Wie man anhand früherer Studienpläne erkennen kann, wurde die Übertragungsfertigkeit der Schülerinnen und Schüler durch ihre Fähigkeit, Texte von der Fremdsprache in seine Muttersprache und umgekehrt zu übersetzen, bewertet. Doch angesichts des Wandels sowohl in der Gesellschaft als auch im beruflichen Alltag aufgrund eines Arbeitsmarkts, der immer mehr von der Globalisierung beeinflusst wird, hielten Bildungs- und Kultusministerien in den letzten Jahrzehnten die Entscheidung, Studienpläne um praxisorientierte Komponenten zu ergänzen, für notwendig. So sollen die Schülerinnen und Schüler die wichtigsten Sachverhalte und Inhalte eines Textes erkennen, eine sprachliche Fertigkeit entwickeln, die ihnen das Erklären von Begriffen mittels Paraphrasen erlaubt, und auch wichtige Aspekte in kultureller Hinsicht erlernen.1 Diese sollen ihnen dabei helfen, den Freiraum, in dem sie sich bewegen können, wenn sie zwischen beiden Sprachen mitteln, zu erkennen. Ein wichtiger Schwerpunkt soll darauf liegen, einen Einblick in die kulturell relevanten Aspekte eines Landes bzw. einer Sprachgemeinde zu gewinnen und diese bei der sprachlichen aber auch inhaltlichen Übertragung zwischen den beiden in Frage kommenden Sprachen anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Sprachmittlung?
3 Sprachmittlung im Unterricht
4 Sprachmittlungsaufgaben
5 Entwerfen eigener Aufgaben
6 Sprachmittlung bewerten
7 Schlusswort
8 Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung der Sprachmittlung im gymnasialen Spanischunterricht. Ziel ist es, den Begriff der Sprachmittlung theoretisch einzuordnen, von professionellen Übersetzungsleistungen abzugrenzen und anhand konkreter Unterrichtsbeispiele aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen in der sinngemäßen Übertragung zwischen Sprachen und Kulturen erfolgreich entwickeln und anwenden können.
- Theoretische Abgrenzung der schulischen von der professionellen Sprachmittlung
- Entwicklung und Anwendung von Sprachmittlungsaufgaben im modernen Fremdsprachenunterricht
- Förderung von Lese- und Schreibstrategien für die Mediation
- Praktische Analyse von Beispielaufgaben verschiedener Niveaustufen (A, B und C)
- Kriterien für eine kompetenzorientierte Bewertung von Mediationsleistungen
Auszug aus dem Buch
Was ist Sprachmittlung?
Als erstes ist es wichtig, eine kurze Erklärung des hier verwendeten Begriffs „Sprachmittlung“ und der Unterscheidung zwischen seiner Bedeutung im professionellen und im schulischen Bereich zu liefern.
Der Begriff Sprachmittlung wird im professionellen Bereich mit dem Beruf eines Übersetzers bzw. Dolmetschers verbunden. Innerhalb dieser Berufsgruppe wird erwartet, dass der Sprachmittler eine Übersetzungsweise bevorzugt, die sich möglichst nahe am Originaltext orientiert. Diese Art der Sprachmittlung fördert eine Art der Übertragung, bei der es um die genaue Übersetzung des geschriebenen bzw. gesprochenen Textes geht. Damit dies gelingt ist es notwendig, gewisse Satzstrukturen oder Stilmittel, die im Originaltext verwendet wurden, zu erkennen und auf diese zu achten, um sie so nah wie möglich in die Zielsprache zu übertragen. Deshalb ist es wichtig, diese Art der Vermittlung von Sachverhalten gegenüber derjenigen, die im modernen kompetenzorientierten Unterricht stattfinden soll, klar zu unterscheiden. Denn bei der „schulischen“ Sprachmittlung geht es darum, etwas freier zu übertragen aber mit dem Schwerpunkt auf den zu übertragenden Inhalt. So tritt die wörtlich exakte Übersetzung etwas in den Hintergrund und wird durch die sinngemäße Übertragung ersetzt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die professionelle und schulische Sprachmittlung sich in Bezug auf drei verschiedene Bereiche unterscheiden. Der erste Bereich bezieht sich auf die Situationen, in denen die Mittlung stattfindet oder angewendet wird; während im professionellen Bereich die Übertragung eher im beruflichen oder politischen Kontext stattfindet, erfolgt die schulische Sprachmittlung in (simulierten) kommunikativen Alltagssituationen. Der zweite Bereich ist die Genauigkeit bzw. der Genauigkeitsgrad. Während bei Übersetzern und Dolmetschern eine vollständige Entsprechung von Ausgangs- und Zieltext bestrebt wird, ist das Ziel der in der Schule geübten Sprachmittlung, dass Schülerinnen und Schüler lernen, die wesentlichen Inhalte sinngemäß zu übertragen. Zuletzt unterscheiden sich die beiden Formen in der Art der Orientierung. Während professionelle Übersetzungen sich am Text orientieren, und dies solche Aspekte erfordert wie eine konstante Terminologie oder die Adäquanz der Textsorte, orientiert sich die Übertragung in der Schule am Adressaten; dies bedeutet, dass gelegentlich ergänzende Erklärungen, Auslassungen oder Paraphrasierungen für eine besseres Verständnis nötig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Wandel in den Studienplänen und die Notwendigkeit, praxisorientierte Komponenten wie die Sprachmittlung aufgrund der Globalisierung in den Unterricht zu integrieren.
2 Was ist Sprachmittlung?: Hier wird der Begriff definiert und eine klare Abgrenzung zwischen professionellem Dolmetschen/Übersetzen und der schülerorientierten Sprachmittlung vorgenommen.
3 Sprachmittlung im Unterricht: Dieses Kapitel beschreibt, wie Sprachmittlung mit authentischen Materialien geübt werden kann und welche Rolle Lese- sowie Schreibstrategien dabei spielen.
4 Sprachmittlungsaufgaben: Anhand von konkreten Aufgabenstellungen werden verschiedene Niveaustufen illustriert und deren Anforderungsprofile aufgezeigt.
5 Entwerfen eigener Aufgaben: Der Autor präsentiert eine selbst entwickelte Unterrichtseinheit zum Thema Restaurantbesuch und analysiert die didaktischen Möglichkeiten.
6 Sprachmittlung bewerten: Dieser Teil widmet sich der Fehlertoleranz und den Kriterien, nach denen Mediationsleistungen im Unterricht fair bewertet werden sollten.
7 Schlusswort: Das Kapitel fasst zusammen, dass Sprachmittlung als Kompetenz nicht nur die Übertragungsfähigkeit fördert, sondern auch den Zugang zu fremden Kulturen erleichtert.
8 Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendeten Fachliteraturquellen und Internetressourcen auf.
Schlüsselwörter
Sprachmittlung, Fremdsprachenunterricht, Spanischunterricht, Mediation, Kompetenzorientierung, Übersetzungsfertigkeit, Paraphrasieren, Niveaustufen, Sprachliche Mittel, Didaktik, Interkulturelles Lernen, Textanalyse, Strategieerwerb, Authentisches Textmaterial, Schulische Sprachmittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktische Einordnung und praktische Anwendung der Sprachmittlung als zentrale Kompetenz im gymnasialen Spanischunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Abgrenzung der Sprachmittlung, die Vermittlung von Lese- und Schreibstrategien sowie die Erstellung und Bewertung schülergerechter Aufgaben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, Inhalte zwischen zwei Sprachen sinngemäß und adressatengerecht zu übertragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die fachdidaktische Analyse von Bildungsplänen und Lehrmaterialien sowie die methodische Ausarbeitung und Evaluation von konkreten Unterrichtsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition von Sprachmittlung, Strategien zum Kompetenzerwerb, die Präsentation von Beispielaufgaben und Kriterien für deren Bewertung detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Sprachmittlung, Kompetenzorientierung, Mediation, Fremdsprachenunterricht und interkulturelles Lernen.
Wie unterscheidet sich die schulische Sprachmittlung von der Arbeit eines professionellen Dolmetschers?
Während Dolmetscher auf hohe Texttreue und Präzision angewiesen sind, liegt der Fokus in der Schule auf der freien, sinngemäßen Übertragung, die den Adressaten und die Kommunikationssituation in den Mittelpunkt stellt.
Warum ist die Wahl des Lesestils bei Sprachmittlungsaufgaben so entscheidend?
Ein angemessener Lesestil (global oder detailliert) ist notwendig, um in der Fremdsprache wesentliche von unwesentlichen Informationen zu unterscheiden und so eine korrekte Kernaussage für die Zielsprache zu formulieren.
- Arbeit zitieren
- Mauro Bruni (Autor:in), 2010, Sprachmittlung im gymnasialen Spanischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263890