Wo sich Menschen unterschiedlicher `Herkunftskulturen` begegnen, erfordert das Gelingen von Interaktionen eine weitaus höhere Sensibilität als bei Menschen innerhalb ein und derselben `Kultur`. In unserer heutigen komplexen Welt, deren innergesellschaftliche Kommunikationsformen auch aufgrund weltweiter Migration von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig geworden sind, ist es zunehmend von Bedeutung, sich in seine Mitmenschen einfühlen zu können, mit denen man seinen Alltag teilt und die genauso wie man selbst bestimmte Beweggründe für ihr jeweiliges Handeln haben, auch wenn diese nicht immer den eigenen entsprechen. Deshalb sollte das Bewusstsein für auftretende Probleme innerhalb interkultureller Aktionen geschärft werden.
Missratene Geschäftsabschlüsse auf internationaler Ebene, Kommunikationsprobleme in multikulturell zusammengesetzten Schulklassen oder Enttäuschungen im Auslandsjahr sind nur einige Beispiele solcher Missverständnis-Quellen.
In den letzten Jahrzehnten wurde immer wieder, im Zuge der nach Deutschland eingewanderten `Ausländerpopulation`, über eine gelungene bzw. misslungene Integration debattiert. Dabei wird und wurde regelmäßig ein „Wir“ und „Hier“ im Gegensatz zu einem „Ihr“ und „Dort“ definiert.
Gerade solche Abgrenzungen und Gegenüberstellungen führen im alltäglichen Austausch oft zu Missverständnissen und Vorurteilen. Fremdenfeindlichkeit ist dabei nur die äußerste Konsequenz mangelnder interkultureller Kompetenz. Deshalb ist es insbesondere wichtig, bereits in der Schulzeit unterschiedliche kulturelle Aspekte und Kommunikationsmuster zu thematisieren sowie genauer zu untersuchen; denn gerade hier – wo `Kinder` auch mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinander treffen – muss gelernt werden, sich mit Respekt und Toleranz zu begegnen.
Um die Sensibilisierung für ein vorurteilsfreies Miteinander zu trainieren, ist meiner Meinung nach der Raum `Schule` besonders günstig, da hier bereits eine Gesellschaft (= Klasse) im `Kleinen` vorliegt, an der die S. untereinander wunderbar erproben können, was sie im außerschulischen Alltag und der späteren Berufswelt benötigen, um sich erfolgreich zurechtzufinden.
Der Schwerpunkt der geplanten Unterrichtsreihe wird daher auf das Erkennen unterschiedlicher Denkstrukturen und Handlungsweisen aufgrund verschiedener kultureller Prägungen gelegt: Anhand literarischer Texte und eines Films sollen die S. eine Distanz zu klischeebesetzten Vorstellungsmustern einnehmen lernen un
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung des Themas
2. Zielsetzung dieser Arbeit
3. Analyse und Charakterisierung der Lerngruppe sowie der Lernausgangslage
4. Allgemeine didaktische Überlegungen zum Thema und zur Einheit
5. Nähere Überlegungen zum Aufbau und zu den Inhalten der Einheit
6. Darlegung und Reflexion zweier Unterrichtsstunden aus der Gesamtreihe
6.1 Die fünfte Stunde der Einheit – Die Geschichte vom Hammer
6.2 Die zwölfte Stunde der Einheit – Spatzenmilch und Teufelsdreck
7. Auswertung und Reflexion der gesamten Einheit
8. Mögliche Weiterarbeit und Ausblick
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie durch den interkulturellen Literaturunterricht in einer neunten Gymnasialklasse Vorurteile und Stereotype abgebaut sowie die transkulturelle Kommunikationsfähigkeit gefördert werden können, wobei aktuelle gesellschaftliche Debatten zur Integration als Ausgangspunkt dienen.
- Analyse und Charakterisierung der Lerngruppe
- Methodische Konzeption des interkulturellen Unterrichts
- Einsatz von Literatur zur Förderung der Empathie und Perspektivübernahme
- Reflexion über Kommunikationsmuster und Missverständnisse
- Auswertung von Lernprozessen anhand von Schülerprodukten
Auszug aus dem Buch
Die Geschichte vom Hammer
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er »Guten Tag« sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" Wieder in seiner Wohnung sitzt er da mit seinem Bild in der Hand - enttäuscht und verzweifelt über seine Mitmenschen. Und er beschließt ganz fest: „Nie wieder sprech ich einen an!"
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung des Themas: Einführung in die Bedeutung interkultureller Kompetenz als Schlüsselqualifikation in einer globalisierten Welt und Einordnung in den Deutschunterricht.
2. Zielsetzung dieser Arbeit: Darlegung des Anliegens, die Sensibilisierung für interkulturelle Themen in einer 9. Klasse durch die Analyse politischer Reden und die Integrationsdebatte zu fördern.
3. Analyse und Charakterisierung der Lerngruppe sowie der Lernausgangslage: Beschreibung der Klassenstruktur und der Motivation der Schülerinnen und Schüler, inklusive der Ergebnisse einer Vor-Evaluation zur interkulturellen Kommunikationsfähigkeit.
4. Allgemeine didaktische Überlegungen zum Thema und zur Einheit: Theoretische Herleitung der Einheit basierend auf dem Lehrplan unter Berücksichtigung von Medienkritik und Literaturdidaktik.
5. Nähere Überlegungen zum Aufbau und zu den Inhalten der Einheit: Erläuterung des methodischen Vorgehens, insbesondere der Nutzung von Kommunikationsmodellen und kulturkontrastierenden Anekdoten.
6. Darlegung und Reflexion zweier Unterrichtsstunden aus der Gesamtreihe: Exemplarische Dokumentation und methodische Reflexion zweier zentraler Stunden der Unterrichtsreihe.
6.1 Die fünfte Stunde der Einheit – Die Geschichte vom Hammer: Analyse der Entstehung von Vorurteilen anhand der „Geschichte vom Hammer“ und Erarbeitung von Handlungsalternativen durch Rollenspiele.
6.2 Die zwölfte Stunde der Einheit – Spatzenmilch und Teufelsdreck: Untersuchung kulturspezifischer Missverständnisse anhand literarischer Auszüge und Übertragung auf die eigene Lebenswelt.
7. Auswertung und Reflexion der gesamten Einheit: Zusammenfassende Betrachtung des Kompetenzzuwachses der Schülerinnen und Schüler anhand der Evaluationsergebnisse und der schriftlichen Erörterungen.
8. Mögliche Weiterarbeit und Ausblick: Diskussion über die langfristige Förderung transkultureller Kompetenz an Schulen und die Notwendigkeit der Integration in Schulcurricula.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen und soziologischen Quellen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Transkulturelle Kommunikation, Literaturunterricht, Vorurteilsabbau, Stereotype, Integration, Kommunikationsanalyse, Selbstreflexion, Didaktik, Sozialkompetenz, Konfliktlösung, kulturelle Prägung, Schulpädagogik, Perspektivübernahme, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung transkultureller Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern einer 9. Gymnasialklasse durch einen interkulturell ausgerichteten Literaturunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsreihe?
Im Zentrum stehen die Analyse von Kommunikationssituationen, die kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Stereotypen sowie die Sensibilisierung für kulturabhängige Missverständnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Strategien zu vermitteln, um den eigenen Standpunkt zu hinterfragen, fremde Perspektiven einzunehmen und so einen vorurteilsfreieren Umgang miteinander zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Analysen, die Auswertung von Evaluationsbögen (Vorher-Nachher-Vergleich) sowie die qualitative Untersuchung von Schülerprodukten und Klassenarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert die Planung und Durchführung der Unterrichtsreihe, analysiert exemplarisch zwei Unterrichtsstunden und wertet die Lernfortschritte der Schülerschaft aus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind interkulturelle und transkulturelle Kompetenz, Kommunikationsmodell, Perspektivwechsel, kulturelle Prägung und der kritische Umgang mit Medien und Literatur.
Warum wird die „Geschichte vom Hammer“ in der 5. Stunde eingesetzt?
Der Text dient dazu, anschaulich zu machen, wie Vorurteile und Missverständnisse bereits in intrakulturellen, alltäglichen Situationen durch automatisierte Denkmuster und Angst entstehen können.
Welche Rolle spielt die „Spatzenmilch und Teufelsdreck“-Einheit?
Diese Einheit vertieft das Verständnis für konkrete, sprachlich-kulturelle Missverständnisse und führt die zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte zurück auf die Ebene der zwischenmenschlichen Kommunikation im familiären Kontext.
Wie wurde der Kompetenzzuwachs der Schüler evaluiert?
Durch einen Vergleich der Ergebnisse von Evaluationsbögen vor und nach der Einheit sowie durch die Analyse der Argumentationsqualität in abschließenden schriftlichen Erörterungen der Schülerinnen und Schüler.
- Arbeit zitieren
- Corinna Baspinar (Autor:in), 2012, Aus Vielfalt lernen. Konzepte für den interkulturellen Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/267432