1 Einleitung
Der OP gilt als einer der kostenintensivsten und schwierigsten Führungsbereiche im Krankenhaus. Circa 35% der Personalausgaben eines Krankenhauses werden dem OP zugeschrieben. Des weiteren ist bekannt, dass die Fallkosten zu 25-50% im OP entstehen, 60-70% der Kosten durch den Personaleinsatz zustande kommen, aber der OP nur zu 25% genutzt wird. Wichtig in diesem Zusammenhang ist außerdem der Umstand, dass im OP die Leistungen mit den höchsten Erlösen erwirtschaftet werden. In Folge der veränderten Bedingungen in denen sich ein Krankenhaus heute bewegen muss, wie finanzielle Aspekte (Vergütung nach DRG), Status des Krankenhauses als wirtschaftliches Unternehmen, angepasster Prozessorganisation in Abkehr von traditionellen Organisationsstrukturen ist besonders im OP eine Überprüfung der Strukturen notwendig.
Dies gilt insbesondere für Leitungsstrukturen für das Pflegepersonal im OP, da ein Großteil der im OP tätigen Mitarbeiter dieser Berufsgruppe angehört. In der Praxis findet man im Bereich des OP verschiedene Leitungsstrukturen für Anästhesie- und OP-Pflegepersonal. Dabei handelt es sich um separate Leitungen Anästhesie- und OP-Pflegepersonal, um eine Gesamtleitung für Anästhesie- und OP-Pflegepersonal sowie um den OP- Manager in Personalunion mit der Gesamtleitung für Anästhesie- und OP-Pflegepersonal. Die Beschreibung dieser Leitungsstrukturmodelle erfolgte bisher in der Literatur nicht oder nur ansatzweise. Ebenso wenig wurden die Leitungsstrukturmodelle miteinander verglichen.
Die daraus abgeleitete Fragestellung lautet: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich für die Leitungsstrukturmodelle separate Leitungen, Gesamtleitung und OP-Management in Personalunion mit Gesamtleitung für Anästhesie- und OP-Pflegepersonal feststellen?
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Kriterien zur Beschreibung von Leitungsstrukturmodellen
3 Vorstellung und Beschreibung der Leitungsstrukturmodelle
3.1 Separate Abteilungsleitungen Anästhesie- und OP-Pflege
3.2 Gesamtleitung Anästhesie- und OP-Pflege
3.3 OP-Management in Personalunion mit Gesamtleitung Anästhesie- und OP Pflege
4 Vergleich und kritische Würdigung der Leitungsstrukturmodelle
4.1 Spezialisierung
4.2 Koordination
4.3 Konfiguration
4.4 Delegation
4.5 Formalisierung
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, drei unterschiedliche Leitungsstrukturmodelle für das Anästhesie- und OP-Pflegepersonal im Krankenhaus zu beschreiben, methodisch anhand von Organisationsdimensionen zu vergleichen und auf ihre Eignung im Hinblick auf eine effiziente Prozessgestaltung zu bewerten.
- Analyse und Vergleich der Modelle "Separate Leitungen", "Gesamtleitung" und "OP-Management in Personalunion".
- Anwendung der Dimensionen der formalen Organisationsstruktur nach Kieser und Walgenbach.
- Untersuchung von Spezialisierung, Koordination, Konfiguration, Delegation und Formalisierung innerhalb der OP-Struktur.
- Bewertung der Prozessorientierung und der Auswirkungen auf die Patientenversorgung.
- Diskussion von Personalakzeptanz und notwendigen Qualifikationsprofilen für Führungspositionen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Separate Abteilungsleitungen Anästhesie- und OP-Pflege
Bei dem Modell der separaten Abteilungsleitungen Anästhesie- und OP-Pflege (im Folgenden separate Leitungen genannt) findet man auf der Makroebene die Krankenhausleitung bestehend aus Ärztlichem Direktor, dem Kaufmännischem Direktor sowie der Pflegedirektion. Die Krankenhausleitung ist dem Vorstand des Krankenhauses unterstellt. Auf der Mesoebene sind die Abteilungsleitung Pflege sowie unterhalb dieser die Anästhesie- und OP-Leitungen mit Stellvertretern und auf der Mikroebene die Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen angesiedelt. Dem ärztlichen Direktor sind die ärztlichen operativen und die anästhesiologischen Fachabteilungen unter- sowie als Stabsstelle der OP-Koordinator zugeordnet.
Der von Dahlgaard und Stratmeyer beschriebene säulenförmige Organisationsaufbau des Krankenhauses findet sich im OP wieder. Neben den beteiligten Berufsgruppen (funktionale Arbeitsteilung) müssen verschiedenen Fachbereiche (produktbezogenen Arbeitsteilung) unterteilt werden. Dies entspricht einer Mischform zweier Leitungssysteme: Einer Funktional- und einer Divisionalorganisation. Jede Berufs- und Fachgruppe verfügt über ihre separaten Verantwortungsbereiche und Linienstrukturen, was für die Erbringung der Leistung nicht immer förderlich ist. Dies wird auch als dezentrale Organisation bezeichnet. Besonders gefährdet zeigt sich dieses Organisationskonzept für die Entstehung von „operativen Inseln“, bedingt zum einen durch die vielen Fachbereiche und zum anderen durch Hierarchiebarrieren vor allem zwischen den Berufsgruppen. Das hat eine funktionale Abschottung, eine Informationsfilterung sowie Koordinations- und Steuerungsprobleme zur Folge.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung des OP-Bereichs im Krankenhaus und stellt die Notwendigkeit einer Überprüfung bestehender Leitungsstrukturen für das Pflegepersonal zur Diskussion.
2 Theoretische Grundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Leitung, Führung und Management definiert und die wissenschaftlichen Kriterien für den Vergleich der Organisationsstrukturen hergeleitet.
3 Vorstellung und Beschreibung der Leitungsstrukturmodelle: Hier werden die drei untersuchten Leitungsmodelle detailliert vorgestellt und ihre jeweilige Einordnung in die Krankenhausorganisation grafisch veranschaulicht.
4 Vergleich und kritische Würdigung der Leitungsstrukturmodelle: Dieses Kapitel stellt die Modelle anhand der Dimensionen Spezialisierung, Koordination, Konfiguration, Delegation und Formalisierung gegenüber und bewertet deren Vor- und Nachteile.
5 Fazit und Ausblick: Das abschließende Fazit resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und favorisiert das Modell des OP-Managements als sinnvollste Organisationsform für den modernen OP-Betrieb.
Schlüsselwörter
OP-Management, Leitungsstruktur, Anästhesiepflege, OP-Pflege, Organisationsstruktur, Spezialisierung, Koordination, Prozessorientierung, Krankenhausorganisation, Personalführung, Effizienz, Patientenversorgung, Strukturmodell, Krankenhausleitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Thesis analysiert und vergleicht drei unterschiedliche Organisationsmodelle für die Leitung von Anästhesie- und OP-Pflegepersonal, um deren Auswirkungen auf die Effizienz und Prozessqualität im OP zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die formale Organisationsstruktur, Arbeitsteilung, Leitungs- und Weisungsbeziehungen sowie die Prozessgestaltung im operativen Umfeld eines Krankenhauses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Leitungsstrukturmodelle aufzuzeigen und zu prüfen, welches Modell am besten zur Unterstützung des Patientenversorgungsprozesses geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die comparative Methode und stützt sich dabei auf die von Kieser und Walgenbach definierten Dimensionen der formalen Organisationsstruktur sowie auf eigene Voruntersuchungen und Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Modelle – "Separate Leitungen", "Gesamtleitung" und "OP-Management in Personalunion" – detailliert beschrieben, ihre Vor- und Nachteile gegenübergestellt und kritisch unter Aspekten wie Spezialisierung und Koordination beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind OP-Management, Prozessorientierung, Leitungsintensität, funktionale versus divisionale Organisation und die Steuerung von Patientenversorgungsprozessen.
Warum wird das Modell des OP-Managements in Personalunion besonders hervorgehoben?
Das Modell wird aufgrund der Bündelung von Verantwortlichkeiten für den Patientenversorgungsprozess und der damit verbundenen effektiven Ressourcennutzung sowie Prozessoptimierung als derzeit sinnvollster Ansatz eingestuft.
Welche Rolle spielt der OP-Koordinator in den verschiedenen Modellen?
Der OP-Koordinator fungiert oft als Stabsstelle für die Steuerung des operativen Tagesgeschäfts, wobei seine Rolle je nach Modell variiert – im Modell des OP-Managements kann seine Funktion sogar in der Leitungsposition integriert sein.
Welche Bedeutung haben Hierarchiebarrieren im OP?
Hierarchiebarrieren, insbesondere zwischen den Berufsgruppen, führen zur Entstehung von "operativen Inseln", die den Informationsfluss behindern und somit die Prozessoptimierung negativ beeinflussen können.
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- B.A. Christoph Mädler (Author), 2013, Leitungsstrukturen für Pflegepersonal im OP, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262871