Bei Kind of Blue handelt es sich um ein 1959 entstandenes Jazz-Album, das viele Fans, Ex-perten und Musikliebhaber bis heute als einen absoluten Meilenstein der Jazzgeschichte ver-stehen. So bezeichnete der Jazz-Pianist und Komponist Herbie Hancock das Album als erste Tür im Leben seiner Generation (vgl. Konrad 2008: 72). Wie kein anderes Album der Jazzge-schichte sollte Kind of Blue als ganzheitliches Werk empfunden werden. Musikkritiker unter-stellen den sechs Protagonisten, mit größter Gelassenheit und Souveränität ans Werk gegan-gen zu sein und behaupten, dass im Jazz noch nie so virtuos mit der Pause, mit Auslassungen oder mit Momenten der Stille gearbeitet wurde (vgl. Lehmkuhl 2009: 75).
Es lässt sich also ohne Übertreibung behaupten, dass Kind of Blue zu den wichtigsten Doku-menten der Jazzgeschichte gehört. Für den Komponisten György Ligeti – ein Vertreter der klassischen Musikavantgarde – war es ein so rares musikalisches Meisterwerk, dass das Al-bum von ihm mit den späten Streichquartetten Beethovens verglichen wurde. Über kein Werk des Jazz ist so viel geschrieben worden wie über dieses von dem Sextett Miles Davis, Cannonball Adderley, John Coltrane, Bill Evans, Paul Chambers und Jimmy Cobb (Wynton Kelly wirkte „nur“ bei dem Titel „Freddie Freeloader“ mit) fabrizierte Kunststück (vgl. Sand-ner 2010: 183f.).
Inhaltsverzeichnis
1. Das Album
2. Der Protagonist
3. Die Entstehung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kulturelle und musikgeschichtliche Bedeutung des 1959 erschienenen Jazz-Albums "Kind of Blue" von Miles Davis. Dabei wird analysiert, wie Davis durch die Einführung der modalen Spielweise und die spezifische Zusammenarbeit mit seinem Sextett einen bahnbrechenden Meilenstein der Musikgeschichte schuf, der bis heute als eines der meistgefragten und einflussreichsten Alben gilt.
- Künstlerische Würdigung von "Kind of Blue" als Jazz-Meilenstein
- Biographische Einordnung von Miles Davis bis zur Entstehung des Albums
- Analyse der neuartigen modalen Spielweise (Modal Jazz)
- Dokumentation des Aufnahmeprozesses und der Arbeitsweise im Studio
Auszug aus dem Buch
3. Die Entstehung
Keinem der sieben Musiker, die sich am 2. März und am 22. April 1959 auf den Weg ins Aufnahmestudio machten, war bewusst, welches einmalige und auch kommerziell höchst erfolgreiche Album sie da einspielen würden. Fünf Stücke - mehr waren es nicht - hatte Davis kurz vor den Sitzungen skizziert, zwei davon gemeinsam mit Bill Evans, der für diese Aufnahmen noch einmal zur Band stieß, da Wynton Kelly noch nicht genug mit der „modalen“ Spielweise vertraut war (vgl. Lehmkuhl 2009: 75).
Kind of Blue sollte ausschließlich aus neuen Kompositionen bestehen. Die Gründe dafür waren leicht verständlich: Erstens gab es für die modale Spielweise kaum einen Fundus an Titeln und zweitens erschienen die bisher genutzten Standards für diese Art des Musizierens einfach ungeeignet. So brachte der Trompeter Davis – wie er es schon öfter getan hatte – auch diesmal nur flüchtig skizzierte Motive mit ins Studio. Für Davis war der individuelle Einfluss der Band während des Entstehungsprozesses von besonderer Bedeutung. Dadurch sollte die Spontaneität der Musik erhalten bleiben (vgl. Konrad 2008: 73). Davon abgesehen, dass Davis nur ein paar Skizzen im Aufnahmestudio verteilt hat, wollte er alles Weitere ohne auch nur eine einzige Probe improvisieren lassen, wobei er nur einen Take von jedem Stück aufnehmen ließ. Wenn es also eine formvollendete Aufnahme gegeben hat, die spontan improvisiert wurde, dann ist es Kind of Blue (vgl. Sandner 2010: 186).
Miles Davis nannte sein neues Konzept deshalb Modal, weil es auf „modes“, auf Skalen, das heißt Tonleitern, beruhte und nicht auf „changes“, auf Akkorden. Auf diese Art und Weise eröffneten sich dem Solisten harmonisch ganz neue Möglichkeiten. Er war plötzlich nicht mehr an Akkordwechsel gebunden, sondern konnte selbst bestimmen, wann er von einer Skala in eine andere wechseln wollte (vgl. Lehmkuhl 2009: 75).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Album: Dieses Kapitel beschreibt "Kind of Blue" als einen der wichtigsten Meilensteine der Jazzgeschichte und beleuchtet die anhaltende künstlerische und kommerzielle Bedeutung des Werkes.
2. Der Protagonist: Hier wird der Lebensweg von Miles Davis von seiner Kindheit in St. Louis über die Bebop-Ära bis hin zu seiner persönlichen und künstlerischen Transformation nach der Drogenabhängigkeit nachgezeichnet.
3. Die Entstehung: Das Kapitel analysiert die konkreten Umstände der Aufnahmesessions im Jahr 1959, den Übergang zum modalen Jazz und die von Davis angestrebte spontane Arbeitsweise.
Schlüsselwörter
Kind of Blue, Miles Davis, Jazzgeschichte, Modaler Jazz, Jazz-Album, Musikalische Improvisation, Musikmeilenstein, Musikgeschichte, Sextett, Musikästhetik, Kompositionskonzept, Aufnahmeprozess, Jazz-Trompeter, Musikavantgarde, Musikproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und der historischen Bedeutung des Jazz-Albums "Kind of Blue" von Miles Davis aus dem Jahr 1959.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Rolle von Miles Davis als Bandleader, die Entwicklung des "Modal Jazz" und der Einfluss des spezifischen Aufnahmeprozesses auf die Qualität des Meisterwerks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Album "Kind of Blue" als kulturgeschichtliches Gesamtkunstwerk einzuordnen und zu verstehen, warum es bis heute als wegweisender Klassiker des Jazz gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der renommierte Jazz-Biographien und kritische Auseinandersetzungen mit dem Werk von Miles Davis herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Albums, eine biographische Skizze von Miles Davis als zentralem Protagonisten sowie eine detaillierte Betrachtung der Entstehungsgeschichte des Albums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Jazzgeschichte, Miles Davis, Modaler Jazz, musikalische Improvisation und Gesamtkunstwerk charakterisiert.
Warum wollte Miles Davis bei diesem Album keine Proben abhalten?
Davis wollte die Spontaneität der Musiker bewahren und vertraute auf die musikalische Intuition seines Sextetts, anstatt durch vorherige Proben das Ergebnis zu stark vorzugeben.
Was unterscheidet den "Modal Jazz" von bisherigen Jazz-Konzepten?
Im Gegensatz zum Bebop, der stark an komplexe Akkordwechsel ("changes") gebunden war, beruht das modale Konzept auf Tonleitern ("modes"), was den Solisten größere harmonische Freiheit ermöglichte.
Welchen Einfluss hatte der soziale Hintergrund auf Miles Davis?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Davis zeitlebens mit Rassenkonflikten und Vorurteilen zu kämpfen hatte, was seine musikalische Entwicklung und sein Streben nach Emanzipation nachhaltig beeinflusste.
Welche Rolle spielte der Aufnahmeort für den Klang des Albums?
Die Aufnahmen fanden in einer ehemaligen griechisch-orthodoxen Kirche statt, deren akustische Bedingungen maßgeblich zur besonderen, klosterähnlichen Atmosphäre des Albums beitrugen.
- Arbeit zitieren
- Josef Schopf (Autor:in), 2011, Kind of Blue. Miles Davis und die Entstehung eines Meisterwerkes, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/264523