Der Übergang in die berufliche Selbstständigkeit ist eine Phase, in der viel Neues auf die Gründer_innen zukommt. Um sich notwendige Kompetenzen und Kenntnisse anzueignen, gibt es verschiedene Angebote, z.B. Seminare, Coachings oder Möglichkeiten des autodidaktischen Lernens. Die Arbeit untersucht - nach einer theoretischen Beschäftigung mit Lernen, Lernverhalten und verschiedenen Lernformen - anhand qualitativer Interviews, wie Lernprozesse in Gründungen ablaufen, welche Bedarfe und Bedürfnisse seitens der Gründer/innen bestehen, welche Angebote genutzt oder eben nicht genutzt werden und wie Angebote verbessert werden können.
Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Die ersten Kapitel legen die theoretischen Grundlagen. Zunächst wird erläutert, warum Existenzgründungen ein für die Erwachsenenpädagogik interessantes Ereignis darstellen. Anschließend folgt eine Annäherung an die Begriffe Lernen und Lernverhalten, beide sind für die Kernfragen der Arbeit entscheidend. Zudem wird die wissenschaftliche Diskussion zum Thema Lernanlässe, Selbst- und Fremdsteuerung beziehungsweise Organisation des Lernens und Lernformen in Hinblick auf die Fragestellung zusammengefasst. Das vierte Kapitel widmet sich der biographietheoretischen Perspektive, also der Frage, wie Lernen eingebettet in biographische Erfahrungen gesehen werden kann. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Begriff des Lernhabitus nach Herzberg eingegangen.
Anschließend geht es um konkrete Angebote, die für Existenzgründer_innen existieren. Nach einer Klärung der Begriffe Bedarf und Bedürfnis sowie des Zielgruppenansatzes in der Erwachsenenbildung richtet sich der Blick auf die Praxis, und es werden verschiedene Angebotsformate beschrieben. Charakterisiert werden dabei formale und informelle Lernformen sowie insbesondere Beratung und Coaching. Das sechste Kapitel leitet in die empirische Forschung über. Zunächst werden Methodik und Durchführung der Studie erläutert, anschließend folgen Einzelfallbeschreibungen der geführten Interviews sowie eine vergleichende Analyse. Im siebten Kapitel werden die Ergebnisse der Studie mit vorhandenen Befunden aus der erwachsenenpädagogischen Literatur in Bezug gesetzt und eingeordnet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Gründer_innen, die Organisation des Lernens sowie den Abgleich der Ergebnisse mit Befunden aus der Forschung zur beruflichen und betrieblichen Bildung gelegt. Kritische Reflexion und Fazit schließen die Betrachtungen ab.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Existenzgründung – ein Thema für die Erwachsenenpädagogik?
2.1 Forschungsstand
III. Lernen
3.1 Lernverhalten
3.2 Lernanlässe
3.3 Selbstorganisation und Selbststeuerung des Lernens
3.4 Lernformen: formal, non-formal und informell
IV. Biographieforschung in der Erwachsenenpädagogik
4.1 Habitus und Lernhabitus
V. Angebote und Weiterbildung für Gründer_innen
5.1 Bedarf und Bedürfnis
5.2 Zielgruppenansatz
5.3 Angebote für Gründer_innen
5.3.1 Formal-didaktisierte Angebote
5.3.2 Selbstgesteuertes Lernen ohne formalen Rahmen
5.3.3 Beratung
VI. Empirische Forschung
6.1 Darstellung der Methodik
6.2 Vorbereitung und Durchführung der Interviews
6.3 Auswertung
6.3.1 Einzelfallbeschreibungen
6.3.2 Vergleichende Analyse
VII. Ergebnisse
7.1 Bedürfnisse und Bedarfe von Existenzgründer_innen
7.2 Organisation des Lernens
7.3 Lernen in Existenzgründungen als berufliche Bildung
VIII. Kritische Reflexion
IX. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das Lernen und Lernverhalten von Existenzgründer_innen aus einer erwachsenenpädagogischen Perspektive. Ziel ist es, in dieser berufsbiographischen Übergangssituation die Lernprozesse, die wahrgenommenen Bedarfe und Bedürfnisse sowie die Organisation des Lernens nachzuvollziehen und mit existierenden Weiterbildungsangeboten abzugleichen.
- Analyse des Lernens in Existenzgründungsprozessen.
- Erforschung biographischer Faktoren und des Lernhabitus bei Gründer_innen.
- Untersuchung von Lernformen wie formalem, non-formalem und informellem Lernen.
- Evaluation der Rolle von Beratung und Coaching.
- Identifikation von Optimierungsmöglichkeiten für Bildungsangebote.
Auszug aus dem Buch
Lernen und Lernverhalten im Prozess der Existenzgründung
Lernen findet heute vermutlich mehr denn je über die gesamte Lebensspanne statt. Oft wird es in diesem Zusammenhang als Lebenslanges Lernen bezeichnet, erhält als solches eine immer größere Aufmerksamkeit. Lernbemühungen werden mitunter bis ins hohe Alter als sinnvoll und sogar notwendig betrachtet. Große Teile des Wissens und der Kenntnisse aus Schule oder Ausbildung müssen im Lebensverlauf immer wieder aktualisiert und erweitert werden. Daher sind Lernen und Lernverhalten im Lebensverlauf Kernthemen der erwachsenenpädagogischen Forschung. Lernverhalten bezeichnet die konkreten Handlungen, die Erwachsene unternehmen, um zu lernen, sei es der Besuch einer Weiterbildungsveranstaltung oder die Lektüre eines Fachbuchs. Biographische Lernerfahrungen, die zum Beispiel aus der Schulzeit stammen, können das Lernen und das Lernverhalten beeinflussen. Die erwachsenenpädagogische Forschung untersucht in diesem Bereich, wie Erwachsene lernen, welche Bedingungen es dafür gibt, was das Lernen erleichtert und was es behindert.
Ein Lebensereignis, in dem Lernen stattfindet, ist die Aufnahme einer beruflich selbstständigen Tätigkeit oder anders gesagt, eine Existenzgründung. In dieser berufsbiographischen Übergangssituation finden verschiedene Lernprozesse statt, die vom Erwerb unternehmerischen Wissens bis hin zur Identifizierung mit der neuen Rolle als Unternehmer_in reichen. Verschiedene Angebote, wie Coaching oder Gründungsseminare, unterstützen Gründer_innen in diesem Prozess. Aus erwachsenenpädagogischer Sicht ist das Lernen im Rahmen einer Gründung bislang noch wenig erforscht. Pädagogische Kenntnisse werden heute in vielen, auch in nicht originär pädagogischen Bereichen erfolgreich genutzt, beispielsweise in Unternehmen. Inwiefern Angebote für Gründer_innen bereits auf erwachsenenpädagogisches Wissen zurückgreifen, ist im Detail nicht bekannt. Zu überprüfen, ob und wie Erwachsenenpädagogik auch im Feld der Existenzgründung wertvolle Impulse setzen und zur Verbesserung von Angeboten führen kann, ist ein Ziel dieser Arbeit. Sie untersucht daher Lernen und Lernverhalten in Existenzgründungsprozessen aus erwachsenenpädagogischer Perspektive.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des lebenslangen Lernens ein und identifiziert Existenzgründungen als noch wenig erforschtes, aber pädagogisch bedeutsames Lebensereignis für erwachsenenpädagogische Forschung.
II. Existenzgründung – ein Thema für die Erwachsenenpädagogik?: Das Kapitel diskutiert, wie moderne, durch Brüche geprägte Berufsbiographien die Wichtigkeit der beruflichen Weiterbildung unterstreichen und Existenzgründungen als eine Form dieser biographischen Umbruchsituation einordnen.
III. Lernen: Hier werden zentrale pädagogische Lernbegriffe definiert und das Lernverhalten als individuelles Herangehen an Lernaufgaben im Kontext der Existenzgründung spezifiziert.
IV. Biographieforschung in der Erwachsenenpädagogik: Dieser Teil betrachtet Lernen aus biographischer Sicht und führt den Begriff des Lernhabitus ein, um zu verstehen, wie vergangene Erfahrungen aktuelle Lernprozesse beeinflussen.
V. Angebote und Weiterbildung für Gründer_innen: Hier werden Begriffe wie Bedarf und Bedürfnis geklärt und verschiedene Angebotsformate, von formalen Seminaren bis zu informellen Beratungsmöglichkeiten, beschrieben.
VI. Empirische Forschung: Dieses Kapitel erläutert die Methodik der explorativen Studie, basierend auf Experteninterviews und Fallbeschreibungen von Gründerinnen, um reale Lernpraxen zu erfassen.
VII. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass Existenzgründer_innen stark informell und selbstorganisiert lernen, aber oft den Wunsch nach Reflexion und Austausch im Rahmen professioneller Unterstützung äußern.
VIII. Kritische Reflexion: Der Autor reflektiert die Aussagekraft der explorativen Studie und weist auf die Beschränkungen der Fallzahl sowie die Notwendigkeit weiterführender Forschung hin.
IX. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung von erwachsenenpädagogischem Wissen für die Gestaltung von Gründer-Unterstützungsangeboten zusammen und plädiert für eine stärkere Vernetzung beider Fachgebiete.
Schlüsselwörter
Erwachsenenpädagogik, Existenzgründung, lebenslanges Lernen, Lernverhalten, Selbstorganisation, Selbststeuerung, Beratung, Coaching, Biographieforschung, Lernhabitus, informelles Lernen, berufliche Bildung, Existenzgründungsberatung, Unternehmensgründung, pädagogische Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Lernen und Lernverhalten von Existenzgründer_innen aus einer erwachsenenpädagogischen Perspektive und erforscht, wie diese Personen ihre Kompetenzen in der Gründungsphase erwerben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das lebenslange Lernen, die biographische Forschung, die Organisation des Lernens durch Selbststeuerung sowie die verschiedenen Angebote für Gründer_innen wie Beratung und Coaching.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu überprüfen, ob und wie erwachsenenpädagogische Impulse zur Verbesserung von Unterstützungsangeboten für Existenzgründer_innen beitragen können, da der Forschungsstand in diesem Bereich bislang gering ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine explorative, qualitative Forschungsmethode gewählt, die auf problemzentrierten Interviews mit Gründerinnen sowie einer Expertin (Gründungsberaterin) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Lernen, Biographieforschung, Lernhabitus) mit der empirischen Untersuchung (Fallanalysen und vergleichende Analyse) verbunden, um die Lernpraxis in Gründungsprozessen zu verstehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Existenzgründung, Lernverhalten, Selbstorganisation, informelles Lernen und erwachsenenpädagogische Beratung.
Welche Rolle spielt das Coaching in den Ergebnissen?
Coaching wird von den Interviewten als sehr wichtig empfunden, jedoch wird kritisiert, dass viele Coaches nicht über tiefgreifende erwachsenenpädagogische Kompetenzen verfügen, um individuelle Lernprozesse optimal zu unterstützen.
Warum ist das informelle Lernen so bedeutend für Gründer?
Gründer_innen lernen in hohem Maße im Arbeitsalltag („Learning by Doing“), da sie sofort auf praktische Herausforderungen reagieren müssen, für die es oft keine festgelegten Curricula gibt.
Wie bewerten die Gründerinnen formale Gründungsseminare?
Die befragten Gründerinnen empfanden viele Gründungsseminare als zu allgemein, zu wenig individuell und teilweise praxisfern, weshalb sie diese eher als notwendiges Übel für Förderungen ansahen.
- Arbeit zitieren
- Laura Ritter (Autor:in), 2013, Lernen und Lernverhalten im Prozess der Existenzgründung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/268398