Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem elementaren Thema der Bildungsgeschichte Europas, dem Humanismus. Diese in Italien entstandene Entwicklung hatte im Laufe der Zeit ganz Europa erreicht und entscheidend verändert. Diese Arbeit wird sich damit beschäftigen, wie der Humanismus seinen Weg in die nordalpinen Territorien fand, welche Hindernisse er dabei zu bewältigen hatte und welche Veränderungen die Bildungsreform in den jeweiligen Ländern durchmachte. Dabei wird hier näher auf die Entwicklungen in Deutschland eingegangen und andere nordalpine Länder wie beispielsweise Frankreich und England eher marginal beleuchtet.
Die Arbeit ist in fünf Abschnitte gegliedert. Zunächst werden in dieser Einleitung das Thema, die Gliederung und die verwendete Literatur dargelegt, woraufhin im zweiten Punkt die Voraussetzungen geklärt werden. Dabei wird es darauf ankommen, die Geschichte des Humanismus kurz darzulegen und die Kulturunterschiede zwischen Italien und Deutschland zu verdeutlichen.
Im Punkt drei, dem eigentlichen Hauptteil der Arbeit, wird dann der Humanismus in Deutschland näher erklärt. Außerdem werden anhand zweier Beispiele, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien erörtert.
Der letzte Teil der Arbeit behandelt noch einmal den deutschen Humanismus in seiner weiteren Entwicklung während der Reformation. Denn genau dort greift er ganz entschieden in die Verhältnisse ein und stellt sich nicht selten gegen die Obrigkeit der Kirche. Anhand zweier Satiren, den "Dunkelmännerbriefen" und dem "Enteckten Eck", wird dies versucht, deutlich zu machen, woraufhin der fünfte Punkt den Abschluss der Arbeit und einen Ausblick für die weitere Beschäftigung mit diesem Thema bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen
2.1. Die Geschichte des Humanismus
2.2. Die höfische Kultur im späten Mittelalter
2.3. Die italienische Stadtverwaltung
3. Humanismus nördlich der Alpen
3.1. Der Humanismus in Deutschland
3.2. Machiavelli über La Magna
3.3. Humanistische Symbiose zwischen Deutschland und Italien
4. Humanismus und Reformation in Deutschland
4.1. Dunkelmänner
4.2. Eckius dedolatus
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ausbreitung des Humanismus von Italien in die nordalpinen Territorien, insbesondere nach Deutschland, und analysiert dabei die kulturellen Hindernisse, die wechselseitigen Beziehungen sowie den direkten Einfluss der humanistischen Bewegung auf die Reformation.
- Entwicklung des Humanismus als Bildungsbewegung in Europa.
- Kontrast zwischen italienischer Stadtkultur und der höfischen Kultur im Norden.
- Die Rolle Deutschlands als Zentrum des nordalpinen Humanismus.
- Wechselseitiger Kulturtransfer zwischen Deutschland und Italien (z. B. Buchdruck).
- Kritik und Polemik: Humanistische Satiren im Kontext der Reformation.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Humanismus in Deutschland
Als Enea Silvio Piccolomini im Jahre 1432 nach Basel kam, um als Sekretär des Kardinals Domenico Capranica am Baseler Konzil teilzunehmen, fiel ihm auf, dass die deutschen „den Namen Cicero nie gehört“ hätten und er selbst auch noch keinen „Hauch von den studia humanitatis verspürt“ hätte. Auch an der Universität Wien beschäftigte man sich lieber mit der „unfruchtbaren Dialektik“ und eben nicht mit Rhetorik und Poetik. Kurz gesagt: Der Humanismus war in den frühen Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts noch nicht über die Alpen herübergekommen und bedurfte ebensolcher gebildeter Leute wie Enea Silvio, um langsam auch dort eingeführt zu werden. Denn Enea Silvio hielt die Deutschen durchaus als bildungsfähig und gab sich alle Mühe, den Humanismus in Deutschland einzusetzen, weshalb er sich auch als „Apostel des Humanismus in Deutschland“ sah. Er ließ ausgewählten Universitäten einige seiner Schriften zukommen und machte Basel ein enormes Geschenk, als er der Stadt zu seinem Amtsantritt als Papst Pius II. im Jahre 1459 eine Universität gründete.
Zu dieser Zeit machte sich auch ein Ansturm auf italienische Universitäten erkennbar. Padua, Bologna, Pavia, Siena und Perugia erfreuten sich größter Beliebtheit bei Studenten aus Deutschland, die dort Medizin, Theologie und vor allem Jurisprudenz studieren wollten. Prominente Vertreter waren Rudolf Agricola, Albrecht von Eyb, Willibald Pirckheimer – der später noch wichtig werden wird – Konrad Celtis und Konrad Peutinger. Es ließ sich folglich überhaupt nicht vermeiden, dass die deutschen Studenten in Italien in den Kontakt mit den studia humanitatis kamen. Oft studierten sie ihr eigentliches Fach und widmeten sich später noch den alten Schriften, die sie schließlich zum Teil auch mit nach Deutschland brachten, um nach dem Sinne otium cum litteris auch weiterhin die humanistischen Schriften zu pflegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Bildungsgeschichte, die Gliederung der Arbeit sowie die Vorstellung der verwendeten Literatur.
2. Voraussetzungen: Erörterung der Ursprünge des Humanismus in Italien und die Abgrenzung der höfischen Kultur sowie der Stadtverwaltungen in Europa.
3. Humanismus nördlich der Alpen: Analyse der Rezeption des Humanismus in Deutschland und der wechselseitigen intellektuellen Beziehungen zu Italien.
4. Humanismus und Reformation in Deutschland: Untersuchung des Einflusses humanistischer Polemik auf die Reformation anhand der Werke Dunkelmännerbriefe und Eckius dedolatus.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über den Humanismus als treibende Kraft im gesellschaftlichen Wandel der Reformation.
Schlüsselwörter
Humanismus, Renaissance, Bildungsgeschichte, studia humanitatis, Deutschland, Italien, Reformation, Dunkelmännerbriefe, Eckius dedolatus, Kulturtransfer, Rhetorik, Willibald Pirckheimer, Enea Silvio Piccolomini, Satire, Buchdruck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Ausbreitung des Humanismus als Bildungsbewegung von Italien in die nordalpinen Regionen, speziell nach Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Kulturtransfer zwischen Italien und dem Reich, der Wandel von Bildungsidealen sowie die Rolle humanistischer Schriften in der Reformationszeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie der Humanismus in Deutschland Fuß fasste, welche Hindernisse überwunden wurden und inwiefern er die Reformation polemisch begleitete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der interpretativen Untersuchung historischer Primärtexte und Satiren des 15. und 16. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der deutsche Humanismus, die Beziehungen zu italienischen Städten wie Venedig und die satirische Auseinandersetzung mit der Kirche im Vorfeld der Reformation analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Humanismus, Renaissance, Reformation, Kulturtransfer, Nordalpen, Polemik und Bildungsprogrammatik.
Welche Rolle spielt Machiavelli in der Untersuchung?
Machiavelli dient als Fallbeispiel für die Sichtweise eines italienischen Humanisten auf Deutschland (La Magna) und zeigt die Idealisierung der Deutschen als Kontrast zur italienischen Realität.
Warum wird der "Eckius dedolatus" als Beispiel angeführt?
Das Werk dient als Beleg für den Übergang von theoretischer Bildung zur aktiven polemischen Satire im Kontext des Reformationsstreits gegen Johannes Eck.
- Arbeit zitieren
- B.A. Alexander Batzke (Autor:in), 2010, Humanismus nördlich der Alpen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229702