Jedem Menschen wird es schon einmal im Leben so ergangen sein, dass Passagen aus Verträgen, Bedienungsanleitungen oder Gesetzestexte für sie durch eine hochkomplizierte Schreibweise unzugänglich blieben. Menschen mit Verständnisschwierigkeiten, beispielsweise Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund, erfahren diese Situationen nur allzu oft im Alltag. „Meist ist den AutorInnen wichtiger, dass ihre Texte juristisch oder technisch auf hohem Niveau sind – die Verständlich-keit bleibt dabei oft auf der Strecke“ (Wagner, et al., 2004 S. 207). Die uneingeschränkte Teilhabe ist für viele Menschen hierdurch in Gefahr. Eine mögliche Lösung hierfür ist die von verschiedenen Verbänden, hauptsächlich durch das „Netzwerk Leichte Sprache“, geforderte leichte Sprache. War dieser Ausdruck vor einigen Jahren für einen Großteil der Menschen noch ein inhaltsleerer Begriff, so zeigt sich, dass die Initiativen der Verbände, unter anderem eine 2009 groß angelegte und von ca. 13.500 Menschen unterschriebene Petition an den Bundestag auf ein Recht für leichte Sprache (Netzwerk Leichte Sprache), langsam Früchte tragen. So gab beispielsweise der Bundestag am 25.10.12 eine erste Pressemitteilung in leichter Sprache heraus (Bundestag, 2012). Ebenso sind die Wahlprogramme für die kommende Bundestagswahl im Herbst 2013 von der Mehrzahl der großen Parteien ebenfalls in einer leichten Sprache erhältlich.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 MENSCHEN MIT LERNSCHWIERIGKEITEN
3 BARRIEREFREIE TEILHABE
3.1 BEGRIFFSERKLÄRUNG „TEILHABE“
3.2 BEGRIFFSDEFINITION „BARRIEREFREIHEIT“
3.3 GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
4 LEICHTE SPRACHE
4.1 URSPRUNG UND BEGRIFFSDEFINITION
4.2 KOMMUNIKATION UND „LEICHTE SPRACHE“
4.3 VERSTÄNDLICHKEITSFORSCHUNG
4.3.1 DER EMPIRISCH-INDUKTIVE ANSATZ - HAMBURGER VERSTÄNDLICHKEITSMODELL (1974)
4.3.2 DER THEORETISCH-DEDUKTIVE ANSATZ NACH GROEBEN (1978)
4.3.3 DER LINGUISTISCHE ANSATZ NACH HERINGER (1984)
4.4 REGELKATALOGE UND PRINZIPIEN ZUR TEXTVEREINFACHUNG
4.4.1 „TIPPS UND TRICKS“ DES WÖRTERBUCHS FÜR LEICHTE SPRACHE ODER DAS KOZEPT „LEICHTE SPRACHE“(IM ENGEREN SINN)
4.4.2 LESETEXTE FÜR JUGENDLICHE MIT SPRACHERWERBSSTÖRUNGEN NACH BRÜHLMEIER ET.AL. (2009)
4.4.3 TEXTVERSTÄNDLICHKEIT UND TEXTVEREINFACHUNG IM DEUTSCHSPRACHIGEN FACHUNTERRICHT (DFU) NACH MEIRELES/BLÜHDORN 1997)
4.5 VOR- UND NACHTEILE EINER LEICHTEN SPRACHE
4.5.1 PRO LEICHTE SPRACHE
4.5.2 CONTRA LEICHTE SPRACHE
5 INTERNET FÜR ALLE?
5.1 BARRIEREFREIES INTERNET?
5.2 WEB 2.0 ODER DIE ZWEITE PHASE DER GLOBALEN VERNETZUNG
5.3 BEGRIFFSDEFINITION ONLINE-ENZYKLOPÄDIE
5.4 MENSCHEN MIT LERNSCHWIERIGKEITEN UND INTERNET
6 BISHERIGE ANGEBOTE IN LEICHTER SPRACHE
7 PLANUNG EINER ONLINE-ENZYKLOPÄDIE IN LEICHTER SPRACHE
7.1 ENTSTEHUNG UND GRUNDIDEE
7.2 WOFÜR EINE ONLINE-ENZYKLOPÄDIE IN LEICHTER SPRACHE?
7.3 ZIELGRUPPE DES PROJEKTS
7.4 AUSLEGUNG DER LEICHTEN SPRACHE
7.5 WER SCHREIBT DIE TEXTE?
7.5.1 EINBEZUG DER ZIELGRUPPE
7.6 SEITENAUFBAU
7.6.1 STARTSEITE
7.6.2 ARTIKELSEITE
7.6.2.1 Struktur des Artikels
7.6.2.2 Typographie
7.6.2.3 Bilder
7.7 HILFEMÖGLICHKEITEN
8 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Online-Enzyklopädie in leichter Sprache, um die Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu verbessern. Ziel ist es, Grundlagen zu beleuchten, bestehende Theorien zur Verständlichkeit zu prüfen und ein Konzept für eine barrierefreie Plattform zu entwickeln, die Wissen kollaborativ aufbereitet.
- Leichte Sprache als Mittel zur gesellschaftlichen Inklusion
- Theorien der Verständlichkeitsforschung und ihre Anwendung
- Barrierefreiheit im Internet und Web 2.0
- Konzepte für benutzerfreundliche Online-Plattformen
Auszug aus dem Buch
4.1 Ursprung und Begriffsdefinition
Jeder Mensch stand schon einmal vor dem Problem einen Text oder auch eine Rede in mündlicher Form in seiner Muttersprache ganz oder zumindest in Teilen nicht verstanden zu haben. Eine möglichst komplizierte Ausdrucksweise ist in vielen Teilen der Gesellschaft, beispielsweise in wissenschaftlichen Arbeiten gar erwünscht. „Der Inhalt ist meist gar nicht so kompliziert. Er wird erst kompliziert gemacht – durch eine schwer verständliche Ausdrucksweise“ (Langer, et al., 2006 S. 16). „Durch die Nutzung einer „schweren Sprache“ wird eine gesellschaftliche Ausgrenzungspolitik gestärkt und einer Entscheidungs- und Handlungsautonomie, nicht nur von Menschen mit Lernschwierigkeiten, entgegengewirkt“ (Rüstow, 2011 S. 71). Die Gründe für die Verwendung einer schwer verständlichen Sprache vieler Menschen sind vielfältig. Einigen ist es gar nicht bewusst, dass sie sich unverständlich ausdrücken. Andere wollen, eben genau durch diese komplizierte Sprache, Fachwissen und Fachkompetenz zu Tage bringen oder gar ein Nichtwissen überspielen. Ein weiterer möglicher Grund ist das Übervorteilen des Lesers bzw. Zuhörers, beispielsweise mithilfe des Kleingedruckten auf Verträgen. Außerdem wissen viele Menschen auch überhaupt nicht, wie ein leicht verständlicher Ausdruck produziert wird (Wagner, et al., 2004 S. 207).
Schwere Sprache, diesen Ausdruck verwendet vor allem die Organisation „Netzwerk Leichte Sprache“, die später vorgestellt wird, kann für viele Menschen mit Lese- und Verständnisproblemen eine Barriere darstellen. Der Personenkreis der von diesen Barrieren betroffen ist, reicht von Menschen mit Behinderungen, bis hin zu Menschen mit Migrationshintergrund, die beispielsweise vor einem komplizierten Asylantrag stehen. Diese Kommunikationsbarrieren können neben der geschriebenen, auch in der gesprochenen Sprache auftreten. Texte in schwerer Sprache sind jedoch sicher die größere Hürde, da hier meist nicht direkt nachgefragt werden kann, sondern der Mensch mit dem Problem des Unverständnisses alleine gelassen wird. In etwa vergleichbar ist diese Situation damit, wenn wir auf englischsprachige Texte stoßen, unsere Englischkenntnisse dem jedoch nicht gewachsen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Barrieren durch komplexe Sprache und stellt die Notwendigkeit von leichter Sprache für eine selbstbestimmte Teilhabe dar, wobei das Projekt einer Online-Enzyklopädie als Grundstein dient.
2 MENSCHEN MIT LERNSCHWIERIGKEITEN: Dieses Kapitel diskutiert den Begriff der „Lernschwierigkeit“ als ursachenneutralen Ansatz und grenzt diesen von traditionellen, defizitorientierten Bezeichnungen ab.
3 BARRIEREFREIE TEILHABE: Hier werden die Begriffe Teilhabe und Barrierefreiheit definiert und in den Kontext gesetzlicher Rahmenbedingungen auf EU- und nationaler Ebene gestellt.
4 LEICHTE SPRACHE: Dieses Kapitel untersucht Ursprung, Definition und verschiedene theoretische Ansätze der Verständlichkeitsforschung sowie konkrete Regelkataloge für eine leichtere Textgestaltung.
5 INTERNET FÜR ALLE?: Es wird das Potenzial des Internets für Menschen mit Behinderungen analysiert, gleichzeitig werden jedoch technische und inhaltliche Barrieren innerhalb des Webs thematisiert.
6 BISHERIGE ANGEBOTE IN LEICHTER SPRACHE: Eine Übersicht über bereits existierende Web-Angebote und Publikationen zeigt, dass das Thema leichte Sprache im Internet an Relevanz gewinnt.
7 PLANUNG EINER ONLINE-ENZYKLOPÄDIE IN LEICHTER SPRACHE: Der Hauptteil beschreibt die Konzeption der geplanten Plattform, inklusive Zielgruppe, inhaltlicher Auslegung, kollaborativer Autorenschaft und technischem Seitenaufbau.
8 SCHLUSS: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine „Sprache für alle“ eine Utopie bleibt, betont jedoch die Notwendigkeit, mittels variabler Kriterien die Teilhabe am Wissen durch leichte Sprache zu fördern.
Schlüsselwörter
Leichte Sprache, Teilhabe, Barrierefreiheit, Online-Enzyklopädie, Verständlichkeit, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Web 2.0, Inklusion, Kommunikation, Textvereinfachung, Barrierefreie Informationstechnik, Selbstbestimmung, Wissensvermittlung, Nutzerorientierung, Digitale Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Online-Enzyklopädie in leichter Sprache, um Menschen mit Lernschwierigkeiten und Verständnisproblemen einen barrierefreien Zugang zu Wissen im Internet zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Begriff der Teilhabe, der Barrierefreiheit im Internet, den Grundlagen der leichten Sprache und der theoretischen Verständlichkeitsforschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist nicht die Erstellung eines vollständigen Projektplans, sondern die Beleuchtung der theoretischen Grundlagen und die Entwicklung eines beispielhaften Konzepts für eine Online-Enzyklopädie.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Theorien zur Textverständlichkeit sowie auf eine kritische Bestandsanalyse aktueller Angebote in leichter Sprache.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Planung der Online-Plattform, inklusive der inhaltlichen Auslegung, der Einbindung der Zielgruppe in den Schreibprozess und dem Aufbau der Webseiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Leichte Sprache, Teilhabe, Barrierefreiheit, Online-Enzyklopädie, Verständlichkeit und Inklusion.
Welche Rolle spielen die "Prüfer" bei der Textproduktion?
Menschen mit Lernschwierigkeiten fungieren als „Experten im Verstehen“, die Texte kritisch überprüfen, da die Verständlichkeit nicht ausschließlich durch feststehende Regeln, sondern durch den Anwender bestimmt wird.
Warum reicht das "Konzept Leichte Sprache im engeren Sinn" nicht aus?
Der Autor argumentiert, dass starre Regeln eine zu starke Simplifizierung zur Folge haben können, was der Zielgruppe den Zugang zu fachlich korrekten Informationen erschwert und sie eher ausgrenzt.
- Quote paper
- Dennis Kaiser (Author), 2013, Planung einer Online-Enzyklopädie in leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/268932