Die Soziologie bezog sich in ihrer Analyse der Städte lange Zeit ausschließlich auf dieökologische Seite der urbanen Gestalt beziehungsweise auf die räumliche Anordnung und Verteilung der Bevölkerung. Dabei konzentrierte sie sich auf die ökonomischen und institutionellen Zentren und folglich auf die soziologischen und sozioökonomischen Faktoren, wie die Menschen, die sozialen Gruppen, aber auch auf die Urbanisierung und die komplexen Problemfelder im Zusammenhang mit der Stadt. Doch jener Ansatz ist nicht mehr ausreichend, bildet eine Leerstelle innerhalb der Stadtsoziologie.
Die folgende Ausarbeitung wird sich genau mit jener Leerstelle der Stadtsoziologie beschäftigen. Es stellt sich folglich die Frage, inwiefern die wirtschaftliche Globalisierung die urbanen Räume und ihre Anordnung beeinflusst beziehungsweise umstrukturiert.
Der Themenschwerpunkt liegt daher auf der Globalisierung und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Geographie und die Zusammensetzung jenes globalen Gefüges und den Folgen für das institutionelle Geflecht. Dabei wird folglich auch auf die strategischen Orte, an denen es zur Konzentration der Finanz- und Dienstleistungsmechanismen und –aufgaben kommt, und die Struktur der Städtesysteme eingegangen. Dieser theoretische Komplex wird abschließend anhand des Beispiels Frankfurt am Main ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung
2.1 Die Facetten der Globalisierung
2.2 Der Globalisierungsprozess
2.3 Das Gefüge und seine institutionelle Struktur
2.4 (Stand-)Orte der Globalisierung
3. Global Cities
3.1 Definition und Forschungsgeschichte
3.2 Die innere Gliederung nach SIR P. HALL (2001: 73f.)
4. Die (Un-)Gleichheit zwischen den Städten
4.1 Primate urban systems
4.2 Balanced urban systems
4.3 Städtewachstum und Städtesysteme
5. Eine Stadt in der globalen Ökonomie – Beispiel Frankfurt am Main
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der ökonomischen Globalisierung auf urbane Räume, ihre Umstrukturierung und die Entstehung globaler Städtesysteme, wobei der Fokus auf dem Wandel der Geographie und den neuen institutionellen Gefügen liegt.
- Globalisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
- Die Rolle von "Global Cities" als Management- und Kontrollzentren
- Formen von Städtesystemen (primate vs. balanced urban systems)
- Strukturelle Dynamiken innerhalb global vernetzter Städte
- Fallstudie: Frankfurt am Main als Finanzplatz in der globalen Ökonomie
Auszug aus dem Buch
2.4 (Stand-)Orte der Globalisierung
Durch die ökonomische Globalisierung gewannen besonders drei Standorttypen an Priorität und dienen fortan als strategisch wichtige Orte jener. Hierbei werden abstrakte, weltumfassende Transaktionen zu konkreter, materialisierter Substanz verortet und veranschaulicht. Die »exportorientierten Produktionszonen« (1) sind Zonen in Niedriglohnländern, die Produktionsfläche für Fabriken, aus hochentwickelten und stark industrialisierten Ländern, zur Verfügung stellen. Diese Fabriken dienen zur Montage von importierten Bauteilen beziehungsweise zur Verarbeitung von vorher eingeführten Gütern, die nach ihrer Fertigstellung wieder in das Ursprungsland exportiert werden. Der Zweck dieses neuen Standortes ist es, so kostengünstig, durch günstige Arbeitskräfte, wie möglich jene Güter zu produzieren beziehungsweise fertigzustellen.
Zudem erfüllen die Deregulierung des Steuersystems und die lückenhaften Gesetze, wie zum Beispiel die milderen Arbeitsschutzgesetze, auch eine wichtige Funktion. Die wirtschaftliche Globalisierung und die speziellen Gesetze, seitens der Industrieländer, sorgten folglich für eine Reorganisation von Produktionsstätten, die für Unternehmen, auf finanzieller Basis, eine neue, gestiegene Effizienz auslöst (vgl. SASSEN 1997: 37f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Leerstelle der klassischen Stadtsoziologie angesichts globaler Prozesse und führt in die Fragestellung ein, wie wirtschaftliche Globalisierung urbane Räume umstrukturiert.
2. Globalisierung: Dieses Kapitel definiert den komplexen Begriff der Globalisierung und analysiert den Wandel der Weltwirtschaft von Handelsbeziehungen hin zu hochspezialisierten Finanz- und Dienstleistungsgeschäften sowie die Rolle transnationaler Konzerne.
3. Global Cities: Der Fokus liegt hier auf der Definition von Global Cities als zentrale Knotenpunkte der Weltökonomie und der theoretischen Strukturierung ihrer inneren Gliederung.
4. Die (Un-)Gleichheit zwischen den Städten: Es werden unterschiedliche Städtesysteme wie "primate" und "balanced urban systems" verglichen und die Auswirkungen von globaler Vernetzung auf die räumliche Entwicklung diskutiert.
5. Eine Stadt in der globalen Ökonomie – Beispiel Frankfurt am Main: Anhand des Finanzplatzes Frankfurt wird die historische und aktuelle Bedeutung einer Stadt in der globalen Finanzmarktarchitektur konkretisiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Komplexität und Vorläufigkeit von Definitionen in einem sich ständig wandelnden, global vernetzten Gefüge.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Global Cities, Weltwirtschaft, Städtesysteme, transnationale Konzerne, Finanzmarkt, Dienstleistungssektor, Urbanisierung, Standorttypen, Wirtschaftsgeographie, Frankfurt am Main, Strukturwandel, Weltstadt, Investitionen, Standortentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen wirtschaftlicher Globalisierung auf die Anordnung und Entwicklung von Städten im Kontext der modernen Weltwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der Wandel von Städtesystemen, die Bedeutung von "Global Cities" als Steuerungszentren und die wirtschaftliche Dynamik, die durch Finanzströme und transnationale Unternehmen entsteht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwiefern die wirtschaftliche Globalisierung urbane Räume beeinflusst, umstrukturiert und welche Rolle moderne Städte als Knotenpunkte in diesem Prozess spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse geographischer und soziologischer Konzepte sowie empirischen Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Theorie der Globalisierung, der Definition und internen Gliederung von Global Cities, der Typologie von Städtesystemen und einer detaillierten Analyse des Finanzstandorts Frankfurt am Main.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Globalisierung, Global Cities, Städtesysteme, Finanzmarktdynamik und Standortstruktur.
Warum wird Frankfurt am Main als Beispiel gewählt?
Frankfurt dient als illustratives Beispiel für eine Stadt, die ihre zentrale Rolle in der globalen Ökonomie durch den Finanzsektor, institutionelle Rahmenbedingungen und eine ausgeprägte Verkehrsinfrastruktur gefestigt hat.
Wie unterscheidet sich eine "Global City" von einer "Megacity"?
Während der Begriff "Megacity" quantitativ über Fläche und Einwohnerzahl definiert ist, charakterisieren sich "Global Cities" primär als Management- und Kontrollzentren der globalen Ökonomie.
Welche Bedeutung hat das "world city network" für die moderne Geographie?
Es beschreibt ein transnationales System aus miteinander verwobenen Städten, das sich von nationalstaatlichen Mustern löst und eine neue Hierarchie in der Weltwirtschaft schafft.
Warum ist die Definition der "Global City" wissenschaftlich herausfordernd?
Aufgrund der stetigen Transformation der Weltwirtschaft, unterschiedlicher Interpretationsweisen und der Dynamik von Finanz- und Dienstleistungsmärkten ist eine eindeutige, statische Definition nur schwer zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Sander Kebnier (Autor:in), Skadi Jasker (Autor:in), 2013, Städte in der globalen Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232504