In den letzten Jahrzehnten ist, mit Einbrüchen durch die Dotcom-Blase 2000 und die Finanzkrise 2008, die Anzahl der M&A-Transaktionen stark gestiegen, von unter 5.000 in den 1980er Jahren bis auf den bisherigen Höhepunkt von über 46.000 im Jahre 2007.
Dennoch sind nicht alle Transaktionen erfolgreich; tatsächlich führen bei kapitalmarktorientierten Firmen zwei Drittel der Mergers und Acquisitions zu einer negativen Rendite. Dies ließe sich durch eine bessere Analyse des Zielunternehmens vermeiden. Um eine schlechte Transaktion zu vermeiden, bieten unter anderemWirtschaftsprüfungsunternehmen sogenannte Due-Diligence-Prüfungen an.Hier wirddas zu übernehmende oder für den Zusammenschluss auserkorene Unternehmen auf Risiken und auch mögliche Synergien hin überprüft wird.Dadurch werden die Informationsasymetrien in der Verkaufsverhandlung abgebaut. Due-Diligence-Untersuchungen werden nicht nur für Firmen durchgeführt, sondern auch für Teile von Firmen oder einzelne Assets (z. B. Immobilien). Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf der Akquisition ganzer Firmen.
Da es keine gesetzlichen Vorgaben für die Durchführung einer Due Diligence gibt (im Gegensatz z. B. zu der Prüfung von Jahresabschlüssen), haben die prüfenden Berater die Möglichkeit, auf das Ergebnis der Due Diligence Einfluss zu nehmen. Dies kann potentiell zu Interessenkonfliktenführen, wie sie beispielsweise bekannt sind aus dem klassischen M&A, wie es von Investmentbanken durchgeführt wird (die eine am Wert der Transaktion orientierte Entlohnung erhalten und daher daran interessiert sind, dass die Transaktion zustande kommt, und zwar zu einem hohen Preis), oder von Rating-Firmen(die ihren eigenen Auftraggeber kritisch überprüfen sollen und dabei nicht daran interessiert sind, ihren Mandanten aufgrund zu schlechter Bewertung zu verlieren).Es ist daher zu untersuchen, ob auftretende Interessenkonflikte gelöst werden können.
Ich werde in dieserArbeit zunächst mit einer allgemeinen Beschreibung von Due-Diligence-Prüfungen beginnen, erklären wann und wozu sie eingesetzt werden, welche Arten von Due Diligence unterschieden werden, und wie bei der Prüfung vorgegangen wird. Im Anschluss gehe ich auf den theoretischen Hintergrund von Prinzipal-Agent-Interessenkonflikten ein und erläutere, inwiefern die Theorie auf Due-Diligence-Prüfungen anwendbar ist. Zum Schluss wird am Beispiel von EY gezeigt, wie die Interessenkonflikte gelöst werden und die Unabhängigkeit der Berater somit gewährleistet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Due Diligence in Theorie und Praxis
2.1 Einsatz und Ziel
2.2 Arten der Due Diligence
2.3 Umfang der Due Diligence
2.4 Durchführung der Due Diligence
3. Die Prinzipal-Agent-Theorie und ihre Anwendung auf Due-Diligence-Untersuchungen
4. Lösung der Interessenkonflikte und Wahrung der Unabhängigkeit der Berater
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen im Kontext von Unternehmenstransaktionen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Identifikation und Lösung potenzieller Interessenkonflikte liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Unabhängigkeit der prüfenden Berater trotz komplexer Prinzipal-Agent-Beziehungen gewährleistet werden kann.
- Grundlagen und Einsatzgebiete von Due-Diligence-Prüfungen
- Analyse verschiedener Due-Diligence-Arten und deren Umfang
- Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie auf Transaktionsprüfungen
- Mechanismen zur Vermeidung von Interessenkonflikten in der Beratungspraxis
- Fallbeispiel der Ernst & Young GmbH zur Qualitätssicherung
Auszug aus dem Buch
3. Die Prinzipal-Agent-Theorie und ihre Anwendung auf Due-Diligence-Untersuchungen
In der Prinzipal-Agent-Theorie ist mit dem Prinzipal der Auftraggeber gemeint und mit dem Agenten der Beauftragte. Es besteht eine Informationsasymetrie zu Gunsten des Agenten. Weiterhin besteht ein Konflikt darin, dass der Prinzipal sich nicht sicher sein kann, ob der Agent den Auftrag sein seinem Sinne ausführt oder eigene, eventuell entgegengesetzte Interessen verfolgt.Bei der Untersuchung einer Transaktion kann es zu diversen Interessenkonflikten kommen:
1. Bei einer erfolgreichen Transaktion kann der Due-Diligence-Anbieter eine höhere Entlohnung oder eine Provision erhalten. Der Berater (Agent) müsste daher das Ziel verfolgen, Risiken kleinzuredenund damit die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens einer Transaktion erhöhen, statt eine kritische und faire Beurteilung abzugeben, wie es der Auftrag gebende Kaufinteressent (Prinzipal) fordert.
2. Bei einer Vendor Due Diligence ist der Verkäufer (Prinzipal) daran interessiert, dass Schwächen des Zielunternehmens nicht gefunden werden oder als nicht zu riskant eingeschätzt werden. Der Due-Diligence-Anbieter (Agent) will den Mandanten als Kunden nicht verlieren, und müsste in dessen Sinne auf eine kritische und faire Beurteilung verzichten, was natürlich zu Lasten des Käufers und eventuell der Reputation des Agenten führt.
3. Das klassische Prinzipal-Agent-Problem betrifft ungenügende oder aufgrund fehlender Bemühung qualitativ minderwertige Leistung des Due-Diligence-Prüfers: Die Berater (Agenten), die die Due Diligence durchführen, könnten daran interessiert sein, sich die Arbeit leicht zu machen, etwa durch unsorgfältige Arbeit wie das bloße Durchgehen von Checklisten sowie die Angabe längerer Arbeitszeiten, als tatsächlich gearbeitet wurde, was dann wiederum dem Arbeitgeber („unmittelbarer“ Prinzipal für den Berater und Agent aus Sicht des Mandanten) als besonderer Arbeitseinsatz verkauft werden kann, und außerdem zu höheren Kosten für den Auftraggeber („mittelbarer“ Prinzipal aus Sicht des Beraters) und damit höherem Gewinn für den Arbeitgeber (somit auch höherer Grundlage für Boni) führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Anstieg von M&A-Transaktionen und die Notwendigkeit von Due-Diligence-Prüfungen zur Reduktion von Informationsasymmetrien und zur Vermeidung misslungener Akquisitionen.
2. Due Diligence in Theorie und Praxis: Hier werden Definition, historische Hintergründe, verschiedene Anlässe sowie die vielfältigen Arten und der Prozess der Due-Diligence-Prüfung detailliert dargestellt.
3. Die Prinzipal-Agent-Theorie und ihre Anwendung auf Due-Diligence-Untersuchungen: Dieses Kapitel analysiert das Transaktionsgeschehen mithilfe der Prinzipal-Agent-Theorie, um spezifische Interessenkonflikte zwischen Auftraggeber, Berater und Verkäufer aufzuzeigen.
4. Lösung der Interessenkonflikte und Wahrung der Unabhängigkeit der Berater: Anhand der Ernst & Young GmbH wird praktisch aufgezeigt, welche Kontrollsysteme und ethischen Standards implementiert sind, um die Objektivität der Berater zu sichern.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Due-Diligence-Prüfungen trotz prinzipieller Interessenkonflikte durch interne Qualitätskontrollen und Reputationsdruck als effektives und notwendiges Instrument in M&A-Prozessen gelten.
Schlüsselwörter
Due Diligence, Mergers & Acquisitions, M&A, Transaktionsberatung, Interessenkonflikte, Prinzipal-Agent-Theorie, Financial Due Diligence, Vendor Due Diligence, Unabhängigkeit, Risikoprüfung, Unternehmenskauf, Informationsasymmetrie, Ernst & Young, Audit, Unternehmensbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen im Rahmen von Unternehmenskäufen und wie man dabei auftretende Interessenkonflikte effektiv bewältigen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition und Arten der Due Diligence, die Anwendung ökonomischer Theorien zur Konfliktanalyse sowie praxisorientierte Lösungsansätze zur Wahrung der Prüfer-Unabhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und wie Due-Diligence-Prüfer unabhängig von den Interessen der beteiligten Parteien agieren können, um dem Käufer eine objektive Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse der theoretischen Rahmenbedingungen sowie einer praktischen Fallstudie am Beispiel der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Praxis der Due Diligence, die theoretische Fundierung der Interessenkonflikte mittels Prinzipal-Agent-Modellen sowie die konkrete Lösung dieser Konflikte durch Kontrollmechanismen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Due Diligence, M&A-Transaktionen, Interessenkonflikte, Unabhängigkeit, Prinzipal-Agent-Theorie und Risikomanagement.
Wie gehen Berater mit dem Risiko von Interessenkonflikten bei einer Vendor Due Diligence um?
Hier greifen unter anderem vertragliche Haftungsvereinbarungen und ein hoher Reputationsdruck, da eine fehlerhafte Prüfung das Vertrauen zukünftiger Mandanten nachhaltig schädigen würde.
Welche Rolle spielt die Prinzipal-Agent-Theorie in diesem Kontext?
Sie hilft dabei, die Informationsasymmetrien und Anreizprobleme zwischen dem Auftraggeber (Prinzipal) und dem Berater (Agenten) systematisch zu identifizieren, etwa bei erfolgsabhängigen Honoraren.
Wie stellt ein Unternehmen wie EY die Unabhängigkeit sicher?
EY nutzt beispielsweise interne „Conflict of Interest Checks“, untersagt bestimmte Kombinationen von Prüfungs- und Beratungsleistungen und implementiert strikte Vorgaben zur Offenlegung von Anteilsbesitz der Mitarbeiter.
- Arbeit zitieren
- Florentin Rack (Autor:in), 2013, Die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263959