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GULag. Der stalinistische lager-industrielle Komplex an der Kolyma und der Beitrag Varlam Šalamovs gegen das Vergessen

Title: GULag. Der stalinistische lager-industrielle Komplex an der Kolyma und der Beitrag Varlam Šalamovs gegen das Vergessen

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jonathan Haß (Author)

History - Miscellaneous

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Summary Excerpt Details

„Das, was ich gesehen habe – soll ein Mensch nicht sehen und nicht einmal wissen.“ Diese Aussage legt der Schriftsteller Varlam Šalamov einer seiner Figuren in den „Erzählungen aus Kolyma“ in den Mund. Er verweist damit auf sein zutiefst bitteres Schicksal und gleichermaßen auf das unsägliche Leid, welches das stalinistische „Terrorregime“ in den Weiten des hohen Nordostens der Sowjetunion im Zeitalter des GULag hunderttausenden von Menschen zugefügt hat.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Hauptseminars „Raum(ge)schichten Osteuropas, 18.-20. Jahrhundert“ mit der punitiven und ökonomischen Durchdringung des Raumes an der Kolyma im Zuge des Aufstiegs der „Stalin-Ära“, der Wandlung des Raumes zum separierten „industriellen Lagerkomplex“ bis hin zur schrittweisen Auflösung des „Sondergebietes“ im Rahmen der „Tauwetterperiode“. Der vollständigen Umwandlung des Raumes in politischer, wirtschaftlicher und mentaler Hinsicht wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der spezielle Fokus liegt im Anschluss an die Institutionsgeschichte auf der Raumwahrnehmung in der Literatur Varlam Šalamovs, wobei sowohl auf die spezifische Lagerterminologie hinsichtlich der Raumempfindung als auch auf den „raumlos“ wirkenden Stil der „neuen Prosa“ des Schriftstellers eingegangen wird. Abschließend bleibt nach einer teilweisen literaturwissenschaftlichen Analyse der „Erzählungen aus Kolyma“ zu klären, welchen Stellenwert das Werk Šalamovs im Rahmen der Verdrängungsmechanismen nach der Umgestaltung des „Sondergebietes“ zur regulären oblast‘ einnimmt.
Vor dem Hintergrund des Seminars, welches die räumlichen Aspekte der geschichtlichen Welt in das Zentrum der Betrachtung rückt, soll auch der vorliegenden Arbeit der „Raum“ als Maßstab der Analysen dienen. Die „Raum-Formel“ des Geografie-Historikers Hans-Dietrich Schulz, „Räume sind nicht, Räume werden gemacht!“ , gilt somit als Ausgangsbasis für alle Überlegungen, welche der vorliegenden Arbeit zugrunde liegen.
Bei der Verwendung von Sekundärliteratur zur Thematik wurde hauptsächlich auf die Aufsätze der Themenhefte „Aufbruch aus dem GULag?“ und „Das Lager Schreiben. Varlam Šalamov und die Aufarbeitung des Gulag“ zurückgegriffen. Die insgesamt berücksichtigten Sekundärwerke sind alle nach der Öffnung der russischen „GULag-Archive“ verfasst worden und reihen sich somit in den Kreis der wissenschaftlich fundierten und archivgestützten Literatur ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Institutionsgeschichte

2.1 Erschließung des Raumes an der Kolyma

2.2 Aufbauphase und punitiv-ökomische Durchdringung des Gebietes

2.3 Entwicklung der Region zum politischen „Sonderstatus“

3. „Ein Kombinat besonderen Typs“ - Umgestaltung des hohen Nordens zum „Sonderlager“

3.1 Der Kolyma-Raum unter der „Einheitsleitung“ des NKVD

3.2 Spezielle „Sonderrechte“ des lager-industriellen Großprojekts

3.3 Erste Zeichen des Umbruchs an der Kolyma

4. Raum im Wandel – Kontinuierlicher Zerfall eines Großprojekts

4.1 Der „Staat im Staate“ vernichtet sich selbst

4.2 Umgestaltung und Reformierung des Systems in der Zeit der „Tauwetterperiode“

5. Entstalinisierung und zivile Erschließung des Kolyma-Gebietes

5.1 Umstrukturierungen des „Herrschaftsraums“

5.2 Umstrukturierungen des „Wirtschaftsraums“

5.3 Umstrukturierungen des „Erfahrungsraums“

6. Zwischenfazit

7. Raum in der Literatur Varlam Šalamovs

7.1 Allgemeines

7.2 Eckpunkte im Leben Varlam Šalamovs

7.3 Raumterminologie und Raumwahrnehmung im Lager

8. Literaturwissenschaftliche Perspektiven der Literatur Varlam Šalamovs

8.1 Wirkung der „neuen Prosa“

8.2 Motivik der Literatur Šalamovs

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die punitive und ökonomische Durchdringung des Kolyma-Raums unter dem stalinistischen Terrorregime, die Transformation des Gebiets während der "Tauwetterperiode" sowie die literarische Verarbeitung dieser Erfahrungen durch Varlam Šalamov als Widerstand gegen kollektives Vergessen.

  • Entwicklung des stalinistischen Lager-Industrie-Komplexes an der Kolyma
  • Administrative und ökonomische Umgestaltung des "Sondergebiets" in der Nachstalin-Ära
  • Die Rolle der "neuen Prosa" Šalamovs als Mittel gegen Verdrängungsmechanismen
  • Interdependenz von realen Raumstrukturen und mentaler Raumwahrnehmung
  • Bedeutung der Lagerterminologie für die Identität der Inhaftierten

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Kolyma-Raum unter der „Einheitsleitung“ des NKVD

Die entscheidende Veränderung im administrativen und organisatorischen System des Industriekomplexes in der Zeit des „großen Terrors“ war die Umwandlung von Dal’stroj zu einer Hauptverwaltung des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten (NKVD – Narodnyj Komissariat Vnutrennich Del). Dies bedeutete eine faktische Gleichstellung des „Fern-Baus“ mit dem GULag. Der bis dahin offiziell separierte Lagerkomplex Sevvostlag fiel somit ebenfalls unter die neue Leitung von Dal’stroj, sodass man nun von einer direkten Symbiose aus Großindustrie und Konzentrationslager sprechen kann. Bei der „Zuteilung von Häftlingen und Material“ blieb der neu geschaffene Großkomplex jedoch weiterhin vom GULag abhängig. Mit der Zusammenlegung des „Besserungsarbeitslagers“ und der Großindustrie sollte so eine „unmittelbare Verzahnung von Lager und Produktion“ erreicht werden. Die auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirkende Zusammenlegung hat vor dem Hintergrund der neuen Machtstellung des NKVD als „Einheitsleitung“ (edinonačalie) in der Region jedoch ungeahnte Ausmaße. Durch die gigantische Fusion und die damit einhergehende Konzentration der Macht wurde faktisch ein neuer „Staat im Staate“ gegründet. Diese spezifisch stalinistische Form der Erschließung und Durchdringung des geographischen und geologischen Raumes war gleichzeitig die Errichtung eines industriellen Lagergebietes von unglaublicher Größe. Stalin, der selbst großen Anteil an den Entwicklungen im fernen Nordosten nahm, beschrieb in einer verklausulierten Rede das Kombinat folgendermaßen:

„Dal’stroj ist ein Kombinat besonderen Typs, das unter spezifischen Bedingungen arbeitet; diese Spezifik erfordert besondere Arbeitsbedingungen, eine besondere Disziplin, ein besonderes Regime.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit legt den Fokus auf die Umwandlung des Kolyma-Gebiets als stalinistischer Lagerkomplex und die Rolle von Varlam Šalamovs Literatur bei der Aufarbeitung dieser traumatischen Vergangenheit.

2. Institutionsgeschichte: Es wird die Erschließung der Kolyma-Region als repressives, wirtschaftlich ausgerichtetes Zwangsarbeiterprojekt beleuchtet, das unter Stalin zum Symbol für Terror und Kältetod wurde.

3. „Ein Kombinat besonderen Typs“ - Umgestaltung des hohen Nordens zum „Sonderlager“: Dieses Kapitel analysiert die Machtübernahme durch den NKVD und die damit einhergehende Fusion von Wirtschaft und Straflager zu einem autarken „Staat im Staate“.

4. Raum im Wandel – Kontinuierlicher Zerfall eines Großprojekts: Es wird der zunehmende Zerfall des ineffizienten lager-industriellen Systems im Spätstalinismus und der Reformbedarf nach Stalins Tod beschrieben.

5. Entstalinisierung und zivile Erschließung des Kolyma-Gebietes: Das Kapitel behandelt die politische Neuausrichtung und zivile Reorganisation der Region zur regulären Verwaltungsregion unter der neuen Parteiführung.

6. Zwischenfazit: Das Fazit der Institutionsgeschichte betont die zweifache Besetzung des Raumes: erst als repressives Lagergebiet und später als Versuch der administrativen Neubesetzung unter Verdrängung der Vergangenheit.

7. Raum in der Literatur Varlam Šalamovs: Es wird aufgezeigt, wie Šalamov durch seine spezifische Raumterminologie und literarische Form die Lagerrealität für den Leser erlebbar macht und dem Vergessen entgegenwirkt.

8. Literaturwissenschaftliche Perspektiven der Literatur Varlam Šalamovs: Dieses Kapitel untersucht die ästhetische Gestaltung und die Wirkung der "neuen Prosa" sowie die zugrundeliegende Motivik von Šalamovs Erzählungen.

9. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Šalamovs Werk den "Nichtraum" des Lagers in einen "Raum der emotionellen Reflexion" überführt und somit das Verdrängte dauerhaft bewahrt.

Schlüsselwörter

GULag, Kolyma, Dalstroj, Sevvostlag, Stalinismus, Entstalinisierung, Varlam Šalamov, Lagerliteratur, Zwangsarbeit, Raumwahrnehmung, Terrorsystem, Magadan, Erinnerungskultur, Erzählungen aus Kolyma, Neue Prosa.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Kolyma-Region als stalinistisches Repressionszentrum und die Transformation dieses Raumes nach Stalins Tod, wobei ein besonderer Fokus auf der literarischen Aufarbeitung durch Varlam Šalamov liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Institutionsgeschichte des Lagerkomplexes, die administrativen Umstrukturierungen nach 1953 und die literaturwissenschaftliche Analyse von Raumdarstellungen als Mittel gegen das Vergessen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie sich der Raum an der Kolyma politisch, wirtschaftlich und mental wandelte und welchen Stellenwert Šalamovs Werk bei der Verhinderung des kollektiven Vergessens der Lagerverbrechen einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische und literaturwissenschaftliche Analyse, die auf Sekundärquellen und der Interpretation von Primärtexten (Šalamovs Erzählungen) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Aufstiegs und Falls des lager-industriellen Komplexes unter dem NKVD sowie die anschließende zivile Umgestaltung und die literarische Analyse der "neuen Prosa".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind GULag, Kolyma, Dalstroj, Entstalinisierung, Zwangsarbeit sowie Varlam Šalamovs "neue Prosa".

Inwiefern beeinflusste die Lage an der Kolyma die Wahrnehmung der Häftlinge?

Die geographische Isolation führte zur Entstehung einer speziellen "Insel-Metaphorik", bei der die Lagerwelt als "Nichtraum" oder "Vakuum" wahrgenommen wurde, losgelöst vom "Festland" des regulären sowjetischen Staates.

Warum wird die Literatur Šalamovs als "neue Prosa" bezeichnet?

Šalamov entwickelte aufgrund der extremen Lagererfahrungen eine radikale Ästhetik von großer Dichte und Lakonizität, die darauf abzielt, den Leser direkt in das Geschehen zu zwingen, anstatt nur über das Leid zu berichten.

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Details

Title
GULag. Der stalinistische lager-industrielle Komplex an der Kolyma und der Beitrag Varlam Šalamovs gegen das Vergessen
College
University of Tubingen  (Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde)
Course
Raum(ge)schichten Osteuropas, 18.-20. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Jonathan Haß (Author)
Publication Year
2011
Pages
33
Catalog Number
V263226
ISBN (eBook)
9783656522515
ISBN (Book)
9783656523451
Language
German
Tags
gulag komplex kolyma beitrag varlam vergessen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonathan Haß (Author), 2011, GULag. Der stalinistische lager-industrielle Komplex an der Kolyma und der Beitrag Varlam Šalamovs gegen das Vergessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263226
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