Wenn man die Rolle des Vaters in der Familie geschichtlich betrachtet, merkt man, dass diese sich ständig wandelt.
Während früher die Mutter die Erziehung der Kinder übernahm und der Vater die Rolle des Familienoberhaupts und Ernährers hatte, der nur selten als harter Erzieher (Mühling 2007, 11) in Erscheinung trat, ist er heute oftmals mehr in die Erziehung involviert und ein gleichwertiger Teil der Familie.
Durch eine zunehmend egalitäre Rollenverteilung zwischen Frau und Mann, ist es heute immer häufiger festzustellen, dass auch die Beschäftigung mit den Kindern zur Vatersache geworden ist und eine viel engere Bindung zwischen Vater und Kind entsteht als es früher der Fall war.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl von Männern der Meinung ist, dass sich Väter vermehrt an der Erziehung beteiligen sollen (Bundesministerium für Familie 2005, 28).
Die Ansprüche an den sogenannten „modernen Vater“ sind sehr hoch, da er sich liebevoll um seine Kinder und deren Erziehung kümmern, aber auch wie früher für die Ernährung der Familie sorgen soll. Dies führt bei vielen Vätern zu Vereinbarkeitskonflikten, da viele von ihnen Vollzeit arbeiten.
Hier sind die Männer in einer Zwickmühle zwischen modernen Denk- und Lebensweisen und alten Karriere- und Rollenstrukturen gefangen, weshalb sich Väter zwar immer stärker in der Familie engagieren, aber in Umfragen trotzdem immer wieder angegeben wird, dass viele den Wunsch haben mehr Zeit mit den Kindern und der Familie und weniger Zeit mit dem Beruf zu verbringen.
Der geschichtliche Wandel der Gesellschaft und somit der Väterrolle steht auch heute nicht still. Es kommen stetig neue Lebensmodelle und Familienformen hinzu und die „normale Familie“ oder den „modernen Vater“ zu charakterisieren wird immer schwieriger. Ich werde versuchen die Gründe aufzuzeigen und uns für das Thema „Vaterschaft im Wandel“ zu sensibilisieren, da es ein wichtiger Teil unseres modernen Lebens ist, der meiner Meinung nach immer noch zu wenig Beachtung findet und oft an der Umsetzung scheitert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Wandel der Väterrolle
2. Hauptteil
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.2 Hintergründe
2.2.1 Gesellschaftlicher Wandel
2.2.2 Gleichstellung der Frau und Egalisierung der Geschlechterrollen
2.3 Vaterschaft Heute
2.4 Diskrepanz zwischen Theorie und Wirklichkeit
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und gesellschaftlichen Wandel der Väterrolle, identifiziert die daraus resultierenden Anforderungen an den "modernen Vater" und analysiert die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer egalitären Rollenverteilung und der faktischen Umsetzung im Alltag.
- Historische Entwicklung der Väter- und Familienstrukturen
- Einfluss des gesellschaftlichen Wandels auf Familienmodelle
- Gleichstellung der Frau und Auswirkungen auf die Geschlechterrollen
- Herausforderungen und Vereinbarkeitskonflikte im modernen Familienleben
- Diskrepanz zwischen Einstellungsebene und gelebter Realität
Auszug aus dem Buch
2.4 Diskrepanz zwischen Theorie und Wirklichkeit
Beck´s sogenannte: „verbale Aufgeschlossenheit, bei weitgehender Verhaltensstarre“ (Beck, Risikogesellschaft 1986, 169), (Beck und Beck-Gernsheim, Das ganz normale Chaos der Liebe 1990, 31).
Wie schon im vorherigen Kapitel beschrieben gibt es bei der Umsetzung der neuen Vaterbilder und Rollenmodelle immer noch große Probleme.
Nach Beck (1986) hat der Wandel bisher nur auf der „Einstellungsebene“ stattgefunden und existiert somit zwar im Bewusstsein der Männer und Frauen heute, wird aber in der Realität nur sehr wenig umgesetzt.
Auch wenn sich nach einer Studie 67% der Väter mehr als Erzieher denn als Ernährer sehen (Fthenakis 1999, Focus: 109 in Bereswill und Scheiwe 2006, 123), ist es immer noch häufig der Fall, dass die Männer ihre Zeit primär im Beruf verbringen.
Gerade bei jungen Paaren herrscht heutzutage zwar der einvernehmliche Wunsch nach einem egalitären Rollenmodell in der Familie, doch spätestens nach der Geburt weicht dieser Optimismus oft einem traditionell pragmatischen Verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Wandel der Väterrolle: Diese Einleitung führt in die historische Veränderung der Vaterfigur ein und thematisiert die Zwickmühle moderner Väter zwischen traditionellen Rollenerwartungen und dem Wunsch nach aktiverer Teilhabe an der Erziehung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Untersuchung gesellschaftlicher Hintergründe, eine Bestandsaufnahme der heutigen Vaterschaft sowie eine kritische Betrachtung der Lücke zwischen Theorie und Praxis.
2.1 Geschichtliche Entwicklung: Dieser Abschnitt beleuchtet die Entwicklung von der patriarchalen Struktur des römischen Reiches über das "ganze Haus" im Mittelalter bis hin zur Entstehung der bürgerlichen Kernfamilie und den Auswirkungen der Industrialisierung.
2.2 Hintergründe: Dieses Kapitel verknüpft gesellschaftlichen Wandel mit der Entwicklung der Familienstrukturen und thematisiert die wachsende Pluralisierung von Lebensformen.
2.2.1 Gesellschaftlicher Wandel: Hier wird dargelegt, wie äußere Einflüsse und wirtschaftliche Notwendigkeiten die Rollenaufteilung innerhalb der Familie maßgeblich geformt haben.
2.2.2 Gleichstellung der Frau und Egalisierung der Geschlechterrollen: Dieses Unterkapitel analysiert den Einfluss der Frauenbewegung und der zunehmenden Gleichberechtigung auf das moderne Männerbild und die daraus entstehenden neuen Familienmodelle.
2.3 Vaterschaft Heute: Dieser Abschnitt beschreibt das aktuelle Leitbild der Vaterschaft, das von einem gestiegenen Wunsch nach aktivem Engagement geprägt ist, jedoch unter enormen Vereinbarkeitskonflikten leidet.
2.4 Diskrepanz zwischen Theorie und Wirklichkeit: Hier wird aufgezeigt, dass der gesellschaftliche Wandel bislang primär auf einer Einstellungsebene stattgefunden hat, während im Alltag oft traditionelle Muster überwiegen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Herausforderungen zusammen und fordert eine verstärkte gesellschaftliche und industrielle Unterstützung für Väter, die aktiv an der Kindererziehung teilhaben möchten.
Schlüsselwörter
Väterrolle, Familienwandel, Geschlechterrollen, Egalisierung, Patriarchat, Vereinbarkeitskonflikt, Erziehung, Moderne Väter, Rollenbild, Industrialisierung, Kleinfamilie, Gleichberechtigung, Lebensformen, Vatersein, Rollenaufteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und aktuellen Wandel der Vaterrolle in der Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung von Familienstrukturen, die Auswirkungen der Gleichstellung der Frau und die Identifikation moderner Väterleitbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für den Wandel der Vaterschaft zu sensibilisieren und aufzuzeigen, warum die Umsetzung egalitärer Rollenmodelle im Alltag häufig noch an gesellschaftlichen und strukturellen Hürden scheitert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Literaturarbeit durchgeführt, die historische Daten, soziologische Theorien und empirische Studien (z.B. Vorwerk-Familienstudie) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die geschichtliche Entwicklung, die Hintergründe durch den gesellschaftlichen Wandel sowie die aktuelle Diskrepanz zwischen den modernen Wünschen der Väter und der tatsächlichen Lebenswirklichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Väterrolle, Familienwandel, Geschlechterrollen, Vereinbarkeitskonflikt und Egalisierung charakterisiert.
Warum fällt es vielen modernen Vätern schwer, ihren Wunsch nach aktiver Erziehung umzusetzen?
Laut Autorin liegt dies an strukturellen Hindernissen im Arbeitsleben, dem Druck, Karriere machen zu müssen, sowie an gesellschaftlichen Vorurteilen, die alternative Rollenmodelle oft als unmännlich oder faul bewerten.
Was bedeutet der "Traditionalisierungseffekt des Geschlechterverhältnisses"?
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass junge Paare nach der Geburt des ersten Kindes häufig in traditionelle Versorgermodelle zurückfallen, obwohl sie sich zuvor ein egalitäres Modell gewünscht hatten.
- Arbeit zitieren
- Jonas Schnabel (Autor:in), 2012, Wandel der Väterrolle, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233185