Nach dem Auslaufen des Besatzungsstatuts Deutschlands, wurden am 6. Juni 1955 die „Bonner Verträge“ geschlossen, um eine Grundlage für das weitere Fortbestehen und eine veränderte Organisationsstruktur des International Tracing Services zu schaffen. Es wurde die Einrichtung eines Internationalen Ausschusses beschlossen. Dieser sollte die weiteren Tätigkeiten des ITS überwachen [...]
Inhaltsverzeichnis
1. ITS
a) Die Entstehung des internationalen Suchdienstes
b) Leitung und Organisationsstruktur
2. Dokumentenbestand und Quellenwert
3. Funktionswandel des ITS
4. Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Transformation des International Tracing Service (ITS) von einem reinen Suchbüro zu einem bedeutenden wissenschaftlichen Archiv. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Bestandsstrukturen, der organisatorischen Veränderungen sowie der Neuausrichtung des Archivs im Kontext von Forschung und öffentlicher Zugänglichkeit.
- Historische Genese des International Tracing Service seit 1943
- Strukturelle und organisatorische Leitung durch den Internationalen Ausschuss
- Kategorisierung und wissenschaftlicher Quellenwert der Archivbestände
- Funktionswandel der Einrichtung von der humanitären Hilfe zum Forschungsarchiv
- Zukunftsperspektiven und Herausforderungen der Archivarbeit im 21. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3. Funktionswandel des ITS
Das heutige Leitbild des ITS besagt: „Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen dient Opfern der Naziverfolgung und deren Angehörigen, indem er ihr Schicksal mit Hilfe seiner Archive dokumentiert. Der ITS bewahrt diese historischen Zeugnisse und macht sie der Forschung zugänglich.”4 Vergleicht man dieses Leitbild mit den Zielsetzungen der Bonner Verträge, kann man feststellen, dass sich das Aufgabengebiet des Suchdienstes verändert hat. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Funktion des ITS im Laufe der letzten Jahrzehnte stark gewandelt hat.
Zunächst erweiterte sich das Aufgabenfeld der Einrichtung in den ersten Jahren nach ihrer Gründung von einem alliierten Verschollenensuchdienst zu einer Betreuungseinrichtung für unmittelbar Betroffene. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Tätigkeit des Suchbüros international ausgeweitet, um in den folgenden Jahren Familienzusammenführungen zu ermöglichen und weitere Suchfälle zu bearbeiten. Daraufhin entwickelte sich der Suchdienst „zu einer zentralen Anlaufstelle für Wiedergutmachungsbehörden, Entschädigungskammern, Gerichte, Nachlassverwalter und Angehörige, die die Beurkundung von Todesfällen beantragten.“5
Zusammenfassung der Kapitel
1. ITS: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Dienstes als Suchbüro der Alliierten ab 1943 sowie die spätere Leitung durch internationale Organisationen und das IKRK.
2. Dokumentenbestand und Quellenwert: Hier werden die fünf Hauptgruppen der Archivbestände nach Jan Erik Schulte klassifiziert und deren jeweiliger Nutzen für die historische Forschung bewertet.
3. Funktionswandel des ITS: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung des ITS von einer humanitären Such- und Betreuungseinrichtung hin zu einem wissenschaftlich genutzten Großarchiv.
4. Ausblick: Das Kapitel thematisiert die laufenden Umstrukturierungsprozesse sowie die zukünftigen Anforderungen an die Archivarbeit und internationale Kooperationen.
Schlüsselwörter
International Tracing Service, ITS, Bad Arolsen, NS-Verfolgung, Suchdienst, Archivgeschichte, Zwangsarbeit, Wiedergutmachung, historische Forschung, Dokumentenbestand, Bonner Verträge, Digitalisierung, Opferhilfe, IKRK, Quellenwert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit zeichnet die Entwicklung des International Tracing Service (ITS) von seiner Gründung durch die Alliierten bis zu seiner heutigen Funktion als wissenschaftliches Forschungsarchiv nach.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die institutionelle Geschichte des ITS, die Klassifizierung der Archivdokumente, der humanitäre Auftrag sowie der Prozess der Öffnung für die Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Funktionswandel des ITS zu dokumentieren, der durch die Öffnung als Großarchiv und die veränderten Anforderungen an die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus bedingt war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Quellenberichten, offiziellen Leitbildern der Institution sowie der Fachliteratur (insb. von Dr. Jan Erik Schulte) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehungsgeschichte, eine detaillierte Auflistung der fünf Archiv-Quellengruppen und die Analyse der strukturellen Neuausrichtung des Archivs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind ITS, NS-Verfolgung, Archivbestände, Zwangsarbeiterentschädigung und die Transformation zum Großarchiv.
Warum wurde der ITS im Jahr 2006 als Großarchiv geöffnet?
Die Öffnung war eine Reaktion auf die verstärkte Kritik an der bisherigen Abschottung der Bestände, insbesondere im Kontext der Nachweiserstellungen für ehemalige Zwangsarbeiter, und der Erkenntnis, dass der ITS auch einen Wert für die historische Forschung besitzt.
Welche Rolle spielt der Standort Bad Arolsen?
Bad Arolsen wurde aufgrund der zentralen Lage in Deutschland und der vorhandenen Infrastruktur als Sitz des Suchdienstes gewählt und beherbergt bis heute das Archiv.
Warum sind die „Nachkriegszeit-Dokumente“ laut Schulte schwierig auszuwerten?
Diese Dokumente basieren zu einem großen Teil auf Selbstauskünften der Betroffenen, was deren Verlässlichkeit für wissenschaftliche Analysen im Vergleich zu amtlichen Dokumenten einschränkt.
Wie hat sich die Arbeit des Suchdienstes in Bezug auf Angehörige verändert?
Während früher die Hilfe zur Familienzusammenführung und die Unterstützung bei Entschädigungsfragen im Vordergrund standen, liegt heute ein stärkerer Fokus auf der Dokumentation von Schicksalen und der Bereitstellung von Informationen für die Forschung.
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- Anna Poppen (Author), 2008, Vom Suchbüro zum Großarchiv: Die Geschichte des ITS, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230247