„Nichts ist so beständig wie der Wandel“,
wie recht Heraklit von Ephesos schon 400 Jahre vor Christi Geburt behalten sollte, zeigt sich unter anderem in der jüngsten Entwicklung der europäischen Rechnungslegung. So sind alle kapitalmarktorientierten Unternehmen der Europäischen Union verpflichtet seit dem 1. Januar
2005 den Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) aufzustellen. Auch für Unternehmen, die nach den Normen des Handelsgesetzbuches (HGB) bilanzieren, ergeben sich, verpflichtend seit dem 1. Januar 2010, durch das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG)
grundlegende Änderungen.
Mit dem einhergehenden Wandel nimmt die Bedeutung einzelner Rechnungslegungsnormen in den Jahresabschlüssen zu. So werden die HGB-Regelungen latenter Steuern durch Bil-MoG neugefasst. Nach IFRS bilden latente Steuern bereits einen bedeutenden Posten im Jahresabschluss. Demnach setzt sich beispielsweise der Anteil des IFRS-Eigenkapitals,
bei den Konzernen des Deutschen Aktienindexes
(DAX), bis zu 33% aus aktiven latenten Steuern zusammen. Die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Höhe latenter Steuern kann somit wichtige Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben, weshalb die Unternehmen bestrebt sein könnten mit Hilfe bilanzpolitischer Maßnahmen diese Möglichkeit wahrzunehmen.
Ausgehend von diesem Hintergrund zeigt die vorliegende Arbeit theoretische Gestaltungspotenziale der Bilanzpolitik mittels latenter Steuern auf und weist mit Hilfe der
empirischen Evidenz das Ausmaß einer solchen bilanzpolitischen Gestaltung der HGB- und IFRS-Jahresabschlüsse in der Praxis auf.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Grundlagen der Bilanzpolitik
2.1.1 Definition
2.1.2 Ziele
2.1.3 Instrumentarium
2.1.4 Grenzen
2.2 Einfluss und Bedeutung des BilMoG auf die Bilanzpolitik
2.3 Konzeptionen latenter Steuern
2.3.1 Entstehungsursachen und Ziele der Bilanzierung
2.3.2 Konzepte und Methoden zur Abgrenzung
3 Theoretische Analyse der bilanzpolitischen Gestaltungspotenziale latenter Steuern
3.1 Bilanzierung latenter Steuern nach IFRS
3.1.1 Ansatz aktiver und passiver latenter Steuern
3.1.2 Bewertung latenter Steuern
3.1.3 Ausweis und Anhangangaben
3.1.4 Bilanzpolitischer Gestaltungsrahmen
3.2 Bilanzierung latenter Steuern nach HGB
3.2.1 Ansatz aktiver und passiver latenter Steuern
3.2.2 Bewertung latenter Steuern
3.2.3 Ausweis und Anhangangaben
3.2.4 Bilanzpolitischer Gestaltungsrahmen
3.3 Wirkung latenter Steuern auf Jahresabschluss
3.4 Kritische Würdigung
4 Empirische Evidenz zur bilanzpolitischen Gestaltung des Jahresabschlusses durch latente Steuern
4.1 Methoden zur Messung bilanzpolitischer Maßnahmen
4.2 Studien zu Bilanzpolitik mittels latenter Steuern am angloamerikanischen Kapitalmarkt
4.2.1 Studien zur Valuation Allowance
4.2.2 Studien zu Income Tax Contingency
4.2.3 Weitere Studien
4.3 Studien zu Bilanzpolitik mittels latenter Steuern bei IFRS-Rechnungslegung
4.3.1 Forschungsstand
4.3.2 Untersuchung der Konzernabschlüsse der DAX-Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011
4.3.2.1 Gegenstand der Untersuchung
4.3.2.2 Stichprobe und Datenbasis
4.3.2.3 Methodische Vorgehensweise
4.3.2.4 Ergebnisse der Untersuchung
4.4 Studien zu Bilanzpolitik mittels latenter Steuern bei HGB-Rechnungslegung
4.4.1 Forschungsstand
4.4.2 Untersuchung der Einzelabschlüsse der DAX-Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011
4.4.2.1 Gegenstand der Untersuchung
4.4.2.2 Stichprobe und Datenbasis
4.4.2.3 Methodische Vorgehensweise
4.4.2.4 Ergebnisse der Untersuchung
4.5 Kritische Würdigung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das bilanzpolitische Gestaltungspotenzial von latenten Steuern in IFRS- und HGB-Abschlüssen sowohl theoretisch als auch anhand empirischer Daten deutscher DAX-Unternehmen.
- Grundlagen der Bilanzpolitik und konzeptionelle Einordnung latenter Steuern.
- Theoretische Analyse der Bilanzierungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume nach IFRS und HGB.
- Empirische Untersuchung zur praktischen Bedeutung latenter Steuern in DAX-Konzern- und Einzelabschlüssen (2010/2011).
- Kritische Würdigung der bilanzpolitischen Instrumente und ihrer Wirkung auf Unternehmenskennzahlen.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Ziele
Das Ziel der Bilanzpolitik liegt in der Vermittlung eines gewünschten Abbildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie der zukünftigen Cashflows eines Unternehmens. Sie richtet sich an die Berichtadressaten und zielt auf die Beeinflussung der Rechtsfolgen und des Verhaltens externer und interner Interesseneigner. Dabei lässt sich die Bilanzpolitik in die Ergebnis- und die Informationspolitik, die voneinander nicht isoliert, sondern wechselseitig verknüpft sind, aufgliedern.
Die Ergebnispolitik zielt auf die Beeinflussung finanzieller Unternehmensziele. Damit verbunden sind die Gestaltung der Ausschüttungsbemessungsgrundlage, die Sicherung der Liquidität und die Minimierung der Steuerbelastung. Ferner sollen die Investoren bezüglich ihres Anlageverhaltens und Geschäftspartner bezüglich ihres Zahlungs- und Besicherungsverhaltens zugunsten des Unternehmens durch eine bestimmte Gestaltung des Jahresabschlusses gesteuert werden. Übergreifend zielt die Informationspolitik auf die Bereitstellung von meinungsbildenden Informationen. Neben dem Ziel der Verhaltenssteuerung schließen die Publizitätsziele die Selbstdarstellung des Unternehmens und die Nutzung von Möglichkeiten zur Vermeidung bzw. Entlastung von Offenlegungsanforderungen ein.
Die Bilanzpolitik kann auf eine Minimierung oder eine Maximierung des Jahresergebnisses abzielen. Dadurch ist es beispielsweise möglich am Kapitalmarkt einen positiven oder gegenüber den Anteilseignern (Wunsch nach höherer Ausschüttung) einen negativen Eindruck über die Ertragslage zu erwecken. Ferner ist es möglich den ausgewiesenen Erfolg über die Zeit zu glätten, um eine stabile Unternehmenslage zu signalisieren. Auch bestimmte Zielgrößen, wie Prognosen von Analysten oder positive Ergebnisse, können mit Hilfe der Bilanzpolitik erreicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Rechnungslegungsnormen durch IFRS und BilMoG sowie die wachsende Bedeutung latenter Steuern für die Bilanzpolitik.
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Bilanzpolitik, ihre Ziele und Instrumente und erläutert die konzeptionellen Grundlagen latenter Steuern, insbesondere den Übergang zum Temporary-Konzept.
3 Theoretische Analyse der bilanzpolitischen Gestaltungspotenziale latenter Steuern: Hier werden die spezifischen Bilanzierungsregeln nach IFRS und HGB theoretisch analysiert und die daraus resultierenden Spielräume für bilanzpolitische Maßnahmen herausgearbeitet.
4 Empirische Evidenz zur bilanzpolitischen Gestaltung des Jahresabschlusses durch latente Steuern: Dieses Kapitel bietet eine empirische Analyse der praktischen Anwendung latenter Steuern in deutschen DAX-Unternehmen und bewertet die Auswirkungen auf den Jahresabschluss.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der theoretischen Erkenntnisse und der empirischen Befunde über die Bedeutung latenter Steuern als Instrument der Bilanzpolitik.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, Bilanzpolitik, IFRS, HGB, BilMoG, Ergebnispolitik, Informationspolitik, Temporary-Konzept, Liability-Methode, Verlustvorträge, Jahresabschluss, Eigenkapital, DAX, Steuerabgrenzung, Gestaltungsspielräume.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle latenter Steuern als Instrument der Bilanzpolitik in Abschlüssen nach IFRS und HGB.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Bilanzpolitik, die steuerliche Abgrenzung latenter Steuern, die Auswirkungen auf Kennzahlen sowie eine empirische Untersuchung deutscher DAX-Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie latente Steuern genutzt werden können, um das Vermögen, das Ergebnis und die Finanzlage eines Unternehmens bilanzpolitisch zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse der Rechnungslegungsnormen (IAS 12, HGB) mit einer empirischen Untersuchung von Konzern- und Einzelabschlüssen der DAX-Unternehmen für die Jahre 2010 und 2011.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bilanzierungsregeln nach IFRS und HGB, die spezifischen Gestaltungspotenziale (wie das Aktivierungswahlrecht) und prüft deren praktische Anwendung mittels statistischer Daten und Unternehmensbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Latente Steuern, Bilanzpolitik, IFRS, HGB, BilMoG, Ergebnispolitik und Verlustvorträge charakterisiert.
Welchen Einfluss hat das BilMoG auf die Bilanzpolitik mit latenten Steuern?
Das BilMoG hat die HGB-Rechnungslegung an IFRS-Grundsätze angenähert, insbesondere durch das Temporary-Konzept, und durch neue Wahlrechte (z.B. Saldierungswahlrecht) zusätzliche bilanzpolitische Spielräume geschaffen.
Welche Rolle spielen Verlustvorträge für die Bilanzpolitik?
Die Aktivierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge stellt ein bedeutendes Instrument dar, um das Eigenkapital zu erhöhen und das Periodenergebnis positiv zu beeinflussen, insbesondere in Krisenzeiten.
- Arbeit zitieren
- Konstantin Trautwein (Autor:in), 2012, Latente Steuern als bilanzpolitisches Instrument in IFRS- und HGB-Abschlüssen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262098