Die Arbeit beschreibt die idealtypischen Modelle von Staatsformen, die Aristoteles in seiner 'Politik' skizziert und vergleicht sie dann mit der Wirklichkeit demokratischer Institutionen im Athen des 4. und 5. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die Entstehung der Athener Demokratie
2.1. Solon
2.2 Kleisthenes bis Perikles
3. Aristoteles Theorien zu Verfassungen und Verfassungsidealen
3.1. Staatsverfassungen-Typologie: Demokratie und Oligarchie
3.2. Untertypen von Oligarchie und Demokratie
3.3 Politie
3.4. Das Prinzip der Mitte
3.5. Organisation der Verfassungsinstitutionen
4. Das demokratische Leben in Athen im 5. und 4. Jahrhundert
4.1. Institutionen und ihre Träger
4.1.1 Die Volksversammlung, Ekklesia
4.1.2. Der Rat der Fünfhundert/ Die Boule
4.1.3. Die Geschworenengerichte- Dikasteria
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der theoretischen Konzeption der Politie bei Aristoteles und der historisch gewachsenen Realität der athenischen Demokratie im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. Ziel ist es, nachzuzeichnen, inwieweit aristotelische Ideale, wie das Streben nach einer gesellschaftlichen Mitte und der Interessenausgleich, in den zentralen Institutionen Athens Anwendung fanden.
- Entstehungsgeschichte der athenischen Demokratie (Solon bis Perikles).
- Systematisierung der Staatsformen und Verfassungstypen nach Aristoteles.
- Analyse des aristotelischen Modells der Politie als ideale Mischverfassung.
- Bedeutung der politischen Mitte und des Ausgleichs zwischen gesellschaftlichen Schichten.
- Historischer Vergleich der drei Hauptinstitutionen (Ekklesia, Boule, Dikasteria) mit aristotelischen Forderungen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Staatsverfassungen-Typologie: Demokratie und Oligarchie
Allgemein definiert Aristoteles die Staatsverfassungen folgendermaßen: „bedeutet doch die Staatsverfassung die Ordnung der Ämter, und diese Ordnung verteilen alle entweder nach der Macht der Teilhabenden oder nach einer bestimmten gemeinsamen Gleichheit“(Aristoteles: Politik aus Reclam, ). In dieser Definition steckt auch schon ein Hinweis auf seine Typologie Oligarchie – Demokratie, die wiederum Untertypen hat. Die Macht der Teilhabenden meint, dass nicht alle Zugang zu politischen Ressourcen haben, sondern nur die Wenigen (griech. oligos = wenig). Im Abgrenzen von Demokratie und Oligarchie macht Aristoteles das Beteiligen aller Bürger zu einem wichtigen Merkmal der Demokratie, wenn er schreibt, dass „dann eine Demokratie vorliegt, wenn die Freien die Entscheidenden sind, eine Oligarchie aber dann, wenn das die Reichen sind.(S.203)“, man fühlt sich bei diesen Definitionen an Bleickens Beschreibungen von Solons Timokratie erinnert, die auch eine Spielart der Oligarchie ist. Einige Zeilen weiter wird es noch konkreter: „Doch es liegt dann eine Demokratie vor, wenn die Freien und die Mittellosen, die in er Überzahl sind, die Entscheidung über die Herrschaft führen, und eine Oligarchie dann, wenn die Reichen und die Edleren, die wenige sind, das tun.(Vgl. S. 204)“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zum Verhältnis von aristotelischer Verfassungstheorie und der gelebten Realität der athenischen Demokratie.
2. Die Entstehung der Athener Demokratie: Darstellung der wichtigsten Reformschritte von Solon bis zum perikleischen Zeitalter als dynamischer Prozess.
3. Aristoteles Theorien zu Verfassungen und Verfassungsidealen: Systematische Aufarbeitung der aristotelischen Staatsformenlehre und die Definition der Politie.
4. Das demokratische Leben in Athen im 5. und 4. Jahrhundert: Detaillierte Untersuchung der Hauptinstitutionen Ekklesia, Boule und Dikasteria im Hinblick auf ihre tatsächliche Zusammensetzung und Funktion.
5. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Abgleich von Theorie und Praxis im antiken Athen.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Athener Demokratie, Politie, Oligarchie, Verfassungstheorie, Ekklesia, Boule, Dikasteria, Staatsformen, Mischverfassung, Solon, Perikles, Politische Mitte, Timokratie, Bürgergesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Aristoteles verschiedene Staatsformen theoretisch eingeordnet hat und inwiefern diese theoretischen Modelle mit der gelebten politischen Praxis im antiken Athen übereinstimmen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themenfelder umfassen die historische Entstehungsgeschichte der athenischen Demokratie, die aristotelische Typologie der Verfassungen sowie die praktische Ausgestaltung der wichtigsten athenischen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich zwischen Aristoteles’ Idealvorstellung einer Politie – einer ausgewogenen Mischform aus Demokratie und Oligarchie – und der tatsächlichen Machtverteilung und Partizipation im Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die sich primär auf die Interpretation der „Politik“ von Aristoteles sowie auf die politikgeschichtliche Forschung zu Athen, insbesondere von Jochen Bleicken, stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der aristotelischen Verfassungskonzepte (einschließlich des Prinzips der Mitte) und eine detaillierte Überprüfung der athenischen Hauptorgane: Volksversammlung, Rat der Fünfhundert und Geschworenengerichte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Politie, Mischverfassung, athenische Demokratie, aristotelische Staatsphilosophie, soziale Balance und Partizipation.
Welche Rolle spielt das „Prinzip der Mitte“ für Aristoteles?
Für Aristoteles ist das Prinzip der Mitte zentral, da er davon ausgeht, dass eine stabile Staatsverfassung durch den Ausgleich zwischen den Interessen der Reichen und der Armen gelingt – eine Konstellation, die er als Politie bezeichnet.
Was macht den „Rat der Fünfhundert“ (Boule) aus Sicht des Autors so bemerkenswert?
Der Rat wird als Paradebeispiel für eine Institution gewertet, die durch Losverfahren und Eignungsprüfung eine hohe Ausgewogenheit erreichte und somit der aristotelischen Idealvorstellung sehr nahekam.
Warum wird die athenische Volksversammlung (Ekklesia) kritisch betrachtet?
Sie wird kritisch hinterfragt, da sie im Vergleich zu anderen Institutionen stärker der Gefahr von Populismus ausgesetzt war und in der Praxis nicht immer das Ideal einer „gut gemischten“ Repräsentanz widerspiegelte.
- Quote paper
- Paul-Jasper Dittrich (Author), 2010, Athener Demokratie. Anspruch und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233618