In der vorliegenden Seminararbeit werden der Realismus nach Hans J.
Morgenthau und der Neorealismus nach Kenneth Waltz behandelt. Hierzu
sollen in den ersten zwei Kapiteln zuerst die beiden Theorieansätze für
sich beschrieben werden und im dritten Kapitel in ihren zentralen
Aussagen verglichen werden.
Die Beschäftigung mit dem Realismus und Neorealismus in den
internationalen Beziehungen in dieser Arbeit rührt aus der ständigen
Aktualität der Theorien her, da sie sich beide mit den internationalen
Beziehungen aus einer realistischen Perspektive beschäftigen. Diese
beiden Theorien haben auch durch die veränderte Weltlage nach dem
Ende des Kalten Krieges in ihren grundsätzlichen Aussagen nicht an
Bedeutung verloren.
Dadurch kann auch eine Herangehensweise an das Thema mittels eines
gleichschenkligen Aufbaus gewählt werden, der die zentralen Punkte
beleuchtet und die historischen Hintergründe, die Akteure und den
Gegenstand, so wie Probleme und Lösungen in den beiden Ansätzen in
ihren grundsätzlichen Aussagen und Thesen vergleicht, was auch durch
die Reduzierung der hohen Abstraktionsebene erreicht werden soll. Dies
lässt einen Vergleich der wichtigsten Aussagen zu und verhindert ein
Abgleiten in eine zu detaillierte Darstellung. Zusätzlich soll durch einen
kurzen Überblick über die häufigsten Kritikpunkte das Bild abgerundet
werden.
Die Begrenzung des Themas in dieser Arbeit ergibt sich durch diese
Herangehensweise, die explizit versucht, einen schlanken Vergleich in
zentralen Aussagen zu liefern, der auch die Möglichkeit bietet, ohne
vorherige nähere Beschäftigung mit dem Thema die zentralen Aussagen
der beiden Theorien zu verstehen und die Unterschiede zu erkennen.
Die Sekundärliteratur zu den Ansätzen von Morgenthau und Waltz ist
relativ dürftig, wenn man sich ausschließlich mit den beiden Ansätzen
beschäftigt. Allerdings werden die verschiedenen Theorien im Realismus
jedoch von anderen Theoretikern immer wieder aufgegriffen und nehmen
Bezug auf Morgenthau und Waltz, zu nennen sind hier unter anderem
Herz oder Bull. Zudem wird das Thema relativ ausführlich in
Einführungswerken in die Internationale Politik behandelt, was zwar einen
Überblick verschafft, jedoch nicht zu sehr in die Tiefe geht. Daher liegt der
Schwerpunkt der Analyse auf den Werken „Macht und Frieden“ von Hans
J. Morgenthau und „Theory of International Politics“ von Kenneth Waltz als
Primärliteratur.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Realismus und Neorealismus
2.1. Realismus nach Hans J. Morgenthau
2.1.1. Historischer Hintergrund
2.1.2. Gegenstand und Akteure
2.1.3. Probleme und Lösungen
2.1.4. Kritik am Realismus
2.2. Neorealismus nach Kenneth Waltz
2.2.1. Historischer Hintergrund
2.2.2. Gegenstand und Akteure
2.2.3. Probleme und Lösungen
2.2.4. Kritik am Neo-Realismus
2.3. Realismus und Neo-Realismus im Vergleich
2.3.1. Historischer Hintergrund
2.3.2. Gegenstand und Akteure
2.3.3. Probleme und Lösungen
3. Schlußbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenbereiche
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die zentralen theoretischen Aussagen von Hans J. Morgenthaus Realismus und Kenneth Waltz' Neorealismus gegenüberzustellen und ihre Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten im Kontext internationaler Beziehungen zu analysieren.
- Vergleich der anthropologischen Wurzeln des Realismus mit der systemtheoretischen Perspektive des Neorealismus.
- Untersuchung der Rolle von Akteuren und der Bedeutung von Macht versus Sicherheit.
- Analyse des Balance-of-Power-Prinzips als stabilisierender Faktor im anarchischen internationalen System.
- Kritische Reflexion der theoretischen Konzepte vor dem Hintergrund veränderter weltpolitischer Bedingungen nach dem Kalten Krieg.
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Probleme und Lösungen
Aus dieser Risikolage ergibt sich somit für jeden Staat eine potentielle Gefahr durch andere Staaten, da immer die Gefahr der Gewaltanwendung gegeben ist. Die Staaten gehen in ihren Beziehungen zueinander von einem Nullsummenspiel aus und rechnen damit, dass der Vorteil, den ein anderer Staat sich verschaffen kann zu den eigenen Ungunsten genutzt werden wird. Somit charakterisiert Waltz das internationale System als ein Selbsthilfesystem, in dem zuerst jeder für sich selbst verantwortlich ist und in jedem Selbsthilfesystem kämpfen die Akteure um ihr eigenes Überleben. Das stärkt zudem zwei Thesen, zum einen wollen die Staaten ihre Autonomie bewahren und möglichst wenig von ihrer Souveränität abgeben, zum zweiten führt die Angst um das Überleben zudem noch dazu, dass Gewinne, die im Falle einer Zusammenarbeit mit anderen Staaten größer ausfallen könnten, nicht wahrgenommen werden, aus Angst, dass der Kooperationspartner einen noch größeren Gewinn daraus ziehen könnte und diesen Vorteil wiederum gegen den Partner verwenden könnte.
Dennoch herrscht im internationalen System kein ständiger Krieg. Die Gründe dafür findet Waltz in der Balance of Power Theorie. Hierzu sind zwei Prämissen notwendig: „Balance-of-power politics prevail wherever two, and only two, requirements are met: that the order be anarchic and that it be populated by units wishing to survive.“ Dieser Zustand tritt durch die Anordnung im System von selbst ein. Eine wesentliche Stellung räumt Waltz den Großmächten in diesem System ein. Sie bestimmen deutlich die Positionierung der Einheiten untereinander durch ihre Machtmöglichkeiten mit und tragen so zur Stabilität des Systems bei. Dieses ist somit immer von den Hegemonialmächten beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der vergleichenden Analyse von Morgenthau und Waltz.
2. Realismus und Neorealismus: Hier werden die beiden theoretischen Ansätze inklusive ihrer historischen Hintergründe, zentralen Akteure und Lösungsansätze für internationale Konflikte detailliert dargestellt und kritisch betrachtet.
3. Schlußbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und bewertet die fortdauernde Relevanz der Theorien nach dem Ende des Kalten Krieges.
4. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die für die Seminararbeit verwendeten Quellen und Primärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Realismus, Neorealismus, Hans J. Morgenthau, Kenneth Waltz, Internationale Beziehungen, Macht, Sicherheit, Anarchie, Balance-of-Power, Staatensystem, Nullsummenspiel, Politische Theorie, Außenpolitik, Systemansatz, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse zweier bedeutender politikwissenschaftlicher Theorien im Bereich der internationalen Beziehungen: dem klassischen Realismus nach Hans J. Morgenthau und dem strukturellen Neorealismus nach Kenneth Waltz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Machtstreben, staatliche Sicherheit, die Anarchie des internationalen Systems, das Machtgleichgewicht sowie die verschiedenen methodischen Zugänge der beiden Theoretiker.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Aussagen beider Theorien einander gegenüberzustellen, um die Unterschiede in ihrer Herangehensweise an internationale Politik – anthropologisch bei Morgenthau versus systemisch-abstrakt bei Waltz – verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit wählt einen gleichschenkligen komparativen Ansatz. Sie extrahiert aus den Primärwerken die jeweiligen historischen Kontexte, Grundannahmen zu Akteuren, sowie Probleme und Lösungsansätze, um diese systematisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung von Morgenthaus Realismustheorie, eine Analyse von Waltz' Neorealismus und eine abschließende Gegenüberstellung beider Ansätze im Hinblick auf deren historische Prägung und theoretische Annahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Realismus, Neorealismus, internationale Beziehungen, Anarchie, Machtgleichgewicht und Sicherheit charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Waltz' Verständnis der "Anarchie" von Morgenthaus Ansatz?
Waltz definiert Anarchie als eine strukturelle Eigenschaft des internationalen Systems, das Einheiten (Staaten) zur Selbsthilfe zwingt, während Morgenthau die Anarchie eher aus dem anthropologisch begründeten, permanenten Machtstreben des Menschen ableitet.
Warum ist das "Balance-of-Power-Prinzip" für beide Theorien relevant?
Das Prinzip dient beiden Theorien als notwendiger Mechanismus zur Stabilisierung eines anarchischen Systems, wobei es bei Morgenthau eher ein Resultat bewusster Akteurspolitik ist und bei Waltz eher automatisch durch strukturelle Zwänge entsteht.
- Arbeit zitieren
- Michael Ziegler (Autor:in), 2004, Realismus und Neorealismus in den Internationalen Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/24526