,,Unsere Gesellschaft vergreist zunehmend." Im Jahr 2060 wird laut einer aktuellen Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes jeder siebente deutsche Bürger 80 Jahre oder älter sein. Momentan leben in Deutschland etwa 80,2 Millionen Menschen, 2060 werden es voraussichtlich nur noch 65 bis 70 Millionen sein. Die Bevölkerungsanzahl wird also insgesamt sinken. Außerdem wird es zu signifikanten Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung kommen.
Heute sind 20% der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Bereits in den kommenden beiden Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen deutlich steigen, so der Präsident des Statistischen Bundesamtes Roderich Egeler, im Rahmen einer Pressekonferenz zur 12. koordinierten Bevölkerungs-Vorausberechnung. Da die Zahl der Geburten bis 2060 stetig sinkt und gleichzeitig die Zahl der Sterbefälle bis Anfang der 2050er Jahre ansteigen wird, wird auch die Gesamtbevölkerung in Deutschland insgesamt zurückgehen.
Daraus ergeben sich sowohl gesellschaftliche Probleme, als auch Probleme für die Sozialversicherungen: Es steigt zunächst prozentual der Bedarf an Sozialversicherungsleistungen (Rente, Pflege, Gesundheit) durch die älteren Menschen in Deutschland. Zusätzlich sinkt jedoch der Anteil der in die Sozialversicherung einzahlenden Erwerbstätigen. Somit kommt es zu einem starken Anstieg an Leistungen bei starkem Absinken der Einnahmen. Viele Menschen werden länger arbeiten müssen, um ihre eigene Versorgung zu sichern. Außerdem werden die Älteren zunehmend interessant für einen Arbeitsmarkt, der sich bislang eher um junge Arbeitskräfte bemühte, da der berufliche Nachwuchs fehlt.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Demografische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland
1.1 Prognosen und Zahlen
1.2 Folgen für Gesundheitswesen und Pflege
2. Geriatrie
2.1 Der Unterschied zwischen Gerontologie und Geriatrie
2.2 Das Altern
2.3 Altersveränderungen
2.4 Der geriatrische Patient
2.5 Das Profil des geriatrischen Patienten
2.6 Multimorbidität und Alltagskompetenz
3. Physiotherapeutische Versorgung in der Geriatrie
3.1 Ziele der Therapie
3.2 Gesichtspunkte der Behandlung des geriatrischen Patienten
4. Das Modell der Salutogenese nach Aaron Antonovsky
4.1 Definition
4.2 Abkehr von der Pathogenese
4.3 Die Wurzeln der salutogenetischen Idee Antonovskys
4.4 Die Metapher „Das Leben als Fluss“
4.5 Die Berliner Altersstudie aus dem Jahre 2010: Zufriedenheit im Alter trotz gehäufter Erkrankungen
4.6 Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum (Health-disease-continuum, Health-ease-dis-ease-continuum)
4.7 Der Kohärenzsinn
4.8 Stressoren
4.9 Ressourcenentwicklung
4.10 Patientenbeispiel: Der Vergleich zweier älterer Patientinnen, welche den Zweiten Weltkrieg überlebten
5. Anwendung und kritische Betrachtung des Modells
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Salutogenesemodell nach Aaron Antonovsky als ergänzender Ansatz in der physiotherapeutischen Versorgung geriatrischer Patienten eingesetzt werden kann, um deren Selbstbestimmung und Alltagskompetenz trotz chronischer Erkrankungen zu stärken.
- Analyse des demografischen Wandels und dessen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen.
- Darstellung der geriatrischen Grundlagen und Besonderheiten des älteren Patienten.
- Erörterung der zentralen Konzepte des Salutogenesemodells (Kohärenzsinn, Widerstandsressourcen).
- Aufzeigen praktischer Anwendungsmöglichkeiten des Modells in der physiotherapeutischen Behandlung.
- Diskussion der Bedeutung von salutogenetischem Denken für die Krankheitsbewältigung im Alter.
Auszug aus dem Buch
4.10 Patientenbeispiel: Der Vergleich zweier älterer Patientinnen, welche den Zweiten Weltkrieg überlebten
Das folgende Fallbeispiel ist eher plakativ, verdeutlicht aber die komplexen Zusammenhänge der oben beschriebenen Konstrukte des Modells der Salutogenese: "Frau Schmidt und Frau Huber sind beides Frauen um die 80 Jahre und haben als junge Erwachsene den Zweiten Weltkrieg erlebt. Sie und ihre Familien sind beide in einer Großstadt ausgebombt gewesen und wurden evakuiert. Frau Schmidt erlebte diese Situationen als äußerst beängstigend. Die Zeit während der Bombenangriffe verbrachte sie mit Panik im Luftschutzkeller. Sie fühlte sich hilflos ausgeliefert und verstand nicht, warum sie solche Gefahren erleben musste. Für Frau Schmidt vollzog sich die Kriegssituation als unbegreifliche, kaum zu bewältigende Lebenserfahrung. Die Spannung der Stressoren des Krieges konnte sie nicht bewältigen und damit baute sie auch keine Widerstandsressourcen auf.
Frau Huber hat in einer ähnlichen Situation auf ihre zwei jüngeren Geschwister aufpassen müssen, während der ältere Bruder an der Front war. Sie fühlte, dass ihr Bruder durch seinen Einsatz helfen würde, den Krieg zu beenden und war sich ihrer Fähigkeiten, für die jüngeren Geschwister zu sorgen, sehr bewusst. Für sie entstand damit ein starkes Kohärenzgefühl, da sie eine verstehbare, bewältigbare und sinnhafte Lebenserfahrung durchmachte. Es gelang ihr durch erfolgreiche Spannungsbewältigung der auftretenden Stressoren des Krieges weitere positive Widerstandsressourcen aufzubauen. Mit diesen Widerstandsressourcen konnte sie wiederum die Bedeutung von Stressoren und die Erfahrung von Spannungzuständen beeinflussen. Frau Huber überstand die von Lebensmittelknappheit gekennzeichneten Kriegs- und Nachkriegsjahre zwar mit Untergewicht, aber dennoch gesund. Ihre insgesamt erfolgreiche Spannungsbewältigung verhalf ihr zu einem Leben in relativer Gesundheit."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Demografische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland: Erläutert die Auswirkungen der alternden Gesellschaft auf das Sozial- und Gesundheitswesen sowie die zunehmende Bedeutung der Betreuung älterer Menschen.
2. Geriatrie: Definiert die Geriatrie als medizinischen Zweig der Altersheilkunde und beschreibt das komplexe Profil sowie die Herausforderungen des geriatrischen Patienten.
3. Physiotherapeutische Versorgung in der Geriatrie: Beschreibt die therapeutischen Ziele sowie notwendige Ansätze zur Förderung von Autonomie und Selbstständigkeit bei älteren Patienten.
4. Das Modell der Salutogenese nach Aaron Antonovsky: Führt das salutogenetische Konzept ein, inklusive der zentralen Begriffe wie Kohärenzsinn, Stressoren und Gesundheits-Krankheits-Kontinuum.
5. Anwendung und kritische Betrachtung des Modells: Reflektiert die Integration salutogenetischer Prinzipien in die physiotherapeutische Praxis und deren Bedeutung für die Stärkung von Widerstandsressourcen im Alter.
Schlüsselwörter
Salutogenese, Aaron Antonovsky, Geriatrie, Physiotherapie, Kohärenzsinn, Alltagskompetenz, Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Multimorbidität, Widerstandsressourcen, Stressoren, Gesundheitsförderung, Demografischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Salutogenesemodells nach Aaron Antonovsky innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung von geriatrischen Patienten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen den demografischen Wandel, geriatrische Grundlagen, therapeutische Versorgungskonzepte sowie die theoretischen Fundamente der Salutogenese.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Modell der Salutogenese Physiotherapeuten dabei unterstützen kann, die Selbstbestimmung und Krankheitsbewältigung geriatrischer Patienten zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende theoretische Konzepte (Salutogenese) mit geriatrischen Versorgungsanforderungen verknüpft.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung des Alterns und der Geriatrie sowie in eine detaillierte Ausarbeitung des Salutogenesemodells und dessen praktischer Anwendung im physiotherapeutischen Kontext.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Salutogenese, Geriatrie, Physiotherapie, Kohärenzsinn und Alltagskompetenz.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter dem "Kohärenzsinn"?
Der Kohärenzsinn bezeichnet eine globale Orientierung und das Vertrauen eines Menschen, dass Anforderungen des Lebens strukturierbar, vorhersehbar und erklärbar sind.
Warum ist das "Patientenbeispiel" (Kapitel 4.10) für das Verständnis wichtig?
Es verdeutlicht anhand zweier Lebensgeschichten, wie unterschiedlich Menschen trotz ähnlicher Traumata auf Stressoren reagieren und wie die individuelle Spannungsbewältigung den Gesundheitsstatus beeinflusst.
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- Nathalie Heiß (Author), 2013, Das Salutogenesemodell nach Aaron Antonovsky, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263087