Etwa 40-60% aller geplanten Unternehmensübernahmen und Fusionen scheitern. Eine wesentliche Ursache für diese Misserfolge liegt in Entscheidungen im Personalmanagement - insbesondere in Führungspositionen - begründet. In vielen Fällen kommt es zu Veränderungen der Topmanagementpositionen und zu einer erhöhten Fluktuation in den nachfolgenden Jahren.
Die Arbeit gibt (1) einen Überblick über ökonomische Theorien, die einen Erklärungsbeitrag zur Besetzungspolitik der Toppositionen bei Unternehmenszusammenschlüssen leisten können. Auf der Grundlage dieser Theorien werden dann (2) in Zusammenhang mit vorhanden empirischen Studien Faktoren herausgearbeitet, die Veränderungen in den Führungsgremien erklären können. Exemplarisch werden abschließend (3) an Hand von zwei Fallstudien typische Verhaltensweisen und Entscheidungen der unternehmerischen Praxis analysiert und geprüft.
(1) Zur Erklärung der Besetzungspolitik bei Unternehmensübernahmen und Fusionen können insbesondere die „Humankapitaltheorie“, verschiedene Aspekte der „Prinzipal-Agenten-Theorie“, die „Informationsökonomie“, die „Turniertheorie“ und die Theorie des „Relative Standings“ herangezogen werden. Aus diesen z.T. komplementären Theorien können Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet werden.
(2) Vor allem aus den USA existieren bereits einige empirische Studien, die zeigen, dass die Fluktuation unter Führungskräften nach Unternehmenszusammenschlüssen signifikant ansteigt. Je nach zugrundegelegter ökonomischer Theorie konnten folgende Kontextfaktoren mit potentiellem Einfluss auf die Besetzungspolitik ermittelt werden: die Größe der beteiligten Unternehmen, ihre Geschäftsverwandtschaft, die Erfolgssituation vor der Transaktion, die Akquisitions- und Fusionserfahrung, die Art und das soziale Klima des Zusammenschlusses, die Position der Manager nach der Transaktion, die Integration der Manager in die Planungen und Verhandlungen und die Einschränkung ihrer Entscheidungskompetenzen und letztendlich die kulturellen Unterschiede zwischen den Unternehmen.
(3) In Deutschland wurden bis jetzt nur wenige Untersuchungen zur Besetzung von Toppositionen bei Unternehmenszusammenschlüssen, insbesondere bei Fusionen, durchgeführt. Aus diesem Grund wurde anhand der Fusionen der Unternehmen Hoechst und Rhône-Poulenc (Aventis) und Thyssen und Krupp (Thyssen Krupp) analysiert, inwieweit die ermittelten Kontextfaktoren die Besetzung der Topmanagementpositionen beeinflusst haben können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Topmanager
2.2 Unternehmenszusammenschlüsse
2.2.1 Definition von Unternehmensübernahme und Fusion
2.2.2 Arbeitsrechtliche Folgen von Unternehmenszusammenschlüssen
2.2.3 Art und soziales Klima des Unternehmenszusammenschlusses
2.2.4 Strategie des Unternehmenszusammenschlusses
3 Theoretische Grundlagen
3.1 Humankapitaltheorie
3.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
3.2.1 Allgemeine Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie
3.2.2 Vertrauensproblematik
3.2.3 Corporate-Control-Theorie
3.2.4 Managementprobleme
3.3 Informationsökonomie
3.4 Turniertheorie
3.5 Theorie des Relative Standings
4 Besetzung der Topmanagementpositionen bei Unternehmenszusammenschlüssen
4.1 Kontextfaktoren und ihr Einfluss auf die Besetzung der Topmanagementpositionen
4.1.1 Unternehmensmerkmale
4.1.1.1 Größenunterschied der beteiligten Unternehmen
4.1.1.2 Unternehmenserfolg vor dem Unternehmenszusammenschluss
4.1.1.3 Akquisitions- und Fusionserfahrung
4.1.2 Merkmale von Unternehmenszusammenschlüssen
4.1.2.1 Art und soziales Klima des Unternehmenszusammenschlusses
4.1.2.2 Strategie des Unternehmenszusammenschlusses
4.1.3 Situation der Manager
4.1.3.1 Positionen der Topmanager nach der Transaktion
4.1.3.2 Integration der Topmanager in die Verhandlungen und Planungen
4.1.4 Kulturelle Unterschiede
4.1.4.1 Nationale Kultur
4.1.4.2 Unternehmenskultur
4.2 Besetzungsentscheidungen und ihre Auswirkungen
4.2.1 Fluktuation als Folge von Unternehmenszusammenschlüssen
4.2.2 Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg
4.2.2.1 Empirische Befunde zur Erfolgswirkung von Unternehmenszusammenschlüssen
4.2.2.2 Zusammenhang zwischen Fluktuation und Unternehmenserfolg
4.2.3 Maßnahmen zur Verhinderung von Fluktuation
5 Fallstudien
5.1 Aventis
5.1.1 Gründung von Aventis
5.1.2 Besetzung der Topmanagementpositionen
5.1.3 Einfluss der Kontextfaktoren beim Zusammenschluss von Hoechst und Rhône-Poulenc auf die Besetzung der Topmanagementpositionen
5.1.3.1 Unternehmensmerkmale
5.1.3.2 Merkmale der Fusion
5.1.3.3 Situation der Topmanager
5.1.3.4 Kulturelle Unterschiede
5.1.4 Beurteilung
5.2 Thyssen Krupp
5.2.1 Gründung von Thyssen Krupp
5.2.2 Besetzung des Vorstandes
5.2.3 Einfluss der Kontextfaktoren beim Zusammenschluss von Thyssen und Krupp auf die Besetzung der Vorstandspositionen
5.2.3.1 Unternehmensmerkmale
5.2.3.2 Merkmale der Fusion
5.2.3.3 Situation der Topmanager
5.2.3.4 Kulturelle Unterschiede
5.2.4 Beurteilung
6 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, welche Kontextfaktoren die Besetzung von Topmanagementpositionen nach Unternehmensübernahmen und Fusionen beeinflussen. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für den Auswahl- und Besetzungsprozess abzuleiten sowie Probleme und Konfliktpotenziale zu identifizieren, die sich durch die Integration von Führungskräften nach Transaktionen ergeben.
- Analyse ökonomischer Theorien zur Besetzungsentscheidung (Humankapital-, Prinzipal-Agenten-, Corporate-Control-Theorie)
- Einfluss von Kontextfaktoren (Unternehmensmerkmale, Fusionsart, soziale Situation) auf die Managerfluktuation
- Empirische Untersuchung der Auswirkungen von Besetzungsentscheidungen auf den Unternehmenserfolg
- Fallstudien zu den Fusionen von Aventis und Thyssen Krupp als praktische Anwendungsbeispiele
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
„Rette sich...wer kann“¹, so eine Schlagzeile der „Jungen Karriere“ zum feindlichen Übernahmeangriff von Sanofi-Synthélabo auf Aventis. Die Rettung der Arbeitsplätze betrifft nicht nur Mitarbeiter, sondern auch die Manager auf höchster Ebene.
Eigentümer und Aktionäre fordern Spareffekte, steigende Umsätze und Wettbewerbsvorteile. Diese Ziele lassen sich mit Unternehmenszusammenschlüssen durchaus realisieren – mit den richtigen Topmanagern an der Spitze. Wegen ihres hohen Einflusses auf den Unternehmenserfolg müssen in der schwierigen Integrations- und Umstrukturierungsphase die Topmanager besonders sorgfältig ausgewählt werden. Die wissenschaftliche Literatur gibt jedoch nur wenige valide Kriterien zum Auswahlprozess und zur Besetzungsentscheidung von Spitzenführungskräften. Aus diesem Grund sollen in dieser Arbeit verschiedene ökonomische Theorien analysiert werden, die Erklärungen und Kriterien zur Besetzung der Topmanagementpositionen nach Unternehmensübernahmen und Fusionen aufzeigen können. Darauf aufbauend leitet sich die Fragestellung ab, in welchen Größen und Kontextfaktoren sich diese Theorien widerspiegeln und wie sich die Kontextfaktoren auf die Besetzung der Topmanagementpositionen auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problemstellung der Besetzung von Führungspositionen bei Fusionen und definiert die Zielsetzung der wissenschaftlichen Analyse.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten wie Topmanager sowie die verschiedenen Formen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Unternehmenszusammenschlüssen.
3 Theoretische Grundlagen: Hier werden ökonomische Theorien wie die Humankapital- und Prinzipal-Agenten-Theorie herangezogen, um Erklärungsbeiträge zur Besetzung von Spitzenpositionen zu leisten.
4 Besetzung der Topmanagementpositionen bei Unternehmenszusammenschlüssen: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor erläuterten Theorien mit Kontextfaktoren wie Unternehmensgröße und Fusionserfahrung und diskutiert deren Einfluss auf Fluktuationsraten.
5 Fallstudien: Anhand der Beispiele Aventis und Thyssen Krupp wird untersucht, wie die theoretisch abgeleiteten Kontextfaktoren bei realen Megafusionen das Besetzungsverhalten beeinflussten.
6 Schlussbemerkungen: Das Kapitel fasst zusammen, dass kein allgemeingültiges Rezept existiert und Besetzungsentscheidungen stets im Kontext spezifischer individueller und gesellschaftlicher Faktoren zu sehen sind.
Schlüsselwörter
Unternehmenszusammenschluss, Topmanagement, Fusion, Übernahme, Humankapital, Prinzipal-Agenten-Theorie, Corporate-Control-Theorie, Fluktuation, Personalauswahl, Unternehmenserfolg, Aventis, Thyssen Krupp, Arbeitsrecht, Managementprobleme, Relative Standing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen ihre Spitzenführungskräfte nach Fusionen oder Übernahmen auswählen und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf ökonomischen Theorien zur Besetzungsentscheidung, der Analyse von Kontextfaktoren und der Betrachtung der Managerfluktuation nach Unternehmenszusammenschlüssen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, auf Basis ökonomischer Theorien Faktoren zu identifizieren, die bei Besetzungsentscheidungen nach Fusionen relevant sind, um daraus Handlungsempfehlungen für Unternehmen abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine theoretische Analyse ökonomischer Modelle kombiniert mit einer Auswertung existierender empirischer Studien sowie zwei spezifische Fallstudien zur Vertiefung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und die praktische Analyse von Einflussfaktoren wie Unternehmensgröße, Unternehmenserfolg und kulturelle Unterschiede auf die Besetzung.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Unternehmenszusammenschluss, Topmanagement, Humankapital, Fluktuation und Personalauswahl.
Wie unterscheidet sich die Besetzung bei einer "Fusion unter Gleichen" von einer Übernahme?
Bei einer "Fusion unter Gleichen" steht eine ausgewogene Verteilung der Führungspositionen im Vordergrund, während bei Übernahmen oft der Erwerber seine Führungskräfte bevorzugt einsetzt.
Warum ist das "Relative Standing" der Manager bei Fusionen so wichtig?
Ein als ungerecht empfundenes "Relative Standing" (Status, Hierarchieebene) kann dazu führen, dass leistungsfähige Manager aus Unzufriedenheit kündigen und das Unternehmen verlassen.
- Quote paper
- Kerstin Grashaußer (Author), 2004, Die Besetzung von Topmanagementpositionen bei Unternehmensübernahmen und Fusionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/264265