Auch Sartre begab sich auf die Such nach dem Sein. Ihn aber interessierte nicht nur, was ist, sondern was passiert, wenn Sein auf Sein trifft. Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Wartezimmer und warten. Plötzlich kommt jemand herein. Was ist nun anders? Warum ändert sich ihr Verhalten? Ändert sich ihr Verhalten?
Intersubjektivität ist ein Phänomen des Alltags, jedoch als Thema in der Philosophie selten. Daher ist das Angebot an Theorien rar. Sartre widmet sich diesem Phänomen als Phänomen: Was so viel heißt wie, dass Sartre nicht nur das Phänomen Intersubjektivität beschreiben will – und damit allgemeine Ereignisse wie Scham durch den Blick oder Ekel in konkreten Situationen – sondern phänomenologisch argumentieren will. Er startet einen Versuch einer phänomenologischen Ontologie – so der Untertitel – in seinem schwerzugänglichen Mammutwerk „Das Sein und das Nichts“.
Die Arbeit legt den Schwerpunkt auf Themen wie Begierde, Ekel, Scham, Unbehagen und Existenz in "Der Ekel" und in Sartres Hauptwerk: Das Sein und das Nichts - Versucht einer phänomenologischen Ontologie" (- so werden auch Husserl und Heidegger sowie Hegel kurz angerissen) ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Intersubjektivität als Phänomen bei Sartre
2.1 Sartre, Hegel, Husserl und Heidegger
2.2 An-sich und Für-sich
2.3 Tanszendentales Ego und der Blick als Struktur
2.4 Ekstasen (des Bewusstseins)
3. Ekel
3.1 Unbehagen
3.2 Scham
3.3 Ekel
3.4 Begierde
3.5 Der Ekel in Der Ekel
3.6 Existenz als Menschlichkeit und (Ekel vor der) Verantwortung
4. Schlussteil
4.1 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Intersubjektivität bei Jean-Paul Sartre, wobei der Fokus auf den existenziellen Momenten des Unbehagens, der Scham und des Ekels liegt. Ziel ist es, Sartres phänomenologische Ontologie, insbesondere die Rolle des „Blicks“ als Struktur, durch eine Verknüpfung von theoretischer Analyse seines Hauptwerks Das Sein und das Nichts mit seinem Roman Der Ekel zu erläutern.
- Phänomenologische Fundierung der Intersubjektivität
- Die Dialektik von Subjekt und Objekt durch den „Blick“
- Existenzielle Emotionen: Unbehagen, Scham und Ekel
- Wechselwirkung zwischen Sartres philosophischen Werken und literarischem Schaffen
- Verantwortung als Konsequenz der menschlichen Freiheit
Auszug aus dem Buch
3.3 Ekel
Der Mensch ist Ekel. Auch Sartres Protagonist kommt zu dieser Erkenntnis.52 Ekel ist Welt, Wissen, Manipulation, Schutz, Isolation, Dasein und Anteilnahme.53 Letzteres verdeutlicht – neben der Nacktheit54 – die Nähe zur Scham. Vor allem ist er eines der fundamentalsten Gefühle überhaupt.55 Schäme oder ekel ich mich, ekel ich mich ganz. Ekel tritt immer als Ganzheit auf. Ekel ist also nicht nur ein Affekt (auch wenn die Körperlichkeit wesentlich ist), schäme ich mich für ein Wort oder ekele ich mich vor einem bestimmten Körperteil, dann schäme, oder ekel ich mich nicht halb, oder nur ein bisschen, sondern ganz. Spannend dabei aber ist, dass wir uns eben nicht vor Ganzem ekeln, sondern vor Konkretem: Dieses Paradox hat wohl auch Sartre interessiert, finden wir es doch in einer der berühmtesten Stellen seines Romans und im Hauptwerk.
„Das graue Ding ist im Spiegel aufgetaucht. Ich trete näher und sehe es an, ich kann nicht mehr weggehen. (…). Ich denke, es ist häßlich, da man es mir gesagt hat. (…). Ich muss wohl noch länger hineingeschaut haben: was ich sehe ist noch weit unter dem Affen, an der Grenze der pflanzlichen Welt, auf dem Niveau der Polypen.“56
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Phänomen der Intersubjektivität in Sartres Denken und skizziert die methodische Verbindung zwischen seiner philosophischen Ontologie und seiner literarischen Arbeit.
2. Intersubjektivität als Phänomen bei Sartre: Dieses Kapitel erläutert Sartres philosophische Grundlagen unter Einbeziehung von Einflüssen durch Hegel, Husserl und Heidegger und führt das Konzept des „Blicks“ als zentrale Struktur der Subjekt-Objekt-Relation ein.
3. Ekel: Der Hauptteil analysiert die existenziellen Gefühlslagen Unbehagen, Scham, Ekel und Begierde, setzt diese in Bezug zum Roman Der Ekel und erörtert die daraus resultierende Verantwortung des Menschen.
4. Schlussteil: Das Kapitel resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die untrennbare Verschränkung von Sartres individueller Philosophie mit den konkreten Lebensbedingungen des menschlichen Daseins.
Schlüsselwörter
Intersubjektivität, Sartre, Phänomenologie, Das Sein und das Nichts, Der Ekel, Blick, Existenzialismus, Scham, Unbehagen, Verantwortung, Freiheit, Ontologie, Subjekt, Objekt, Kontingenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Sartres Theorie der Intersubjektivität, insbesondere damit, wie das Erscheinen „des Anderen“ unser Selbstverständnis beeinflusst und dabei existenzielle Gefühle wie Scham und Ekel hervorruft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Freiheit, die Dialektik zwischen An-sich und Für-sich, die Bedeutung des Blicks als Struktur der Entfremdung sowie der existenzielle Ekel vor der Welt und der Verantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Sartres theoretische Ausführungen zu Intersubjektivität und dem „Blick“ anhand konkreter Phänomene zu erläutern und dabei die enge Verbindung zwischen seinem Hauptwerk und seinem literarischen Roman Der Ekel aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer phänomenologischen Analyse. Dabei wird die Philosophie Sartres in den Kontext von Husserl, Heidegger und Hegel gestellt, um die Komplexität des Bewusstseins in der Begegnung mit anderen Subjekten zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe Unbehagen, Scham, Ekel und Begierde als spezifische Strukturmomente der Bewusstseinstheorie analysiert und durch Textbelege aus Sartres Werken veranschaulicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Intersubjektivität, Existenzialismus, Blick, Freiheit, Verantwortung, Kontingenz und Entwurf charakterisiert.
Wie beeinflusst die Anwesenheit eines Anderen laut Sartre das Subjekt?
Die Anwesenheit eines Anderen führt dazu, dass das Subjekt nicht mehr nur bei sich ist, sondern sich als Objekt für diesen anderen wahrnimmt. Dies löst einen Dezentralisierungsprozess aus, der Gefühle wie Scham oder Unbehagen hervorruft.
Welche Rolle spielt der Roman "Der Ekel" für die philosophische Argumentation?
Der Roman dient als konkrete Anwendungsebene, um philosophische Konzepte wie die Kontingenz der Welt und die Unaufrichtigkeit erfahrbar zu machen und zu verdeutlichen, dass Sartres Philosophie und Literatur untrennbar miteinander verwoben sind.
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- BA Paul Parszyk (Author), 2013, Unbehagen, Scham und Ekel in Sartres Theorie der Intersubjektivität, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263639