1. Einleitung
Sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens unterliegen einer zunehmenden Globalisierung. Die Beziehungen zwischen Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten über die nationalen Grenzen hinweg nehmen stetig zu. Parallel zu dieser Entwicklung kommt es zu einem Wandel in der internationalen Rechnungslegung. Gesteuert wird dieser durch das International Accounting Standards Board (IASB) mit dem Ziel, die unterschiedlichen Rechnungslegungssysteme einzelner Staaten zu harmonisieren. Jedoch gehen mit der Globalisierung nicht nur positive Effekte einher. In Folge der jüngsten Finanzkrise gab es auch verstärkt Kritik an der internationalen Rechnungslegung. Es wird bemängelt, dass die fair value Bilanzierung und vor allem die häufig zu späte und zu geringe Erfassung von Wertminderungen, im Rahmen der International Financial Reporting Standards (IFRS), die Entstehung der Finanzkrise begünstigt haben.
In den IFRS wird das Vorgehen bei Wertminderungen durch den IAS 36 geregelt. Der Standard schreibt vor, ob eine Wertminderung bei Vermögensgegenständen zu erfassen ist und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Höhe. Allerdings sind die in IAS 36 festgelegten Vorschriften nicht immer in sich schlüssig und lassen oft weitreichenden Raum für Interpretationsmöglichkeiten. Dementsprechend wenig Einigkeit besteht auch in der Literatur über die Umsetzung der Vorgaben und den Umgang mit den bestehenden Problemen. Da Wertminderungen nach IAS 36 jedoch zu den fünf Prüfungsschwerpunkten der Deutschen Prüfungsstelle für Rechnungslegung (DPR) für das Jahr 2013 gehören, ist eine korrekte Abbildung von besonderer Bedeutung.
Die vorliegende Arbeit soll die bestehenden Probleme aufzeigen, um anschließend die gängigsten Lösungen, die aus der Literatur hervorgegangen sind, zu ermitteln und kritisch beurteilen zu können. Dabei soll weniger auf die genaue Berechnung von einzelnen Größen eingegangen werden, sondern die generelle Problematik und deren mögliche Lösungsansätze betrachtet werden. Abschließend soll ein eigener alternativer Lösungsvorschlag entwickelt werden, der die bestehenden Probleme löst und die Schwächen anderer Lösungsansätze verbessert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlagen
2.1 Allgemeiner Aufbau des IAS 36
2.2 Die Bestimmung des Nutzungswerts
2.3 Anpassung des Beta Faktors
3 Problematik in der Konzeption des IAS 36
3.1 Marktorientierung des Diskontierungszinssatzes
3.2 Problematik des Diskontierungszinssatzes
3.3 Standpunkt des Standardsetzers
4 Lösungsansätze der Literatur
4.1 Zuhilfenahme von Annahmen bezüglich der Kapitalstruktur
4.2 Die Thesen von Modigliani und Miller als Lösungsansatz
4.2.1 Anwendung der Thesen auf die WACC
4.2.2 Probleme bei der Anwendung der Thesen
4.2.3 Grossing up als Lösungsmöglichkeit
4.2.4 Anwendung der Thesen auf die Eigenkapitalkosten eines fiktiv unverschuldeten Unternehmens
4.3 Iterativer Prozess
5 Investitionstheoretischer Ansatz
5.1 Die Produktivität einer ZGE als Ansatzpunkt
5.2 Ermittlung der internen Verzinsung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die konzeptionellen Herausforderungen bei der Bestimmung des Nutzungswertes gemäß IAS 36, insbesondere im Hinblick auf die Inkonsistenzen bei der Verwendung von Vorsteuer-Größen. Ziel ist es, die bestehende Problematik zu analysieren, gängige Lösungsansätze aus der Literatur kritisch zu bewerten und einen alternativen investitionstheoretischen Lösungsvorschlag zu erarbeiten, der die Schwächen der bisherigen Ansätze adressiert.
- Analyse des Bewertungsprozesses nach IAS 36
- Kritik an der Marktorientierung des Diskontierungszinssatzes
- Evaluation von Finanzierungstheorien (Modigliani/Miller) im Kontext der IFRS-Rechnungslegung
- Untersuchung des iterativen Prozesses zur Bestimmung von Diskontierungssätzen
- Entwicklung eines investitionstheoretischen Modells zur Ermittlung einer internen Verzinsung
Auszug aus dem Buch
3.1 Marktorientierung des Diskontierungszinssatzes
Obwohl das Konzept des Nutzungswertes auf den ersten Blick schlüssig erscheint, ergeben sich bei genauerer Betrachtung Schwierigkeiten in der Interpretation der Vorgaben des IASB und deren Umsetzung. Die erste konzeptionelle Auffälligkeit ist in der Verknüpfung von Cashflows und Diskontierungssatz zu finden.
Obwohl es sich bei den Cashflows um unternehmensspezifische, nicht marktorientierte und meist subjektive Werte handelt, erfolgt anschließend eine Abzinsung mit marktüblichen und nicht unternehmensspezifischen Kapitalkosten. Sinnvoller erscheint es in dem Fall als Abzinsungsfaktor, analog zur Ermittlung der Cashflows, auch einen unternehmensinternen Abzinsungsfaktor zu verwenden. Dies lehnt das IASB jedoch mit der Begründung fehlender Objektivierbarkeit ab. Diese Einschätzung ist wenig überzeugend. So stellen auch Freiberg und Lüdenbach fest: „Im Vergleich zu sonstigen Subjektivitäten, die im Barwertkalkül im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswertes enthalten sind (...), erscheint die Bestimmung einer entity specific discount rate eher leicht objektivierbar.“ Es bleibt somit fraglich, ob eine derartige Abzinsung überhaupt sinnvoll ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der internationalen Rechnungslegung und die Kritik an der fair value Bilanzierung nach IFRS infolge der Finanzkrise, was die Relevanz einer korrekten Wertminderungsprüfung nach IAS 36 unterstreicht.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau des IAS 36, die Definition des Nutzungswertes als Barwert zukünftiger Cashflows sowie die Notwendigkeit und Methode der Anpassung von Beta-Faktoren für die Kapitalkostenermittlung.
3 Problematik in der Konzeption des IAS 36: Hier werden die konzeptionellen Widersprüche im Standard kritisiert, insbesondere die Diskrepanz zwischen subjektiven, unternehmensspezifischen Cashflows und der geforderten marktorientierten Bestimmung des Diskontierungszinssatzes.
4 Lösungsansätze der Literatur: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Lösungsansätze, darunter die Nutzung von Modigliani/Miller-Thesen, das „Grossing up“ zur Umwandlung von Nachsteuer- in Vorsteuergrößen und iterative Verfahren zur Problemlösung.
5 Investitionstheoretischer Ansatz: Der Autor führt einen investitionstheoretischen Ansatz ein, der auf mikroökonomischen Theorien basiert, um eine alternative interne Verzinsung als Diskontierungsfaktor zu bestimmen, der den Anforderungen des IAS 36 besser entspricht.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass bisherige Ansätze das Problem nicht zufriedenstellend lösen und schlägt vor, dass das IASB durch klarere Vorgaben die bestehenden Unklarheiten beseitigen sollte.
Schlüsselwörter
IAS 36, Nutzungswert, Wertminderung, Diskontierungssatz, WACC, Impairment-Test, Kapitalstruktur, Vorsteuer-Größen, Cashflows, Modigliani und Miller, interner Zinsfuß, Kapitalkosten, Finanzierungsneutralität, Unternehmensbewertung, ZGE
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen und praktischen Problemen bei der Ermittlung des Nutzungswertes im Rahmen der Wertminderungsprüfung gemäß IAS 36.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Diskontierung zukünftiger Zahlungsströme, die Bestimmung von Kapitalkosten unter Berücksichtigung von Steuern sowie die kritische Auseinandersetzung mit den Vorgaben des Standardsetzers.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die konzeptionellen Schwächen bei der Anwendung des IAS 36 aufzuzeigen und einen alternativen Lösungsansatz zu entwickeln, der methodisch konsistent ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor kombiniert eine Literaturanalyse bestehender Lösungsansätze mit einem investitionstheoretischen Modellansatz, um die Probleme der Zirkularität und Konsistenz bei der Berechnung des Diskontierungssatzes zu adressieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, eine Analyse der konzeptionellen Problematik bei der Zinssatzermittlung, eine kritische Würdigung bestehender Lösungsversuche sowie die Herleitung eines eigenen investitionstheoretischen Ansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe IAS 36, Nutzungswert, Kapitalkosten (WACC), Impairment-Test und Kapitalstruktur definieren.
Warum wird das „Grossing up“-Verfahren kritisch gesehen?
Es wird kritisiert, dass das Hochschleusen von Nachsteuerrenditen in Vorsteuerwerte bei Nicht-Rentenmodellen und unter Berücksichtigung von Wachstumseffekten methodische Fehler und Zirkularitätsprobleme verursachen kann.
Wie trägt der investitionstheoretische Ansatz zur Problemlösung bei?
Er versucht, durch die Berechnung einer internen Verzinsung (IRR) auf Basis von Produktivitätsdaten einen Diskontierungsfaktor zu gewinnen, der ohne komplizierte Steuer-Anpassungen auskommt und somit die Anforderungen an Finanzierungsneutralität erfüllt.
- Arbeit zitieren
- Oliver Wätjen (Autor:in), 2013, Bestimmung des Nutzungswertes unter Verwendung von Vorsteuer-Größen gemäß IAS 36, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233106