Diese Arbeit widmet sich einem wiederkehrenden Motiv im Werk von David Lynch, das besonders der Filmkritiker Georg Seeßlen beschrieben hat. Das Motiv des unfertig Geborenseins Lynchs seltsamer Charaktere, das seine Ursprünge wohl bei Sigmund Freud findet, wird mit seinen Facetten der Sprache, der Geburtsumstände und der Sexualität theoretisch aus Seeßlens und anderer sich mit Lynch beschäftigender Arbeiten (etwa von Anne Jerslev) herausgearbeitet und dann am Beispiel des Films "DUNE - Der Wüstenplanet" (1984) mit seinem Hauptcharakter Paul Artreides konkretisiert. Andere in der Arbeit angerissene Filme sind Lynchs Frühwerk "Eraserhead" (1977) und "Blue Velvet" (1986) sowie die Kurzfilme "The Alphabet" (1968) und "The Grandmother" (1970)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der unfertigen Geburt nach Seeßlen
2.1 Verhältnis zur Sprache
2.2 Verhältnis zur Sexualität
2.3 Ungewöhnliche Geburtsumstände
3. Übertragung des Konzeptes auf DUNE / Paul Atreides
3.1 Zusammenfassung/Überblick DUNE
3.2 Paul Artreides als unfertiger Mann nach Seeßlen
3.3 Szenenanalyse
4. Schluss/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das von Georg Seeßlen entwickelte Motiv des "unfertig geborenen Menschen" und wendet es auf den Protagonisten Paul Atreides im Film "Dune" (1984) von David Lynch an, um Parallelen zu anderen Lynch-Helden aufzuzeigen.
- Analyse der theoretischen Aspekte unfertiger Geburt (Sprache, Sexualität, Geburtsumstände).
- Übertragung der Kriterien auf die Figur Paul Atreides.
- Untersuchung der "Gom Jabbar"-Szene als Initiationsritus.
- Reflexion über die filmische Umsetzung durch David Lynch.
Auszug aus dem Buch
3.3 Szenenanalyse
Schon relativ zu Beginn des Filmes erfährt ein Oberhaupt der Bene Gesserit, dass Jessica verbotenerweise einen Sohn zur Welt gebracht hat. In einer Art Initiationsritus soll getestet werden, ob Paul tatsächlich der Auserwählte „Kwisatz Haderach“ und außerdem menschlich ist und allen tierischen Impulsen, die Hand aus der Box zu ziehen, widerstehen kann. (Torres Meza 2010, S. 21)
Ich habe mich für diese Szene entschieden, da sie die meiste Prägnanz für mein Thema besitzt und Paul noch deutlicher als eine andere Szene, die in Frage gekommen wäre, als unfertigen Mann entlarvt: Wenn Paul - ebenfalls zu Beginn - mit seinem Vater Leto nachts auf dem Balkon redet, geht es unter anderem um das Schlafende in Paul, das erwachen muss: ein markanter Hinweis auf die unfertige Geburt.
Die knapp vierminütige „Gom Jabbar“-Szene (benannt nach der Nadel, die Gaius Helen Mohiam an Pauls Hals hält) ist sehr düster inszeniert, es sind nur punktuelle Lichtquellen gesetzt. Paul empfängt Befehle sowohl zu Beginn von seiner Mutter, als auch später durch Mohiam, ist hier also in einer untergeordneten Rolle. Das wird besonders deutlich, wenn er sich der Stimme der Mohiam trotz anfänglichen Widerstandes nicht dauerhaft widersetzen kann, und vor ihr, die auf einer Art Thron sitzt, kniend unter der Bedrohung durch die „Gom Jabbar“-Nadel die Prozedur über sich ergehen lassen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas und des Konzepts der "unfertigen Geburt" nach Seeßlen im Kontext von David Lynchs Filmen.
2. Das Konzept der unfertigen Geburt nach Seeßlen: Theoretische Herleitung der Kernmerkmale wie Sprachproblematik, gestörte Sexualität und traumatische Geburtsumstände bei männlichen Filmfiguren.
3. Übertragung des Konzeptes auf DUNE / Paul Atreides: Anwendung der theoretischen Kriterien auf den Protagonisten Paul Atreides, inklusive einer Analyse der "Gom Jabbar"-Szene.
4. Schluss/Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit des Konzepts auf "Dune" und Reflexion über die Handschrift von David Lynch in diesem Blockbuster-Projekt.
Schlüsselwörter
David Lynch, Dune, Paul Atreides, unfertige Geburt, Georg Seeßlen, Filmwissenschaft, Initiationsritus, Gom Jabbar, Bene Gesserit, Sprachproblematik, Sexualität, Geburtstrauma, Identitätsentwicklung, Kino, Medienwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das filmtheoretische Konzept des "unfertig geborenen Menschen" in den Werken von David Lynch und analysiert, inwiefern dieses Motiv auf die Figur Paul Atreides in Lynchs Film "Dune" anwendbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Auseinandersetzung mit Identitätsentwicklung, psychologischen Traumata bei Filmhelden sowie die spezifischen narrativen und ästhetischen Mittel, die Lynch zur Charakterzeichnung einsetzt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Paul Atreides – obwohl er eine adaptierte Romanfigur ist – dennoch die für Lynch-Filme typischen Merkmale einer "unfertigen Geburt" aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Theorie von Georg Seeßlen basiert und durch die detaillierte Szenenanalyse eines konkreten Filmausschnitts ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Kriterien (Sprache, Sexualität, Geburt) und deren systematische Anwendung auf den Film "Dune" und seinen Protagonisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "unfertige Geburt", "David Lynch", "Dune", "Identitätsfindung" und "Gom Jabbar" charakterisiert.
Warum ist die "Gom Jabbar"-Szene für die Analyse so bedeutend?
Die Szene dient als Initiationsritus, der die untergeordnete Rolle von Paul verdeutlicht und durch die physische Bedrohung sowie die Kontrolle durch die Mutterfigur die "Unfertigkeit" und Verletzlichkeit des Protagonisten besonders prägnant darstellt.
Wie korreliert das Konzept mit dem von Sigmund Freud?
Die Arbeit verknüpft Seeßlens Beobachtungen mit Freuds Geburts- und Inzesttheorien, um die Urängste und das Verlangen nach symbiotischer Einheit, die Lynch-Figuren oft motivieren, theoretisch zu untermauern.
- Arbeit zitieren
- Bastian Weiß (Autor:in), 2013, Das Motiv des unfertig Geborenseins in den Filmen von David Lynch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265233