Die aoristische Extension erweitert den Funktionsbereich des imperfektiven Präteritums um die aoristische (momentan-semelfaktive) Bedeutung, die normalerweise dem perfektiven Präteritum vorbehalten ist. Czochralskis Beispiel Pisaliśmy do niego kann also eine momentane, einmalige Handlung bezeichnen, die sich der Bedeutung von Napisaliśmy do niego nähert. Neben der aoristischen Bedeutung, der Bezeichnung des Ereignishaften, wird jedoch auch die resultative Bedeutung in den Umfang der aoristischen Extension miteinbezogen. Pisaliśmy do niego kann also ebenfalls eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit bezeichnen. Wie Czochralski betont, enthält die aoristische Extension also das gesamte perfektive Strukturbündel. Eine solche Aussage können wir leicht überprüfen, indem wir Formen des imperfektiven Präteritums in einen eindeutig momentanen, semelfaktiven bzw. resultativen Kontext setzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Primäre und sekundäre Symmetrica
3. Erstellung des Fragebogens
4. Auswertung des Fragebogens
4.1. Die primären Symmetrica
4.1.1. Simplicia
4.1.2. Aspektbildung
4.1.3. Suppletive Transposition
4.2. Die sekundären Symmetrica
4.2.1. Unipräfixale Transposition
4.2.2. Partielle Transposition
4.3. Primäre und sekundäre Symmetrica im Vergleich
4.4. Zur multipräfixalen Transposition
4.5. Zur pleonastischen Transposition
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Ausdehnung des imperfektiven Präteritums im Polnischen durch die sogenannte aoristische Extension. Ziel ist es, mithilfe einer empirischen Untersuchung auf Basis von Fragebögen zu prüfen, inwieweit Sprecher des Polnischen bestimmte Aspektpaare unter aoristischer Extension als korrekt oder semantisch äquivalent wahrnehmen und wie sich die Kategorisierung von Symmetrica nach Czochralski dabei bewährt.
- Analyse der aoristischen Extension imperfektiver Verben.
- Unterscheidung zwischen primären und sekundären Symmetrica.
- Empirische Überprüfung von Ausfüllungsprozessen durch Muttersprachler.
- Vergleich der Akzeptanz verschiedener Transpositionsarten.
- Kritische Reflexion des Aspektsystems und der terminologischen Systematik nach Czochralski.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Begriff der aoristischen Extension stammt von J. A. Czochralski. Er bezeichnet eine funktionelle Ausdehnung von imperfektiven Präteritoralformen, die in gewissen Kontexten eine Funktion des perfektiven Präteritums übernehmen können:
Es ist der Fall, wo ein Moment in der Vergangenheit als eine Tatsache hingestellt wird. In dieser an sich perfektiven Anwendung erscheint das Imperf. Prät. bei aspektualer Extension. Zwei Fälle können unterschieden werden: a) Einzelereignisse speziellen Typs, wo festgestellt wird, daß der angegebene Vorgang tatsächlich stattgefunden hat, b) Angabe des Urhebers, wo es nicht um die im Verb dargestellte Tätigkeit geht, sondern um den Urheber einer Tätigkeit, die zur Entstehung eines Gegenstandes geführt hat. Beispiele: zu a) Czytałeś tę książkę? Widziałeś się z nim? Rozmawiałeś z nią wczoraj? Pisaliśmy do niego. Słuchałeś dziennika? Nic o tym nie słyszałem. zu b) Kto malował ten obraz? Kto reżyserował tę sztukę? Kto rzeźbił tę statuę? To ubranie szył mi krawiec na zamówienie.
Es ist offensichtlich, daß die aoristische und die präresultative Bedeutung Gegensätzliches ausdrücken und als solche miteinander unvereinbar sein sollten. Und dennoch werden sie durch ein und dieselbe Formkategorie wiedergegeben, nämlich durch das imperfektive Präteritum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Begriff der aoristischen Extension nach Czochralski und Erläuterung der funktionalen Doppeldeutigkeit imperfektiver Präteritoralformen.
2. Primäre und sekundäre Symmetrica: Diskussion der theoretischen Einordnung von Aspektpaaren und der Kritik an Czochralskis Auffassung der Präfigierung.
3. Erstellung des Fragebogens: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise zur empirischen Überprüfung der Thesen mittels Befragung polnischer Muttersprachler.
4. Auswertung des Fragebogens: Detaillierte Darstellung und Analyse der Ergebnisse für primäre und sekundäre Symmetrica sowie verschiedene Transpositionsarten.
5. Zusammenfassung: Resümee der Untersuchungsergebnisse und Bestätigung der empirischen Relevanz von Czochralskis Systematik.
Schlüsselwörter
Aoristische Extension, Polnische Linguistik, Aspektbildung, Imperfektives Präteritum, Primäre Symmetrica, Sekundäre Symmetrica, Suppletive Transposition, Aspektpaare, Sprachwissenschaftliche Empirie, Verbale Aspektologie, Aktionale Modifizierung, Sprachliche Akzeptanz, Polnisches Verbsystem, Transposition, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der funktionalen Erweiterung des Gebrauchs von imperfektiven polnischen Verben in der Vergangenheit, die in bestimmten Kontexten die Rolle perfektiver Formen übernehmen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Aorist-Extension, die Unterscheidung von Symmetrica und Asymmetrica sowie die empirische Überprüfung der Sprecherakzeptanz dieser grammatikalischen Phänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung der theoretischen Behauptungen von Czochralski zur aoristischen Extension, um festzustellen, welche Aspektpaare von Sprechern akzeptiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Untersuchung in Form eines Fragebogens durchgeführt, bei der 13 polnische Muttersprachler die Korrektheit und Äquivalenz verschiedener Verbformen beurteilen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung der Symmetrica und die detaillierte statistische Auswertung der Umfrageergebnisse für verschiedene Untergruppen wie Simplicia, suppletive oder unipräfixale Transpositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Aoristische Extension, Aspektbildung, Symmetrica und die Analyse des polnischen Präteritums bestimmt.
Welche Rolle spielt Czochralski in dieser Arbeit?
J. A. Czochralski liefert die theoretische Basis und die Terminologie; der Autor prüft diese Ansätze kritisch auf Basis der empirischen Daten.
Warum wird zwischen primären und sekundären Symmetrica unterschieden?
Diese Unterscheidung ist notwendig, da die Akzeptanz der aoristischen Extension stark davon abhängt, ob die Aspektpaare durch einfache Simplicia oder komplexe Transpositionsvorgänge gebildet wurden.
Was zeigt die Auswertung bezüglich der Akzeptanz?
Die Ergebnisse zeigen, dass sekundäre Symmetrica tendenziell eine höhere Akzeptanz für die aoristische Extension aufweisen als primäre Symmetrica.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Systematik?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Czochralskis Kategorisierung grundsätzlich nützlich ist, aber durch empirische Untersuchungen an Präzision gewinnt, insbesondere hinsichtlich der Rolle der aktionalen Modifizierung.
- Arbeit zitieren
- Heinz Rosenau (Autor:in), 1998, Die aspektuale Extension imperfektiver Verben in Aussagen des Typs "Czytałem tę książkę", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265070