„Bisher gibt es nur wenig Auseinandersetzung mit dem Lobbyismus auf wissenschaftlicher Ebene“, (Bülow 2010: 156) stellt Bülow fest.. Im Rahmen der Verzahnung von Politik und Wirtschaft stellen sich viele Fragen zu den Auswirkungen dieser auf die politische Entscheidungsfindung. Gerade die organisierte Interessenvertretung mittels Lobbyarbeit steht nicht selten in der Kritik in unserem demokratischen Staat, wird als Bedrohung empfunden (vgl. Leif/Speth 2006) oder ein Ungleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Interessengruppen kritisiert (vgl. Bülow 2010: 157). Wie negativ und groß der Einfluss auf die jeweiligen Teilbereiche in der Politik ist, ist auch heute noch ein größerer blinder Fleck auf dem Gebiet der der Politik- und Kommunikationswissenschaft. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden, um was es sich bei Lobbying genau handelt, ob es wirklich nur einen so negativen Einfluss auf die Politik hat. Gegenstand der Arbeit ist demnach die Lobbyarbeit bezogen auf die Möglichkeiten der Interaktion in politischen Netzwerken. Auf folgende konkrete Forschungsfrage soll am Ende eine Antwort gegeben werden: Was bedeutet Lobbying in Deutschland, bezogen auf die Entscheidungsfindung und was bedeutet sie konkret an den aktuellen Beispielen in der Luftfahrt- und Automobilindustrie? In dieser theoretischen Arbeit sollen die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Lobbyisten durch eine Literaturrecherche untersucht werden. Hierbei wird der Relevanzbereich der Lobbyarbeit auf Deutschland eingegrenzt. Zunächst werden Begriffe wie Public Relations, Public Affairs und Lobbyismus geklärt und verschiedene Ansätze dazu dargelegt. Anschließend wird sich mit den Spezifika des Lobbyings in Deutschland auseinandergesetzt. Daraufhin wird das breite Spektrum der verschiedenen Möglichkeiten der Lobbyisten grob umrissen. Zur Veranschaulichung folgen anschließend Beispiele der Lobbyarbeit in der Luftfahrt- und Automobilbranche. Daraufhin werden die öffentlichen und geheimen Praktiken im Lobbyismus gegenübergestellt. Im Abschluss werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beziehung zwischen Public Relations, Public Affairs und Lobbyismus
2.1. Public Relations
2.2. Public Affairs
2.3. Lobbyismus
3. Lobbyismus in Deutschland
4. Methoden des Lobbyismus
5. Einflussnahme des Lobbyismus auf die Politik
6. Lobbyismusbeispiel Luftfahrt- und Automobilindustrie
7. Geheime oder öffentliche Lobbyarbeit
8. Zusammenfassung und Ausblick
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen des Lobbyings in Deutschland, dessen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse sowie die konkrete Ausprägung in den Sektoren Luftfahrt und Automobilindustrie. Ziel ist es, die Rolle von Lobbyisten als legitime Akteure im demokratischen Prozess von negativen Assoziationen wie Korruption abzugrenzen und die Notwendigkeit von Transparenz zu erörtern.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung von PR, Public Affairs und Lobbyismus.
- Analyse der Methoden und Interaktionsformen zwischen Lobbyisten und politischen Entscheidungsträgern.
- Untersuchung der Einflussnahme in der Luftfahrt- und Automobilbranche anhand aktueller Beispiele.
- Gegenüberstellung von öffentlichen und geheimen Lobbying-Praktiken.
- Diskussion über Forderungen nach mehr Transparenz, Karenzzeiten und ethischen Standards in der Politikberatung.
Auszug aus dem Buch
3. Lobbyismus in Deutschland
Im Bereich der Lobbyarbeit sind vor Allem für den Bereich der EU verschiedene wissenschaftliche Arbeiten erschienen (z. B. Fischer 2005; Michalowitz 2007; Coen/ Richardson 2009; Schendelen 2007; Wehrmann 2007). Studien zum deutschen Lobbyismus gab es bis Ende der 90er-Jahre dagegen seltener (vgl. Wehrmann 2007: 36). Da Mitglieder von Interessengruppen häufig über Fachwissen in ihrem Bereich verfügen, dienen sie den politischen Instanzen auch als externer Vermittler von Informationen zum Beispiel in wirtschaftlichen Spezialgebieten. Das Hinzuziehen dieses Sachverstandes in Form von Kommunikations- oder Strategieberatung kann später auch für eine höhere Akzeptanz der Entscheidungen in der Öffentlichkeit sorgen und helfen, Entscheidungen aus Sicht der Bürger verbessern.
Die Gewerkschaften beispielsweise sind Experten in Tarifpolitik oder betrieblichen Belangen und verstehen sich als Vertreter der Arbeitnehmerinteressen. Momentan sind in der „Ständig aktualisierten Fassung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern“ 2132 (Stand 20.09.1013) Lobbyverbände registriert (vgl. Deutscher Bundestag 2013). Inzwischen gibt es auch Agenturen, sogenannte professionelle Dienstleister in Sachen Strategieentwurf und Schaffung eines positiven Außenbildes bei der Unternehmens- bzw. Verbandsumwelt. Bei Lobbys handelt es sich demnach um Interessengemeinschaften also, die vorrangig versuchen, ihre meist wirtschaftlichen Interessen mithilfe der Politik durchzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die wissenschaftliche Lücke in der Lobbyismus-Forschung und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung von Lobbying in Deutschland am Beispiel der Luftfahrt- und Automobilbranche.
2. Beziehung zwischen Public Relations, Public Affairs und Lobbyismus: Dieses Kapitel definiert und differenziert die Begriffe Public Relations, Public Affairs und Lobbyismus anhand verschiedener wissenschaftlicher Ansätze.
3. Lobbyismus in Deutschland: Es wird der Forschungsstand zum deutschen Lobbyismus aufgearbeitet und die Rolle der Verbände als Informationsvermittler sowie die Legitimationsgrundlage durch das Grundgesetz beleuchtet.
4. Methoden des Lobbyismus: Hier werden die Instrumente der Einflussnahme, unterteilt in direktes und indirektes Lobbying, sowie die Sektoren-Einteilung (weiß, grau, schwarz) dargelegt.
5. Einflussnahme des Lobbyismus auf die Politik: Dieses Kapitel diskutiert die Machtposition von Interessenvertretern und die Frage, ob Lobbyisten die Politik maßgeblich steuern oder gar konkurrenzieren.
6. Lobbyismusbeispiel Luftfahrt- und Automobilindustrie: Anhand konkreter Fallbeispiele (Flughafen Frankfurt/Fraport und BMW-Abstimmungen) wird der praktische Einfluss des Lobbyings auf politische Entscheidungen analysiert.
7. Geheime oder öffentliche Lobbyarbeit: Der Fokus liegt hier auf der Rolle der Medien, der Forderung nach mehr Transparenz durch NGOs wie LobbyControl und den Herausforderungen der Korruptionsbekämpfung.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer Studien sowie klarerer gesetzlicher Rahmenbedingungen für mehr Transparenz.
9. Literaturverzeichnis: Dies ist das abschließende Verzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Lobbyismus, Public Affairs, Public Relations, Interessenvertretung, Deutschland, politische Entscheidungsfindung, Luftfahrtindustrie, Automobilindustrie, Transparenz, Korruption, Demokratie, Lobbyisten, Politikberatung, Interessengruppen, Einflussnahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich mit der komplexen Thematik des Lobbyismus in Deutschland auseinander und untersucht dessen Stellenwert sowie die Mechanismen der Einflussnahme auf politische Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die begriffliche Abgrenzung von Lobbying, PR und Public Affairs, die angewandten Methoden der Interessenvertreter sowie die kritische Betrachtung der Transparenz in der politischen Willensbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, was Lobbying in Deutschland konkret bedeutet und wie es sich anhand aktueller Beispiele in der Luftfahrt- und Automobilbranche manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Literaturrecherche und der Analyse von Fallbeispielen sowie aktuellen Berichten aus der Branche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse der deutschen Lobby-Struktur, die Vorstellung verschiedener Lobbying-Methoden und eine detaillierte Betrachtung konkreter Einflussnahmen in Industriezweigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Begriffe wie Lobbyismus, Interessenvertretung, politische Entscheidungsfindung, Transparenz und Demokratie fassen den Kern der Arbeit am treffendsten zusammen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen legalem und illegalem Lobbying?
Die Autorin nutzt die Einteilung in einen weißen, grauen und schwarzen Sektor, wobei letzterer strafrechtlich relevante Vorgehensweisen wie Bestechung umfasst, während der weiße Sektor legale Methoden wie Pressemitteilungen beinhaltet.
Warum spielt die Luftfahrt- und Automobilindustrie eine besondere Rolle in dieser Arbeit?
Diese Branchen dienen als Fallbeispiele, um aufzuzeigen, wie wirtschaftliche Interessen durch Lobbyarbeit auf EU-Ebene und nationaler Ebene politisch durchgesetzt werden, oft unter dem Vorwand der Arbeitsplatzsicherung.
Welche Rolle spielt die Transparenzdebatte für das Fazit der Autorin?
Die Autorin plädiert für eine erhöhte Transparenz, wie sie unter anderem von Organisationen wie LobbyControl gefordert wird, um informelle Einflussnahme zu begrenzen und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Christin Richter (Autor:in), 2013, Lobbyarbeit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269711