Bereits seit vielen Jahren gibt es seitens der Öffentlichkeit massive Kritik an fehlenden Kompetenzen bei nach schulischen Maßstäben eigentlich ausreichend ausgebildeten Schulabgängerinnen und Schulabgängern. Die Gründe hierfür werden neben der Anhäufung von trägem Wissen durch lehrerzentrierten Frontalunterricht auch in der erdrückenden Flut permanenter Leistungsbeurteilungen vermutet.
Im Zuge einer umfassenden Neustrukturierung von Schule, hin zu mehr Selbstbestimmtheit für Schülerinnen und Schüler wurden auch auf den wissenstheoretischen Annahmen des Konstruktivismus aufbauende Methoden zur Reformierung des Unterrichts populär. Hierzu zählt auch das nicht selten als Allheilmittel propagierte Portfolio-Konzept, welches den Fokus nur bedingt auf das abschließende Lernergebnis legt, sondern darüber hinaus versucht, auch den Prozess des Lernens, sowie die Person des Schülers und der Schülerin stärker zu berücksichtigen. Entgegen anfänglichen Vermutungen steckt hinter dem Portfolio-Konzept nicht lediglich eine alternative Methode zur Leistungsbeurteilung, sondern tatsächlich wird es inzwischen als Konzept zur Reformierung des bisherigen schulischen Unterrichts gehandelt.
Im Rahmen der Hausarbeit wird daher zunächst das Portfolio-Konzept beschrieben und dessen Möglichkeiten, insbesondere mit Hinblick auf seinen Einsatz im schulischen Religionsunterricht erläutert. Dabei werden ebenso mit dem Porftolio-Konzept zusammenhängende Falschannahmen und Kritik näher beleuchtet und Lösungsansätze hierfür aufgezeigt. Anschließend wird anhand eines Beispiels der Portfolio-Einsatz im Religionsunterricht der beruflichen Schule dargestellt. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit, in dem sowohl die theoretischen als auch die anhand des Praxisbeispiels dargestellten Möglichkeiten hinsichtlich ihres Potentials für eine Verbesserung des Religionsunterrichts reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Einsatz von Portfolios im Religionsunterricht
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Vor- und Nachteile des Portfoliokonzepts
2.3 Besondere Eignung des Portfolio-Konzepts für den Religionsunterricht
3. Konzept eines Halbjahres-Portfolios zum „Interreligiösen Lernen“
3.1 Übergeordnetes Thema des Portfolios
3.2 Aufgaben und Stundenplanung mit Hinblick auf das Portfolio
3.3 Bewertung des Portfolios
3.4 Inhaltliche und Methodische Kompetenzen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz des Portfolio-Konzepts im schulischen Religionsunterricht, insbesondere mit Blick auf das Thema „Interreligiöses Lernen“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Portfolio als alternatives Instrument der Leistungsbewertung dazu beitragen kann, den Unterricht reformorientiert zu gestalten, die Selbstbestimmung der Lernenden zu fördern und das Machtverhältnis zwischen Lehrkraft und Schülerschaft konstruktiv zu verändern.
- Theoretische Fundierung des Portfolio-Konzepts und dessen Übertragbarkeit auf den Religionsunterricht.
- Analyse der Vor- und Nachteile sowie der besonderen Eignung von Portfolios für interreligiöse Lernprozesse.
- Praktische Konzeption eines Halbjahres-Portfolios inklusive Aufgabenstellung und Stundenplanung.
- Entwicklung von Kriterien zur transparenten und schülerorientierten Bewertung.
- Reflexion über inhaltliche und methodische Kompetenzzuwächse bei den Lernenden.
Auszug aus dem Buch
2.3 Besondere Eignung des Portfolio-Konzepts für den Religionsunterricht
Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Anwendung des Portfolio-Konzepts dort besonders geeignet ist, wo die Beziehung zwischen Schülerschaft und Lehrkraft auf einer Ebene gegenseitiger Anerkennung verläuft und wo folglich auch das Machtverhältnis möglichst horizontal verläuft. Gerade der Religionsunterricht scheint hierfür prädestiniert zu sein, da für einen gelungenen Religionsunterricht die Lehrer-Schüler-Beziehung ohnehin von besonderer Bedeutung ist. Obwohl eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung in jedem Unterrichtsfach zur Qualität des Lernens beiträgt, ist es gerade im Religionsunterricht entscheidend, ob „bestimmte Impulse das Interesse der Klasse finden“. Der Religionslehrer ist daher angehalten, die Lernenden nicht auf dem Hintergrund vorgegebener Inhalte und Erwartungen lediglich als defizitär-religiöse Objekte wahrzunehmen, sondern sie in ihrem Anders-Sein zu achten: „Der so den Schülerinnen und Schülern entgegengebrachte Respekt, der zunächst einmal eine Bringschuld der Lehrkraft darstellt, schlägt sich auf das Unterrichtsklima nieder. Nur in einer angenehmen, von gegenseitigem Respekt geprägten Lernumgebung, in der sich die einzelnen Unterrichtsteilnehmer öffnen und vorhandene Probleme und/oder Fragen thematisieren, ohne Angst haben zu müssen, deshalb zum Außenseiter zu werden.“ Gerade dies geschieht bei der Portfolio-Arbeit in besonderem Maße, weshalb sich die Ziele des Portfolio-Konzepts und des Religionsunterrichts außerordentlich ergänzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik an schulishen Lernprozessen und führt das Portfolio-Konzept als reformorientierten Ansatz ein, der den Lernprozess und die Subjektivität der Lernenden stärker in den Fokus rückt.
2. Der Einsatz von Portfolios im Religionsunterricht: Dieses Kapitel definiert den Portfolio-Begriff, erörtert dessen Vor- und Nachteile im schulischen Kontext und begründet die spezifische Eignung für das Fach Religion.
3. Konzept eines Halbjahres-Portfolios zum „Interreligiösen Lernen“: Hier wird ein konkreter Praxisentwurf vorgestellt, der die thematische Ausrichtung, die Aufgabenstruktur, die Bewertungsmodalitäten sowie die angestrebten Kompetenzen detailliert darlegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie durch den Einsatz von Portfolios eine stärkere Augenhöhe zwischen Lehrenden und Lernenden erreicht werden kann und wie dies den Bildungsauftrag des Religionsunterrichts legitimiert.
Schlüsselwörter
Portfolio, Religionsunterricht, Interreligiöses Lernen, Konstruktivismus, Leistungsbewertung, Schülerorientierung, Selbstbestimmung, Kompetenzraster, Unterrichtsreform, Lehrer-Schüler-Beziehung, Methodenkompetenz, Schulisches Lernen, Fachdidaktik, Reflexion, Zielvereinbarung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz und die didaktische Eignung von Portfolios als alternatives Instrument zur Leistungsbewertung im Fach Religionsunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Anwendung von Portfolios, die Chancen und Herausforderungen für den Schulalltag sowie die spezifische Verzahnung mit dem interreligiösen Lernen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Portfolio-Konzept durch eine horizontale Machtstruktur und die Förderung von Selbstbestimmung den Religionsunterricht positiv verändern und zu einer lebendigen Lernkultur beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf einer fundierten Literaturrecherche basiert und durch ein konkretes Praxisbeispiel für einen Halbjahreskurs ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Portfolioarbeit, eine spezifische Begründung für den Religionsunterricht sowie die detaillierte Ausarbeitung eines exemplarischen Halbjahres-Portfolios zum interreligiösen Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Portfolio-Konzept, interreligiöses Lernen, Lernenden-Subjektivität, konstruktivistischer Unterricht und alternative Leistungsbewertung charakterisiert.
Wie wird das Portfolio im interreligiösen Kontext konkret bewertet?
Die Bewertung ist transparent und dreigeteilt: Sie umfasst Pflichtaufgaben, einen wählbaren Teil mit 40% Gewichtung sowie eine abschließende Präsentation und Ausarbeitung, die 60% der Endnote ausmachen.
Welche Rolle spielt die „Augenhöhe“ zwischen Lehrkraft und Schülerschaft?
Die Augenhöhe ist essenziell, da sie Ängste abbaut und eine Lernumgebung schafft, in der die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Positionen reflektieren können, ohne als „defizitär“ wahrgenommen zu werden.
- Arbeit zitieren
- Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor:in), 2012, Der Einsatz eines Portfolios im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231216