu definieren.
Eckhart und Averroes: Untersuchung der Ähnlichkeiten zwischen Eckhart und Averroes, insbesondere bezüglich der Theorie des Intellekts und der Identität von Erkennendem und Erkanntem.
Eckhart und Avicenna: Vergleich der Metaphysik und Seelentheorie zwischen Eckhart und Avicenna unter Berücksichtigung der neoplatonischen Einflüsse und der Lehre vom notwendigen Sein.
Abendländische Tradition der Mystikforschung: Detaillierte Darstellung verschiedener Definitionen von Mystik und Abgrenzung von Typen wie Erkenntnis-Mystik und Empfindungsmystik.
Grundlegendes: Definitionen der Mystik– Typen: Systematische Aufarbeitung von Begriffsbestimmungen der Mystik aus der Fachliteratur und Einordnung der verschiedenen mystischen Strömungen.
Einbettung in die aktuelle Mystologie: Kontextualisierung der mittelalterlichen Mystik unter Einbeziehung zeitgenössischer Forschungsdebatten und Kritik an historischen Kategorien wie der „Frauenmystik“.
Resümee:: Zusammenfassende Einschätzung, dass Eckhart primär als Philosoph zu betrachten ist, dessen Denken die passive Erfahrung in den Mittelpunkt rückt.
Schlüsselwörter
Meister Eckhart, Mystik, Averroes, Avicenna, Metaphysik, Erkenntnis-Mystik, Empfindungsmystik, Seelenlehre, Philosophie des Mittelalters, Deutsche Mystik, Unio mystica, Gottesbegriff, Intellekt, Ontologie, Theologia negativa.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Werk des Dominikaners Meister Eckhart, wobei dessen philosophische Wurzeln im Kontext der mittelalterlichen Philosophie sowie sein Bezug zur Mystik beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Metaphysik Eckharts, den Einfluss arabischer Philosophen wie Averroes und Avicenna sowie die typologische Bestimmung mystischer Strömungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Meister Eckhart nicht nur als Mystiker, sondern vor allem als Philosophen zu erfassen und die Ähnlichkeiten seines Denkens mit arabischen Denkern kritisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse der Primär- und Sekundärliteratur, um Eckharts Lehren in den Kontext der abendländischen Tradition und interkultureller philosophischer Einflüsse einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Schnittstellen zwischen Eckhart, Averroes und Avicenna sowie einer umfassenden terminologischen Differenzierung der Mystikforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erkenntnis-Mystik, Metaphysik, Deus est esse, Intellekt und der Vergleich zwischen westlicher und östlicher mystischer Tradition.
Warum wird Eckhart in dieser Arbeit als Philosoph und nicht primär als Mystiker gesehen?
Auf Basis der Interpretation von Kurt Flasch argumentiert die Verfasserin, dass Eckharts lateinische Werke eher einen philosophischen als einen rein mystischen Charakter tragen.
Welche Rolle spielt die Kritik an der "Frauenmystik" im Text?
Die Autorin hinterfragt den Begriff der "Frauenmystik" als wissenschaftliche Kategorie, da er die komplexen intellektuellen und exegetischen Leistungen der betroffenen Autorinnen zu stark auf ein "affektives Moment" reduziert.
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- Natalie Raffetzeder (Author), 2013, Meister Eckhart. Die abendländische Tradition der Mystologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/270208