Meine Arbeit widmet sich der Gedächtnisforschung und untersucht im wesentlichen die Konstruktion von Erinnerung des Nationalsozialismus in der heutigen Gesellschaft. Es gilt zu beweisen, inwieweit generationsübergreifend das Erinnern erfolgt, oder verfälscht wird.
Dabei berufe ich mich auf das Drama „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht1, welches den Alltag und das Leben unter der Willkürherrschaft von Adolf Hitler in der NS-Zeit in 24 Szenen darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Wie entwickelt der Mensch Erinnerungen?
1.1.1 Die Verdrängung von Reminiszenzen
2 Die Konstruktion von Erinnerung
2.1 Die jüdische Frau
2.1.1 Kontemporäre Auslegungen
2.2 Widerstand eines Familienvaters
2.2.1 Aktualisierung der heutigen Gesellschaft
3 Die Gemeinschaft
3.1 Deutschland als Erinnerungskultur
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Erinnerung an den Nationalsozialismus in der heutigen Gesellschaft unter Verwendung des Dramas „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie generationsübergreifendes Erinnern erfolgt, verfälscht wird oder durch die Auseinandersetzung mit Literatur und historischen Kontexten geformt werden kann.
- Gedächtnisforschung und die Theorie von Aleida Assmann
- Analyse der Konstruktion von Erinnerung in Brechts Dramenszenen
- Die Rolle von Mischehen und politischem Widerstand in der Erinnerungskultur
- Der Einfluss des Generationswechsels auf die gesellschaftliche Erinnerung
- Psychologische Mechanismen wie Trauma, Verdrängung und Schuldabwehr
Auszug aus dem Buch
Die jüdische Frau
In Anbetracht der Thematik von jüdisch – arischen Verhältnissen beschreibt 'Brecht' eine jüdische Frau, in Frankfurt im Jahre 1935, namens Judith Keith, die eines Abends ihre Koffer packt und sich durch einzelne Telefonate mit ihren Angehörigen und Bekannten für einen längeren Aufenthalt in Amsterdam versucht einzustimmen und zu verabschieden, bevor sie ihrem arischen Mann, Fritz, von dem Vorhaben erzählt. Aus den Gesprächen mit ihren Bekannten, dem Arzt und der Schwester ihres Mannes namens Gertrud kommt zur Sprache, dass sie in Amsterdam Freunde habe und situiert in den Konversationen die voraussichtliche bedrückte Lage des Mannes, damit seine Schwester, zusammen mit einer Vertraute von Judith, auf ihn Acht geben und aufopferungsfähig erscheinen.
In Anlehung an ihren Mann, erprobt sie die Situation ihm von der Reise bekannt zu geben. Darin äußert sie, auf die vermutlichen, rückgreifenden Fragestellungen des Mannes, mit zahlreichen rhetorischen Fragen, wie sehr ihr die Position des wertlosen Menschen zugeschrieben wird, was es an der Form ihrer Nase zu bekritteln gäbe und charakterisiert hoffnungsvoll ihr Leben in den Niederlanden, in dem es ihr unter allen Umständen besser ergehen wird. Angesichts dieser Einführung koppelt 'Brecht' die Szene mit einem Gedicht als evidenten Einstieg:
„Und dort sehen wir jene kommen
Denen er ihre Weiber genommen
Jetzt werden sie arisch gepaart.
Da hilft kein Fluchen und Klagen
Sie sind aus der Art geschlagen
Er schlägt sie zurück in die Art.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsfeld der Gedächtnisforschung und stellt die wissenschaftliche Basis durch Aleida Assmanns Theorien sowie Brechts Werk vor.
1.1 Wie entwickelt der Mensch Erinnerungen?: Dieses Kapitel beleuchtet Trauma und Vergessen als zentrale Faktoren bei der Konstruktion und Abspaltung von Erinnerungen.
1.1.1 Die Verdrängung von Reminiszenzen: Hier wird die Strategie der Schuldabwehr und die Externalisierung von belastenden Ereignissen in der Vergangenheit analysiert.
2 Die Konstruktion von Erinnerung: Dieses Kapitel verknüpft das theoretische Grundlagengerüst mit szenischen Beispielen aus Brechts Drama.
2.1 Die jüdische Frau: Eine Analyse des Schicksals von Judith Keith, die unter dem Druck der nationalsozialistischen Rassegesetze aus ihrem Umfeld flieht.
2.1.1 Kontemporäre Auslegungen: Untersuchung der wissenschaftlichen und historischen Perspektiven auf die Mischehenproblematik und die nationalsozialistische Gesetzgebung.
2.2 Widerstand eines Familienvaters: Beschreibung der Widerstandsbewegung anhand einer Szene, die die repressive Gewalt des Regimes und die Reaktion der Bevölkerung thematisiert.
2.2.1 Aktualisierung der heutigen Gesellschaft: Reflexion darüber, wie das soziale Gedächtnis die Wahrnehmung des Widerstandes in der heutigen Zeit formt.
3 Die Gemeinschaft: Dieses Kapitel diskutiert die allgemeine Verankerung des Nationalsozialismus in der deutschen Erinnerungskultur.
3.1 Deutschland als Erinnerungskultur: Untersuchung des Generationswechsels und dessen Bedeutung für die Etablierung einer lebendigen Erinnerungskultur.
4 Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Arbeit werden reflektiert und die Diskrepanz in der Informationsbreite verschiedener historischer Themen aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Bertolt Brecht, Furcht und Elend des Dritten Reiches, Aleida Assmann, Gedächtnisforschung, Trauma, Verdrängung, Widerstandsbewegung, Rassegesetze, Mischehen, soziales Gedächtnis, Generationswechsel, Schuldabwehr, historische Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung der Gedächtnisforschung und wie Erinnerungen an das Dritte Reich in der heutigen Gesellschaft konstruiert und teilweise verfälscht werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Theorie des kollektiven Gedächtnisses, psychologische Mechanismen der Verdrängung sowie die literarische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die generationsübergreifende Wahrnehmung und Rekonstruktion von Erinnerungen unter Rückgriff auf Brechts Drama „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch geschichtswissenschaftliche Theorien (insbesondere von Aleida Assmann) und historische Dokumente ergänzt wird.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert spezifische Szenen des Dramas, etwa die Situation der „jüdischen Frau“ und den Widerstand eines „Familienvaters“, um daraus Rückschlüsse auf das damalige Leben und die heutige Erinnerung zu ziehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erinnerungskultur, Trauma, Verdrängung, Widerstandsbewegung, sowie die Dimensionen des neuronalen, sozialen und kulturellen Gedächtnisses.
Wie geht die Arbeit mit dem Begriff der „Rassentrennung“ im Kontext von Brecht um?
Die Arbeit zeigt anhand des Beispiels von Judith Keith, wie die Ideologie der Mischehen-Verbote das persönliche Leben und die Entscheidungsfreiheit der Menschen im NS-Staat massiv einschränkte.
Welche Rolle spielen die historischen Gesetze in der Analyse?
Gesetze wie das „Blutschutzgesetz“ oder die „Verordnung gegen heimtückische Angriffe“ dienen als Kontextualisierung, um die literarische Darstellung von Angst und Repression durch Brecht wissenschaftlich zu unterfüttern.
- Quote paper
- Lars Tasto (Author), 2012, Erinnerungskultur in der deutschsprachigen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265520