Die vorliegende Bakkalaureatsarbeit behandelt Adrienne Thomas’ Roman "Reisen Sie ab, Mademoiselle!", der von der Autorin in der politisch höchst kritischen Zeit zwischen 1938 und 1941 verfasst wurde und dessen Erstausgabe 1944 in Stockholm erschienen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. „Ihre Schilderungen von Österreich machen mich recht neugierig…“ – Einleitung
2. Biografie
3. Inhaltliches in Hinblick auf Reisen Sie ab, Mademoiselle!
3.1. „[I]ch […] begleitete die Weltgeschichte auf ihren Abwegen“. – Autobiografisches in Reisen Sie ab, Mademoiselle!
3.2. „‚Mensch bleiben unter Unmenschen.’“ – Das Menschliche bei Adrienne Thomas und dessen Darstellung in Reisen Sie ab, Mademoiselle!
4. Elemente österreichischer Identität in Reisen Sie ab, Mademoiselle!
4.1. „‚Die Nazi stecken Österreich in den Sack.’“ – Das Element der Opferthese
4.1.1. Die Bevölkerung
4.2. Die Februarunruhen 1934 in Verbindung mit der Theorie der Lagerstraße
4.2.1. Standes- und Klassenbewusstsein
4.3. „‚Aber warum wehrt ihr euch denn nicht wie im Februar?’“ – Das Element des Widerstandes
4.4. „‚Österreich bleibt immer Österreich’.“ – Die österreichische Nation
4.5. „Dabei hatte er wieder diesen Ausdruck, […] dieses typisch österreichische Mienenspiel.“ – Der österreichische Mensch
4.5.1. ‚„Keine Ahnung hat der Trottel!’ hörte man in echtestem Wienerisch“. – Die österreichische Sprache
4.6. „Denn Nicole tanzte.“ – Institutionen der Hochkultur
4.6.1. Die „Stadt der Lieder“ – Tanz und Musik
4.6.2. Der kulturelle Mensch (am Beispiel des gebildeten Wiener Bürgers)
4.6.3. Kulturelle Institutionen, Sehenswürdigkeiten und Städte
4.7. „Wie schön seine Heimat ist!“ – Die österreichische Landschaft
5. Zusammenfassender und persönlicher Kommentar
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Adrienne Thomas’ Roman „Reisen Sie ab, Mademoiselle!“ im Hinblick auf darin enthaltene Elemente österreichischer Identität. Ziel ist es, auf Basis existierender Identitätsmodelle aufzuzeigen, wie die Autorin ihr Verständnis von Menschlichkeit sowie eine spezifische österreichische Identität, insbesondere durch Kontrastierung mit dem Nationalsozialismus, in den Text eingearbeitet hat.
- Analyse der Opferthese und des Widerstandsbegriffs im Roman.
- Untersuchung der Darstellung des „österreichischen Menschen“ und seiner Sprache.
- Herausarbeitung der kulturellen Identität durch Institutionen und Landschaftsbeschreibungen.
- Literarische und biographische Verknüpfung der Erzählung mit den historischen Hintergründen (1938–1940).
- Bewertung der ästhetischen und politischen Intention der Autorin.
Auszug aus dem Buch
4.1. „‚Die Nazi stecken Österreich in den Sack.’“ – Das Element der Opferthese
Die Theorie, dass Österreich „unschuldig und gegen seinen Willen zum Opfer des Nationalsozialismus geworden [sei]“, lässt sich durch den Roman, besonders anfangs, gut untermauern. Dass die Bedrohung durch die Nationalsozialisten als von außen kommend beschrieben wird, zeigt u. a. folgende Szenenbeschreibung der einfliegenden Deutschen: „Das Geschwader donnerte jetzt übers Haus. ‚Das geht schon seit aller Herrgottsfrüh so’, sagte die Mutter erbost, ‚zwanzig Maschinen, dreißig – als ob sie einem auch die Nerven ruinieren wollten’“ (RM, 24). Der beschriebene Lärm der Flugzeuge unterlegt den Eindruck eines ‚Einfalls’ der Deutschen: „Durch die Luft sang ein klagender, langgezogener Laut, der sich zuerst anhörte wie eine Sirene, sich dann grollend verstärkte und näher kam.“ (RM, 24) Überdies hält Nicole harmloses Hundegebell für Heil-Rufe (vgl. RM, 31), die „wie Schrapnellschüsse durch die Luft“ knallen (RM, 30). Bestärkt wird die These des Einfalls von außen, für den kein Österreicher etwas konnte und dem niemand etwas entgegen setzen kann, durch Vergleiche mit einer Naturgewalt: „Die Nazi fallen über unsere Länder her wie ein Heuschreckenschwarm und fressen uns ratzekahl.“ (RM, 79) Außerdem wird das Fortschreiten des Nationalsozialismus in Österreich als „giftige Dämpfe [, die] sich über dem ganzen Land zusammenzogen“ (RM, 20) bezeichnet. Diese „giftigen Dämpfe“ werden im Roman mehrmals erwähnt und verstärken auf diese Weise bei den Rezipierenden den Eindruck von einem Wien, das vergiftet wird, langsam aber stetig immer schwächer wird und sich nicht mehr wehren kann: „Gift schien in den Straßen zu brodeln und giftiger Dampf aufzusteigen, durch Fenster, Türen und Ritzen zu dringen bis tief hinein in die Gemüter.“ (RM, 16) Die Nationalsozialisten und Hitlers Soldaten werden als „wild[e] Menschenhorde“ bezeichnet, die, was wiederum die Opferrolle Österreichs unterstreicht, „auf fremden Grund und Boden eindrang“ (RM, 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Ihre Schilderungen von Österreich machen mich recht neugierig…“ – Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bakkalaureatsarbeit ein, benennt den zu untersuchenden Roman von Adrienne Thomas und erläutert die methodische Grundlage anhand von Birgit Scholz’ Identitätsmodellen.
2. Biografie: Das Kapitel skizziert den Lebensweg von Adrienne Thomas, ihre Flucht vor dem Nationalsozialismus und ihren biographischen Hintergrund, der für das Verständnis ihres Werkes essenziell ist.
3. Inhaltliches in Hinblick auf Reisen Sie ab, Mademoiselle!: Hier erfolgt eine inhaltliche Inhaltsangabe des Romans sowie eine Untersuchung der autobiographischen Züge und des zentralen Begriffs der Menschlichkeit im Werk.
4. Elemente österreichischer Identität in Reisen Sie ab, Mademoiselle!: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die sieben identifizierten Bausteine österreichischer Identität, wie die Opferthese, den Widerstand und die Charakterisierung von Land und Leuten.
5. Zusammenfassender und persönlicher Kommentar: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Bedeutung des Romans als engagiertes Zeitdokument gegen den Faschismus.
Schlüsselwörter
Adrienne Thomas, Reisen Sie ab Mademoiselle, österreichische Identität, Opferthese, Widerstand, Nationalsozialismus, Exilliteratur, Wiener Identität, kulturelle Institutionen, österreichische Landschaft, Menschlichkeit, Biografie, Zeitgeschichte, österreichische Nation, Romananalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Adrienne Thomas’ Roman „Reisen Sie ab, Mademoiselle!“ und untersucht, wie die Autorin verschiedene Aspekte einer österreichischen Identität darstellt, insbesondere vor dem Hintergrund der Jahre 1938 bis 1940.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die sogenannte Opferthese, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Konstruktion einer österreichischen Nation, die Charakterisierung des Österreichers und dessen Sprache sowie die Darstellung der österreichischen Kultur und Landschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Beweis zu erbringen, wie stark das Motiv „Österreich“ im Roman präsent ist, und aufzuzeigen, auf welche Weise die Autorin ihre eigene Menschlichkeit und pazifistische Haltung literarisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt literaturwissenschaftliche Analysen auf Basis der von Birgit Scholz definierten „Bausteine österreichischer Identität“, um diese im vorliegenden Romantext zu identifizieren und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird anhand von Kapiteln zu Opferthese, Widerstand, Nation, Mensch, Sprache, Kultur und Landschaft detailliert nachgewiesen, wie Thomas das Bild eines „österreichischen“ Raums konstruiert und vom deutschen Nationalsozialismus abgrenzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Adrienne Thomas, österreichische Identität, Opferthese, Widerstand, Nationalsozialismus, Exilliteratur sowie Begriffe wie Wiener Identität und österreichische Landschaft.
Wie bewertet die Arbeit die Darstellung des Widerstands im Roman?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Thomas den Widerstand oft im Kleinen, durch „Akte der Menschlichkeit“, darstellt, wobei sie anmerkt, dass die erfolgreichen Ausgänge dieser Handlungen im Roman teils unrealistisch wirken, aber die Heroisierung des Widerstands unterstützen.
Wie geht die Autorin mit dem Konzept der „Opferthese“ um?
Die Arbeit zeigt auf, dass Thomas die Opferthese stark untermauert, indem sie die Bedrohung als von außen kommendes Ereignis und die Österreicher als Geschädigte darstellt, während sie gleichzeitig die nationalsozialistische „Infiltration“ kritisch porträtiert.
- Quote paper
- Bakk. MA Claudia Stoiser (Author), 2009, Elemente österreichischer Identität in Adrienne Thomas’ "Reisen Sie ab, Mademoiselle!", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/268613