"Wer pflegt uns in Zukunft? Fachkräftemangel beim Pflegepersonal bereits jetzt absehbar". Solche Schlagzeilen sind keine Eintagsfliegen, denn immer wieder beherrscht das Thema um den Fachkräftemangel die Politik und die Medien. Seit geraumer Zeit ist der angebliche Fachkräftemangel zum Dauerbrenner geworden und wird häufig in Verbindung mit den Folgen des demografischen Wandels verwendet. Ob nun wirklich ein Fachkräftemangel vorherrscht ist fragwürdig. Die Vielzahl der Meinungen zu der Thematik ist undurchsichtig. Dennoch lässt sich bereits hier festhalten, dass es Akteure gibt, die durch die Propagierung des Fachkräftemangels profitieren und andere gegenteilige Folgen verspüren. Bei der Analyse eines möglichen bereits bestehenden Fachkräftemangels muss genau darauf geachtet werden, welche Begrifflichkeiten verwendet werden und wie Statistiken zu lesen sind. Von dem Fachkräftemangel kann nicht gesprochen werden, aber es gibt Indizien dafür, dass manche Branchen durchaus Schwierigkeiten haben quantitativ wie qualitativ entsprechende Mitarbeiter zu finden. Dies hat diverse Gründe, die im Laufe dieser Arbeit thematisiert werden. Fakt ist, dass der demografische Wandel kommen und das Land Deutschland verändern wird und einen Fachkräftemangel vorantreibt. Betriebe sind demzufolge verstärkt darauf angewiesen die Beschäftigungsfähigkeit ihres Personals zu fördern. Das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter sind zur Aufrechterhaltung und zum Aufbau der Beschäftigungsfähigkeit und damit der Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit unabdingbar. Zukünftig wird die Wettbewerbsfähigkeit und somit der Erfolg von Unternehmen davon abhängen, wie mit knappen Personalressourcen bei allgemeinen Alterungsprozessen umgegangen wird. An dieser Stelle tritt das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Vordergrund, dass sich unter anderem diesem Thema widmet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fachkräftemangel: Mythos oder Realität? – Eine Bestandsaufnahme
2.1 Definition Fachkraft
2.2 Definition Fachkräftemangel
2.3 Diskussion um den „angeblichen“ Mangel an Fachkräften
2.4 Mögliche Indikatoren für die Analyse der Fachkräftesituation
3 Strategien gegen den bevorstehenden Fachkräftemangel
3.1 Betriebliches Gesundheitsmanagement – Grundlagen und Begriffe
3.2 Warum Betriebliches Gesundheitsmanagement?
3.3 Voraussetzungen zur Praxis eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements
3.4 Praxisbeispiel „PAREGMA“
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ein betriebliches Gesundheitsmanagement dazu beitragen kann, einem möglicherweise bevorstehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wobei sie kritisch hinterfragt, ob dieser Mangel ein aktuelles Realphänomen oder ein medialer Mythos ist.
- Kritische Bestandsaufnahme des Fachkräftemangels (Mythos vs. Realität)
- Definition und Bedeutung der Begriffe Fachkraft und Fachkräftemangel
- Notwendigkeit und Ansätze des betrieblichen Gesundheitsmanagements
- Bedeutung der gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt
- Praxisnahe Einblicke durch das Projekt „PAREGMA“
Auszug aus dem Buch
2.3 Diskussion um den „angeblichen“ Mangel an Fachkräften
Oftmals wird der Begriff Fachkräftemangel allgemein verwendet und es wird davon gesprochen, dass ein bzw. der Fachkräftemangel existiert. Diese Überzeugung oder Aussage kann aber widerlegt werden, denn unter anderem hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (Abk.: BiBB) entgegnet, dass kein allgemeiner Fachkräftemangel besteht. Allerdings räumt das Institut ein, dass in einzelnen Regionen und Branchen durchaus ein Mangel an Fachkräften besteht. Hauptsächlich sind die Medienberichte geprägt von einem Mangel an Fachkräften im MINT-Bereich. Weiterhin beklagt sich insbesondere der Verein Deutscher Ingenieure (Abk.: VDI) stetig über einen bereits bestehenden Fachkräftemangel, der sich in den Folgejahren weiter zuspitzen werde (vgl. DIW 2012, S. 1). Weitere Indizien, die für einen Fachkräftemangel sprechen, sind einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft mit Sitz in Köln, zu entnehmen. Hierzu wurden 351 unterschiedlich große Unternehmen mit einer technischen Orientierung befragt. Bereits im Erhebungsjahr (2008) nahmen ein Drittel aller Unternehmen einen Fachkräftemangel wahr. Besonders ist dieser Trend bei kleinen Unternehmen (1-49 Mitarbeiter) und noch stärker bei mittleren Unternehmen (50-499 Mitarbeiter) ausgeprägt. Hierbei ist zu beachten, dass Unternehmen möglicherweise zur Übertreibung neigen oder nicht der Realität entsprechende Angaben tätigen (vgl. Richter/Weiß 2009, S. 68).
Dem angeblich vorherrschenden Fachkräftemangel steht der Arbeitsmarktexperte Karl Brenke des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vehement gegenüber. Brenke kritisiert die Erklärung des VDI, die voraussagt, dass aufgrund des hohen Durchschnittsalters der in Deutschland tätigen Ingenieuren (50 – 51 Jahre) ein beachtlicher Ersatzbedarf (40.000 Stellen pro Jahr müssen neu besetzt werden) aufkommen werde. Nach Hinzuziehung des Mikrozensus und weiteren Daten des Statistischen Bundesamtes hält Brenke fest, dass das Durchschnittsalter von Ingenieuren im Jahre 2008 43,3 Jahren beträgt. Acht Jahre zuvor betrug es 42,3 Jahre, weswegen der Anstieg von einem Jahr als weniger dramatisch empfunden werden kann. Die Unterschiede im durchschnittlichen Alter zwischen Ingenieuren mit und ohne Hochschulausbildung unterscheiden sich nur marginal. Dementsprechend sind die Aussagen der VDI höchst diskutabel und in Frage zu stellen. Zumal momentan ein „Run“ auf die Universitäten bei den ingenieurwissenschaftlichen Fächern stattfindet, rechnet Brenke nicht mit einem Fachkräftemangel in dieser Branche (vgl. Brenke 2012, S. 3 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mediale Präsenz des Themas Fachkräftemangel und führt in die zentrale Fragestellung zur Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements ein.
2 Fachkräftemangel: Mythos oder Realität? – Eine Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und diskutiert kritisch die Evidenz eines tatsächlichen Fachkräftemangels unter Einbeziehung verschiedener Expertenmeinungen.
3 Strategien gegen den bevorstehenden Fachkräftemangel: Hier werden Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements erörtert, dessen Notwendigkeit begründet und das Projekt PAREGMA als Praxisbeispiel vorgestellt.
4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass zwar kein allgemeiner Mangel herrscht, Unternehmen aber durch proaktives Gesundheitsmanagement die Arbeitsbedingungen verbessern und dem demografisch bedingten Mangel entgegenwirken müssen.
Schlüsselwörter
Fachkräftemangel, Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Demografischer Wandel, Personalentwicklung, Mitarbeiterbindung, Arbeitsfähigkeit, Prävention, PAREGMA, Gesundheitspolitik, Fachkraft, Wettbewerbsfähigkeit, Gesundheitsförderung, Psychische Belastung, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz des Fachkräftemangels und analysiert das betriebliche Gesundheitsmanagement als Strategie, um dessen Auswirkungen auf Unternehmen abzumildern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die kritische Analyse des Fachkräftemangels, die Definition von Gesundheitsmanagement sowie die praktische Anwendung von Präventionsmaßnahmen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, den konkreten Beitrag eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zur Minderung eines drohenden Fachkräftemangels zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene Studien, Expertenmeinungen und statistische Daten zum Fachkräftemangel sowie zum Gesundheitsmanagement gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Fachkräftemangels und die detaillierte Vorstellung betrieblicher Gesundheitsstrategien inklusive eines Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fachkräftemangel, Betriebliches Gesundheitsmanagement, demografischer Wandel, Mitarbeiterbindung und Prävention.
Warum wird im Dokument zwischen „Betrieblicher Gesundheitsförderung“ und „Betrieblichem Gesundheitsmanagement“ unterschieden?
Die Arbeit stellt dar, dass Gesundheitsförderung oft ein einzelner Baustein ist, während das Gesundheitsmanagement das übergeordnete Metakonzept mit Managementtätigkeiten und Strukturen bildet.
Was besagt das Projekt „PAREGMA“ über die Umsetzung von Gesundheitsmaßnahmen?
Das Projekt verdeutlicht, dass Partizipation, Kommunikation, Information und eine institutionelle Verstetigung entscheidend für den Erfolg von Gesundheitsmanagement-Programmen sind.
- Quote paper
- Lars Rosenbaum (Author), 2012, Betriebliches Gesundheitsmanagement. Präventionsmaßnahmen gegen einen möglich bevorstehenden Fachkräftemangel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232688