Ein Schlagwort aus den Medien der letzten Jahre, im Bezug auf das Schulsystems in Deutschland, hieß PISA. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die Ergebnisse und vielen Mitbürgern wurde bewusst, das vorhandene Schulsystem in Deutschland ist den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gewachsen.
In kürzester Zeit wurden in Gremien Reformvorschläge ausgearbeitet und in allen Fraktionen unserer Politiker diskutiert, um anschließend verabschiedet und auf Länderebene umgesetzt zu werden.
Diese hektischen Veränderungen waren im Jahre 2000, kurz nach der Veröffentlichung der Studie. Doch wie gestaltete sich das Bildungssystem in Deutschland nach den beschlossenen Reformen? Welche Faktoren haben den größten Einfluss auf das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler? Ist das Schulsystem noch zeitgemäß oder bedarf es noch weitreichenderer Veränderungen? Welchen Einfluss hat der Wertewandel auf das Bildungssystem? Wie reformiert Deutschland sein Schulsystem und was verspricht sich Thüringen mit der Einführung der Gemeinschaftsschulen?
Zu all diesen Fragen werde ich in dieser Arbeit Auskunft geben und im Anschluss ein Resümee ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte
3. Das typische Merkmal im deutschen Bildungssystem
4. Auswirkungen der Auslese
5. Wertewandel
6. TIMSS, PISA und mehr
7. Schulreform
8. Das Konzept der Gemeinschaftsschule
9. Die Struktur der Gemeinschaftsschule
10. Grundlagen und Bedingungen an einer Gemeinschaftsschule
11. Reformpädagogik
12. Gesetzliche Bestimmungen
13. Internationale Vergleiche
14. Finanzierung, Statistiken
15. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung von Schulreformen in Deutschland, insbesondere mit Fokus auf die Einführung der Gemeinschaftsschule in Thüringen, um der sozialen Auslese entgegenzuwirken und bessere Bildungschancen für alle Kinder zu ermöglichen.
- Historische Entwicklung des deutschen Schulsystems
- Kritik an Selektionsmechanismen im Bildungswesen
- Einfluss von internationalen Vergleichsstudien wie PISA
- Konzept und Struktur der Thüringer Gemeinschaftsschule
- Reformpädagogische Ansätze und individuelle Förderung
Auszug aus dem Buch
3. Das typische Merkmal im deutschen Bildungssystem
In Deutschland ist das Bildungssystem in 3 Teile gegliedert, Grundstufe, Sekundarstufe und gymnasiale Oberstufe. Das typische Merkmal in diesem System ist die Auslese. Sie ist ein Mechanismus, bei dem Kinder nach Reife, Leistung und Gesundheit (Behinderung) sortiert werden. Schon vor der Einschulung ergehen die ersten Beurteilungen des Kindes durch die Kindertagesstätte. Der erste größere Test ist die Vorschuluntersuchung, bei der die Kinder auf Gesundheit, ihren körperlichen sowie psychischen Entwicklungsstand geprüft werden.
Ein erstes Gutachten kann sogar schon vor Schulbeginn eine Förderbedürftigkeit feststellen und durchsetzen.
In der Grundschule kann das Kind auch wegen ungenügenden Leistungen schon zurückgestellt werden, also Sitzenbleiben.
Hier sieht der Schulforscher schon die ersten Probleme im System und deutet diese durch kommende Altersunterschiede der Klassenmitglieder. Schon in der 4. Klasse besuchen nur noch 80% Kinder einer Altersgruppe die Schulklasse. Ab der 5. Klasse geht die Auslese weiter und die Schulklasse wird gespalten.
Grundschulempfehlungen geben den Start zur Selektion in Regelschüler, Hauptschüler und Gymnasiasten. Auch Sitzenbleiben und das Abschulen bleibt bestehen. Beim Abschulen ist das Umschulen in eine Schulform mit geringerem Leistungsanspruch gemeint.
Das Fördern und der bisher gewährleistete Förderbedarf bleibt dem Kind auch nach der Grundschule, aber gerade dieser wird oftmals fehleingeschätzt. So macht in zehn Schuljahren fast 40% der Schüler mindestens einmal die Erfahrung, wegen angeblich mangelnden Fähigkeiten aus der Lerngruppe verbannt zu werden. Zu diesem Ergebnis kam Tilmann mit seinen Forschungen und veröffentlichte es im Jahr 2007.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Diskussion in Deutschland nach der PISA-Studie und stellt die zentralen Forschungsfragen zur Reform des Schulsystems sowie zur Rolle der Gemeinschaftsschulen.
2. Geschichte: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Schulwesens von der Antike über die Reformation bis zur Entstehung des dreigliedrigen Systems und der schulpolitischen Situation nach der Wiedervereinigung nach.
3. Das typische Merkmal im deutschen Bildungssystem: Das Kapitel analysiert die selektive Struktur des deutschen Bildungssystems und die negativen Folgen der frühen Auslese für Schüler.
4. Auswirkungen der Auslese: Hier werden die sozialen und leistungsbezogenen Konsequenzen des selektiven Schulsystems thematisiert, wobei insbesondere die Chancenungleichheit kritisch hervorgehoben wird.
5. Wertewandel: Es wird untersucht, wie sich gesellschaftliche Wertvorstellungen verändern und welchen Einfluss dieser Wandel auf bildungspolitische Paradigmen hat.
6. TIMSS, PISA und mehr: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung internationaler Leistungsstudien für die deutsche Bildungspolitik und deren Einfluss auf das Bildungsverständnis.
7. Schulreform: Hier wird der Druck durch PISA als Katalysator für bildungspolitische Veränderungen sowie die Einführung von Bildungsstandards und Qualitätssicherung diskutiert.
8. Das Konzept der Gemeinschaftsschule: Das Kapitel beschreibt das Konzept des längeren gemeinsamen Lernens als Antwort auf die soziale Selektion im deutschen Schulwesen.
9. Die Struktur der Gemeinschaftsschule: Es werden der organisatorische Aufbau und die gesetzlichen Grundlagen für die Implementierung einer Gemeinschaftsschule erläutert.
10. Grundlagen und Bedingungen an einer Gemeinschaftsschule: Hier liegt der Fokus auf der individuellen Förderung, der rhythmisierten Wochenplanung und dem Verzicht auf frühe Benotung.
11. Reformpädagogik: Das Kapitel stellt die reformpädagogischen Wurzeln, wie den Jena-Plan, dar, die als konzeptionelles Fundament der Gemeinschaftsschulen dienen.
12. Gesetzliche Bestimmungen: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Verankerung der Gemeinschaftsschule im Thüringer Schulgesetz.
13. Internationale Vergleiche: Dieses Kapitel wirft einen Blick auf andere Länder, in denen integrierte Förderkonzepte bereits erfolgreich ohne frühe Selektion praktiziert werden.
14. Finanzierung, Statistiken: Es wird die finanzielle Ausstattung und die Verteilung der Bildungsausgaben auf die Bundesländer statistisch aufgearbeitet.
15. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anpassung des Bildungssystems an gesellschaftliche Veränderungen.
Schlüsselwörter
Schulreform, Thüringer Gemeinschaftsschule, Bildungssystem, Auslese, Selektion, PISA-Studie, Chancengleichheit, Reformpädagogik, Jena-Plan, Kompetenzorientierung, Individuelle Förderung, Bildungspolitik, Soziale Integration, Bildungsstandards, Lebenslanges Lernen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kritik am selektiven deutschen Schulsystem und zeigt auf, wie durch die Einführung der Gemeinschaftsschule in Thüringen neue Wege zur Förderung von Chancengleichheit beschritten werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Kernpunkten gehören die historische Entwicklung des Schulwesens, die Analyse selektiver Mechanismen, die Auswirkungen von PISA auf die Bildungspolitik sowie das reformpädagogisch geprägte Konzept der Gemeinschaftsschule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Ursachen für die Defizite des dreigliedrigen Schulsystems zu identifizieren und zu erläutern, wie die Gemeinschaftsschule als innovative Antwort darauf fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium relevanter Gesetzestexte sowie der Auswertung von Statistiken und Studien zur Bildungspolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Untersuchung von PISA-Ergebnissen, die Darstellung des Wertewandels und eine detaillierte Beschreibung der rechtlichen und pädagogischen Struktur der Gemeinschaftsschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schulreform, Selektion, Chancengleichheit, Gemeinschaftsschule und individuelle Förderung geprägt.
Warum wird die Selektion im deutschen Schulsystem kritisiert?
Die Selektion wird als unsozial und undemokratisch bewertet, da sie die soziale Herkunft zu stark gewichtet und Kindern aus bildungsfernen Schichten frühzeitig Aufstiegschancen nimmt.
Welche Rolle spielt der "Jena-Plan" für die Gemeinschaftsschule?
Der Jena-Plan dient als reformpädagogisches Modell, das durch jahrgangsübergreifendes Lernen und eine rhythmisierte Unterrichtsgestaltung individuelle Lernprozesse in den Mittelpunkt stellt.
- Arbeit zitieren
- Carola Baumgart (Autor:in), 2012, Schulreform "Thüringer Gemeinschaftsschule", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232038