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Sollen wir wollen was wir können? Ethisch-kritische Anmerkungen zur In Vitro Fertilisation sowie zur Präimplantationsdiagnostik

Titel: Sollen wir wollen was wir können? Ethisch-kritische Anmerkungen zur In Vitro Fertilisation sowie zur Präimplantationsdiagnostik

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 41 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Katharina Stolte (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Meldung war eher klein, lediglich am Rande der Zeitungsseite untergebracht:
ein britisches, weißes Ehepaar hatte nach erfolgreicher künstlicher
Befruchtung schwarze Zwillinge bekommen. Keine Laune der Natur, keine
Mulatten im Stammbaum sondern ein fataler Fehler im Labor war hier
passiert. Gleichzeitig nämlich hatte sich ein schwarzes Ehepaar künstlich
befruchten lassen – ohne Erfolg allerdings. Dachten sie. Denn was das weiße
Ehepaar nun hat, sind genaugenommen die Kinder des schwarzen Ehepaars,
zumindest genetisch gesehen. Die befruchteten Eizellen waren im Labor
vertauscht und der falschen Mutter eingepflanzt worden. Das schwarze Ehepaar
möchte jetzt seine Kinder haben, die das weiße Ehepaar jedoch nicht
hergeben will, da sie sich als die Eltern der Zwillinge betrachten. Dieser Fall
wird die englische Justiz – in dem Bemühen, hier ein salomonisches Urteil zu
finden – voraus sichtlich einige Jahre beschäftigen. Was solange aus den
Kindern werden soll, ist unklar. Sie werden höchstwahrscheinlich bei ihren
weißen Eltern bleiben. Ob man sie dort in ein paar Jahren jedoch wegholen
und dem anderen Elternpaar geben kann, ist moralisch mehr als fragwürdig.
Neben all den Heilungsversprechen, die uns aufgrund der immer neuen
Möglichkeiten in der Fortpflanzungsmedizin gemacht werden, ist dies eines
der Probleme, die uns eben diese Möglichkeiten bescheren werden. Wir Menschen
wagen uns hier in ein vollkommen neues, moralisch schwer faßbares
Gebiet vor. Das muß per se nichts Schlimmes sein. In unserer Geschichte gab
es immer wieder Neues, das uns bedrohlich erschien, wie beispielsweise die
Dampfmaschine, die ersten Eisenbahnen, Dynamit usw., woran wir uns aber
letzten Endes immer gewöhnt haben und das meiste davon auch nicht mehr
missen möchten. Die Möglichkeiten, die sich durch die Gentechnik jedoch
eröffnen, könnten durch das extrakorporale Vorhandensein von Embryonen
und damit der Verfügbarkeit menschlichen Lebens unser Verständnis von
Menschsein, Elternschaft und Gesellschaft im allgemeinen in einem Ausmaß
verändern, das wir bisher gar nicht abschätzen können. Durch In-Vitro-
Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik, verbrauchende Embryonenforschung und Stammzellenzucht wird auch der Mensch verstärkt Teil eines
verbrauchs - und leistungsorientierten Denkens das in dieser Form nicht
wünschenswert sein kann. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. TECHNIK UND VERFAHREN

2.1 In- vitro- Fertilisation

2.2 Präimplantationsdiagnostik

3. VOM KÖNNEN UND WOLLEN

3.1 In- Vitro- Fertilisation einmal näher betrachtet

3.1.1 Gibt es ein Recht auf Kinder?

3.1.2 Ist Kinderlosigkeit eine Krankheit?

3.1.3 Reproduktionsmedizin und ärztliche Ethik

3.1.4 Folgen für die Partnerschaft und die Kinder

3.1.5 Kosten und Kostenträger

3.2 Fazit

3.3. Präimplantationsdiagnostik einmal näher betrachtet

3.3.1 Dichtung und Wahrheit: was kann die PID?

3.3.2 Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?

3.3.3 Zur Notwendigkeit der Präimplantationsdiagnostik

3.3.4 Die Frage nach der Verantwortung

Verantwortungsrhetorik

3.3.5 Ist die Menschwürde- Diskussion relevant?

3.4 Fazit

4. SCHLUSS

5. LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht kritisch die ethischen und moralischen Implikationen der reproduktionsmedizinischen Verfahren In-Vitro-Fertilisation (IVF) und Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob unser gesellschaftliches Verständnis von Menschsein und Ethik zunehmend unter den Druck der technischen Machbarkeit sowie wirtschaftlicher Interessen gerät und ob dieser Prozess ethisch vertretbar ist.

  • Ethische Bewertung von assistierten Reproduktionsmethoden wie IVF und PID
  • Kritische Analyse des Begriffs der Kinderlosigkeit als "Krankheit"
  • Untersuchung der psychischen und partnerschaftlichen Folgen künstlicher Zeugung
  • Verantwortungsfragen im Kontext von Selektionstechniken und pränataler Diagnostik
  • Reflektion über ökonomische Interessen im Vergleich zu ärztlichen Handlungsmaximen

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Ist Kinderlosigkeit eine Krankheit?

Das Unvermögen, auf natürlichem Wege ein leibliches Kind zu bekommen, ist genau genommen keine Krankheit, sondern lediglich die Folge einer Krankheit, wie beispielsweise untaugliche Spermien oder einer Eileiterverklebung.

Dieser wichtige Unterschied soll an einem anderen Beispiel noch verdeutlicht werden: Einem schweren Diabetiker muß das rechte Bein bis oberhalb des Kniegelenkes abgenommen werden. Er hat also ab sofort nur noch ein Bein. Das fehlende Bein wird von niemandem als Krankheit bezeichnet werden, eher als Behinderung; das Bein fehlt aufgrund der Krankheit Diabetes. Der Patient hat ebenso wie alle anderen Menschen ein Recht auf seine beiden Beine. Man dürfte ihm sein Bein nicht einfach so amputieren, auch er selbst nicht, dazu muß eine schwerwiegende Diagnose (hier Diabetes) und die Zustimmung des Patienten zur Amputation vorliegen. Das Abnehmen des Beines soll das Leben des Mannes retten, der andernfalls sterben würde. Wenn das Bein jedoch erst einmal ab ist, dann ist es das auch endgültig. Der Patient kann sein eigenes, leibliches Bein danach nie wieder bekommen.

Bei ungewollter Kinderlosigkeit aufgrund krankhafter Veränderungen ist es ähnlich: nicht die Kinderlosigkeit ist die Krankheit, sie ist die Folge einer Krankheit. Der angebliche Behandlungsbedarf mit In- Vitro- Fertilisation ist aufgrund dieser Tatsache rechtfertigungsbedürftig, richtet er sich doch nicht auf die Behandlung einer Krankheit. Dies sieht auch der österreichische Gesetzgeber so: „(...) Die Kinderlosigkeit könne als solche aber nicht als Krankheit bezeichnet werden, sondern bloß krankhafte Veränderungen zur Ursache haben. (...)“ Die medizinisch assistierte Reproduktion ist also mitnichten eine Heilmethode; sie umgeht lediglich die Ursachen der Kinderlosigkeit, indem sie den Zeugungsakt aus dem Körper herausnimmt und ihm nachhilft. Anders ausgedrückt: „Eine körperliche Heilung [der Sterilität, Anm. K.S.] kann auch durch In- vitro- Fertilisation nicht erreicht werden. Sie erscheint vielmehr als eine Prothese, die den sozialen Mangel beseitigt.“ Das empfundene Leiden ist das, was behandelt wird, nicht jedoch die tatsächliche Ursache des Leidens. Es wurde nur ein Ausweg gefunden, der die Kinderlosigkeit eventuell beseitigt. Kinderlosigkeit aber ist keine Krankheit und eine In- Vitro- Fertilisation keine Heilmethode.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt anhand eines Fallbeispiels in die Thematik der künstlichen Befruchtung ein und wirft grundsätzliche moralische Fragen über den Einfluss der Gentechnik auf unser Verständnis von Menschsein auf.

2. TECHNIK UND VERFAHREN: Dieses Kapitel erläutert kurz die wissenschaftlichen Grundlagen und technischen Abläufe der In-Vitro-Fertilisation und der Präimplantationsdiagnostik.

3. VOM KÖNNEN UND WOLLEN: Der Hauptteil kritisiert die ethischen Grundlagen der Reproduktionsmedizin, hinterfragt den Status der Kinderlosigkeit als Krankheit und thematisiert die Folgen für Partnerschaft, Kinder und die gesellschaftliche Verantwortung.

3.1 In- Vitro- Fertilisation einmal näher betrachtet: Hier werden spezifische Aspekte wie das vermeintliche Recht auf Kinder, die ärztliche Ethik und die sozialen Folgen der IVF intensiv beleuchtet.

3.2 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass IVF keine Heilmethode darstellt und die Kostenübernahme durch die Allgemeinheit sowie die moralischen Konsequenzen höchst problematisch sind.

3.3. Präimplantationsdiagnostik einmal näher betrachtet: Dieses Kapitel untersucht die Risiken und ethischen Probleme der PID sowie die rhetorischen Strategien, die deren Akzeptanz in der Gesellschaft fördern.

3.3.5 Ist die Menschwürde- Diskussion relevant?: Die Autorin reflektiert hier kritisch, ob die Fixierung auf den Embryonenstatus als "Mensch mit Würde" den Blick auf das eigentlich notwendige Selbstverständnis der Gesellschaft verstellt.

3.4 Fazit: Das zweite Fazit verdeutlicht, dass eine Notwendigkeit für die PID nicht überzeugend dargelegt werden kann und das Verfahren aus ethischer Sicht abzulehnen ist.

4. SCHLUSS: Der Schlussteil fasst die gesamte Argumentation zusammen und plädiert für einen vorsichtigen Umgang mit Techniken, deren Auswirkungen auf zukünftige Generationen und das Gattungsverständnis noch kaum erforscht sind.

5. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der herangezogenen Quellen, Fachliteratur und Internetressourcen.

Schlüsselwörter

Bioethik, In-Vitro-Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik, Reproduktionsmedizin, Menschenwürde, Embryonenforschung, Kinderwunsch, Eugenik, Selektionstechnik, ärztliche Ethik, Fortpflanzungsmedizin, soziale Konstruktion des Risikos, Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit den ethischen und moralischen Aspekten der In-Vitro-Fertilisation und der Präimplantationsdiagnostik auseinander, um die Grenzen technischer Machbarkeit im Bereich der menschlichen Fortpflanzung auszuloten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die ethische Bewertung der PID, das Verhältnis von technischer Reproduktion zur ärztlichen Handlungsmaxime, die Auswirkungen auf die Partnerschaft und die Instrumentalisierung des Embryos.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob unsere Gesellschaft den Einsatz neuer Reproduktionstechniken blind akzeptiert und ob dabei moralische Grundsätze zugunsten ökonomischer oder technischer Interessen aufgegeben werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-ethische Analyse, die auf der kritischen Sichtung aktueller bioethischer Debatten, fachwissenschaftlicher Literatur und Stellungnahmen des Nationalen Ethikrates basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die IVF und PID als "Prothesen" bei Kinderlosigkeit, beleuchtet die psychosozialen Auswirkungen auf die betroffenen Paare und Kinder sowie die ethisch bedenkliche "Verdinglichung" menschlichen Lebens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Bioethik, Reproduktionsmedizin, Selektionstechnik, Verantwortungsethik, Embryonenschutz und die Frage nach der Menschwürde im Kontext technischer Möglichkeiten.

Wie bewertet die Autorin den "selektiven Fetozid"?

Der Fetozid wird als eine notwendige, aber ethisch kaum zu rechtfertigende Folge der IVF betrachtet, die Mediziner in einen massiven moralischen Widerspruch zu ihrem helfenden Auftrag bringt.

Welche Rolle spielt die "Akzeptanzrhetorik" nach Beck-Gernsheim in der Arbeit?

Die Arbeit nutzt dieses Modell, um aufzuzeigen, wie durch Bedrohungs-, Rettungs- und Verantwortungsrhetorik ein gesellschaftlicher Druck erzeugt wird, der werdende Eltern dazu verleitet, technisch-diagnostische Eingriffe als "elterliche Fürsorge" zu legitimieren.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sollen wir wollen was wir können? Ethisch-kritische Anmerkungen zur In Vitro Fertilisation sowie zur Präimplantationsdiagnostik
Hochschule
Universität Bayreuth  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Ausgewählte Probleme der Bioethik
Note
1,0
Autor
Katharina Stolte (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
41
Katalognummer
V26115
ISBN (eBook)
9783638285438
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sollen Ethisch-kritische Anmerkungen Vitro Fertilisation Präimplantationsdiagnostik Ausgewählte Probleme Bioethik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katharina Stolte (Autor:in), 2002, Sollen wir wollen was wir können? Ethisch-kritische Anmerkungen zur In Vitro Fertilisation sowie zur Präimplantationsdiagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/26115
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Leseprobe aus  41  Seiten
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