In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Hochbetagte, die von ihren Angehörigen im Eigenheim gepflegt werden. Pflegende Angehörige sind meist ein wichtiger Bestandteil im Leben eines zu Pflegenden. Sehr oft wird jedoch vergessen oder nicht erwähnt, welche Arbeit diese Menschen überhaupt leisten. Es ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit diese Leistungen auszuführen. Persönliche Bedürfnisse und die eigene Gesundheit leiden oft sehr darunter und werden teilweise vernachlässigt. Hierbei sollte die Soziale Arbeit die pflegenden Angehörigen, aber auch die Hochbetagten unterstützen und eine kompetente Hilfestellung bieten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Lebenslage
1.1 Definition des Begriffs
1.2 Lebenslage als Zusammenspiel verschiedener Lebensräume
2. Belastungen pflegender Angehöriger
2.1 Objektive Belastungen und deren Auswirkungen
2.2 Die Bedeutung der subjektiven Belastungswahrnehmung
2.3 Kleine Gewinne
3. Allgemeine Auswirkungen auf die einzelnen Spielräume von pflegenden Angehörigen und Darstellung deren Lebenslage
4. Ansatzpunkte der Sozialen Arbeit zur Unterstützung pflegender Angehöriger
4.1 Beratung und Hilfen
4.2 Psychosoziale Beratung und Intervention
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von pflegenden Angehörigen hochbetagter Menschen und untersucht, wie die Soziale Arbeit diese Personengruppe durch gezielte Beratungs- und Interventionsangebote entlasten kann. Die zentrale Forschungsfrage liegt in der Analyse der verschiedenen Belastungsfaktoren sowie der Möglichkeiten, die Handlungsspielräume der Pflegenden zu erweitern.
- Analyse des sozialwissenschaftlichen Lebenslage-Konzepts im Kontext des Alterns.
- Differenzierung zwischen objektiven und subjektiven Belastungen in der häuslichen Pflege.
- Untersuchung der Auswirkungen auf diverse Handlungsspielräume pflegender Angehöriger.
- Identifikation von Ansatzpunkten und Hilfsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit.
- Darstellung spezifischer Interventionsprogramme zur psychischen und sozialen Entlastung.
Auszug aus dem Buch
II. Materieller Versorgungsspielraum
Die Pflege eines Angehörigen kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Neben der täglichen Grundpflege fallen Einkäufe, Arztbesuche, Behördengänge etc. an. Dieser enorme Aufwand ist so zeitaufwändig, dass meist ein 24-Stunden Tag nicht ausreichend ist, um dann noch als zu Pflegender in seine eigene Wohnung zurückzukehren. Aus diesem Grund wird meist der eigene Wohnort verlagert: der Angehörige zieht entweder in die Wohnung des Pflegebedürftigen oder umgekehrt; der Pflegebedürftige wird in die Wohnung des Pflegenden aufgenommen. Dieser Umzug erspart eine Menge Zeit. Es kann sich ausreichend um den Pflegebedürftigen gekümmert werden. Dennoch entstehen durch diesen Wechsel Einschränkungen des vorher eigenen Wohn- und Lebensraums. Das ständige Zusammensein kann zur großen Belastung werden, besonders wenn man noch eine eigene Familie hat, die ebenfalls mit im Haus oder in der Wohnung lebt. Durch den Zeitmangel, der bei der Pflege entstehen wird, vernachlässigt man oft seinen eigenen Haushalt. Die Wäsche bleibt liegen, das Geschirr häuft sich, der Abfall wird nicht mehr täglich entsorgt. Die Gedanken kreisen nur noch um den zu Pflegenden und darum, ob man die Aufgabe gut und zuverlässig meistert. Man möchte auf gar keinen Fall etwas falsch machen, so dass im Nachhinein über die eigene Person gesprochen wird. Auch gibt es Unterschiede im Bereich der Infrastruktur. Meist rund um die Uhr benötigt mehr als ein Drittel der Pflegebedürftigen Hilfe bei der Ernährung, Körperpflege und Mobilisation. Dies könnte zu einem großen Problem führen, wenn man auf dem Land lebt. Einkäufe oder Arztbesuche werden schwieriger und zeitaufwändiger. Wenn der Pflegebedürftige sich bereits nicht mehr bewegen kann oder zu schwach ist, muss ein Arzt, oder wenn der Angehörige die Pflege irgendwann nicht mehr selbst verrichten kann, ein Pflegedienst in Anspruch genommen werden. Das Angebot an Dienstleistungen ist kleiner als in der Stadt. So muss man längere Wege in Kauf nehmen, für die man mehr Zeit benötigt. Wohnt man allerdings in der Stadt, sind die zentralen Punkte sehr schnell zu erreichen und auch in einem Notfall kann Hilfe schneller gewährleistet werden. Der zu pflegende Angehörige in ländlichen Regionen steht also enorm unter Druck. Wenn er zu lange außer Haus bleibt, belasten ihn der ständige Gedanke und die Sorge um den Pflegebedürftigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der häuslichen Pflege und Zielsetzung der Arbeit, die pflegende Angehörige als wichtige Zielgruppe der Sozialen Arbeit hervorhebt.
1. Lebenslage: Definition und Erläuterung des sozialwissenschaftlichen Konzepts der Lebenslage als Zusammenspiel verschiedener Lebensräume.
2. Belastungen pflegender Angehöriger: Differenzierte Betrachtung der objektiven und subjektiven Belastungen sowie der positiven Aspekte, der sogenannten „kleinen Gewinne“.
3. Allgemeine Auswirkungen auf die einzelnen Spielräume von pflegenden Angehörigen und Darstellung deren Lebenslage: Analyse, wie sich die Pflegesituation konkret auf verschiedene Handlungsspielräume der Angehörigen auswirkt.
4. Ansatzpunkte der Sozialen Arbeit zur Unterstützung pflegender Angehöriger: Übersicht über praktische Hilfen, Beratungsmöglichkeiten sowie psychosoziale Interventionsprogramme.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Problematik mit dem Appell an die Bedeutung professioneller Unterstützung für die Erhaltung der eigenen Lebensqualität der Pflegenden.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, pflegende Angehörige, Lebenslage, häusliche Pflege, Demenz, subjektive Belastung, Entlastungspflege, psychosoziale Beratung, Intervention, Handlungsspielräume, Pflegeversicherung, Pflegebedürftigkeit, Angehörigenberatung, Support Groups, Respite Care.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Lebensumstände von Menschen, die ihre hochbetagten Angehörigen im häuslichen Umfeld pflegen, und beleuchtet die damit verbundenen Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen das theoretische Konzept der Lebenslage, die psychischen und körperlichen Belastungen der Pflegenden sowie Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Soziale Arbeit pflegende Angehörige identifizieren, beraten und durch gezielte Interventionen in ihrer Belastungssituation entlasten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen wie das Lebenslage-Konzept mit praktischen Erfahrungen und Beratungsansätzen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Belastungsdimensionen sowie die Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen wie dem Versorgungs- und Erfahrungsspielraum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, pflegende Angehörige, Lebenslage, Belastung, Interventionsmöglichkeiten und Beratung.
Warum spielt die subjektive Belastungswahrnehmung eine so große Rolle?
Weil das subjektive Empfinden oft stärker über das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit entscheidet als rein objektive Faktoren, besonders bei der Pflege Demenzkranker.
Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit bei der Pflegegrad-Einstufung?
Sie dient als beratende Instanz, um Angehörige über ihre Rechte und die notwendigen Schritte bei der Beantragung von Leistungen durch die Pflegekasse aufzuklären.
Was sind „kleine Gewinne“ in der Pflege?
Dies beschreibt positive Aspekte wie Dankbarkeit, das Erlernen neuer Fähigkeiten oder die Vertiefung von Beziehungen, die trotz der hohen Belastung erlebt werden können.
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- Veronika Siegrist (Author), 2012, Lebenslagen im Alter: Soziale Arbeit mit pflegenden Angehörigen von Hochbetagten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263971