Für die ersten Entwicklungen von Programmen und Computern, spielte die Gebrauchstauglichkeit absolut keine Rolle. Damals war der Nutzer meist auch der Entwickler der Programme, oder bediente diese mit Hilfe seines vorhandenen Fachwissens. Das Hauptaugenmerk bei der Programmentwicklung lag, bis in die 60er Jahre hinein, in der Systemfunktionalität und Rechenzeit. Denn diese war deutlich teurer als die Arbeitszeit der Anwender.
Licklider beschrieb in seinem berühmten Artikel von 1960 „Man-Computer symbiosis“ die unterschiedlichen Datenverarbeitungsarten von Menschen und Maschinen und versuchte Lösungen zu finden, um die Zusammenarbeit enger und leichter zu gestalten. Sein Ziel war es, die Arbeit mit dem Computer auch Menschen zu ermöglichen, die weder Entwickler der Maschine oder Programmierer mit Fachwissen sind. Jedoch wurde damals die Notwendigkeit zur einfachen Nutzung, beispielsweise über grafische Oberflächen, nur von wenigen gesehen, sodass es noch bis in die 80er Jahre dauern sollte, bis die Programme von jedem Benutzer bedient werden konnten.
Heutzutage ist beinahe jeder täglich mit einem Computer in Interaktion. Sei es privat oder beruflich. Firmen achten daher beim Kauf von Software auf eine intuitive Oberfläche um dadurch die Fehleranfälligkeit oder notwendige Schulungen zu verringern. Im privaten Bereich kommt es auf eine einfache Bedienung von Internetseiten, beispielsweise beim Kauf von Produkten an, sowie auf einen simplen Aufbau des gesamten Systems. Der Laiennutzer möchte sich nicht mit den Eigenheiten seines Computers auseinandersetzten, sondern diesen bloß benutzen und leicht die gewünschten Ergebnisse erzielen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
2 Grundlagen
2.1 Definition Gebrauchstauglichkeit nach Teil 10 und 110 der ISO-Norm
2.2 Die acht goldenen Regeln nach Ben Shneiderman
2.2.1 Überschneidungen und Abweichungen zur ISO-Norm
2.3 Fünf Punkte von Gebrauchstauglichkeit nach Jakob Nielsen
2.3.1 Überschneidungen und Abweichungen zur ISO-Norm
3 Entwicklung
3.1 Anforderungsanalyse
3.2 Produktivitätssteigerung durch Usability Management
3.3 Schulungen
3.4 Optimierungen im Echtbetrieb
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
5.1 Normen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Gebrauchstauglichkeit (Usability) von Informationssystemen und analysiert, wie ergonomische Prinzipien die Produktivität und Anwenderzufriedenheit maßgeblich beeinflussen können.
- Grundlagen der Software-Ergonomie und Usability-Definitionen
- Vergleich klassischer Usability-Regeln (Shneiderman, Nielsen) mit ISO-Normen
- Strategische Bedeutung des Usability Managements bei Software-Einführungen
- Methoden zur Produktivitätssteigerung durch benutzerzentrierte Gestaltung
- Optimierungsprozesse und Schulungsmaßnahmen im Software-Lebenszyklus
Auszug aus dem Buch
2.2 Die acht goldenen Regeln nach Ben Shneiderman
Ben Shneiderman zählt zu den Pionieren wenn es um das Entwickeln von gebrauchstauglichen Dialogen geht. Er hat bereits 1992 seine acht goldenen Regeln für eine gebrauchstaugliche Benutzerschnittstelle aufgeführt. Erst 1995 wurde dann die ISO-Norm 9241 verfasst, die stark an diese Regeln angelehnt ist, diese jedoch deutlich detaillierter beschreibt. Die acht goldenen Regeln von Shneiderman sind folgende:
1) Strebe nach Konsistenz: Nach Shneiderman wird diese Regel am häufigsten missachtet da die Erfüllung dieser kompliziert sein kann. Es gibt mehrere Konsistenzarten wie z. B. ein gleichbleibender Wortschatz und ein einheitliches Layout in Form von Farben, Schrift und der Symbolleiste.
2) Erlaube Abkürzungen: Nutzer, die mit dem Dialog bereits vertraut sind, sollen durch Tastenkombinationen eine höhere Geschwindigkeit erreichen können. Die Zeit für eine Transaktion soll sich dadurch vermindern.
3) Gib informatives Feedback: Auf jede Handlung des Nutzers soll ein entsprechendes Feedback des Dialoges folgen. Bei unwesentlichen Aktionen kann dies durchaus minimal gestaltet werden um den Fokus auf die bedeutenden Handlungen zu legen.
4) Entwirf abgeschlossene Dialoge: Die einzelnen Handlungen sollen mit einer Einleitung, dem Hauptteil und Schlussteil zusammengefasst werden, um dem Nutzer so die Gliederung von Teilaufgaben zu ermöglichen.
5) Erlaube einfache Fehlerbehandlung: Der Nutzer soll so geführt werden, dass keine ernsthaften Fehler entstehen können. Wenn ein Fehler gemacht wird, soll der Dialog auf diesen hinweisen und Hilfestellungen zur Korrektur bieten.
6) Ermögliche eine leichte Rückkehr von Aktionen: Alle durch den Nutzer gemachten Handlungen sollten immer rückkehrbar sein. Durch das Wissen des Nutzers, dass Fehler rückgeführt oder gelöscht werden können, wird dieser ermutigt Abkürzungen zu nutzen oder zu suchen sowie neue Möglichkeiten des Dialogs probieren.
7) Gib dem Benutzer das Gefühl von Kontrolle: Nutzer die sich mit einem Dialog bereits auskennen, sollen nicht durch unvorhergesehene Meldungen oder Handlungen verunsichert werden. Wenn der Nutzer das System selbst steuert wird das Gefühl von Kontrolle entstehen.
8) Reduziere die Belastung des Kurzzeitgedächtnisses: Durch die begrenzte Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses sollen die Oberflächen verständlich und simpel gestaltet sein und Informationen wenn möglich verdichtet ausgegeben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die historische Entwicklung der Software-Entwicklung vom Fokus auf reine Systemfunktionalität hin zum heutigen Gebot der intuitiven Bedienbarkeit.
2 Grundlagen: Definiert Gebrauchstauglichkeit und vergleicht die etablierten Regeln von Ben Shneiderman und Jakob Nielsen mit den aktuellen Anforderungen der ISO-Norm 9241.
3 Entwicklung: Erläutert die interdisziplinären Anforderungen an die Softwareentwicklung und Strategien zur Produktivitätssteigerung durch gezieltes Usability Management.
4 Fazit: Fasst die negativen ökonomischen und menschlichen Folgen einer Vernachlässigung ergonomischer Prinzipien in Softwareprojekten zusammen.
5 Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen und die für die Arbeit relevanten DIN EN ISO-Normen auf.
Schlüsselwörter
Gebrauchstauglichkeit, Usability, Software-Ergonomie, ISO-Norm 9241, Informationssysteme, Benutzerfreundlichkeit, Produktivitätssteigerung, Dialoggestaltung, Anforderungsanalyse, Systementwicklung, Mensch-Computer-Interaktion, ASAP-Methode, Fehlerbehandlung, Lernförderlichkeit, Benutzerschnittstelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Gebrauchstauglichkeit (Usability) bei der Gestaltung und Einführung von Informationssystemen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gebrauchstauglichkeit, den Vergleich wissenschaftlicher Gestaltungsregeln und die praktische Anwendung von Usability-Prinzipien in SAP-Umgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie ergonomische Softwaregestaltung die Effektivität und Effizienz von Arbeitsprozessen steigert und langfristige Kosten senkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Normen (ISO) und fachwissenschaftlicher Konzepte namhafter Pioniere wie Shneiderman und Nielsen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Gebrauchstauglichkeit sowie eine Analyse des Entwicklungsprozesses inkl. Anforderungsanalyse, Managementstrategien und Echtbetrieb-Optimierungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Software-Ergonomie, ISO 9241, Usability Management und Produktivitätssteigerung.
Wie unterscheidet sich Nielsens Ansatz von der ISO-Norm?
Nielsen arbeitet teilweise mit messbaren Größen und setzt Schwerpunkte bei der Einprägsamkeit und dem schnellen Erlernen, wohingegen die ISO-Norm einen formaleren und breiteren Anforderungskatalog definiert.
Warum spielt die ASAP-Methode eine Rolle in der Arbeit?
Die ASAP-Methode dient als Praxisbeispiel, wie Usability Management konkret in SAP-Projekten implementiert wird, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu optimieren.
- Quote paper
- Adrian Kaschuba (Author), 2012, Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232144