In der vorliegenden Arbeit stellt der Jugendroman „Der Hitlerjunge Quex“ von Aloys Schenzinger den zentralen Untersuchungsgegenstand dar. Die Originalquelle als Element nationalsozialistischer Jugendliteratur wird dabei als Propagandamittel für die NS-Ideologie aufgefasst und ihm wird die Funktion unterstellt, das Ideal des Aufwachsens im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie darzustellen und die Erziehungsinstitution Hitlerjugend zu glorifizieren. In einer offenen Vorgehensweise wird dabei die erzieherische Funktion des Romans in Bezug auf zwei vorab definierte Erkenntniswünsche herausgearbeitet. Ziel ist es im Zuge einer hermeneutischen Vorgehensweise die Quelle diskursanalytisch zu bearbeiten. Das zentrale Interesse liegt im Rahmen der Untersuchung auf den Motiven der Minderbedeutung des Individuums im nationalsozialistischen Ideal der Volksgemeinschaft und dem ambivalenten Rollenverständnis der Frau in der NS-Ideologie. Dieses Erkenntnisinteresse wird an ausgewählte Textpassagen der Originalquelle gerichtet. Die Textpassagen werden zunächst interpretiert. Die Erkenntnisse, welche auf der Grundlage der Textanalyse herausgearbeitet werden können, werden in einem weiteren Schritt ins Verhältnis mit einschlägiger Forschungsliteratur gesetzt. Dabei wird geprüft in welchem Spannungsverhältnis Originalquelle und Forschungsliteratur in Bezug auf die genannten Motive stehen, von der Forschungsmeinung abweichende Elemente identifiziert und Schlussfolgerungen auf der Grundlage der Textanalyse gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Einführung in die Handlung des Romans „Der Hitlerjunge Quex“
2.2 Die Minderbedeutung von Individualität
2.2.1 Individuum und Volksgemeinschaft
2.2.2 Individuum und Rassenlehre
2.2.3 Individuum und Uniform
2.2.4 Individuum und Führerprinzip
2.2.5 Individuum und Kameradschaft
2.2.6 Zwischenfazit
2.3 Die ambivalente Rolle der Frau
2.3.1 Die Frau als Mutter
2.3.2 Die Frau und der BDM
2.3.3 Die Frau und die Liebe
2.3.4 Die kommunistische Frau
2.3.5 Zwischenfazit
3.3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Jugendroman „Der Hitlerjunge Quex“ von Aloys Schenzinger als Propagandamittel der NS-Ideologie. Im Fokus steht dabei die hermeneutische Analyse, wie der Roman die Minderbedeutung des Individuums innerhalb der Volksgemeinschaft sowie ein ambivalentes Rollenverständnis der Frau konstruiert und transportiert.
- Darstellung der totalen Unterordnung des Individuums unter das Kollektiv.
- Die Rolle der Volksgemeinschaft und des Führerprinzips als ideologische Instrumente.
- Analyse des ambivalenten Frauenbildes zwischen Mutterkult und Funktionalität.
- Kontrastierung von NS-Idealbildern mit der Darstellung politischer Gegner.
- Bedeutung von Uniformierung und Kameradschaft für die psychologische Gleichschaltung.
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Individuum und Führerprinzip
Der Zusammenhang zwischen den individuellen Gefühlen der Hitlerjungen und dem Führerprinzip wird in folgender Passage deutlich. „Sie kennen keine Furcht, sie würden sich wehren, wenn sie könnten. Aber es ist verboten, Waffen zu tragen, vom Staat verboten und – was ihnen so hart fällt zu begreifen – verboten vom Führer. Sie stecken die Köpfe zusammen, sie bäumen sich auf gegen das Verbot, Haß und Erbitterung gegen die Mörder der Kameraden schwelt und brennt in ihnen, aber sie gehorchen.“ (ebd.) Der eigentliche Wunsch nach Rache und Vergeltung bleibt einerseits durch das Respektieren geltenden Rechts unbefriedigt, andererseits wird zudem der Wille des Führers ausgeführt. Schenzinger vermittelt den Eindruck, dass der Wille bzw. das Verbot schwerer wiegt als das Gesetz des Staates. Der Wille des Führers vereinheitlicht dabei das Verhalten der Hitlerjungen, indem sie gehorchen. Dabei werden individuelle Gefühle, wie Hass und Wut nicht zugelassen und das Verhalten dem Führerwillen untergeordnet.
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus begleitet Heini in der Uniform der HJ den Kameradschaftsführer Kaß, der nach dem Tod von Frau Völker zunächst Sorge für Heini trägt und zu dessen Kameradschaft Heinis neue Freunde um Fritz Dörries gehören. Auf ihrem Weg sprechen sie über Heinis Zukunft innerhalb der HJ. Es steht die Entscheidung darüber an, ob Heini unter der Fürsorge von Kaß in seiner Kameradschaft und somit seiner gewünschten Umgebung verweilen darf oder versetzt wird. Auf die Realisierung seines Wunsches „Ich will aber nicht weg.“ (Schenzinger 1932, S. 165) hat Heini keine Einflussmöglichkeiten. Die Entscheidung wird von der übergeordneten Führung in Person des Bannführers entschieden. Als Entscheidungsgrundlage werden doch nicht die individuellen Bedürfnisse Heinis herangezogen, sondern Gründe, die „der Dienst erfordert“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, den Roman „Der Hitlerjunge Quex“ als ideologisches Propagandamittel durch eine diskursanalytische und hermeneutische Untersuchung zu entlarven.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Unterwerfung des Individuums unter die NS-Ideologie (Volksgemeinschaft, Rassenlehre, Uniform, Führerprinzip, Kameradschaft) sowie die ambivalente Rolle der Frau im nationalsozialistischen Kontext.
3.3 Schluss: Im Schluss werden die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und die anfängliche Hypothese der bewussten Inszenierung von Individualitätsverlust und ambivalentem Frauenbild bestätigt.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Der Hitlerjunge Quex, Volksgemeinschaft, Individualität, Führerprinzip, Propaganda, Geschlechterrollen, Mutterkult, Bund Deutscher Mädel, Kameradschaft, NS-Ideologie, Diskursanalyse, Erziehung, Identität, Kollektivismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Jugendroman „Der Hitlerjunge Quex“ von Aloys Schenzinger als Propagandawerk der Nationalsozialisten und beleuchtet dessen erzieherische Absichten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die systematische Minderbedeutung des Individuums innerhalb der Volksgemeinschaft sowie das ambivalente und funktionalisierte Rollenverständnis der Frau.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, mittels hermeneutischer Textanalyse aufzuzeigen, wie Schenzinger durch literarische Mittel NS-Ideologien wie das Führerprinzip oder den Mutterkult glorifiziert und zur kollektiven Gleichschaltung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Die Autorin oder der Autor verwendet ein diskursanalytisches Vorgehen, um Textpassagen des Romans zu interpretieren und diese kritisch mit einschlägiger Forschungsliteratur in Beziehung zu setzen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Einführung, eine Untersuchung der Rolle des Individuums gegenüber Kollektiv und Staat sowie eine detaillierte Analyse der Darstellung der Frau als Mutter, BDM-Mitglied und politische Gegnerin.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Propaganda, Volksgemeinschaft, Führerprinzip, Kameradschaft, Mutterkult und Ideologie.
Warum wird die Rolle der Mutter im Roman als ambivalent bezeichnet?
Sie ist ambivalent, da sie einerseits als emotionaler Mittelpunkt und Fürsorgende für den Nachwuchs glorifiziert wird, andererseits aber vollständig hinter die nationalsozialistischen Ziele und die militärische Funktionalisierung zurücktreten muss.
Inwiefern spielt der kommunistische Hintergrund eine Rolle für die Charakterisierung?
Der kommunistische Hintergrund wird genutzt, um negative Kontrastfiguren zu schaffen; so werden kommunistische Frauen durch sexuelle Denunziation diskreditiert, um die „Reinheit“ der nationalsozialistischen Ideale hervorzuheben.
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- Daniel Zäck (Author), 2013, Der Hitlerjunge Quex., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262513