Im Vorfeld der Bundestagswahl am 22. September 2013 in Deutschland geriet die Thematik Staatsverschuldung verstärkt in den öffentlichen Blickwinkel, sodass der Bürger in den Medien mit diesem Problem konfrontiert wurde. Da die öffentliche Verschuldung zurzeit eines der größten und meist diskutiertesten Themen im politischen Deutschland ist, bildet es einen Pflichtbestandteil in den Wahlprogrammen der Parteien. Obwohl Schuldenabbau - und damit
Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen - nicht besonders populär sind, müssen sich die Parteien dazu äußern, um den kritischen Wähler zu überzeugen.
Daher überrascht es vermutlich nicht, dass diese Debatte eine Ansammlung von zum Teil konträren Beurteilungen der öffentlichen Verschuldung nach sich zieht. Im Wesentlichen konkurrieren laut BRÜMMERHOFF vier makroökonomische Theorien der Staatsverschuldung miteinander: Die klassische, neoklassische, keynesianische und die ricardianische Theorie. Diese vier Denkschulen beschäftigen sich mit der Unterstützung bzw. Zurückweisung der öffentlichen
Verschuldung. In dieser Arbeit wird der Schwerpunkt auf die zwei populärsten und zugleich gegensätzlichsten Theorien gelegt: Keynesianismus versus Neoklassik. Während der Keynesianismus die öffentliche Verschuldung durchaus akzeptiert, sieht die Neoklassik sie eher als gefährlich an.
Welcher Standpunkt wird nun heutzutage in Bezug auf die Staatsverschuldung vertreten?
Gibt es DIE eine zukunftsträchtige Handlungsempfehlung?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der Staatsverschuldung
2.1 Begriffserklärung Staatsverschuldung
2.2 Entwicklung der Staatsverschuldung in Deutschland
2.3 Makroökonomische Denkschulen der Staatsverschuldung
3 Theorien der Staatsverschuldung
3.1 Die Rolle der Staatsverschuldung im Keynesianismus
3.1.1 Geschichtlicher Hintergrund und die Bedeutung der öffentlichen Verschuldung
3.1.2 Praktische Anwendung
3.1.3 Kritik
3.2 Die Rolle der Staatsverschuldung in der Neoklassik
3.2.1 Geschichtlicher Hintergrund und die Bedeutung der öffentlichen Verschuldung
3.2.2 Praktische Anwendung
3.2.3 Kritik
3.3 Keynesianismus in Abgrenzung zur Neoklassik
3.3.1 Vergleich
3.3.2 Ergebnisse und Diskussion
4 Zusammenfassung und zukünftige Bedeutung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den theoretischen Paradigmenstreit zwischen dem Keynesianismus und der Neoklassik im Hinblick auf die öffentliche Verschuldung. Ziel ist es, die grundlegenden Standpunkte beider Denkschulen zu analysieren, deren Anwendbarkeit in der Praxis kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob sich eine einheitliche, zukunftsträchtige Handlungsempfehlung ableiten lässt.
- Grundlagen der Staatsverschuldung und deren historische Entwicklung in Deutschland.
- Die keynesianische Theorie: Rechtfertigung und praktische Umsetzung des 'deficit spending'.
- Die neoklassische Sichtweise: Ablehnung von Staatsverschuldung und der Fokus auf Selbstheilungskräfte.
- Methodischer Vergleich beider Paradigmen anhand von acht spezifischen Kriterien.
- Diskussion zur Koexistenz beider Theorien zur Krisenbewältigung in modernen Volkswirtschaften.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Praktische Anwendung
Erste Anwendung erfuhr die keynesianische Theorie in Deutschland durch den Wirtschaftsminister Karl Schiller (1911-1994) während seiner Amtszeit (1966-1972) unter dem Aspekt der Globalsteuerung. Im Übrigen hat der Keynesianismus zu der Entstehung eines bis heute geltenden wichtigen Grundsatzes beigetragen: „[Er] führte 1967 in Deutschland zur gesetzlichen Verankerung der vier wichtigsten wirtschaftspolitischen Ziele (magisches Viereck) im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz“.
Auch in den USA gab es beispielsweise unter der Kennedy/Johnson-Administration in den 60er Jahren eine mit ‚New Economics‘ bezeichnete Wirtschaftspolitik, die durch hohe Staatsausgaben gekennzeichnet war. Zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 verwendete die deutsche Bundesregierung KEYNES‘ Konzept des ‚deficit spending‘: „Und tatsächlich, die staatlichen Ausgabenprogramme – Abwrackprämie (5 Mrd. Euro) und Kurzarbeitergeld (5,1 Mrd. Euro 2009) – haben, vor allem in Deutschland, gewirkt“. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zog später in seinem Jahresgutachten eine positive Bilanz. Das Dilemma der praktischen Anwendung des Keynesianismus bleibt jedoch: Obwohl seit Ende 2010 die deutsche Wirtschaft wieder steigt, wird die öffentliche Verschuldung nicht aus den generierten Haushaltsüberschüssen abbezahlt, sondern vernachlässigt: „Hier wird von den Regierungen also nur der ‚halbe Keynes‘ verwirklicht“.
Die Ursache dafür liegt in der Überschuldung von sogenannten ‚Problemländern‘ wie Spanien, Portugal, Irland oder Griechenland. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass es auch ohne KEYNES öffentliche Verschuldung gäbe, möglicherweise nur in einem kleineren Ausmaß, was jedoch nicht mehr geprüft werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Staatsverschuldung, Darlegung der Relevanz im politischen Diskurs und Definition des Schwerpunkts auf dem Vergleich von Keynesianismus und Neoklassik.
2 Theoretische Grundlagen der Staatsverschuldung: Definition zentraler Begriffe, Erläuterung der Ursachen von Verschuldung und Überblick über die drei Phasen der Schuldenentwicklung in Deutschland.
3 Theorien der Staatsverschuldung: Detaillierte Analyse des Keynesianismus und der Neoklassik inklusive geschichtlicher Einordnung, praktischer Anwendung, Kritik und einem direkten Vergleich anhand verschiedener Kriterien.
4 Zusammenfassung und zukünftige Bedeutung: Fazit der Gegenüberstellung mit dem Ergebnis, dass beide Theorien in der heutigen komplexen Wirtschaftswelt als komplementäre Ansätze für unterschiedliche Krisenszenarien koexistieren müssen.
Schlüsselwörter
Staatsverschuldung, Keynesianismus, Neoklassik, Paradigmenwechsel, Deficit Spending, Crowding-out-Effekt, Konjunkturzyklus, Finanzpolitik, Haushaltspolitik, Wirtschaftswachstum, Fiskalpolitik, Makroökonomie, Schuldenspirale, Stabilitätsgesetz, Marktoptimismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Debatte und den konkurrierenden Ansätzen von Keynesianismus und Neoklassik hinsichtlich der staatlichen Kreditaufnahme und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle des Staates in der Wirtschaft, die Ursachen und Folgen von Staatsverschuldung sowie die Wirksamkeit von Fiskalpolitik in Rezessionen und Aufschwungphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gegensätze zwischen der keynesianischen Rechtfertigung von Schulden und der neoklassischen Ablehnung derselben herauszuarbeiten und ihre aktuelle Relevanz kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende wirtschaftswissenschaftliche Literatur und Paradigmen gegenübergestellt und anhand von acht Kriterien wie der zeitlichen Perspektive und dem Staatsverständnis verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe, die theoretischen Ansätze (einschließlich Crowding-Out und Deficit Spending), die praktische Anwendung sowie Kritikpunkte an beiden Denkschulen detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Staatsverschuldung, Keynesianismus, Neoklassik, Deficit Spending, Fiskalpolitik, Crowding-out und das magische Viereck.
Warum wird im Kontext der Neoklassik auch der Monetarismus behandelt?
Da sich die Denkschulen in der Literatur nicht immer strikt trennen lassen, werden neoklassische und monetaristische Aspekte in dieser Arbeit unter dem Oberbegriff 'Neoklassik' vereint, um einen ganzheitlichen Vergleich zu ermöglichen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur 'Halbherzigkeit' bei der Anwendung keynesianischer Rezepte?
Die Autorin stellt fest, dass Staaten zwar keynesianische Instrumente (deficit spending) in der Krise nutzen, aber in der Aufschwungphase versäumen, die Schulden durch Haushaltsüberschüsse wieder abzubauen – ein Zustand, der als 'halber Keynes' bezeichnet wird.
- Arbeit zitieren
- Kristin Schwenner (Autor:in), 2014, Staatsverschuldung unter theoretischer Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269258