Viele Rezension und Pressezitate zu dem 2009 erschienenen Dokumentarfilm über Swetlana Geier zeugen von einem sehr einfühlsamen, filmisch gelungenem Bild der Protagonistin. Die NZZ (2009) schrieb: „Vadim Jendreyko zeichnet ein differenziertes Porträt der bescheidenen Grande Dame der Übersetzung. Aber vor allem ist ihm auf bewundernswert subtile Weise gelungen, den Prozess des Übersetzens von einer Sprache in eine andere – ein abstrakter Vorgang, der kaum visuelle Momente bietet – filmisch so umzusetzen, dass mit Bildern, Szenen, Klängen eines anderen Mediums die Übersetzungsbewegung weitergeschrieben wird.“
Wie Jendreyko, einer der renommiertesten Regisseure der Schweiz (Dockhorn 2010), in seinem Film visuelle, akustische und filmische Mittel einsetzt, um ein solches differenziertes Porträt Swetlana Geiers und ihres Werkes zu kreieren und die Verschränkung von Literatur und Leben aufzuzeigen, will vorliegende Arbeit analysieren.
Der Film DIE FRAU MIT DEN FÜNF ELEFANTEN entstand 2005 – 2009, nachdem Jendreyko Swetlana Geier in Freiburg kennengelernt und sofort eine Faszination für sie entwickelt hatte. Sie gilt als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Ihre Neuübersetzungen von Dostojewskijs fünf großen Romanen, genannt die "fünf Elefanten", sind ihr Lebenswerk und literarische Meilensteine.
Dieses dokumentarische Porträt stellt sie als eine Frau, die Mutter, (Ur-)Großmutter, Hausfrau und Intellektuelle zugleich ist, in den Mittelpunkt. Gleichzeitig ist Swetlana Geier, die 1923 bei Kiew als Swetlana Michailowna Iwanowa geboren wurde, ein Beispiel für jemanden, der versucht, zwischen zwei Kulturen zu vermitteln, und außerdem eine außergewöhnliche Zeitzeugin zweier totalitärer Herrschaftssysteme und eines Krieges (Geier 2008, 8).
Die Frage nach Heimat und Identität wie auch die Beschäftigung mit der Zeit des 2. Weltkrieges sind keineswegs neu, gleichzeitig verlieren diese Themen aber auch heutzutage nicht an Aktualität.
DIE FRAU MIT DEN FÜNF ELEFANTEN ist in der Filmwissenschaft noch nicht analysiert worden und soll daher in vorliegender Arbeit als ein Beispiel eines dokumentarischen Porträts genauer unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden.
Das Erkenntnisinteresse liegt dabei in den Fragen, wie der Film Swetlana Geier als Zeitzeugin darstellt, die Themen von Heimat und Identität integriert werden und auf welche Weise das Werk die verschiedenen Facetten der Protagonistin präsentiert und mit ihrer Vergangenheit verbindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das dokumentarische Porträt
3. „Die Frau mit den fünf Elefanten“
3.1 Inhalt und Methode des Films
3.2 Filmische Mittel und Motive
3.3 Historischer Bezug
4. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Vadim Jendreykos Dokumentarfilm „Die Frau mit den fünf Elefanten“, um zu untersuchen, wie durch spezifische filmische Mittel ein Porträt der Übersetzerin Swetlana Geier als Zeitzeugin und Intellektuelle konstruiert wird. Das Ziel besteht darin, die Verbindung von literarischem Lebenswerk, privatem Alltag und historischer Vergangenheit aufzuzeigen.
- Methodische Ansätze des dokumentarischen Porträts
- Analysen filmischer Gestaltungsmittel und Motive
- Die Verschränkung von Literatur und Biografie
- Swetlana Geier als Zeitzeugin totalitärer Systeme
- Die Bedeutung von Heimat und Identität im Film
Auszug aus dem Buch
3.1 Inhalt und Methode des Films
Der Film DIE FRAU MIT DEN FÜNF ELEFANTEN, der zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat und sogar 2009 als bester Dokumentarfilm für den Europäischen Filmpreis nominiert war, handelt von Swetlana Geier, ihrem Alltag als Übersetzerin, Familienoberhaupt und Hausfrau sowie einem entscheidenden Teil ihrer Lebensgeschichte.
Das 93-minütige Video kann grob in drei Abschnitte geteilt werden: Die Einführung in ihren Alltag in Freiburg (etwa 30 min), die Reise nach Kiew (etwa 45 min) und erneut ihr Leben in Freiburg, v.a. nach dem Tod ihres Sohnes (etwa 17 Min). Zwischendrin werden regelmäßig biografische Hintergrunddetails mit eingebunden und Ansichten und Gedanken Swetlana Geiers offenbart.
Der schweizerische Filmemacher Vadim Jendreyko stellt diese ältere, (zu der Zeit) aber noch sehr lebhafte Matriarchin in ihrem gemütlichen Freiburger Haus vor, wo sie mit Hilfe zweier Freiwilliger lange Stunden damit verbringt, russische Literatur ins Deutsche zu übersetzen.
Die zweifache Mutter, die auch gelegentlich noch an der Universität lehrt, ist sehr diszipliniert und konzentriert und spricht trotz ihres Alters überaus artikuliert über die Kunst des Übersetzens und über Dostojewski. Ihrem Haushalt bringt sie dieselbe Konzentration und Hingabe entgegen wie ihrer literarischen Arbeit – der Film zeigt sie z.B. beim Bügeln, Einkaufen, Kochen und Essen mit ihrer großen Familie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das filmische Porträt von Swetlana Geier ein und erläutert die Relevanz des Werkes im Kontext von Literatur, Geschichte und Identität.
2. Das dokumentarische Porträt: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen des dokumentarischen Porträts in Film und Literatur und beleuchtet verschiedene Inszenierungstechniken.
3. „Die Frau mit den fünf Elefanten“: Das Hauptkapitel analysiert den Film in Bezug auf seinen Inhalt, die methodischen Ansätze, die eingesetzten filmischen Mittel und den historischen Hintergrund der Protagonistin.
4. Schlussbetrachtung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und Ansätze für weiterführende Untersuchungen im Bereich der Dokumentarfilmtheorie aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Dokumentarfilm, Porträt, Swetlana Geier, Vadim Jendreyko, Dostojewski, Übersetzung, Zeitzeugin, Identität, Heimat, Filmästhetik, Montage, Biografischer Film, Geschichte, Literatur, Filmische Mittel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der filmischen Porträtierung von Swetlana Geier durch Vadim Jendreyko unter Berücksichtigung ihrer Rolle als Übersetzerin und Zeitzeugin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die filmische Ästhetik des Porträts, die Verknüpfung von privatem Leben und professionellem Werk sowie die historische Aufarbeitung der Biografie der Protagonistin.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie der Film durch gezielte Montage und ästhetische Gestaltung ein differenziertes Bild der Protagonistin und ihrer komplexen Lebensgeschichte vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Analyse stützt sich auf eine hermeneutische Interpretation der filmischen Mittel unter Einbeziehung filmwissenschaftlicher Theorien, etwa zum dokumentarischen Erzählen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellung des Films, eine Analyse der filmischen Gestaltungsmittel wie Licht, Schnitt und Kameraführung sowie die Untersuchung des historischen Bezugs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dokumentarfilm, Porträt, Zeitzeugin, Identität, Übersetzung, Filmästhetik und Biografie.
Wie geht der Regisseur mit der Konfrontation der Protagonistin mit ihrer Vergangenheit um?
Jendreyko nutzt hierfür oft historische Fundstücke oder gezielte Nachfragen, wobei er eine respektvolle und tastende Haltung wahrt, um Swetlana Geier als Zeitzeugin authentisch zu präsentieren.
Welche symbolische Bedeutung haben die im Film gezeigten Zwiebeln?
Die Zwiebel fungiert als Metapher für das Erzählen, da sie – wie Dostojewskis Romane – eine komplexe Struktur aus ineinander verwobenen Schichten aufweist, die das Ganze erst ausmacht.
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- Sofia Gruca (Author), 2013, Möglichkeiten des dokumentarischen Porträts am Beispiel des Films „Die Frau mit den fünf Elefanten“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/267003