„Herrschaft im Alltag ist primär Verwaltung“.1 So hat es der Soziologe Max Weber formuliert. Was aber, wenn sich der Alltag ändert? Wenn ursprüngliche Idealvorstellungen nicht mehr dem gesellschaftlichem Bild entsprechen und das Leitbild der klassischen Verwaltung immer mehr an Kritik stößt? Diese Fragen spiegeln das aktuelle Forschungsinteresse im Bereich der Verwaltungswissenschaft wider, dem sich auch diese Arbeit widmet. Nach der modernen Institutionentheorie ändern sich Organisationen nur, weil sie sich legitimieren müssen.2 Als die Krise3 der deutschen Verwaltung sich Anfang der 90er Jahre immer mehr zuspitzte, erreichte der internationale Diskurs über Verwaltungsreformen auch Deutschland und verbreitete sich unter dem von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt)4 propagierten Titel „Neues Steuerungsmodell“ (NSM) zunächst in den Kommunen (1993), bald darauf auch in den Ländern (1995) und der Bundesverwaltung (1999). Der deutsche Staatsaufbau ist durch zwei zentrale Mechanismen gekennzeichnet. Neben der in Art. 20 Grundgesetz verankerten horizontalen Gewaltenteilung zwischen Legislative, Judikative und Exekutive, manifestiert sich das Föderalismusprinzip in der vertikalen Gewaltenteilung zwischen Bund und Ländern. Man differenziert daher im deutschen Verwaltungsaufbau zwischen den Ebenen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung.
Im Zentrum dieser Arbeit steht der Beitrag des NSM zum Modernisierungsstand der deutschen Verwaltungen auf allen drei Ebenen. Unter dem Titel: Das Neue Steuerungsmodell - Ist die Verwaltungsmodernisierung in Deutschland mit dem neuen Steuerungsmodell geglückt? wird die Arbeit wie folgt aufgebaut sein: Um die Motive für die Reformbewegung Anfang der 90er Jahre zu verstehen, werden im ersten Teil die Merkmale der klassischen Steuerung der Bürokratie vorgestellt und die sich daraus ergebenden Defizite beleuchtet. Im zweiten Teil der Arbeit werden Konzept und Instrumente des Neuen Steuerungsmodells allgemein dargestellt. Im Hintergrund des deutschen Verwaltungsföderalismus ist es im dritten Teil angebracht, die Modernisierungsbemühungen der politischen Ebenen im Sinne des NSM genauer zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Mit den aus der Implementation des NSM gefolgerten Schlüssen wird schließlich versucht, im Fazit die zentrale Fragestellung zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kritik an der klassischen Steuerung der Bürokratie und die Reformdebatte
3. Der deutsche Lösungsansatz: Das Neue Steuerungsmodell
3.1. Von der Input- zur Outputorientierung
3.2. Dezentrale Ressourcenverantwortung und Budgetierung
3.3. Verantwortungsabgrenzung durch Kontraktmanagement
3.4. Controlling als Führungsunterstützung
3.5. Kundenorientierung als Erfolgsfaktor
3.6. Mit Wettbewerb zu mehr Innovation
4. Implementation des Neuen Steuerungsmodells
4.1. Modernisierungserfahrungen auf den politischen Ebenen
4.1.1. Kommunalebene
4.1.2. Landesebene
4.1.3. Bundesebene
4.2. Zwischenfazit: Vergleich und Stand der Implementation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Beitrag des Neuen Steuerungsmodells (NSM) zum Modernisierungsstand der deutschen Verwaltungen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob die Verwaltungsmodernisierung in Deutschland mit diesem Modell tatsächlich als gelungen betrachtet werden kann, wobei die praktische Implementierung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene kritisch beleuchtet wird.
- Kritik an klassischen bürokratischen Steuerungsmechanismen
- Konzeptualisierung und Kerninstrumente des NSM
- Analyse der Modernisierungserfolge und -defizite in der Verwaltungspraxis
- Vergleich der Umsetzungsintensität zwischen den staatlichen Ebenen
Auszug aus dem Buch
3.1. Von der Input- zur Outputorientierung
Zu einem der wichtigsten Elemente der neuen Steuerung zählt die Ergebnis- bzw. Outputorientierung. Während traditionell die Steuerung der Verwaltung zentral über Inputs erfolgte, wird mit dem NSM eine ergebnisorientierte dezentrale Steuerung über Produkte angestrebt. D.h. im Mittelpunkt sollen nicht mehr die Ressourcen stehen, sondern die erbrachten Leistungen (Output) oder auch die durch die Leistungen erzielten Wirkungen. Vorausgesetzt wird hierfür eine klare Definition und Kenntnis der Ziele und Leistungsinhalte, aus denen sich das Produkt ableitet. Das Produkt wird definiert als „[…] die kleinste selbstständige Leistungs- und Dienstleistungseinheit, die von einer Kundin bzw. einem Kunden genutzt werden kann. Als selbständig gilt eine Leistungseinheit, wenn sie ohne Bezug einer weiteren Leistung einen Nutzen stiftet.“11 Als Beispiel für ein Produkt kann die Ausstellung eines Personalausweises angeführt werden. Die dezentralen Verwaltungseinheiten sind für die Produktaufstellung selbst verantwortlich, was eine flexible und effiziente Leistungserbringung ermöglichen soll und damit zu einer besseren Produktqualität führt. Bei der Produktdefintion sollen sie sich sowohl an Kosten als auch an den Erwartungen der Bürger orientieren, die möglichst viele Leistungsangebote in einem Produkt wünschen. Auf diese Weise bilden die Produkte als „Ausgangspunkt aller Informations- und Entscheidungsprozesse“12 das zentrale Element der Outputsteuerung, mit dem die Mitarbeiter-, Kunden- und Bedarfsorientierung sowie die Wirtschaftlichkeit der Verwaltung verbessert werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Wandels von Verwaltungsorganisationen ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich des Beitrags des NSM zur Modernisierung auf verschiedenen Verwaltungsebenen.
2. Kritik an der klassischen Steuerung der Bürokratie und die Reformdebatte: Das Kapitel analysiert die Dysfunktionalitäten des weberschen Bürokratiemodells und begründet die Notwendigkeit von Reformen angesichts gesellschaftlicher Krisen und veränderter Ansprüche.
3. Der deutsche Lösungsansatz: Das Neue Steuerungsmodell: Hier werden die theoretischen Grundpfeiler des NSM, wie Outputorientierung, Budgetierung, Kontraktmanagement und Controlling, detailliert vorgestellt.
4. Implementation des Neuen Steuerungsmodells: Dieses Kapitel vergleicht die tatsächliche Umsetzung des NSM auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie den jeweiligen Stand der Implementierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die umfassende Realisierung des NSM-Konzepts bisher nicht als vollends gelungen bezeichnet werden kann, da Verwaltungsmodernisierung ein andauernder Prozess ist.
Schlüsselwörter
Verwaltungsmodernisierung, Neues Steuerungsmodell, NSM, Outputorientierung, Budgetierung, Kontraktmanagement, Controlling, Kundenorientierung, Wettbewerb, Kommunalverwaltung, Bundesverwaltung, Reformdebatte, Verwaltungsreform, Öffentlicher Sektor, New Public Management
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit das „Neue Steuerungsmodell“ (NSM) als deutsche Ausprägung des New Public Management erfolgreich zur Modernisierung der deutschen Verwaltung auf verschiedenen staatlichen Ebenen beigetragen hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Kritik am klassischen Bürokratiemodell, die theoretischen Instrumente des NSM sowie die empirische Bestandsaufnahme der Implementierung in Kommunen, Ländern und beim Bund.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob die Verwaltungsmodernisierung in Deutschland durch das Neue Steuerungsmodell tatsächlich geglückt ist oder ob die Reformbemühungen hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse und vergleicht existierende Evaluationsstudien zur Umsetzung von NSM-Kernelementen in der deutschen Verwaltungspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Konzept und die Instrumente des NSM theoretisch fundiert. Anschließend folgt eine Untersuchung der Modernisierungserfahrungen, wobei der Fokus auf dem Vergleich der verschiedenen politischen Ebenen liegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verwaltungsmodernisierung, Neues Steuerungsmodell, Outputorientierung, Kontraktmanagement, Dezentralisierung und Kundenorientierung.
Warum schneiden Kommunen bei der Implementierung oft anders ab als der Bund?
Kommunen stehen unter höherem unmittelbarem Rechtfertigungsdruck durch die Bürger und leiden stärker unter Haushaltsnotlagen, was sie zu einer intensiveren, wenn auch teils instrumentell begrenzten Anwendung des NSM motiviert hat.
Was bedeutet der Begriff „doppelt organisierte Unverantwortlichkeit“ in diesem Kontext?
Dieser Begriff beschreibt das Problem, dass auf Landesebene durch die zusätzliche vertikale Ebene die Verantwortungsabgrenzung zwischen fachlichen und zentralen Diensten oft unklar bleibt, was Reformen erschwert.
- Quote paper
- F. El-Dabbas (Author), 2012, Das Neue Steuerungsmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269472