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Die Gestaltung der Gawan - Figur im siebten Buch von Wolframs >Parzival<

Titel: Die Gestaltung der Gawan - Figur im siebten Buch von Wolframs >Parzival<

Bachelorarbeit , 2010 , 35 Seiten , Note: 1,6

Autor:in: Alexa Hof (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Um 1200 entstand im deutschsprachigen Raum der Parzival Wolframs von Eschenbach. Sieben Bücher wählen nicht Parzival als Hauptfigur, sodnern den Artusritter Gawan. Diese Anlage für zwei Haupthelden liegt schon bei der altfranzösischen Vorlage bei Chretien de Troyes vor, wird aber von Wolfram ausgearbeitet. Die Figuren erreichen bei ihm eine Detailliertheit, deren Gestaltung einer näheren Betrachtung unterzogen werden soll.
Gegenstand dieser Arbeit soll nun die Gestaltung der Gawan-Figur im siebten Buch des >Parzival< sein. In dieser ersten Gawan-Partie wird erstmals der zweite Hauptheld in den Vordergrund gestellt und der Titelheld Parzival verschwindet nahezu aus der Handlung.
Gawan ist deswegen eine höchst interessante Figur, da er zwar als erster Ritter der Tafelrunde gezeigt wird, sich von Anschuldigungen konfrontiert sieht, die sowohl seine ritterliche Ehre als auch sein allgemeines Verhalten als Ritter betreffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Gawan-Darstellungen, in denen er negativer dargestellt wird, nimmt er hier am Artushof eine Sonderposition ein. Wolfram verkehrt gerade dies nahezu ins Gegenteil: aus dem Frauenheld und mindestens kritikwürdigen Gawan wird der erste Ritter der Tafelrunde.
Schon ab seinem ersten aktiven Auftritt in der Blutstropfenszene im sechsten Buch, in der er zwar noch nicht als Hauptfigur erscheint, dennoch allerdings entschieden in die Szenerie eingreift, verhält er sich anders als die üblichen Artusritter. Im Laufe des siebten Buches ist es auffällig, wie anders sich Gawan im Vergleich mit anderen Artusrittern und auch zu seinem altfranzösischen Vorgänger Gauvain verhält. Wie diese Verhaltensänderungen aussehen und wie Wolfram seine Gawan-Figur gestaltet hat, wird Gegenstand der Analyse sein. Dazu werden Gawans Handlungen, Gedankengänge und Unterhaltungen ab der Blutstropfenszene untersucht. Die Schwerpunkte liegen zum einen in den Unterschieden zur Vorlage Chretiens als auch auf der Wirkung der Gawan-Figur im siebten Buch. Ebenfalls Schwerpunkt wird das Verhältnis von Gawans selbstzugesagter wîsheit sein und seiner Einstellung zum strîten. Dieses Verhältnis in insoweit interessant, als dass es sich fundamental vom Standard der Artusritter, wie Keie oder Segramors, unterscheidet. Wo andere Ritter den Kampf suchen, versucht Gawan ihn zu vermeiden.
Es werden Sekundärliteratur von Sieverding, Bumke und anderen hinzugezogen, um diese vielschichtige Figur angemessen darzustellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Einführung der Figur – Die Blutstropfenszene und die Anklage durch Kingrimursel

2.1 Gauvain und Gawan – zwei Einführungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten

2.2 strît und wîsheit: Gawans Selbstaussage

III. Das siebte Buch – Der Kampf um Bearosche

3.1 Gedanken und Entscheidungen: Wie Gawan denkt und Entscheidungen trifft

3.2 Perspektiven und Dialoge: Informationen über Gawan durch Gespräche

3.2.1 Erzählperspektive – Erzählerkommentare zu Gawan

3.2.2 Der Dialog mit dem Knappen – Gespräche als Mittel zur Informationsbeschaffung

3.2.3 Der Dialog der Schwestern – Wie Gawan wirkt

3.2.4 Die Reaktion auf Obies erste Anschuldigung – Gawans Zorn

3.2.5 Scherules erkennt Gawan als Ritter – Äußerlichkeiten als Hinweis auf den Status Gawans

3.3 Kampfmotivation – warum Gawan doch am Kampf teilnimmt

3.3.1 Gawan und Obilot – Der Dienst für die kleine Minnedame als Anlass zum Kampf

3.3.2 Der Rollentausch Obilots und Gawans als Gawans Möglichkeit zum Kampf

3.4 Friedensstiftung: Gespräch statt Kampf

3.5 Gauvain in Tintaguel – Ein Vergleich

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gestaltung der Figur Gawan im siebten Buch von Wolframs "Parzival", wobei der Fokus auf der Analyse seines Verhaltens, seiner Entscheidungsprozesse und seiner Kommunikation im Vergleich zur literarischen Vorlage von Chretien de Troyes liegt.

  • Die Entwicklung Gawans als reflektierter und planender Gegenentwurf zum klassischen Artusritter.
  • Die Analyse von Gawans Kampfmotivation und seinem bewussten Umgang mit ritterlichen Normen.
  • Die Untersuchung der narrativen Perspektiven und der Bedeutung von Dialogen für die Charakterisierung Gawans.
  • Der Vergleich zwischen Wolframs Gawan-Konzeption und dem Gauvain bei Chretien de Troyes.
  • Die Bedeutung von Friedensstiftung und diplomatischer Gesprächsführung als zentrale Gawan-Qualitäten.

Auszug aus dem Buch

2.2 strît und wîsheit: Gawans Selbstaussage

Der strît, der Kampf, spielt im höfischen Kontext eine unabdingbar wichtige Rolle. Durch gewonnene Kämpfe erlangt der Ritter prîs und ere, nicht nur für sich, sondern auch für den Hof seines Herrn. Allerdings versucht Gawan immer dem Kampf, wenn er nur durch Ehrgewinn motiviert ist, aus dem Weg zu gehen bzw. diesen zu vermeiden. Dieses Verhalten eines Ritters – vor allem einen mit dem Ruf Gawans – ist doch eher seltsam. Erstmals zeigt sich dies in der Blutstropfenszene und ist ein immer wiederkehrendes Motiv. So ist es denn von höchstem Interesse gerade in Bezug auf die Gestaltung der Gawan-Figur, auf deren Verhältnis zum strît einzugehen.

Ebenso wichtig ist der Begriff der wîsheit. Klugheit, Verstand, Erfahrung – so können mögliche Übersetzungen lauten. Scheuer meint zu diesem Begriff: „Denn wîsheit […] zielt vor allem auf die Frage nach der intensivierten Wahrnehmungsweise der Sinne und nach dem Umgang mit den so zustande kommenden inneren Bildern [ab].“ Was bedeutet dies nun in Bezug auf Gawan und seine Selbstaussage bzw. sein Handeln? Bis jetzt folgendes: Schaut man sich Gawans Wahrnehmung in der Blutstropfenszene erneut an, so stellt man fest, dass er die Geschehnisse ganz anders wahrnimmt als z.B. Keie oder Segramors. Die beiden sehen den gewappneten unbekannten Ritter, der weder auf ihr Ankommen, noch ihre Ansprache reagiert. Daraufhin greifen sie an. Gawans Interpretation geht allerdings viel weiter. Er sieht den unbekannten Ritter, beobachtet sein Verhalten und folgt seinem Blick. Gawan erkennt die Versunkenheit in das Bild der drei Tropfen und diese Erkenntnis lässt ihn inne halten und nicht zum Kampf ansetzen, was ihm ohne Waffen auch nicht gut bekommen wäre. Der in sich versunkene Parzival erweckt in Gawan die Erinnerung an eine ähnliche Begebenheit, die er selbst erlebte. Diese Verbindung herzustellen zwischen äußerem Eindruck und eigener Erinnerung bezeichnet das, worauf Scheuer hinauswill: durch die intensivierte Wahrnehmungsweise und die so zustande kommenden Bilder entsteht – als Konsequenz – reflektiertes und überlegtes Handeln. Das ist wîsheit.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung Gawans als zweiten Haupthelden in Wolframs "Parzival" heraus und definiert das Ziel der Arbeit, seine Figurengestaltung im siebten Buch zu untersuchen.

II. Einführung der Figur – Die Blutstropfenszene und die Anklage durch Kingrimursel: Dieses Kapitel analysiert Gawans ersten aktiven Auftritt in der Blutstropfenszene und zeigt sein von Klugheit und Zurückhaltung geprägtes Ritterbild im Kontrast zu anderen Artusrittern.

III. Das siebte Buch – Der Kampf um Bearosche: Der Hauptteil untersucht detailliert Gawans Handlungen in Bearosche, wobei Dialoge, Kampfmotivationen und seine Rolle als Friedensstifter im Zentrum stehen.

IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gawan ein idealisiertes Ritterbild verkörpert, das Kampf durch Diplomatie und reflektiertes Handeln ergänzt, um Harmonie in gesellschaftliche Systeme zu bringen.

Schlüsselwörter

Gawan, Parzival, Wolfram von Eschenbach, Rittertum, Bearosche, strît, wîsheit, Obilot, Minne, Friedensstiftung, Figurengestaltung, Artusritter, Erzählperspektive, Chretien de Troyes, literarischer Vergleich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit widmet sich der detaillierten Analyse der Figur Gawan im siebten Buch von Wolframs "Parzival" und untersucht, wie Wolfram sein Bild des Artusritters gegenüber anderen Darstellungen profiliert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen Gawans Verhalten in Konfliktsituationen, seine spezifische Kampfmotivation, die Bedeutung seiner Kommunikation sowie der Vergleich seiner Darstellung mit der Vorlage von Chretien de Troyes.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolfram Gawan als einen "weisen" Ritter gestaltet, der Probleme primär durch Verstand und diplomatisches Geschick anstatt durch ungefilterte Kampfeslust löst.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, bei der Gawan-relevante Szenen und Dialoge im siebten Buch interpretiert und mit Sekundärliteratur sowie der Chretien-Vorlage abgeglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert Gawans Gedankenwelten, seine Dialoge mit Nebenfiguren wie dem Knappen oder Obilot sowie seine Rolle als Friedensstifter in der Episode um Bearosche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Gawan, Rittertum, strît (Kampf), wîsheit (Klugheit) und Friedensstiftung.

Warum entscheidet sich Gawan im siebten Buch dazu, für die kleine Obilot zu kämpfen?

Gawan kämpft für Obilot, weil er sich den Werten von Minne und dem Schutz von Frauen verpflichtet fühlt und dies als moralisch begründeten Anlass für sein Handeln sieht, um die gesellschaftliche Ordnung wiederherzustellen.

Welche Funktion hat die Anonymität von Gawan in der Episode um Bearosche?

Die Anonymität fungiert für Gawan als Schutzschild, der es ihm ermöglicht, Beobachtungen anzustellen und Konflikte zu steuern, ohne durch seinen eigenen Ruhm oder externe Erwartungen sofort in Kampfhandlungen verwickelt zu werden.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Gestaltung der Gawan - Figur im siebten Buch von Wolframs >Parzival<
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistische Mediävistik)
Note
1,6
Autor
Alexa Hof (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V269622
ISBN (Buch)
9783656616269
ISBN (eBook)
9783656616344
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gawan; wolfram von Eschenbach; Parzival; Obilot; Obie; 7. Buch; erste Partie; strît; wîsheit; Gespräch; Chretien de Troyes;
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexa Hof (Autor:in), 2010, Die Gestaltung der Gawan - Figur im siebten Buch von Wolframs >Parzival<, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269622
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  35  Seiten
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