Die Arbeit untersucht den Einfluss des attributionalen Feedbacks vor dem Hintergrund der Forschungsgebiete der Lesekompetenz. Kausalattributionen als psychologische Erklärungen eigener Leistungsergebnisse stellen wichtige motivationale Orientierungen dar, die das Lernverhalten günstig oder ungünstig beeinflussen können. Auf der Basis dieser theoretischen Forschungsbefunde zu Lesekompetenz und Feedback sollen unterrichtspraktische Möglichkeiten durch Rückmeldung der Lehrerinnen und Lehrer mittels einer Fragebogenbefragung und eines Experteninterviews untersucht werden, die zu einer systematischen Förderung der Lesekompetenz mittels Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback. Die allgemeine Wirksamkeit von Lehrerrückmeldungen im Unterricht wurde bereits 2009 von HATTIE aufgezeigt. Geeignet zur nachhaltigen Förderung der Leistungsmotivation erwies sich vor allem das Anstrengungsfeedback, da die Schülerinnen und Schüler mit dieser Art des Feedbacks eine Rückmeldung hinsichtlich eines bestimmten Vorgehens bekommen, welches sie in einer anderen Bearbeitungssituation erneut anwenden können. Im Gegensatz dazu wird das Fähigkeitsfeedback untersucht, bei dem das Talent der Schülerinnen und Schüler hervorgehoben wird. Durch die Hervorhebung des Talents kann die Schülerin oder der Schüler jedoch zu der Annahme gelangen, dass die Begabung auch auf weitere Bereiche übertragbar ist und somit keine Anstrengungen für das Erreichen von Lernzielen notwendig sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Lesekompetenz im Grundschulalter
2.1 Lesekompetenz – ein Definitionsversuch
2.2 Welche Faktoren beeinflussen den Erwerb von Lesekompetenz?
2.2.1 Außerschulische Faktoren – Familie
2.2.2 Schulische Faktoren – Feedback im Unterricht
3. Feedback im Unterricht
3.1 Feedback – Was wird darunter verstanden?
3.2 Forschungsstand
3.3 Welche Formen der Feedbackgabe gibt es?
3.4 Attributionstheorie nach Weiner
3.5 Fähigkeitsfeedback vs. Anstrengungsfeedback
3.6 Welche Funktion hat Feedback im Unterricht?
3.7 Wodurch kann das Lehrerfeedback beeinflusst werden?
4. Einsatz von Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback im Unterricht
4.1 Forschungshypothesen
4.2 Beschreibung des Sample
4.3 Methoden
4.3.1 Quantitative Forschung
4.3.2 Qualitative Forschungen
4.4 Forschungsfeld
4.5 Durchführung der Datenerhebung
4.6 Ergebnisse
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback im Leseunterricht der Grundschule eingesetzt werden und inwiefern diese Rückmeldungen die Lesekompetenz sowie die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler beeinflussen können. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Effektivität attributionaler Rückmeldungen vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Kindern.
- Wirksamkeit von Lehrerfeedback im Leseunterricht
- Gegenüberstellung von Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback
- Rolle der Attributionstheorie nach Weiner
- Einflussfaktoren auf das Feedbackverhalten von Lehrkräften
- Triangulation durch Fragebogen und Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
Fähigkeits- vs. Anstrengungsfeedback im Grundschulunterricht
‚Du hast Talent im Lesen!‘ – derartige oder vergleichbare Rückmeldungen werden täglich in den Schulen im Leseunterricht verwendet (Lehrerin 6). Lehrerinnen und Lehrer bewerten die Beiträge der Schülerinnen und Schüler fortlaufend im Lehr-Lern-Prozess. Sie nicken und lächeln, schütteln den Kopf und runzeln die Stirn, loben SuS oder tadeln sie, sagen einer Lesegruppe, dass sie heute prima gelesen haben oder dass sie sich undiszipliniert verhalten hat oder sich nicht genügend angestrengt hat. Vermutlich handelt es sich dabei teilweise nicht einmal um bewusste Bemerkungen der Lehrkräfte. In mancher Hinsicht werden die Rückmeldungen jedoch auch sehr überlegt und bewusst von seiten der Lehrerinnen und Lehrer dargeboten.
Umstritten ist die Wirkung derartiger Rückmeldungen, und zwar dahin gehend, ob sie eine Lernförderlichkeit aufweisen oder eventuell lernhemmende Wirkungen konstatiert werden können. Das Interesse der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Wirksamkeit von Feedback im Leseunterricht mit Blick auf die Förderung der Lesekompetenz zu untersuchen. Die fragliche Unterstützung durch Feedback soll erforscht werden, indem die Verwendung von Fähigkeitsfeedback der Verwendung von Anstrengungsfeedbacks im Leseunterricht gegenübergestellt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problematik der Rückmeldungen im Leseunterricht und definiert das Ziel, die Auswirkungen von Fähigkeits- im Vergleich zu Anstrengungsfeedback zu untersuchen.
2. Entwicklung der Lesekompetenz im Grundschulalter: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Lesekompetenz und erörtert sowohl außerschulische als auch schulische Faktoren, die deren Erwerb maßgeblich beeinflussen.
3. Feedback im Unterricht: Der theoretische Teil behandelt den Feedbackbegriff, den aktuellen Forschungsstand, verschiedene Feedbackformen sowie die Attributionstheorie nach Weiner als Grundlage für die Arbeit.
4. Einsatz von Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback im Unterricht: Der empirische Teil beschreibt die Forschungshypothesen, das Sample, die verwendeten Methoden (Triangulation) sowie die Auswertung der durchgeführten Lehrerinterviews.
5. Diskussion: Im Diskussionsteil werden die gewonnenen empirischen Ergebnisse im Kontext der aufgestellten Hypothesen kritisch reflektiert und interpretiert.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über zukünftige Forschungsnotwendigkeiten sowie die Bedeutung der individuellen Feedbackgestaltung im schulischen Kontext.
Schlüsselwörter
Fähigkeitsfeedback, Anstrengungsfeedback, Lesekompetenz, Grundschule, Feedback, Attributionstheorie, Leistungsmotivation, Lehrer-Schüler-Interaktion, Schulpädagogik, Qualitative Forschung, Quantitative Forschung, Lernprozess, Leseförderung, Triangulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von attribuierendem Lehrerfeedback auf die Lesekompetenz und die Leistungsmotivation von Grundschulkindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Lesesozialisation, die theoretischen Grundlagen des Feedbacks (insbesondere nach Hattie und Weiner) sowie die unterrichtspraktische Umsetzung und Wirkung von Rückmeldungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob und in welcher Weise sich Fähigkeitsfeedback und Anstrengungsfeedback unterschiedlich auf die Lernprozesse und die Motivation im Leseunterricht auswirken.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen Triangulationsansatz, der schriftliche Fragebögen (quantitativ) mit Experteninterviews bei Lehrkräften (qualitativ) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Begriffe Lesekompetenz und Feedback sowie den empirischen Teil, in dem Hypothesen anhand von Interviews mit 24 Lehrkräften überprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Fähigkeits- und Anstrengungsfeedback, Lesekompetenz, Attributionstheorie, Leistungsmotivation und Feedbackforschung.
Warum wird Feedback ohne Lob als lernförderlicher angesehen?
Da Feedback aufgaben- und sachbezogen sein sollte, um kognitive Ziele zu erreichen, kann Lob als personenbezogene Rückmeldung laut der zitierten Forschung (Helmke) bei kognitiven Aufgaben in den Hintergrund treten oder wirkungslos sein.
Welche Rolle spielt die Attributionstheorie für die Lehrkräfte?
Sie dient als theoretische Grundlage, um zu verstehen, wie Schülerinnen und Schüler Erfolg oder Misserfolg erklären (z.B. durch Begabung vs. Anstrengung), was wiederum ihr zukünftiges Lernverhalten steuert.
Welche Herausforderungen beim Feedback geben wurden in den Interviews deutlich?
Lehrkräfte stehen vor dem Dilemma, Kinder einerseits positiv zu bestärken (Motivation), andererseits aber auch konstruktives, inhaltliches Feedback für Fortschritte in der Lesetechnik zu geben, ohne das Selbstkonzept bei Misserfolgen zu schwächen.
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- Marina Welslau (Author), 2013, Fähigkeits- vs. Anstrengungsfeedback im Grundschulunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263446