Welches Wetter, welches Klima herrschte in Deutschland und Mitteleuropa in den vergangenen 700 Jahren? Wer waren diese Wetterbeobachter ? Welche Mittel hatten sie zur Verfügung? Wie lassen sich die gewonnenen Werte in exakte Klimadaten umwandeln? All diesen Fragen wird auf den folgen-den Seiten nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ein kurzer Abriss zur Klimageschichte
3 Typisierung der klimatischen Daten
4 Auf Spurensuche: Quellen, Daten und Zitate
4.1 Chroniken und Annalen: Die ersten Spuren von Wetter, Witterung und Klima
4.2 Wetterjournale: Als das Wetter zum täglichen Ereignis wurde
4.3 Tägliche Wetteraufzeichnungen: Rückblicke der besonderen Art
4.4 Schiffsjournale: Vom Wetter auf See
4.5 Itinerare: Vom Wetter unterwegs
4.6 Gemalt, gepinselt und gehämmert: Bildhafte und plastische Informationen zum historischen Klima
4.7 Proxydaten
4.8 Beispiel einer Klimawahrnehmung
5 Methoden zur Klimarekonstruktion
5.1 Die quellenkritische Interpretation von schriftlichen Quellenhinweisen
5.2 Quelle – Index – Klimawert: Die Transformation schriftlicher Klimahinweise
5.2.1 Indizes: Von der Beobachtung zum Zahlenwert
5.2.2 Die Ableitung des saisonalen Dezennienindex
5.2.3 Auszählungen und Zählwerte: ein deskriptiv-statistischer Pfad
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Möglichkeiten und Methoden der Historischen Klimatologie aufzuzeigen, um Wetterereignisse und Klimaschwankungen der letzten Jahrhunderte anhand historischer Quellen und bildhafter Informationen zu rekonstruieren und wissenschaftlich auszuwerten.
- Typisierung und Klassifizierung verschiedener historischer Klimadaten.
- Analyse schriftlicher Quellen wie Chroniken, Wetterjournalen und Itineraren.
- Bedeutung bildhafter und plastischer Zeugnisse als Informationsquelle.
- Methoden der quellenkritischen Interpretation und Transformation in Klimawerte.
- Deskriptiv-statistische Ansätze zur Rekonstruktion vergangener Klimate.
Auszug aus dem Buch
4.2 Wetterjournale: Als das Wetter zum täglichen Ereignis wurde
Ab dem 15. Jahrhundert kristallisierte sich eine neue Quellengattung heraus, die Wetterjournale. In ihnen fand man tägliche systematische Beobachtungen sowie Eintragungen in Kalendarien oder Messjournalen. Die Wetterjournale erfüllen somit die Forderungen nach homogenen, kontinuierlichen, gleichartigen und quantifizierbaren Daten und lassen deshalb weitreichende klimatische Aussagen zu. Sogleich stellen sie einen erheblichen Gegensatz zu den sporadischen und unsystematischen Eintragungen in Annalen und Chroniken dar. Die Eintragungen wurden oftmals mehrmals täglich und über Jahre hinweg vorgenommen.
Nun stellt sich die Frage warum sich zu jenem Zeitpunkt diese neue Quellengattung auftat. Diese Frage ist leicht zu beantworten. Zeitgeschichtliche Faktoren wie der Buchdruck in den 20er Jahren des 15. Jahrhunderts oder die Renaissance der Naturwissenschaften ließen in Mitteleuropa das humanistische Gedankengut aufkommen. Ganze Wissenszweige wie etwa Mathematik, Astronomie und Astrologie stellte man in den direkten Zusammenhang zur Geographie, deshalb auch die verstärkten klimatologischen Betrachtungen. (siehe Abb. 4)
Die Intentionen der einzelnen Beobachter waren verschieden. Besonders häufig findet man jedoch Versuche, aus mehrjährigen Beobachtungen Prognosen abzuleiten, die dann in Beziehung zu astrologischen Konstellationen gesetzt wurden. Auch wollte man die Verknüpfung zwischen Witterungsablauf und Ernteertrag ergründen, andere Beobachter stellten die Witterungsvorgänge in Zusammenhang mit der Medizin. Die Anzahl der erhaltenen astronomischen Jahrbücher lässt darauf schließen, dass sie früher zu echten Bestsellern zählten.
Die ersten Zentren der wissenschaftlichen Betätigung waren in großen Städten wie Nürnberg oder Augsburg, denn dort konzentrierte sich auch die wirtschaftliche, kirchliche oder politische Macht. Es ist bekannt, dass gerade aus Süddeutschland besonders viele und aufschlussreiche Wetterbeobachtungen dieser Zeit vorliegen. Gerade in den Klöstern findet man die aussagekräftigsten Wetterjournale aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Klimatologie ein und verdeutlicht das Interesse des Menschen am Klima, auch in der Zeit vor instrumentellen Aufzeichnungen.
2 Ein kurzer Abriss zur Klimageschichte: Das Kapitel erläutert die Wurzeln der historischen Klimatologie bis in die Antike und zeigt auf, wie verschiedene Disziplinen zur Rekonstruktion vergangener Klimate beitragen.
3 Typisierung der klimatischen Daten: Hier werden Daten nach ihrer Herkunft und Art in direkte, indirekte (Proxydaten), organische und anorganische Daten unterteilt.
4 Auf Spurensuche: Quellen, Daten und Zitate: Dieses Kapitel untersucht verschiedene historische Quellentypen wie Chroniken, Wetterjournale, Schiffsjournale und bildhafte Darstellungen hinsichtlich ihres Informationsgehalts.
5 Methoden zur Klimarekonstruktion: Es werden methodische Ansätze beschrieben, um subjektive Quellen kritisch zu interpretieren und mittels Indizes in quantifizierbare Klimadaten zu transformieren.
6 Zusammenfassung: Der abschließende Teil resümiert die Notwendigkeit einer quellenkritischen Herangehensweise bei der Untersuchung historischer Witterungsdaten.
Schlüsselwörter
Historische Klimatologie, Klimarekonstruktion, Wetterjournale, Chroniken, Proxydaten, Quellenkritik, Witterungsbeobachtung, Klimageschichte, deskriptive Statistik, Indizes, Klimaereignisse, historische Quellen, Mittelalter, Datenquantifizierung, Wetterphänomene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten, historische Klimabedingungen und Witterungsereignisse anhand von Aufzeichnungen und Darstellungen zu rekonstruieren, die vor der Ära der modernen instrumentellen Wetterbeobachtung entstanden sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Typisierung historischer Klimadaten, die Analyse unterschiedlicher Quellengattungen (z.B. Chroniken, Wetterjournale) und die Methoden der wissenschaftlichen Transformation dieser subjektiven Daten in objektive Klimawerte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie durch eine quellenkritische Auseinandersetzung aus historischen Informationen (Schriftquellen, Bilder) verwertbare Datenreihen zur Klimageschichte erstellt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird ein integratives Verfahren genutzt, das quellenkritische Interpretation mit deskriptiv-statistischen Methoden (wie Indexbildung und Auszählungen) verbindet, um historische Beobachtungen in quantifizierbare Zeitreihen zu überführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Identifikation und Einordnung verschiedener Datenquellen (Chroniken bis Proxydaten) sowie die detaillierte Darstellung methodischer Ansätze zur Klimarekonstruktion, inklusive Fallbeispielen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Historische Klimatologie, Quellenkritik, Klimarekonstruktion, Indexbildung sowie der interdisziplinäre Ansatz zwischen Geographie, Geschichtswissenschaft und Statistik.
Welche Rolle spielen Klöster für die historische Klimatologie?
Klöster lieferten im 16. und 17. Jahrhundert besonders aussagekräftige Wetterjournale, da die Ordensleute ein starkes Interesse am Wohlergehen ihrer landwirtschaftlichen Betriebe hatten und die Beobachtungen systematisch durchführten.
Warum ist eine quellenkritische Analyse so bedeutsam?
Da historische Quellen oft subjektiv sind, Fehler enthalten oder manipulative Absichten verfolgen können, ist eine quellenkritische Prüfung unabdingbar, um die Validität der daraus gewonnenen Klimadaten sicherzustellen.
- Arbeit zitieren
- Anja Budich (Autor:in), 2009, Historische Klimatologie. Auswertung schriftlicher Quellenhinweise und bildhafter Informationen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/264272