Einleitung
Hetären, Wein und Naschereien sind die zentralen Begriffe dieser Arbeit. Sie begegnen uns immer wieder im Zusammenhang mit dem Symposion, jenem gemeinsamen Gastmahl griechischer Männer, das – ob als wildes Gelage, oder als philosophische Gesprächsrunde – Eingang in die Geschichtsschreibung fand. Die Frauen die uns dort begegnen sind meist Hetären. Vertreterinnen einer Berufsgruppe, die wie nur wenig andere der antiken Welt Gemüter und Phantasien erregten. Der Wein ist zum Symbol der griechischen, wenn nicht der gesamten antiken und heutigen mediterranen Kultur geworden und bildete den flüssigen Hauptbestandteil des Mahls. Ergänzt wurde sein Genuß durch Leckerein unter denen der Fisch an erster Stelle stand. Meeresfrüchte stellten eine der unbestrittenen Lieblingsleckereien der Feinschmecker des klassischen Griechenlandes dar. Sie erfreuten sich bisweilen solcher Wertschätzung, daß die Worte, mit denen sie gelobt und gefeiert wurden, sich kaum von denen unterschieden, mit denen anderswo ein Liebhaber um die Gunst seiner Angebeten gebuhlt haben mag.
Diese Begriffe stehen stellvertretend für eine Form des Genusses – die einen für die Freuden des Gaumens, der andere für Erotik und Sex – und im Symposion stoßen sie aufeinander. Das Symposion der Bürger des klassischen Athens steht daher im Zentrum dieser Arbeit, wobei der Schwerpunkt der Betrachtungen auf die zweite Hälfte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts gelegt wird.
Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Kapiteln. Das erste vermittelt überblicksartig einen Eindruck der klassischen Eß- und Trinkgewohnheiten allgemein, während das zweite Kapitel sich Struktur, Organisation und Charakter des Symposion widmet. Gegenstand des abschließenden dritten Kapitels sind die Hetären und die Rolle, die sie im Symposion spielten. Die wesentlichsten Aussagen der Arbeit werden in einem abschließenden Fazit noch einmal zusammengefaßt aufgeführt.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Kapitel 1 : Sitos, opson, poton
Kapitel 2: Symposion
Kapitel 3: Hetären
Fazit
Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das leibliche Wohl im attischen Symposion der zweiten Hälfte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, um die kulinarischen Gepflogenheiten, die soziale Struktur des Gastmahls und die Rolle der Hetären zu beleuchten.
- Klassische Ess- und Trinkgewohnheiten in Athen
- Die Organisation und soziale Dynamik des Symposions
- Die Rolle und gesellschaftliche Einordnung der Hetären
- Die Symbolik von Wein und Speisen in der antiken Kultur
Auszug aus dem Buch
sitos, opson, poton
Wenn der moderne Mensch heute von seiner Nahrung spricht, so unterscheidet er darin zwei Elemente: Essen und Trinken. Im klassischen Griechenland wurde hingegen eine dreifache Unterscheidung vorgenommen. Die Rede war hier von sitos, opson und poton. Poton umfasste all das, was in den Bereich der Getränke gehörte – also in erster Linie Wein, oínos und Wasser. Sitos waren die Grundnahrungsmittel, Getreideprodukte wie Weizenbrot und Gerstenbrei oder auch Linsen, welche die Grundlage jeder Mahlzeit bildeten. Weniger einfach jedoch ist die Definition von opson. Opson umfaßte ursprünglich fast alles an fester Nahrung was nicht sitos war, d.h. Fleisch (die häufigsten Nutztiere waren Schafe, Ziegen und Schweine) Fisch, Gemüse, Früchte und Süßigkeiten. Ospon ließe sich in diesem Sinne vielleicht einfach als „Beibrot“ oder „Zutat“ übersetzen, eben alles, was man zum Brot ißt.
Bereits in der klassischen Zeit setzte hier jedoch eine wichtige Bedeutungsverschiebung ein. Wichtig deswegen, weil die neue Bedeutung ein wesentliches Charakteristikum der griechischen Eßgewohnheiten darstellte. Der Begriff opson meinte nun vor allem Fisch und andere Meeresfrüchte, während die ursprüngliche Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch allmählich in den Hintergrund rückte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die zentralen Begriffe und die Zielsetzung der Arbeit sowie eine kurze methodische Erläuterung der verwendeten Quellen.
Kapitel 1 : Sitos, opson, poton: Analyse der klassischen griechischen Ernährungsgewohnheiten, insbesondere der Bedeutung von Wein und der zunehmenden kulinarischen Wertschätzung von Fisch.
Kapitel 2: Symposion: Darstellung der Räumlichkeiten, der Sitzordnung und der sozialen Rituale, die das gemeinsame Trinkgelage der Männer im klassischen Athen prägten.
Kapitel 3: Hetären: Untersuchung der sozialen Rolle von Hetären als Unterhalterinnen und Begleiterinnen bei Symposien und deren Abgrenzung zur Prostitution.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung des Symposions als Spiegel der Wertvorstellungen und des kulturellen Umfelds des antiken Athens.
Schlüsselwörter
Symposion, Hetären, Athen, Antike, Sitos, Opson, Poton, Wein, Esskultur, Gastmahl, Soziale Struktur, Geschichtswissenschaft, Antike Geschichte, Lebensweise, Kulinarik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Ess- und Trinkgewohnheiten sowie der sozialen Struktur des attischen Symposions in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die klassische Ernährung (sitos, opson, poton), die Organisation und soziale Dynamik des Symposions sowie die Rolle und gesellschaftliche Einordnung der Hetären.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine überblicksartige Skizze der Symposionskultur und des damit verbundenen leiblichen Wohls, basierend auf antiken literarischen Quellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die sich primär auf Werke antiker Autoren (wie Platon, Xenophon, Aristophanes) und moderne Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Lebensmitteldefinitionen, die Beschreibung des Symposions als soziale Institution und die Analyse des Status von Hetären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Symposion, Hetären, attische Esskultur, griechische Geschichte, Wein sowie die antike soziale Stratifikation.
Was unterscheidet das opson der klassischen Zeit von der ursprünglichen Bedeutung?
Ursprünglich bezeichnete opson jegliche feste Nahrung außer sitos (Getreide). In der klassischen Zeit verschob sich die Bedeutung hin zu einer Spezialisierung auf Fisch und Meeresfrüchte als Delikatessen.
Warum waren die Trinkgefäße beim Symposion von besonderer Bedeutung?
Die Form und das Volumen der Gefäße, wie etwa die kyliskê oder der kothon, dienten als Indikatoren für den erwünschten Grad an Mäßigung oder ungehemmter Trunkenheit beim Symposion.
- Arbeit zitieren
- Robert Albrecht (Autor:in), 2001, Hetären, Wein und Naschereien - leibliches Vergnügen im attischen Symposion, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/2318