Diese Arbeit befasst sich mit dem Effekt der beiden Massenmedien Tagespresse und Fernsehen auf das Wahlverhalten, differenziert nach Wahlentscheid und Wahlbeteiligung. Zuerst wird auf Medieneffekte von neutraler Berichterstattung eingegangen, wobei Lesen von Tageszeitungen und Konsum von politischen Fernsehinhalten eine höhere Wahlbeteiligung zur Folge hat. Medieneffekte von tendenziöser Berichterstattung werden vor dem Hintergrund von inneren und äusseren Kontexten untersucht. Bedeutend hier ist vor allem der Effekt auf den Wahlentscheid, der durch demokratische Strukturen, einem funktionierenden Medienmarkt und starken vorhandenen Einstellungen gedämpft wird, durch höhere Aufmerksamkeit und eine grössere Konsumintensität hingegen zunimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes und verwandte Forschungszweige
3 Der Effekt von neutraler Berichterstattung auf das Wahlverhalten
3.1 Theoretische Überlegungen
3.2 Wirkungskanäle
3.2.1 Agenda-Setting
3.2.2 Priming
3.2.3 Framing
3.3 Empirische Veröffentlichungen
3.3.1 Unterschiede zwischen den Medienformen Presse und Fernsehen
3.3.2 Effekt auf den Wahlentscheid
3.3.3 Effekt auf die Wahlbeteiligung
3.3.4 Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Fernsehstationen
4 Der Effekt von tendenziöser Berichterstattung auf das Wahlergebnis
4.1 Theoretische Überlegungen
4.2 Methodische Überlegungen
4.2.1 Gatekeeping Bias
4.2.2 Coverage Bias
4.2.3 Statement Bias
4.3 Empirische Forschungsergebnisse
4.3.1 Existenz demokratischer Strukturen
4.3.2 Medienmarkt
4.3.3 Aufmerksamkeit und Konsumintensität
4.3.4 Vorhandene Einstellungen und Parteibindung
5 Gründe für das unterschiedliche Beurteilen von Medieneffekten
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen umfassenden Literaturüberblick über den Einfluss klassischer Massenmedien (Tagespresse und Fernsehen) auf das Wahlverhalten, unterteilt in die Bereiche Wahlentscheidung und Wahlbeteiligung. Die Forschungsfrage untersucht dabei sowohl die Auswirkungen neutraler Berichterstattung als auch die Effekte von tendenziösen Inhalten unter Berücksichtigung verschiedener politischer und gesellschaftlicher Kontexte.
- Wirkungsmechanismen der Medien (Agenda-Setting, Priming, Framing)
- Unterschiede in der Medienwirkung zwischen Presse und Fernsehen
- Einfluss von Medien auf die Wahlbeteiligung und den Wahlentscheid
- Rolle von demokratischen Strukturen und Medienmärkten für Medieneffekte
- Bedeutung von individueller Aufmerksamkeit und Parteibindung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Gatekeeping Bias
Lewin (1943) beschrieb Gatekeeping als erster. Shoemaker und Vos (2009) fassen treffend zusammen: „gatekeeping is the process of culling and crafting countless bits of information into the limited number of messages“ (p. 1). Medien sind also gezwungen, aus einer riesigen Fülle von Informationen diejenigen herauszufiltern, die relevant und interessant sind. Geschieht diese Selektion unverhältnismässig, liegt Gatekeeping Bias vor (D’Allessio & Allen, 2000, p. 16). Medien können über gewisse Themen mehr berichten, als das angebracht wäre und dadurch gewisse politische Akteure bevor- oder benachteiligen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Bedeutung der Medien in der modernen Gesellschaft ein und definiert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über den Literaturstand zum Medieneinfluss auf das Wahlverhalten zu geben.
2 Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes und verwandte Forschungszweige: Der Autor erläutert die bewusste Beschränkung auf klassische Medien wie Fernsehen und Tagespresse und grenzt das Thema von anderen Feldern wie politischer Werbung oder Wahlumfragen ab.
3 Der Effekt von neutraler Berichterstattung auf das Wahlverhalten: Das Kapitel behandelt theoretische Wirkungskanäle wie Agenda-Setting und Priming und analysiert empirische Befunde zu den Auswirkungen von Medienkonsum auf Wahlentscheidungen und -beteiligung.
4 Der Effekt von tendenziöser Berichterstattung auf das Wahlergebnis: Hier werden Methoden zur Messung von einseitiger Berichterstattung (Media Bias) vorgestellt und kontextbezogene empirische Ergebnisse in Bezug auf demokratische Rahmenbedingungen und Medienmärkte diskutiert.
5 Gründe für das unterschiedliche Beurteilen von Medieneffekten: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den bestehenden Diskrepanzen in der Kommunikationswissenschaft auseinander und hinterfragt die methodischen und theoretischen Ursachen für widersprüchliche Forschungsergebnisse.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die wesentlichen Erkenntnisse über den Medieneinfluss und weist auf zukünftigen Forschungsbedarf, insbesondere durch die Entwicklung digitaler Medien, hin.
Schlüsselwörter
Wahlverhalten, Massenmedien, Wahlbeteiligung, Wahlentscheid, Media Bias, Agenda-Setting, Priming, Framing, Gatekeeping Bias, Coverage Bias, Statement Bias, Politische Kommunikation, Medienwirkung, Demokratie, Medienmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welchen Einfluss klassische Massenmedien, konkret Tageszeitungen und Fernsehen, auf das Wahlverhalten von Bürgern ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Differenzierung zwischen Wahlbeteiligung und Wahlentscheid sowie die Unterscheidung zwischen neutraler und tendenziöser Berichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die bestehende Literatur zum Thema Medieneffekte zu geben und die zum Teil widersprüchlichen wissenschaftlichen Befunde einzuordnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden behandelt?
Es werden Methoden wie Agenda-Setting, Priming und Framing für neutrale Effekte sowie Gatekeeping Bias, Coverage Bias und Statement Bias für tendenziöse Einflüsse erläutert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische und empirische Analyse neutraler Berichterstattung sowie eine vertiefte Untersuchung tendenziöser Medienberichterstattung unter Berücksichtigung verschiedener Kontextfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wahlverhalten, Media Bias, Agenda-Setting, Priming, Framing, politische Kommunikation und Medienwirkung.
Welche Rolle spielen demokratische Strukturen für den Medieneinfluss?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Medieneinfluss in schwachen Demokratien mit wenig kompetitiven Medienmärkten tendenziell stärker ausgeprägt ist als in stabilen, demokratischen Systemen.
Wie beeinflussen individuelle Faktoren das Wahlverhalten?
Erhöhte Aufmerksamkeit und Konsumintensität verstärken den Medieneinfluss, während eine starke Parteibindung bei manchen Studien eher als Widerstandsfaktor gegen Meinungsänderungen gewertet wird.
- Arbeit zitieren
- Lorenz Walthert (Autor:in), 2013, Der Effekt von Massenmedien auf das Wahlverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263768