„Mit Namen heißt sie, weil die Staatsverwaltung nicht auf wenige, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist, Demokratie “. Diese Worte stammen aus der Leichenrede des Perikles. In dieser Rede, bei der es vornehmlich um die Bestattung der ersten Gefallen des nun seit einem Jahr wütenden Peloponnesischen Krieges geht, beschreibt Perikles die Verfassung und politische Grundlage der Polis Attika und der Stadt Athen als die vorbildlichste ihrer Zeit. Die von ihm angepriesene Macht auf den Schultern der Mehrheit stellt die charakteristische Grundlage der Demokratie in Athen dar.
Es ist davon auszugehen, dass Demokratie ein Begriff ist, welcher erst in jene Zeit des klassischen Griechenlands fällt, genauer zwischen 477 und 462 n. Chr. ensteht. Die Athener sahen sich somit, laut Perikles, in einem politischen System der Volksherrschaft, einem Konstrukt der Macht des Volkes. Diese begründet sich zum einen aus dem Archontat Solons 590 n. Chr. sowie den Reformen der Demen des Kleisthenes 507 n. Chr. und der Entmachtung des Areopags durch Ephialtes 462 n. Chr. Großen Einfluss hatte jedoch auch das Bürgerrechtsgesetz, das von Perikles 451 v. Chr. maßgeblich vorangetrieben wurde.
Jenes Bürgerrechtsgesetz ist die Grundlage der von Perikles beschriebenen Demokratie. Zu dieser Gesetzgebung und deren Auswirkung stelle ich meine Forschungsfrage: „Lässt sich die Attische Demokratie als eine auf dem Bürgerrecht fußende, für einen elitären Kreis der Bewohner zugängliches politisches System erachten, welches keine Möglichkeit der Inklusion von außerhalb ermöglichte und dies auch nicht wollte?“ Hierzu hinterfrage ich anhand von Quellen aus Aristoteles, Thukydides, Pseudo-Xenophons und Plutarchs Werken, wie zugänglich die Politik dieser Zeitepoche war, sowie wie Beteiligte und deren mögliche Ämter, als auch die zwangsläufig Unbeteiligten des politischen Systems zu klassifizieren sind. Außerdem werde ich deren Möglichkeiten der politischen Partizipation analysieren. Gerade die sehr genau durch das Bürgerrecht definierte Gruppe der politisch Beteiligten möchte ich in dieser Ausarbeitung kritisch skizzieren, um die Forschungsfrage und deren Relevanz für die Beschreibung einer Demokratie zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Exklusivität des Bürgerrechts
1. Zugang zum Bürgerecht
2. Rechte und Pflichten der Bürger
3. Der Weg in die Ämter
III. Inklusion des Bürgerrechts
1. Stellung der Athener Frauen und Kinder
2. Status der Metöken
3. Status der Sklaven
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die exklusive Natur des athenischen Bürgerrechts in der klassischen Zeit und geht der Forschungsfrage nach, ob die attische Demokratie als ein bewusst elitäres politisches System zu betrachten ist, das den Zugang für breite Bevölkerungsschichten systematisch verweigerte.
- Analyse des Bürgerrechtsgesetzes unter Perikles
- Bedeutung von Abstammung und Status für die politische Teilhabe
- Einfluss von Ämterbesetzung und Losverfahren auf die Demokratie
- Rolle und Status von Frauen, Kindern, Metöken und Sklaven
- Kritische Reflexion der "Demokratie" vor dem Hintergrund historischer Quellen
Auszug aus dem Buch
1. Zugang zum Bürgerecht
Die Exklusivität des Athener Bürgerechtes, welches 451/50 v. Chr. von Perikles initiiert wurde und von der Volksversammlung bestimmt wurde, sah unter anderem vor: „[…] unter Antidotos beschlossen sie auf Antrag des Perikles wegen der großen Anzahl der Bürger, dass niemand am Bürgerecht Anteil haben sollte, dessen Eltern nicht beide Bürger seien.“ Somit wurde der Teil der Bürger Athens, welcher sich als diese im vollen Maße bezeichnen durften, auf einen kleinen Teil beschränkt, nämlich auf eben jene, welche nachweisen konnten, dass beide Elternteile Bürger der Polis waren. Dies sorgte dafür, dass die gesellschaftliche Gruppe der „Metöken“ sich vergrößerte (siehe III.2). Aus dieser Quelle geht eindeutig hervor, dass diese Gesetzgebung auf Antrag des Perikles erlassen wurde. Sie zieht in ihrer Einfachheit eine sehr klare Linie, welche die Bewohner der Polis aufteilt. Da die elterliche Herkunft den Ausschlag für den sozialen Status gibt, ist hierbei keine Möglichkeit gegeben, eine Inklusion von Menschen, welche nicht ein attisches Elternhaus vorweisen können, durchzuführen. Dies ist laut dieser Gesetzgebung eindeutig ausgeschlossen.
Wurde die rein attische Abstammung eines 18 Jahre jungen Mannes als gegeben angesehen, konnte dieser nun am bürgerlichen Leben teilhaben. Dies wird auch hieraus deutlich: „Das Bürgerrecht haben diejenigen, deren Eltern beide Bürger sind; sie werden mit Vollendung des 18. Lebensjahres in die [Liste der] Gemeindemitglieder eingeschrieben“ Diese Quelle unterstreicht jene oben genannte klare Linie in der Möglichkeit, ein athenischer Bürger zu sein oder zu werden. Sie ist so stringent und klar formuliert, dass eine Abweichung von diesem Schema nicht möglich ist. Somit beschränkt sich die Teilhabe an politischen Handlungen und Ämtern in Athen auf eine klar beschriebene Bevölkerungsgruppe. Im weiteren Sinne wird hieraus auch deutlich, dass der Faktor der eigenen Tätig- und Tüchtigkeit, sowie der ökonomische Status, Jahre des Aufenthaltes und des Lebens in Attika oder ähnliche Einflussfaktoren keinerlei Rolle spielten. Somit war der Einstieg in den Status eines vollen Bürgers in Attika nur durch eben diesen beschrieben Weg möglich, was die Anzahl der Attischen Bürger zu jener Zeit deutlich einschränkte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die historische Relevanz der athenischen Demokratie vor und führt die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich des exklusiven Charakters des Bürgerrechts ein.
II. Die Exklusivität des Bürgerrechts: Hier werden die restriktiven gesetzlichen Regelungen zum Erwerb des Bürgerstatus sowie die damit verbundenen Pflichten und Ämterstrukturen detailliert analysiert.
III. Inklusion des Bürgerrechts: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der von der politischen Teilhabe ausgeschlossenen Gruppen wie Frauen, Kinder, Metöken und Sklaven innerhalb der athenischen Gesellschaft.
IV. Fazit: Das Fazit bestätigt die Forschungsfrage, indem es das athenische System als eine in sich geschlossene, elitäre Ordnung identifiziert, die Inklusion von außen konsequent unterband.
Schlüsselwörter
Athenische Demokratie, Bürgerrecht, Perikles, Exklusivität, Inklusion, Politische Partizipation, Metöken, Sklaven, Volksversammlung, Antike, Staatsverwaltung, Ämter, Losverfahren, Gesellschaftsstruktur, Politische Kultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur der athenischen Demokratie im klassischen Zeitalter und der exklusiven Ausgestaltung des Bürgerrechts unter Perikles.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Kriterien für den Erwerb des Bürgerrechts, die Rechte und Pflichten der Vollbürger sowie die gesellschaftliche Stellung von nicht wahlberechtigten Gruppen wie Metöken und Sklaven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob die attische Demokratie tatsächlich als ein für einen elitären Kreis reserviertes System ohne echte Inklusionsmöglichkeiten zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse durch, wobei er antike Autoren wie Aristoteles, Thukydides, Pseudo-Xenophon und Plutarch heranzieht und diese mit moderner Forschungsliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zugangs zum Bürgerrecht, die Pflichten der Bürger, die Ämterbesetzung sowie die detaillierte Ausgrenzung von Frauen, Metöken und Sklaven aus der politischen Teilhabe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Publikation ist durch Begriffe wie Bürgerrecht, Exklusivität, Partizipation und demokratisches Selbstverständnis der Antike geprägt.
Warum spielt die Leichenrede des Perikles eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Sie dient als zentrale Quelle, um das Selbstverständnis der Athener über ihre Demokratie zu hinterfragen und den Widerspruch zwischen dem propagierten Ideal und der tatsächlich exklusiven politischen Praxis aufzuzeigen.
Welchen Einfluss hatte das Losverfahren auf die demokratische Teilhabe?
Das Losverfahren suggerierte einen hohen demokratischen Standard, da Ämter zufällig besetzt wurden; der Autor weist jedoch darauf hin, dass nur ein enger Kreis von Vollbürgern an diesem Verfahren überhaupt teilnehmen durfte.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Engíneering Sebastian Kolb (Autor:in), 2013, Das Bürgerrecht im Athen der klassischen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/266323