Die Heimatkunde hat eine lange Geschichte im deutschen Schulwesen. Pädagogen, die die Heimatkunde entwickelten, sahen in der Beschäftigung mit Realien, (also mit den Gegebenheiten, wie sie in die Naturwissenschaften und die Erdkunde erfassten) ein Gegengewicht zum lebensfernen und oft mit religiösen Inhalten durchsetzten Unterricht, der methodisch vom Prinzip des Zuhörens, Nachsagens, Auswendiglernens geprägt war. Auf ihrem langen Weg hat die Heimatkunde Negatives und Positives erfahren: Nachdem sie am Anfang des 20. Jahrhunderts einen sehr hohen Stellenwert gewonnen hatte, wurde der Begriff „Heimatkunde“ im Jahr 1969 in den Lehrplänen der BRD aufgegeben. Die Konzeptionen der Heimatkunde sind unterschiedlich und immer verknüpft mit der Zeitgeschichte und den gerade vorherrschenden Vorstellungen des Begriffs der Heimat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Heimatkunde
3. Konzeptionelle Ziele und Aufgaben des Heimatkundeunterrichts
4. Entwicklung der Heimatkunde
5. Heimatkunde in der DDR
6. Inhalte des Heimatkundeunterrichts in der DDR
7. Grenzen der Heimatkunde
8. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit gibt einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung und die konzeptionellen Grundlagen des Heimatkundeunterrichts, wobei insbesondere die Rolle und Ausgestaltung des Faches in der DDR kritisch beleuchtet werden.
- Historische Entwicklung der Heimatkunde im deutschen Schulwesen
- Konzeptionelle Ansätze und Lehrmeister wie Harnisch, Finger und Diesterweg
- Heimatkundeunterricht im politischen Kontext der DDR
- Lehrplangenerationen und didaktische Ziele in der DDR
- Kritische Analyse der Grenzen und des pädagogischen Werts der Heimatkunde
Auszug aus dem Buch
3. Konzeptionelle Ziele und Aufgaben des Heimatkundeunterrichts
Im Zuge von gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzogen wurden der Unterricht in der Volksschule um die Realien erweitert. Somit wurde im 19. Jahrhundert der Heimatkundeunterricht als neues Fach an der Volksschule eingeführt. Harnisch, Finger und Diesterweg entwickelten entsprechende Konzepte (basierend auf der „Theorie der Bildung durch die nähesten Lebenskreise“ nach Pestalozzi). Die Beschäftigung mit Realien sollte ein Gegengewicht zum lebensfernen und meist mit religiösen Inhalten durchsetzten Unterricht bilden. Damit wurde Anschaulichkeit (nach Pestalozzi das „Fundament aller Erkenntnis“) das beherrschende Prinzip des Heimatkundeunterrichts.
Harnisch (1787-1864) prägte 1816 erstmals den Begriff der Heimatkunde für einen neu konzipierten Lernbereich der Volksschule. Die Heimat galt als Lebensraum, der durch konkret-sinnliche Erfahrungen und selbsttätiges Handeln zu erschließen war. Für die Heimatkunde sah er sieben Stufen vor, die nach dem Prinzip „vom Nahen zum Fernen“ aufgebaut waren (z.B. der Wohnort und dessen Umgebung, Lage der Heimat, …) Die Heimat des Kindes stellte hierbei den Ausgangspunkt dar.
1844 entwickelt Friedrich August Finger (1808-1888) den Heimatbegriff weiter. Er orientierte sich ebenso wie Harnisch an der Heimat, setzte seine Schwerpunkte hierbei aber mehr auf erdkundliche Inhalte, da er den Heimatkundeunterricht als Vorbereitung auf den späteren Geografie- und Weltkundeunterricht betrachtete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit informiert über die Inhalte und Ziele eines universitären Referats zum Thema Heimatkunde und ihre konzeptionellen Grenzen.
2. Heimatkunde: Es wird die historische Bedeutung der Heimatkunde als pädagogisches Gegengewicht zu lebensfernem Unterricht sowie der Wandel des Begriffs bis zu seinem Verschwinden aus den Lehrplänen der BRD 1969 skizziert.
3. Konzeptionelle Ziele und Aufgaben des Heimatkundeunterrichts: Das Kapitel erläutert die Entstehung des Faches im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss von Pädagogen wie Harnisch, Finger und Diesterweg mit Fokus auf Anschaulichkeit und Lebensnähe.
4. Entwicklung der Heimatkunde: Es wird die Rolle der Heimatkunde als Kernfach der Primarstufe in den 20er Jahren und der Missbrauch des Heimatbegriffs während des Nationalsozialismus analysiert.
5. Heimatkunde in der DDR: Dieses Kapitel beschreibt die politische Instrumentalisierung der Heimatkunde zur Anpassung der Jugend an das sozialistische Gesellschaftssystem.
6. Inhalte des Heimatkundeunterrichts in der DDR: Anhand von Schülerarbeiten wird verdeutlicht, wie das Fach bereits in der ersten Klasse zur Vermittlung sozialistischer Normen und der Pionierorganisation eingesetzt wurde.
7. Grenzen der Heimatkunde: Die Kritik an der Heimatkunde, insbesondere die ideologische Anfälligkeit und Unwissenschaftlichkeit, wird abgewogen gegen pädagogisch wertvolle Aspekte wie Kinderorientierung und Anschauungsbezug.
8. Zusammenfassung: Ein kurzes Resümee über die Referatssitzung und die Vermittlung der erarbeiteten Inhalte an die Studierenden.
Schlüsselwörter
Heimatkunde, Sachunterricht, DDR, Pädagogik, Didaktik, Bildungsgeschichte, Sozialismus, Anschaulichkeit, Lehrplan, Volksschule, Heimatbegriff, Erziehung, Kindgemäßheit, Lebensnähe, Realienunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung, den didaktischen Konzepten und den Grenzen des Schulfaches Heimatkunde mit einem besonderen Fokus auf dessen Ausgestaltung im Bildungssystem der DDR.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die pädagogische Genese der Heimatkunde im 19. Jahrhundert, ihr Wandel im 20. Jahrhundert und ihre spezifische ideologische Nutzung in der DDR sowie deren didaktische Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Belegarbeit?
Ziel ist es, die Referatsinhalte zum Thema „Heimatkunde – Konzepte und ihre Grenzen“ schriftlich festzuhalten und eine Reflexion über die Vermittlung dieser komplexen historischen Zusammenhänge zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, bei der historische Lehrpläne, fachdidaktische Texte und beispielhafte Heimatkundearbeiten aus der DDR herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (Harnisch, Finger, Diesterweg), die Entwicklung des Heimatbegriffs über die Jahrzehnte und die detaillierte Untersuchung der Inhalte und Ziele des Faches in der DDR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heimatkunde, Sachunterricht, DDR, didaktische Prinzipien, politische Bildung und die historische Entwicklung des Realienunterrichts charakterisiert.
Wie unterschieden sich die vier Lehrplangenerationen der DDR im Heimatkundeunterricht?
Die Entwicklung verlief von der Unterordnung unter das "erläuternde Lesen" im Deutschunterricht (1951) hin zu einer zunehmenden Spezialisierung und ideologischen Präzisierung des Heimatkundeunterrichts als eigenständige Disziplin bis 1984.
Welche Aspekte der Heimatkunde sind laut Autor für den heutigen Sachunterricht bewahrenswert?
Trotz der geübten Kritik betont der Autor, dass Prinzipien wie Kinderorientierung, Anschaulichkeit, Umwelterziehung und Überfachlichkeit auch für den modernen Sachunterricht von hoher Relevanz sind.
- Arbeit zitieren
- Christin Kuschka (Autor:in), 2013, Heimatkunde: Konzepte und ihre Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/269040