Die Nutzung und Wahrnehmung des Web haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Das Web 2.0 bindet den Nutzer sehr viel stärker in die Gestaltung mit ein. User erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte im entscheidenden Maße selbst, beispielsweise in Form von Wikis, Blogs, Social Bookmarks und in sozialen Netzwerken. Inhalte werden nicht nur zentral von großen Medienunternehmen erstellt und bereitgestellt, sondern auch durch eine Vielzahl von Nutzern. Das Web 2.0 bietet also einen multilateralen Austausch von Informationen und viele
Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Nutzern. Es ist quasi „sozialisiert”.
Die Theorie der digitalen Spaltung besagt, dass der Zugang
beziehungsweise Nicht-Zugang zum Internet für eine Wissenskluft verantwortlich ist, die erhebliche soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten innerhalb der Bevölkerung nach sich zieht. In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Rolle der „sozialisierte” Teil des Web, das Social Web, inzwischen dabei spielt. Wer sind die Menschen, die eine Teilnahme am Social Web verweigern? Welche Gründe haben sie dafür? Um die Ursachen in Relation setzen zu können, werden die Offliner als eine weitere Gruppe der Verweigerer zum Vergleich herangezogen. Außerdem soll untersucht werden, inwieweit die Nichtteilhabe an sozialen Netzwerken das Leben der Menschen beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Digitale Spaltung
2.1.Begriffserklärung
3. Das Social Web
3.1.Die Entwicklung des Social Web
3.2.Das Web als sozialer Treffpunkt
3.3.Die Offliner
3.4.Die Social-Media-Verweigerer
3.5.Dialektischer Ursachenvergleich
3.5.1. Technischer Zugang
3.5.2. Datenklau
3.5.3. Zeitverlust
3.5.4. Mangelndes Interesse
4. Fazit: Der Social-Media-Verweigerer im Vergleich
5. Prognose zur Entwicklung des Social Web
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Nichtnutzung von sozialen Netzwerken im Web (Social-Media-Verweigerer) und setzt diese in einen wissenschaftlichen Vergleich zur Gruppe der allgemeinen „Offliner“. Ziel ist es, die Beweggründe für diese Verweigerungshaltung zu identifizieren und die Rolle der digitalen Spaltung in diesem Kontext zu analysieren.
- Analyse der historischen Entwicklung des Social Web
- Untersuchung der Beweggründe für die Social-Media-Verweigerung
- Vergleich der Motivlagen zwischen Social-Media-Verweigerern und Offlinern
- Einfluss von Datenschutzängsten und Zeitverlust auf die Internetnutzung
- Bewertung der digitalen Spaltung als gesellschaftliches Phänomen
Auszug aus dem Buch
3.5.2. Datenklau
Die Studie „Social Media-Atlas 2011”, die im Auftrag der Beratungsgesellschaft Faktenkontor durchgeführt wurde, gibt Auskunft über einen weiteren Grund für die Abstinenz sozialer Netzwerke. Laut Studie haben 38 Prozent der Social-Media-Verweigerer allgemein Angst um ihre Daten (vgl. Faktenkontor 2012: 1). Auch wenn dies nicht der Hauptgrund für das Fernbleiben sozialer Netzwerke ist, fällt die Befürchtung des mangelnden Datenschutzes damit stark ins Gewicht. In der Tat liegt es in der Natur der sozialen Netzwerke, dass die Menschen dort besonders viele persönliche Daten offen legen. Der Nutzer selbst stellt dabei die größte Schwachstelle dar, da er in vielen Netzwerken entscheidet, wie viele und welche Daten er preisgibt (Ebersbach, Glaser, Heigl 2011: 114).
Diese „Angst vor sich selbst” steht bei den Social-Media-Verweigerern allerdings nicht so sehr im Vordergrund. Viel mehr sehen sie die jeweilige Firmenpolitik der Netzwerkbetreiber als Problem. Laut einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marktagent.com in Österreich, befürchten 60 Prozent derer, die Angst um ihre Daten als Grund angaben, dass der Netzwerkbetreiber ihre Daten großzügig für Werbezwecke an dritte Unternehmen weitergibt und so mit den Daten Missbrauch betreibt. Außerdem spielt auch die Debatte um Vorratsdatenspeicherung bei den Social-Media-Verweigerern eine Rolle. Die Befürchtung, dass sensible Daten nicht nur temporär, sondern dauerhaft gespeichert werden, trifft auf viele der Verweigerer zu. Demnach haben sie Angst, irreversible Spuren im Web zu hinterlassen, die beispielsweise von späteren Arbeitgebern überprüft werden könnten. Dies befürchten 42 Prozent der Menschen in Österreich, die mangelnde Datensicherheit als Grund für ihre Verweigerung sozialer Netzwerke angaben (vgl. Futurezone.at 2011).
Fügt man diese österreichischen Umfragewerte mit den Ergebnissen der Studie aus Deutschland zusammen, lässt sich schlussfolgern, dass die Social-Media-Verweigerer gewissenhaft mit ihren Daten umgehen und sich unter anderem deshalb bewusst nicht an den sozialen Netzwerken im Web beteiligen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der digitalen Spaltung ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Beweggründe von Social-Media-Verweigerern im Vergleich zu Offlinern.
2. Digitale Spaltung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der digitalen Spaltung als kommunikationswissenschaftliche Hypothese im Hinblick auf den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechniken.
3. Das Social Web: Das Kapitel beleuchtet die Definition, die historische Entwicklung sowie die soziologische Bedeutung des Social Web als digitalen Treffpunkt.
4. Fazit: Der Social-Media-Verweigerer im Vergleich: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und charakterisiert Social-Media-Verweigerer als unabhängige, bewusste Nutzer, während die Offliner-Gruppe stärker durch Unwissenheit geprägt ist.
5. Prognose zur Entwicklung des Social Web: Das letzte Kapitel wagt einen Ausblick auf die widersprüchliche Entwicklung des Webs zwischen Kommerzialisierung und Informationsfreiheit.
Schlüsselwörter
Digitale Spaltung, Social Web, Web 2.0, Social-Media-Verweigerer, Offliner, Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Internetnutzung, Medienkompetenz, Wissenskluft, Online-Netzwerke, Nutzungsverhalten, Informationsgesellschaft, Technischer Zugang, Zeitverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Ursachen, warum bestimmte Personengruppen sich gegen die Teilnahme an sozialen Netzwerken entscheiden, und stellt diese in einen Kontext zur allgemeinen digitalen Spaltung.
Welche Gruppen stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die sogenannten „Social-Media-Verweigerer“ (Nutzer, die online sind, aber soziale Netzwerke meiden) und die „Offliner“ (Personen ohne Internetzugang).
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die Nichtnutzung von sozialen Netzwerken zu identifizieren und zu prüfen, ob sich diese von den Gründen der allgemeinen Internetabstinenz unterscheiden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse bestehender Studien und Umfragen (z.B. ARD/ZDF-Offlinestudie, Social-Media-Atlas) sowie einer dialektischen Gegenüberstellung der Argumentationsmuster beider Gruppen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil analysiert spezifische Faktoren wie den technischen Zugang, Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes (Datenklau), Zeitverlust durch Suchtgefahr sowie mangelndes Interesse als Barrieren für die Teilnahme am Social Web.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Digitale Spaltung, Social-Media-Verweigerung, Datenschutz, Wissenskluft und Mediennutzungsverhalten.
Sind Social-Media-Verweigerer technisch nicht in der Lage, das Web zu nutzen?
Nein, die Arbeit stellt heraus, dass es sich bei Social-Media-Verweigerern meist um eine bewusste, unabhängige Entscheidung handelt, während bei Offlinern oft eher eine intuitive Distanz aufgrund von Unwissenheit vorliegt.
Wie bewerten die Verweigerer das Thema Datenschutz?
Ein signifikanter Teil der Social-Media-Verweigerer äußert Bedenken bezüglich der Weitergabe persönlicher Daten an Dritte und befürchtet dauerhafte, irreversible Spuren im Internet.
Welche Rolle spielt die „Suchtgefahr“ bei der Verweigerung?
Der wahrgenommene Zeitverlust und das Potenzial für suchtartiges Verhalten bei der Nutzung sozialer Netzwerke werden von Verweigerern als ein wesentliches Argument gegen die Teilnahme angeführt.
- Arbeit zitieren
- Merle Sievers (Autor:in), 2012, Digitale Spaltung im Social Web. Über Ursachen und Folgen der Nicht-Teilnahme am Social Web, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/267450