„Ohne Angst verschieden sein“
Der Philosoph und Soziologe Adorno stellte 1944 bereits fest, was heute als Endergebnis der Inklusion feststehen soll. Unterschiedlichkeit als Normalität. Die Inklusion gewinnt subjektiv gesehen zunehmend an Bedeutung. Das Thema erhält nach und nach mehr Einzug in die Medien und in der Gesellschaft scheint sich ein Laienverständnis über Inklusion auszubreiten. Daher bedarf dieses Thema einer genaueren Betrachtung. Gibt man das Stichwort „Inklusion“ in die Internetsuchmaschine Google ein, so erhält man bereits 2.670.000 Treffer (Stand: 21.06.2013). Allerdings wird bei dieser Art der Überblicksverschaffung auch deutlich, dass sich die Inklusion noch hinter ihrem „Vorreiter“, der Integration, versteckt.
Das Stichwort „Integration“ schafft es auf über 321 Millionen Treffer in der Suchmaschine. Grund dafür kann eine Entwicklung sein, die bei der Literaturrecherche auffällt: Der Begriff Integration wird in vielen verschiedenen Kontexten, beispielsweise bei der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen, Migranten oder sozial Benachteiligten, benutzt. Integrationsauszeichnungen, -kampagnen und -preise sind allgegenwärtig. Die Inklusion hingegen wird häufig nur im Kontext mit Menschen mit Behinderungen benutzt. Von einer Inklusion sozial Benachteiligter ist beispielsweise kaum die Rede. Auch diese Arbeit wird sich auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen beziehen.
Im Blickpunkt der Inklusion stehen verstärkt die Aufgaben der Bildung und die Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Daher konzentriert sich diese Arbeit auf die bildungsspezifischen Aspekte der Inklusion. Zentral werden dabei die Fragen sein, inwieweit die Inklusion bereits in deutschen Schulen vorangeschritten ist und auf welche rechtlichen Grundlagen sich diese Veränderungen beziehen. Eine besondere Betrachtung soll allerdings dem inklusivem Sport zugebracht werden. Die Fragen welche Möglichkeiten es gibt, inklusiv Sport zu treiben und welche Probleme dabei auftreten können, versucht diese Arbeit zu beantworten. Den Abschluss bildet ein Stundenbeispiel, in dem die theoretischen Vorüberlegungen in die praktische Arbeit umgesetzt werden.
Der Rahmen der Arbeit ermöglicht allerdings nur eine Thematisierung des inklusiven Schulsports. Daher wird nicht weiter auf den Freizeit- und Vereinssport, sowie das informelle Sporttreiben eingegangen. Den Beginn allerdings sollen definitorische Grundlagen bilden, um einen Überblick über die Sache zu bekommen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist Behinderung?
1.1 Definition
1.2 Erklärungsmodelle für Behinderungen und Störungen
1.2.1 Biologisch medizinische Modelle
1.2.2 Psychologische Modelle
1.2.3 Soziologische Modelle
1.3 Verschiedene Ausprägungen von Behinderungen und Störungen
1.3.1 Lernstörung
1.3.2 Geistige Behinderung
1.3.3 Körperliche Behinderung
1.3.4 Störung des Sehens und Hörens
1.3.5 Entwicklungsstörung
2. Was ist Inklusion?
2.1 Definition
2.2 Herkunft und Entstehung
2.2.1 Pädagogik der Vielfalt
2.3 Kritik
3. Gesetzliche Vorgaben
3.1 Salamanca Erklärung
3.2 UN – Behindertenrechtskonvention
3.3 Schulrecht
4. Statistische Angaben
4.1 Menschen mit Behinderungen
4.2 Beschulung von Menschen mit Behinderung
4.3 Inklusion im deutschen Schulsystem
5. Inklusion im Sportunterricht
5.1 Aufgaben und Ziele des Sportunterrichts
5.2 Problematik
5.3 Lösungsstrategien
5.4 Stundenbeispiel
5.4.1 Ausgangslage und Hinführung
5.4.2 Ziel der Stunde
5.4.3 Methodik
5.4.4 Verlaufsplan
5.4.5 Inhaltliche Erläuterungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der Inklusion im deutschen Schulsport. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie inklusiver Sportunterricht gestaltet werden kann, um trotz unterschiedlicher körperlicher und geistiger Voraussetzungen eine gemeinsame Teilhabe zu ermöglichen.
- Definition und Erklärungsmodelle von Behinderung
- Die historische Entwicklung des Inklusionsbegriffs
- Rechtliche Grundlagen wie die UN-Behindertenrechtskonvention
- Herausforderungen und Problematiken in der schulischen Praxis
- Lösungsstrategien für die Gestaltung inklusiver Sportstunden
Auszug aus dem Buch
5.2 Problematik
Dass die Inklusion die Institution Schule vor einige Herausforderungen stellt, wurde bisher schon herausgefunden. Eine besondere Herausforderung stellt die Inklusion im Schulsport dar. Häufig wird gemeint, dass gerade im Sportunterricht die Inklusion leicht und fast von allein vonstattengeht, denn beim Sporttreiben sind häufige Begegnungen, Kontaktaufnahmen und Körperkontakt häufig an der Tagesordnung. Auch die Einbindung von Menschen mit Behinderungen ist leicht vorstellbar. Der Sehbehinderte beispielsweise wird von einem anderen Kind geführt oder der Rollstuhl geschoben. Jedoch muss man dabei hinterfragen, inwieweit der Sport mit seinen Zielen noch im Vordergrund steht.
Sportlehrer sind den Umgang mit heterogenen Gruppen gewöhnt. Selten werden Sportklassen nach Leistung differenziert und auch bei der Einordnung in die verschiedenen Schulen der Sekundarstufen spielt das Fach Sport ähnlich wie Kunst oder Musik kaum eine Rolle. Allerdings ist diese Heterogenität häufig nicht gewünscht. Für Sportlehrer ist es meist durch ihre eigene Sportsozialisation (bspw. in Vereinen) normal, dass in einer recht leistungsgleichstarken Gruppe Sport getrieben wird. So stellt Graumann (2002, S. 29) fest: „Obgleich alle Lehrenden heute unter der Belastung leiden, die aus Heterogenität der SchülerInnen in jeder Schulform zu resultieren scheinen, haben die wenigsten gelernt, (…) sie als Potential und nicht als Belastung zu sehen“. Diese Einsicht muss geschaffen werden, damit ein qualitativ hochwertiger Sportunterricht stattfinden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Behinderung?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene wissenschaftliche Definitionen und Erklärungsmodelle für Behinderungen, um ein grundlegendes Verständnis für die unterschiedlichen Ausprägungen von Beeinträchtigungen zu schaffen.
2. Was ist Inklusion?: Hier werden die theoretischen Ansätze der Inklusion sowie deren geschichtliche Entstehung und Abgrenzung zur Integration dargestellt, inklusive einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff.
3. Gesetzliche Vorgaben: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen für Inklusion, insbesondere durch die Salamanca-Erklärung und die UN-Behindertenrechtskonvention, sowie deren Umsetzung in das deutsche Schulrecht.
4. Statistische Angaben: Diese Sektion liefert eine empirische Grundlage zur Anzahl behinderter Menschen in Deutschland und zeigt den aktuellen Status der Beschulungssituation auf.
5. Inklusion im Sportunterricht: Der Hauptteil setzt sich intensiv mit der Gestaltung eines inklusiven Sportunterrichts auseinander, diskutiert fachspezifische Probleme und präsentiert konkrete Lösungsstrategien sowie ein praxisorientiertes Stundenbeispiel.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sportunterricht, Behinderung, Schulsport, Heterogenität, Sonderpädagogik, UN-Behindertenrechtskonvention, Partizipation, Bewegungsförderung, Lehrerausbildung, Integration, Kompetenz, Leistungsbewertung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung und den Möglichkeiten der Umsetzung von Inklusion im deutschen Schulwesen, mit besonderem Fokus auf den Sportunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Definition von Behinderung, die rechtlichen Grundlagen für Inklusion, die Analyse des aktuellen Inklusionsstandes in Deutschland und die sportpädagogische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Inklusion im Sportunterricht trotz hoher Heterogenität der Schülerschaft gelingen kann und welche methodischen Ansätze hierfür notwendig sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine umfassende Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten (z. B. Mikrozensus und Bertelsmann-Studien), um den theoretischen und praktischen Stand der Inklusion zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwierigkeiten, die bei der Durchführung von Sportunterricht in inklusiven Klassen entstehen, und erarbeitet Qualitätskriterien und Lösungsstrategien für Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der Inklusion stehen Begriffe wie heterogener Unterricht, Partizipation, Sportpädagogik und rechtliche Rahmenbedingungen im Vordergrund.
Welche Rolle spielt die UN-Behindertenrechtskonvention für das im Buch beschriebene Schulrecht?
Die Konvention dient als zentrale gesetzliche Grundlage und Impulsgeber für die gesetzlichen Anpassungen in den verschiedenen Bundesländern, insbesondere im Hinblick auf den gemeinsamen Schulbesuch.
Warum wird im Stundenbeispiel das Thema „Kämpfen“ gewählt?
Das Thema „Kämpfen“ dient als Beispiel, um zu zeigen, dass auch komplexe Anforderungen im Sportunterricht unter Berücksichtigung von Körperkontakt und fairem Miteinander inklusiv gestaltet werden können.
- Arbeit zitieren
- Jens Malzer (Autor:in), 2013, Inklusion im (Schul-)Sport, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265735