Durch eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Formen der transmissiblen spongiformen Enzephalopathien, wobei die Schwerpunkte in den mikrobiologischen Ursachen der BSE, in der verschiedenen Symptomatik der einzelnen Erkrankungen sowie in ihrem Bezug zur Public Health liegt, möchte der Autor zunächst für sich selbst ein umfassendes Verständnis für diese mögliche Form der prionbedingten Erkrankung entwickeln. Im Folgenden soll dann versucht werden mögliche Zusammenhänge zwischen der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie beim Rind und der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung beim Menschen zu ziehen. Da die Krankheit zuerst in Großbritannien eine Krise auslöste, gibt es vor allem von britischen Wissenschaftlern einige – meist kritische – Veröffentlichungen. Die meisten Veröffentlichungen zum Thema BSE finden sich in Fachzeitschriften, v.a. solchen für Veterinärmedizin oder Naturwissenschaft und sind hier in Hamburg nicht alle einzusehen. Das Krankheitsgeschehen von spongiformen Enzephalopathien ist so komplex und vieldimensional zu betrachten, dass es schwerfällt, alle Forschungsbetrachtungen in dieser Hausarbeit zu berücksichtigen. Aus diesem Grund muss der Autor sich im Rahmen dieser Arbeit auf die Beschreibung der wesentlichsten, ausgewählten Aspekte, die dem Verständnis für die Erkrankungen dienen, beschränken, um diese in der notwendigen Ausführlichkeit bearbeiten zu können. Ebenso sei darauf hingewiesen, dass innerhalb des gewählten Themas stärker auf Großbritannien eingegangen wird, da es offensichtlich das Ursprungsland der BSE ist.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HISTORIE DER TRANSMISSIBLEN SPONGIFORMEN ENZEPHALOPATHIEN
2.1 BESCHREIBUNG DER ENZEPHALOPATHIEN BEIM MENSCHEN
2.1.1 Charakterisierung der Kuru-Enzephalopathie
2.1.2 Charakterisierung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit = Creutzfeldt-Jakob-Disease (CJD)
2.1.3 Charakterisierung der neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJK)
2.1.4 Charakterisierung des Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS)
2.1.5 Charakterisierung der letalen familiären Insomnie = Fetal Familial Insomnia (FFI)
2.2 BESCHREIBUNG DER ENZEPHALOPATHIEN BEI TIEREN
2.2.1 Charakterisierung der Traberkrankheit = Scrapie
2.2.2 Charakterisierung der chronische Auszehrung der Hirschartigen = Chronic Wasting Disease (CWD)
2.2.3 Charakterisierung der Spongiforme Enzephalopathie bei Katzenarten und anderen Tieren = Feline Spongiforme Enzephalopathie (FSE)
2.2.4 Charakterisierung der übertragbaren Enzephalopathie der Nerze = Transmissible mink encephalopathie (TME)
2.2.5 Charakterisierung der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE)
3 ENTSTEHUNGSTHEORIEN, ERREGEREINORDNUNG UND ÜBERTRAGUNGSMÖGLICHKEIT VON BSE
3.1 FUTTERMITTELBEDINGTEINFEKTIONSBILDUNG
3.2 ENDOKRINE INFEKTIONSBILDUNG
3.3 INFEKTIONSBILDUNG AUFGRUND INFIZIERTER BÖDEN
3.4 PARASITÄRE UND IMMUNSUPRESSIVE INFEKTIONSBILDUNG
3.5 BSE ALS SPONTANERKRANKUNG
4 HYPOTHESEN ÜBER DEN ERREGER
4.1 AKTUELLE GENERELLE FESTSTELLUNGEN ÜBER DEN KRANKHEITSERREGER
4.2 ERKLÄRUNGSVERSUCH DER BSE DURCH VIREN
4.3 ERKLÄRUNGSVERSUCH DER BSE DURCH VIRINO
4.4 DIE PRION-THEORIE
5 VERBRAUCHERAUFKLÄRUNG
5.1 BEZIEHUNG ZWISCHEN BSE UND NVCJK
5.2 DIE APPELLE DER VERBRAUCHERVERBÄNDE
5.3 ÜBERTRAGUNGSWEGE DES BSE-ERREGERS AUF DEN MENSCHEN
5.3.1 Rinderprodukte
5.3.2 Kosmetika und Arzneimittel
5.4 RISIKOGRUPPEN FÜR EINE INFEKTION
5.5 ETIKETTIERUNG VON RINDFLEISCH
6 SCHLUSSWORT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mikrobiologischen Hintergründe und Entstehungstheorien der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) im Kontext verwandter transmissibler spongiformer Enzephalopathien (TSE). Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der Tierseuche BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung beim Menschen zu beleuchten sowie die Rolle der Verbraucheraufklärung und Risikobewertung kritisch zu hinterfragen.
- Klassifizierung und Symptomatik der wichtigsten TSE bei Mensch und Tier.
- Analyse der Übertragungstheorien von BSE (u.a. Futtermittel, endokrine Einflüsse).
- Diskussion wissenschaftlicher Hypothesen zum Erreger (Virus, Virino, Prion-Theorie).
- Bewertung der Übertragungsrisiken durch verschiedene Rinderprodukte.
- Rolle der Verbraucherverbände und Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Charakterisierung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit = Creutzfeldt-Jakob-Disease (CJD)
Diese Erkrankung, benannt nach den Ärzten, die sie erstmals beschrieben, führt zu ähnlichen Gehirnschäden wie Kuru, der Krankheitsverlauf ist jedoch unterschiedlich. Der erste Fall, den Dr. Hans Gerhard Creutzfeldt im Juni 1913 beobachtete, betrifft eine 23-jährige Frau. Sie hatte einen Zusammenbruch erlitten und war in das Krankenhaus eingeliefert worden, in dem Dr. Creutzfeldt als Assistent des Neurologen Alois Alzheimer arbeitete. Etwa einen Monat vor dem Zusammenbruch der Frau hatte sich ihr bis dahin fröhliches Wesen plötzlich verändert. Sie wollte nicht mehr essen, nicht mehr baden, achtete nicht mehr auf ihr Äußeres.
Sie hatte einen verwirrten Gesichtsausdruck, Augenzwinkern und einen unsicheren Gang. Ihre Gesichtsmuskeln bebten, die Reflexe waren anormal, die Sprache verzerrt, ihre Arme zuckten unkontrolliert und bei jeder willkürlichen Bewegung setzte ein Zittern ein. Ihr Zustand verschlechterte sich zusehends, sowohl geistig als auch körperlich. Mal schrie sie ununterbrochen, mal verharrte sie tagelang in völliger Starre. Am 11. August stirbt die Frau im Status epilepticus. Dr. Creutzfeldt erkennt, da es sich um eine neue Krankheit handelt und veröffentlicht 1920 einen Aufsatz, der von Dr. Alfred Jakob gelesen wird. Dieser hatte an vier Patienten ähnliches beobachtet und bei der Obduktion eines der Gehirne die beschriebenen Schäden festgestellt: Millionen Gehirnzellen waren abgestorben und beseitigt, teilweise waren Gliazellen (Reparaturzellen des Gehirns) an ihre Stelle getreten. Auch die charakteristischen Löcher waren vorhanden, wurden von den Ärzten aber nicht näher berücksichtigt. Eine Entzündung war nicht zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Verunsicherung der Bevölkerung durch BSE und das Ziel des Autors, ein umfassendes Verständnis für diese prionbedingte Erkrankung zu entwickeln.
2 Historie der transmissiblen spongiformen Enzephalopathien: Dieses Kapitel stellt die Symptomatik und den Verlauf der wichtigsten TSE-Erkrankungen bei Menschen (z.B. Kuru, CJK) und Tieren (z.B. Scrapie, BSE) dar.
3 Entstehungstheorien, Erregereinordnung und Übertragungsmöglichkeit von BSE: Hier werden diverse Hypothesen zur Entstehung der Rinderseuche analysiert, wobei besonders die Kraftfutter-Theorie kritisch hinterfragt wird.
4 Hypothesen über den Erreger: Dieses Kapitel behandelt die wissenschaftlichen Ansätze zur Definition des Erregers, von der Virus-Theorie bis zur heute prägenden Prion-Theorie.
5 Verbraucheraufklärung: Die Arbeit beleuchtet hier die Risiken für den Menschen, die Rolle der Verbraucherverbände und die Problematik der Lebensmittelsicherheit bei Rinderprodukten.
6 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Komplexität der Seuche und mahnt eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Verbraucheraufklärung an.
Schlüsselwörter
BSE, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Scrapie, Prionen, Transmissible spongiforme Enzephalopathien, TSE, Rinderwahn, Verbraucherschutz, Infektionswege, Tiermehl, Neuropathologie, Lebensmittelsicherheit, nvCJK, Pathogenese, Prion-Protein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) und deren Einbettung in die Gruppe der transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE) bei Mensch und Tier.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Erreger, den verschiedenen Theorien zur Entstehung von BSE sowie der kritischen Analyse der Übertragungsrisiken auf den Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die mikrobiologischen Ursachen, die Symptomatik der Erkrankungen und die Zusammenhänge zwischen BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung beim Menschen verständlich darzulegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine fundierte Literaturanalyse und wertet einschlägige Fachzeitschriften, medizinische Berichte und epidemiologische Daten aus, um die komplexe Thematik aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der bekannten TSE-Krankheitsbilder, die Analyse verschiedener Entstehungstheorien sowie eine detaillierte Diskussion über die Beschaffenheit des Erregers.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Prionen, BSE, nvCJK, Scrapie, Infektionswege und Verbraucheraufklärung.
Welche Rolle spielt das Tiermehl bei der Entstehung von BSE laut der Arbeit?
Das Kapitel zur Futtermittelinfektion verdeutlicht, wie durch veränderte Produktionsverfahren in der Tierkörperverwertung die Inaktivierung des Erregers unterblieb und so die Ausbreitung der Seuche begünstigt wurde.
Wie bewertet der Autor das Risiko durch Rinderprodukte?
Die Arbeit weist darauf hin, dass das Fehlen eines wissenschaftlichen Nachweises für den Erreger in bestimmten Geweben kein Beweis für deren absolute Unbedenklichkeit ist, weshalb insbesondere im Bereich der Lebensmittelsicherheit Vorsicht geboten ist.
- Arbeit zitieren
- Diplom Pflegewirt (FH) Sebastian Herholz (Autor:in), 2002, BSE im Kontext mit anderen transmissiblen spongioformen Encephalopathien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/25445