Zizek zufolge verbirgt sich hinter dem mysteriösen Gesetz nichts weiter als Jouissance, ein Begriff, den er von Lacan entleiht und im Sinne eines grenzenlosen Genießens verwendet. Als ein Beispiel für eine psychoanalytisch orientierte Literaturinterpretation wird der Ansatz Slavoj Zizeks erläutert und über die von Zizek zum Beleg ausgewählten Textstellen hinaus, anhand einer Textanalyse überprüft.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- I) Zizeks Idee von Jouissance als Substanz, aus dem das Gesetz besteht
- II) Jouissance und die Struktur des Möbiusbands im Prozeß-Roman
- 1) Verhaftung
- 2) Fräulein Bürstner und die Waschfrau
- 3) K. und Leni
- 4) Kinder und Jouissance
- III) Bewertung und Kritik von Zizeks Deutung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert Slavoj Zizeks Interpretation von Franz Kafkas „Prozeß“ anhand des Begriffs der Jouissance, um die scheinbaren Widersprüche in Kafkas Werk zu erklären. Zizeks Deutung basiert auf der Annahme, dass das Gesetz mit dem Konzept der Jouissance, dem grenzenlosen Genießen, in Verbindung steht und dass die "Schuld" des Protagonisten, Joseph K., mit Geschlechtlichkeit zusammenhängt.
- Zizeks Konzept der Jouissance als Substanz des Gesetzes
- Die Rolle von Jouissance in der Struktur des Möbiusbands im „Prozeß“
- Analyse der Beziehung zwischen Jouissance und Geschlechtlichkeit im Roman
- Vergleichende Textanalyse von Schlüsselstellen im „Prozeß“
- Kritik und Bewertung von Zizeks Deutung
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel erläutert Zizeks Deutungsmethode, die auf der Analyse des Begriffs der Jouissance bei Lacan basiert. Zizek interpretiert das Gesetz als ein „mit Genießen (Jouissance) geschwängertes Stückwerk“, das K's Begehren auf sich zieht. Dieses Begehren wird durch das „Loch des Begehrens“ positiviert, das sich in der Übertragungsszene des Polen und des Juden zeigt. Zizek stellt die Türhüterparabel in Kafkas „Prozeß“ in Bezug zur Szene der „Waschfrau“, die als Türhüterin im Gerichtssaal fungiert. Beide Szenen zeigen die Grenze zwischen dem Alltäglichen und dem Heiligen Ort des Gesetzes auf.
Das zweite Kapitel untersucht Zizeks These am Prozeß-Roman durch vergleichende Textanalyse. Es werden Textstellen analysiert, die auf das grenzenlose Genießen (Jouissance) verweisen, insbesondere die Kopulationsszene im Gerichtssaal. Die Rolle von Frauen und Männern in Zusammenhang mit Jouissance wird untersucht, um Zizeks Theorie zu bewerten und ihre Grenzen zu erforschen.
Schlüsselwörter
Jouissance, Gesetz, Geschlechtlichkeit, „Prozeß“, Kafka, Zizek, Lacan, Übertragung, Türhüter, Waschfrau, Möbiusband, Vergleichende Textanalyse, Deutung, Kritik.
Häufig gestellte Fragen
Wie interpretiert Slavoj Zizek das Gesetz in Kafkas „Prozeß“?
Zizek behauptet, dass sich hinter dem Gesetz kein tieferer Sinn, sondern „Jouissance“ (grenzenloses Genießen) verbirgt.
Was bedeutet der Begriff „Jouissance“ bei Zizek?
Entliehen von Lacan, beschreibt der Begriff ein exzessives, oft schmerzhaftes Genießen, das jenseits des Lustprinzips steht.
Was symbolisiert das Möbiusband in dieser Analyse?
Es beschreibt die Struktur des Romans, in der das Innere (das Private/Sexuelle) und das Äußere (das Gesetz/Gericht) untrennbar ineinander übergehen.
Welche Rolle spielt die „Waschfrau“ in Zizeks Deutung?
Die Waschfrau wird als eine Art Türhüterin interpretiert, die die Grenze zwischen dem Alltag und der Sphäre des Gesetzes markiert.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Schuld und Geschlechtlichkeit?
Zizek argumentiert, dass Joseph K.s Schuld direkt mit seiner Geschlechtlichkeit und dem damit verbundenen Begehren verknüpft ist.
- Arbeit zitieren
- Petra Leitmeir (Autor:in), 2004, Slavoj Zizek - Die Bedeutung von Jouissance für Franz Kafkas „Prozeß“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/24146