Anfang Februar des Jahres 360 n. Chr. wurde der von Kaiser Constantius II. nach Gallien
entsendete Caesar Julian von seinen Truppen in Paris zum Augustus ausgerufen. In diesem
Zusammenhang spricht man gemeinhin von der Usurpation Julians. Die Meinungen
hinsichtlich des Vorgangs dieser Machtergreifung sind dabei kontrovers. Julian selbst und der
römische Historiker Ammianus Marcellinus weisen die Initiative zur Machtergreifung den
Soldaten zu und versuchen den Eindruck einer Usurpation zu vermeiden. Dagegen steht die in
der Forschung weit verbreitete Meinung, dass die Erhebung Julians von ihm selbst angestrebt
wurde und als Usurpation angesehen werden muss.
Die Frage, welche sich daraus für diese Arbeit ergibt ist die Folgende: War die
Machtergreifung Julians von ihm selbst geplant und angestrebt oder war es eine
Machterhebung wider Willen? Es wird also zu klären sein, inwieweit Julian den Augustustitel
selbst anstrebte oder aber inwiefern die Lage in Paris eine durch die Soldaten bedingte
Notsituation bzw. lebensgefährliche Bedrohung für ihn darstellte, welche keinen anderen
Ausweg bot.
Um sich dieser Frage zu nähern wird sich der hieran anschließende Teil dieser Arbeit
zunächst mit dem Begriff der Usurpation an sich beschäftigen. Hierbei soll der Vorgang einer
Usurpation sowie die Forschungskontroverse zu diesem Thema näher beleuchtet werden.
Daran schließt sich zum besseren Verständnis eine Art historischer Abriss an, welcher
aufzeigen soll wie die Erhebung Julians zum Augustus im Einzelnen ablief. Im vierten Punkt
dieser Arbeit soll geklärt werden weshalb im Zusammenhang mit der Machterhebung Julians
von einer Usurpation gesprochen werden muss. Um dies zu bewerten sollen die in
Gliederungspunkt zwei angeführten Definitionen und Erkenntnisse zur Usurpation
herangezogen werden. Der fünfte Gliederungspunkt setzt sich direkt mit der Eingangs
gestellten Leitfrage auseinander. Hierbei sollen Indizien herausgearbeitet werden, welche die
Frage nach einer geplanten bzw. nicht geplanten Machtergreifung Julians abschließend klären
können. Am Schluss dieser Arbeit stehen eine abschließende Betrachtung sowie ein fundiertes
Urteil zu dieser Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Usurpation im Spätrömischen Reich
3. Historischer Abriss zu Julians Erhebung zum Augustus
4. Julian – Rechtmäßiger Augustus oder Usurpator?
5. Die Machtergreifung Julians – Geplant oder Ungeplant?
5.1. Die Vorbereitung
5.2. Die Machtergreifung
5.3. Die Verhandlungen mit Constantius II.
5.4. Die Offensive Julians
6. Abschließende Betrachtung
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Kontroverse um die Erhebung Julians zum Augustus im Jahr 360 n. Chr. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob es sich bei diesem Vorgang um eine von Julian gezielt geplante Usurpation handelte oder ob er durch äußere Umstände und den Druck seiner Truppen in eine Notsituation geriet, die ihn gegen seinen Willen zur Machtergreifung zwang.
- Analyse des Begriffs der Usurpation im spätantiken römischen Reich.
- Historische Rekonstruktion der Ereignisse um die Erhebung Julians in Paris.
- Untersuchung der Rolle Julians und der Truppenkonflikte mit Kaiser Constantius II.
- Kritische Würdigung der Quellenlage, insbesondere der Darstellungen des Ammianus Marcellinus.
Auszug aus dem Buch
5.2. Die Machtergreifung
Das Zusammentreffen zwischen den von Decentius abgezogenen Truppenteilen und Julian in Paris sollte ein Treffen mit weit reichenden Folgen sein. Weshalb Decentius, welcher den Truppenabzug nun anstelle von Lupicinus übernahm, den Entschluss fasste über Julians Winterresidenz Paris Richtung Osten zu ziehen ist unklar. Julian jedenfalls bot dies zum einen die Möglichkeit noch einmal mit seinen Truppen zusammenzutreffen und zum anderen die Schuld für dieses Zusammentreffen von sich zu weisen und dem Decentius aufzuladen. Julian nahm die sich ihm bietende Gelegenheit wahr und lief den in Paris eintreffenden Truppen entgegen, erinnerte sie an gemeinsame Taten und lud die Truppenführer zu einem Abschiedsessen ein. Hätte sich Julian nicht einfach im Verborgenen halten können um zu gewährleisten dass die Truppen ohne Zwischenfälle weiter Richtung Osten ziehen würden? Glaubte Julian wirklich die Soldaten für einen Abzug nach Osten ermutigen zu können, indem er an gemeinsame Taten erinnerte und ein Abschiedsessen mit den Truppenführern einberaumte? Das scheint doch mehr als fraglich und dürfte wohl auch nicht im wahren Interesse Julians gewesen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Usurpation Julians, stellt die forschungsrelevante Kontroverse vor und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Eigenverantwortung Julians.
2. Die Usurpation im Spätrömischen Reich: Dieses Kapitel erläutert den Fachbegriff der Usurpation im Kontext der spätantiken Legitimitätsverhältnisse und Akzeptanzsysteme.
3. Historischer Abriss zu Julians Erhebung zum Augustus: Der Abschnitt skizziert den zeitlichen Ablauf der Ereignisse, von Julians Ernennung zum Caesar bis hin zur dramatischen Erhebung zum Augustus durch seine Truppen in Paris.
4. Julian – Rechtmäßiger Augustus oder Usurpator?: Hier wird die Legitimität des Machtwechsels geprüft, wobei besonders auf die fehlende kaiserliche Zustimmung und Julians spätere Versuche einer nachträglichen Legitimierung eingegangen wird.
5. Die Machtergreifung Julians – Geplant oder Ungeplant?: Der Hauptteil analysiert Indizien für und gegen eine geplante Machtübernahme in verschiedenen Phasen, von der Vorbereitung über die eigentliche Machtergreifung und Verhandlungen bis hin zur militärischen Offensive.
6. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Usurpation kein erzwungener Akt, sondern eine zielgerichtete Machtergreifung freien Willens war.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel führt die verwendeten antiken Primärquellen sowie die moderne Forschungsliteratur auf.
Schlüsselwörter
Julian, Augustus, Usurpation, Constantius II., Römisches Reich, Spätantike, Machtübernahme, Ammianus Marcellinus, Truppen, Legitimität, Gallien, Kaiser, Bürgerkrieg, Politik, Geschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Erhebung des Kaisers Julian zum Augustus im Jahr 360 n. Chr. und die Frage, ob er dabei als ein vom Schicksal getriebener "Usurpator wider Willen" oder als ein strategisch planender Akteur handelte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition der Usurpation in der Spätantike, das Verhältnis zwischen Kaiser Constantius II. und seinem Untergebenen Julian sowie die Analyse historischer Quellen hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, ob Julian die Machtergreifung von langer Hand geplant und gesteuert hat oder ob sie durch eine unvorhersehbare Notsituation seitens der Soldaten erzwungen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-kritische Analyse angewandt, bei der die Berichte antiker Historiker (insbesondere Ammianus Marcellinus) und Julians eigene Schriften auf ihre Tendenz und den historischen Kontext hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Vorgeschichte (Vorbereitung), den eigentlichen Moment der Erhebung, die diplomatischen Verhandlungen mit Constantius II. und die darauf folgende militärische Offensive Julians.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Usurpation, Legitimität, Machtkonzentration und das Spannungsfeld zwischen militärischer Notwendigkeit und politischem Kalkül geprägt.
Welche Rolle spielte die "concordia" bei der Beurteilung der Usurpation?
Die concordia bezeichnete das geregelte Herrschaftsverhältnis. Der Bruch dieser concordia durch Julian ohne Zustimmung des Kaisers ist ein entscheidendes Indiz für die völkerrechtliche und politische Wertung seiner Aktion als Usurpation.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Historikers Ammianus Marcellinus?
Der Autor steht den Ausführungen des Ammianus kritisch gegenüber, da dieser Julian sehr positiv darstellt und versucht, den Anschein einer selbstgewollten Usurpation durch die Inszenierung als "Opfer der Umstände" zu vermeiden.
Welche Bedeutung kommt der Verweigerung der Truppenabgabe durch Julian zu?
Die Weigerung, die foederati an Constantius II. abzutreten, wird als eines der schlagenden Argumente für eine geplante Machtübernahme gewertet, da Julian dadurch seine militärische Basis in Gallien für spätere Ambitionen sicherte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Richter (Autor:in), 2009, Die Usurpation Julians, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232272