Innerhalb der wissenschaftlichen Debatten ist bisher sehr massiv auf die Leitung und Gleichschaltung der Presse im Dritten Reich eingegangen worden. Eine Betrachtung der Presseinhalte wurde allerdings nur an wenigen Punkten betrieben. Das diese Inhalte einer Betrachtung nicht lohnen würden, konnte durch Peter Longerich1 bereits widerlegt werden. In seinen Betrachtungen zur Bevölkerungsmeinung der Jahre 1933-1945 hinsichtlich der Judenverfolgungen, für die er auch die Presseechos der Zeit analysierte, kam er zu der Schlussfolgerung, dass die Bevölkerungsmeinung bis zum Kriegsbeginn durchaus eine Differenzierte war. Wichtig anzumerken ist dabei, dass Longerich die Ignoranz einiger Journalisten gegenüber den Presseanweisungen der Regierung nicht etwa auf bewussten Widerstand zurückführte, sondern auf mangelnden Enthusiasmus.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Anmerkungen zu Quellen und Autor
III. „Pakt mit Moskau“ – die Darstellung im Völkischen Beobachter
IV. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht, wie der Hitler-Stalin-Pakt in der nationalsozialistischen Presse, insbesondere im Völkischen Beobachter, öffentlich dargestellt und durch Propaganda gerechtfertigt wurde. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Argumentationsstrategie des Journalisten Theodor Seibert in seinem Leitartikel vom 23. August 1939.
- Analyse der nationalsozialistischen Pressepolitik und Meinungssteuerung
- Untersuchung der inhaltlichen Rechtfertigung des Pakt-Abschlusses
- Historische Einordnung des Hitler-Stalin-Pakts im Kontext der NS-Propaganda
- Rolle des Einkreisungsmythos zur Akzeptanzsteigerung in der Bevölkerung
- Auswertung spezifischer journalistischer Argumentationsmuster
Auszug aus dem Buch
III. „Pakt mit Moskau“ – Darstellung im Völkischen Beobachter
Am Mittwoch dem 23. August 1939 erschien der Völkische Beobachter mit der großen Überschrift auf dem Titelblatt „Polen konzentrierte Truppen an den Grenzen“. Erst im zweiten Teil der Überschrift las man etwas von einem deutsch-sowjetischen Bündnis. Der Völkische Beobachter schrieb hier „Völlige Überraschung der Umwelt durch den Pakt Berlin-Moskau“. Sofort bekam man dadurch den Eindruck, das Bündnis hätte etwas mit der vermeidlichen polnischen Truppenkonzentration an den deutschen Grenzen zu tun gehabt. Zu beiden Themen der Überschrift wurde jeweils ein Leitartikel abgedruckt, wobei der für diese Arbeit interessantere, jener von Dr. Theodor Seibert, unter der Überschrift „Pakt mit Moskau“ veröffentlicht wurde. Seibert beschrieb in dem Artikel wie in „völliger Unkenntnis“ man bis zum heutigen Tage gewesen sei. Er pries den Vertrag als das Ergebnis einer „kaltblütigen“ Diplomatie und als einen Schritt auf Hitlers Weg. Interessant ist auch, dass Seibert in seinem Artikel den Einkreisungsgedanken wieder aufgriff, den man der englischen Regierung schon öfter vorgeworfen hatte. Deutschland schließe eben „saubere Nichtangriffspakte anstatt einzukreisen“, so Seibert.
Trotz des Verbotes, den neuen Pakt Berlin-Moskau in irgendeiner Form weltpolitisch einzuordnen, wies Seibert darauf hin, dass eine sowjetisch-englische Annäherung aufgrund der Interessensdifferenzen von vorneherein zum Scheitern verurteilt worden wäre. Damit widerspricht er nicht nur der bereits erwähnten Presseanweisung, sondern impliziert damit, dass die deutsch-sowjetische Annäherung auf gleichen Interessen beruhen musste. Das Seibert selbst sich eben nicht an die Presseanweisungen der Obrigkeit hält ist dabei nicht zu verkennen. Trotz ausdrücklichem Verbot ordnete Seibert den Pakt weltanschaulich ein. Die sowjetisch– englische Annährung habe nicht gefruchtet, da dort versucht worden wäre vollkommen unterschiedliche Interessen zu verbinden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die wissenschaftliche Debatte um die Gleichschaltung der NS-Presse ein und definiert die Fragestellung nach der Darstellung und propagandistischen Rechtfertigung des Hitler-Stalin-Pakts.
II. Anmerkungen zu Quellen und Autor: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Primärquelle, konkret der Norddeutschen Ausgabe des Völkischen Beobachters vom 23. August 1939, sowie die Bedeutung des Autors Theodor Seibert.
III. „Pakt mit Moskau“ – die Darstellung im Völkischen Beobachter: Hier erfolgt die detaillierte inhaltliche Analyse des Artikels von Theodor Seibert und wie dieser den Pakt trotz widersprüchlicher Presseanweisungen rechtfertigte.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die drei zentralen Argumentationssäulen Seiberts – historisch, wirtschaftlich und ideologisch – zusammen und bewertet die Wirkung des Einkreisungsmythos auf die Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Hitler-Stalin-Pakt, Völkischer Beobachter, NS-Propaganda, Theodor Seibert, Pressepolitik, Nationalsozialismus, Einkreisungsmythos, Außenpolitik, Ideologie, 1939, deutsch-sowjetische Beziehungen, Medienanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die publizistische Aufarbeitung des Hitler-Stalin-Pakts im nationalsozialistischen Parteiorgan Völkischer Beobachter am Beispiel eines Leitartikels von Theodor Seibert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die NS-Pressepolitik, die propagandistische Rechtfertigungsstrategie totalitärer Regime und die Wahrnehmung von außenpolitischen Bündnissen in der deutschen Öffentlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, wie durch spezifische journalistische Rhetorik ein ideologisch eigentlich konträres Bündnis als historisch logisch und wirtschaftlich vorteilhaft dargestellt wurde.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie den journalistischen Artikel mit dem historischen Kontext und den zeitgenössischen offiziellen Presseanweisungen abgleicht.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Argumentationsstruktur des Journalisten Theodor Seibert, insbesondere hinsichtlich historischer Bezüge zu Bismarck und der strategischen Nutzung des Einkreisungsnarrativs.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Propaganda, Indoktrination, journalistische Freiheit im NS-Staat, Bündnispolitik und Öffentlichkeitsarbeit sind zentrale Begriffe.
Warum spielt der Journalist Theodor Seibert eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Seibert gilt als einer der wenigen Russlandexperten in der Redaktion und wich in seinem Leitartikel nachweislich von den offiziellen Presseanweisungen ab, was ihn zu einem interessanten Untersuchungsobjekt macht.
Wie wurde das Bündnis mit der Sowjetunion ideologisch vor der Bevölkerung legitimiert?
Indem es nicht als ideologische Annäherung, sondern als historisch begründete Wiederherstellung normaler zwischenstaatlicher Verhältnisse und als notwendige Antwort auf die befürchtete Einkreisung durch die Westmächte gerahmt wurde.
- Arbeit zitieren
- Udo Morosov (Autor:in), 2010, Der Hitler-Stalin-Pakt und dessen Darstellung im Völkischen Beobachter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230004