In seinem Buch „Postdemokratie“ beschäftigt sich der Politikwissenschaftler und Soziologe Colin Crouch mit der Entwicklung der Demokratie im 21. Jahrhundert. Dabei begreift Crouch die Demokratie in der Praxis nicht als unveränderlichen Zustand, sondern als Prozess, als Kontinuum mit parabelförmigem Verlauf, das sich unterteilen lässt in eine Prä-Phase, eine Phase der Validität und – im Abschwung der Parabel – als Post-Phase. Diese Postphase, in der die formalen Merkmale der Demokratie fast gänzlich erhalten bleiben, jedoch die (direkt-) demokratischen Mechanismen an Funktionalität und Substanz verlieren, soll in den nachfolgenden Ausführungen näher erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über das Demokratieverständnis
3. Postdemokratie
3.1 Globale Unternehmen
3.2 Rückbau des öffentlichen Sektors und seine Kommerzialisierung
3.3 Unübersichtlicher Wandel der Klassenstruktur
3.4 (Mediale) Inszenierung von Politik
3.5 Bürger und Medien
3.6 Weitere Indikatoren für Postdemokratie
3.7 Postdemokratie – Unvermeidliche Entwicklung?
4. Und jetzt?
4.1 Begrenzung des Einflusses ökonomischer Eliten
4.2 Aufhebung des Dilemmas des Bürgers
5. Fazit
6. Persönliche Anmerkung der Autorin
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Postdemokratie von Colin Crouch und analysiert die gegenwärtige Entwicklung westlicher Demokratien im 21. Jahrhundert. Ziel ist es, die strukturellen Veränderungen und die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und politischer Gestaltung aufzuzeigen sowie mögliche Handlungsoptionen zu evaluieren.
- Wandel des Demokratieverständnisses vom sozialdemokratischen zum liberalen Modell
- Einflussnahme globaler Unternehmen und Ökonomisierung des öffentlichen Sektors
- Fragmentierung der Klassenstruktur und Krise der politischen Parteien
- Mediale Inszenierung von Politik und ihre Auswirkungen auf das Bürgerverhalten
- Lösungsansätze zur Stärkung der demokratischen Partizipation
Auszug aus dem Buch
Globale Unternehmen
Die globalen Unternehmen, oft nur noch als anonyme Finanzakkumulationen existent (9), die keiner abgrenzbaren Gemeinschaft mehr zur Loyalität verpflichtet sind (Loyalität einzig gegenüber den shareholdern (10)) und die sich – durch die Schrankenlosigkeit des Kapitals – schnell und flexibel über alle Landesgrenzen hinweg bewegen können, versetzen die einzelnen Staaten in einen Wettbewerb um den besten, d.h. für ihre Belang günstigsten Standort aus. Dieses race to the bottom z.B. bzgl. der Besteuerungshöhe für Unternehmen oder dem Schutz der Beschäftigten durch das Arbeitsrecht, führt zu einer Abnahme der Qualität der öffentlichen Leistung – mit Ausnahme der Güter, welche für die Unternehmen von Interesse sind wie z.B. der Ausbau der Infrastruktur oder das Fachwissen der Arbeitnehmer (11).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Colin Crouchs Begriff der Postdemokratie und Einordnung der Entwicklung der Demokratie als dynamischer Prozess.
Über das Demokratieverständnis: Gegenüberstellung des sozialdemokratischen Ideals der Bürgerbeteiligung mit dem liberalen Modell, das eine Dominanz von Wirtschaftsinteressen begünstigt.
Postdemokratie: Analyse der Faktoren, die zur Schwächung demokratischer Mechanismen führen, darunter Globalisierung, Privatisierung und mediale Politikinszenierung.
Und jetzt?: Diskussion von Strategien zur Begrenzung ökonomischer Macht und zur Reaktivierung des bürgerschaftlichen Engagements.
Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass eine Belebung der Demokratie eine stärkere Berücksichtigung der Arbeitswelt und aktivere Partizipation erfordert.
Persönliche Anmerkung der Autorin: Kritische Würdigung von Crouchs Thesen sowie Ergänzung um das Konzept des politischen Konsums als zusätzliche Partizipationsform.
Schlüsselwörter
Postdemokratie, Colin Crouch, Demokratieverständnis, politische Partizipation, Ökonomisierung, Globalisierung, Parteien, Interessengruppen, NGOs, Medien, öffentlicher Sektor, Klassenstruktur, Rechtsruck, politischer Konsum, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das von Colin Crouch entwickelte Konzept der Postdemokratie, um zu verstehen, warum westliche Demokratien im 21. Jahrhundert an Substanz und Funktionalität verlieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören der Einfluss von Unternehmen auf die Politik, die Krise der Volksparteien, die Rolle der Massenmedien und die abnehmende Partizipation der Bürger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Dynamiken der postdemokratischen Entwicklung zu durchleuchten und Ansätze zu finden, wie politische Teilhabe und demokratische Ideale gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Auseinandersetzung mit der soziologischen Fachliteratur von Colin Crouch, ergänzt durch eine eigene Reflexion der Autorin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Indikatoren der Postdemokratie, wie etwa der Macht von Lobbys, dem Rückbau des Sozialstaates und der medialen Verkürzung politischer Debatten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Postdemokratie, ökonomische Eliten, Partizipation, mediale Inszenierung, Klassenwandel und zivilgesellschaftliches Engagement.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Parteien?
Die Autorin sieht in Parteien weiterhin das wichtigste Instrument für eine großflächige Artikulation von Bürgerinteressen, mahnt jedoch an, dass sie sich wieder stärker auf die Probleme der Arbeitswelt konzentrieren müssen.
Was versteht die Autorin unter der "dritten Dimension" der Einflussnahme?
Sie führt den "politischen Konsum" ein, bei dem Bürger durch ihre Kaufentscheidungen bei jedem Erwerb eine politische Wahl treffen und so indirekt die Produktionsbedingungen beeinflussen können.
- Arbeit zitieren
- Daniela Schröder (Autor:in), 2009, Post-Demokratie nach Crouch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231857