Die Ehe und Elternschaft gehören in Polen zur langen und festen Tradition. Diese Tugenden sind in der polnischen Gesellschaft zeitlos und werden von Generation zur nächsten Generation weitergegeben. Die eigene Familie samt ihrer Wertevorstellungen ist dabei für die eigene Familienplanung aüßerst prägend. Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der Frage, inwiefern sich die familiären Wertvorstellungen innerhalb der polnischen Gesellschaft in der photographischen Selbstportraitierung polnischer Frauen in sozialen Netzwerken wiederspiegeln. Im Vordergrund stehen dabei die Medienpraktiken bzw. die (fotografische) Medienproduktion der Probandinnen. Der Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Feststellung, dass in Polen ein sozialer Druck herrscht, ab einem gewissen Alter familiäre Kriterien zu erfüllen d.h. z. B. verheiratet zu sein (bzw. in einer festen Partnerschaft zu leben) und ggfs. Kinder zu haben. Zwar gibt es kein festgelegtes Alter für die Familiengründung, häufig geschieht dies jedoch, bevor man das 30. Lebensjahr erreicht hat. Dieses Projekt möchte mit Hilfe sechs weiblicher Informanten, welche an einer Online-Befragung teilgenommen haben, untersuchen, inwiefern und mit welchen Mechanismen sie versuchen, in dem polnischen Internetportal Nasza Klasa durch ihre Profilbilder, nach außen familiäre Werte zu vermitteln, indem sie ihre Fotografien im familiären Kontext entstehen lassen und sie der Öffentlichkeit präsentieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Zur Rolle und Familienplanung polnischer Frauen
2.1 Sozio-politischer Druck
3 Selbstporträitierung in sozialen Netzwerken als Mittel zum Zweck
4 Methodik
4.1 Herangehensweise
4.2 Wahl der Informanten
4.2.1 Ausbildung und Erwerbstätigkeit
4.2.2 Städtischer vs. ländlicher Wohnsitz
4.2.3 Konfession und Religiösität
5 Auswertung und Analyse der Online-Befragung
5.1 Karolina
5.2 Rebeka
5.3 Monika
5.4 Ania
5.5 Julia
5.6 Sylwia
6 Resümee
7 Schwierigkeiten in der Praxis
8 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende ethnologische Arbeit untersucht, inwiefern polnische Frauen in sozialen Netzwerken, speziell im Portal Nasza Klasa, durch die bewusste oder unbewusste Wahl ihrer Profilbilder familiäre Wertvorstellungen nach außen tragen und sich so an gesellschaftliche Erwartungen anpassen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Mechanismen der medialen Selbstdarstellung als Ausdrucksmittel zur Erfüllung gesellschaftlicher Normen bezüglich Familienplanung und Lebensentwürfen.
- Die Rolle der Familie und der sozio-politische Druck auf junge polnische Frauen.
- Mediale Selbstdarstellung und Fotografie als Instrument zur Inszenierung von Privatheit.
- Qualitative Analyse von Profilbildern im Internet-Portal Nasza Klasa.
- Einfluss von Religion, Wohnort und Bildung auf die Lebensplanung.
- Die Spannung zwischen traditionellen Rollenbildern und moderner digitaler Präsenz.
Auszug aus dem Buch
3 Selbstporträitierung in sozialen Netzwerken als Mittel zum Zweck
Basierend auf der Berichterstattung der zitierten Autoren, kann man also erkennen, dass die Familie durch Jahrhunderte hindurch zur gesellschaftlichen Priorität vieler junger Frauen wurde, sei es nun aus eigener Überzeugung oder der gesellschaftlichen Norm wegen, sei es nun bewusst oder auch unbewusst. Von der Familiengründung als einen anstrebenswerten Lebensentwurf ausgehend, liegt es daher nicht fern, dass man den normativen sozialen Triumph, wenn man ihn erlangt hat , auch weitreichend kundgeben möchte.
Soziale Netzwerke, samt ihrer hinreichenden Möglichkeiten zur öffentlichen Selbstpräsentation, bieten dabei das perfekte Verbreitungsinstrument und Informationsmittel. Was früher der Gesellschaft aus technologischen Gründen normalerweise vorbehalten wurde, kann heutzutage innerhalb weniger Minuten in den Online-Portalen der breiten Maße - häufig auch als Bestätigung - vorgeführt werden. Dabei nimmt die Zahl der Mitglieder der privaten Netzwerke wie MySpace und Facebook (oder das deutsche StudiVZ) von Jahr zu Jahr stätig zu.8 Das polnische Pendant zum Studi-VZ ist Nasza Klasa und erfreut sich in Polen ebenfalls einer großen Beliebtheit (Wojciechowska : 2009).9 All diese Portale (auch soziale Netzwerke oder engl. social communities genannt) haben zum Ziel, über das Internet Gemeinschaften aufzubauen, zu pflegen, und somit weltweit die menschliche Interaktion und Kommuniation zu befördern (Balsam 2009:89).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Tradition von Ehe und Elternschaft in Polen und definiert das Ziel, die visuelle Selbstinszenierung polnischer Frauen auf dem Portal Nasza Klasa zu untersuchen.
2 Zur Rolle und Familienplanung polnischer Frauen: Dieses Kapitel beschreibt den sozio-politischen Druck und das Leitbild der "Matka Polka", welches das Leben junger polnischer Frauen prägt.
3 Selbstporträitierung in sozialen Netzwerken als Mittel zum Zweck: Hier wird analysiert, wie soziale Netzwerke als Instrument zur öffentlichen Demonstration von Familienwerten und als visuelle Visitenkarte genutzt werden.
4 Methodik: Der Autor erläutert das qualitative Forschungsdesign mittels Online-Befragungen sowie die Kriterien zur Auswahl der sechs Probandinnen.
5 Auswertung und Analyse der Online-Befragung: Dieses Kapitel präsentiert die individuellen Lebensumstände und die Beweggründe der sechs Teilnehmerinnen bezüglich ihrer Profilbildgestaltung.
6 Resümee: Die Zusammenfassung der Ergebnisse stellt fest, dass die Familie als höchste Priorität fungiert und die Darstellung im Netz häufig zur Demonstration von Konformität mit sozialen Normen genutzt wird.
7 Schwierigkeiten in der Praxis: Der Autor reflektiert methodische Hürden, insbesondere die Herausforderung, sensible Themen in einer rein schriftlichen Online-Befragung zu erfassen.
8 Schlusswort: Das Fazit resümiert, dass die Studie zwar keine statistisch allgemeingültigen Daten liefert, aber wertvolle Einblicke in sozio-psychologische Prozesse und das Selbstverständnis der Probandinnen bietet.
Schlüsselwörter
Polen, Familienplanung, Soziale Netzwerke, Nasza Klasa, Selbstinszenierung, Matka Polka, Ethnologie, Digitale Identität, Geschlechterrollen, Online-Befragung, Katholizismus, Tradition, Profilbild, Soziale Normen, Frauenrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie polnische Frauen ihre familiären Rollen und Werte in sozialen Netzwerken, speziell im Portal Nasza Klasa, mittels ihrer Profilbilder öffentlich zur Schau stellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die polnische Familienplanung unter sozio-politischem Druck, die Rolle katholischer Traditionen, die moderne visuelle Selbstinszenierung sowie der sozio-psychologische Drang zur Konformität.
Was ist das Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Frauen durch ihre Profilbilder versuchen, gesellschaftlichen Erwartungen an ein traditionelles Familienmodell gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einem qualitativen, explorativen Ansatz unter Nutzung von Online-Fragebögen, die in verschiedenen Etappen an eine ausgewählte Gruppe von Informantinnen versendet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Lage polnischer Frauen, die methodologische Erläuterung sowie eine detaillierte Einzelauswertung der sechs Probandinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Familienplanung, digitale Selbstdarstellung, polnische Gesellschaft, soziale Medien und traditionelle Rollenbilder beschreiben.
Warum wurde ausgerechnet das Portal "Nasza Klasa" als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Es dient als lokales, polnisches Äquivalent zu internationalen Netzwerken wie Facebook und wird von der Zielgruppe intensiv zur Pflege sozialer Kontakte und zur Repräsentation genutzt.
Welchen Einfluss hat die katholische Kirche auf die untersuchten Frauen?
Die Kirche festigt laut Arbeit das traditionelle Rollenbild der Frau als "Mutter und Ehefrau", was den sozialen Druck auf die Familienplanung in Polen massiv verstärkt.
Was unterscheidet die Teilnehmerinnen voneinander?
Sie unterscheiden sich in ihrem Alter, ihrem Ausbildungsstand, ihrem Wohnort und ihrer Offenheit, den Wunsch nach Konformität gegenüber sozialen Normen in der Selbstdarstellung zuzugeben.
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- Zaneta Nowak (Author), 2011, Mediale Selbstdarstellung als Ausdrucksmittel zur Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen bezüglich der Familienplanung in Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232536